Bis
Merlin am 26.11.2005 nach elf Uhr abends nochmal rauswollte -
er trommelt dann dauernd gegen die Scheiben und "mault"
mit tiefer Stimme. Morgens hatte es leicht geschneit und kein
Merlin war im Garten. Nach einer ohnehin unruhigen Nacht die sofortige
Suche, Rufen, immer wieder in Innenhof und Garten schauen. Nächte
fast ohne Schlaf folgen, bei jedem Geräusch hochschrecken,
zur Tür rennen, wenn im Innenhof Licht angeht, was morgens
beispielsweise durch ganz normale Zeitungsausträger ausgelöst
wird. Suchen, dick eingemummt, mit Aspirin C "gedopt",
weil man sich beim Schauen und Rufen in Garten / Innenhof nicht
jedesmal warm verpackt und daher leicht verkühlt. Merlin
wird bei www.tierschutzinwien.at
verloren gemeldet, auch bei www.tiersuche.at
eingetragen und schließlich entdecke ich die Tiersuche bei
tierfreund.at,
www.bauxerl.at.tf
und bei den Vier
Pfoten unter "Kampagnen".

Ich
maile an private Tierschutzinitiativen und -Tierheime, bekomme
beim Katzenheim
Freudenau den Tipp, im Wiener Tierschutzhaus lieber sicherheitshalber
selber alle Katzen anzusehen. Außerdem riefen dort auch
Leute an, die ein Tier finden und nicht ins Tierheim geben, sodass
ich mich auch nach diesen Katzen erkundigen soll. Und es kann,
gerade um Weihnachten herum, wo viele Menschen ihre Tiere loswerden
wollen oder aussetzen, auch zu Verwechslungen kommen, obwohl Merlin
mit einem Chip auf der "sicheren Seite" sein sollte.
Auf der Suche nach einer Mailadresse der Notambulanz der Veterinärmedizin
- die zwar räumlich weit weg liegt von uns, doch wer eine
Katze zu ungewöhnlichen Zeiten findet und keinen Tierarzt
hat, geht mit ihr vielleicht dorthin - sehe ich den Hinweis, dass
es zwei Datenbanken für Mikrochipnummern gibt.

Merlin
ist bei Animal
Data registriert, und die tun so, als wäre damit
alles geritzt. Was aber, wenn ein Tierarzt nur bei Animal
Control nachsieht? Zwar sucht petmaxx.com
in verschiedenen Datenbanken, aber ich versuche, ihn auch bei
Animal Control zu registrieren. Da muss man auch erstmal draufkommen!
Bezüglich Chip wurde ich auch überall darauf hingewiesen,
dass Merlin ja doch ein schöner und auffälliger Kater
ist, sodass gut sein kann, jemand möchte ein "gutes
Werk" tun und behält den "armen, ausgesetzten Streuner"
OHNE zum Tierarzt zu gehen, der den Chip schon beim Abtasten spüren
müßte. Also muss ich auch "konventionell"
suchen mit Zetteln, die in einem immer größeren Gebiet
hängen, je mehr Zeit vergeht. Merlin war anfangs sicher noch
in der Nähe, aber wie soll ich nach zwei, drei Wochen noch
daran glauben? Beim Absuchen des Landschaftsschutzgebietes durchstreife
ich selbst in der vierten Woche noch neue Bereiche, dabei dauert
jede meiner Touren zwischen einer und zwei Stunden.

eins
meiner Lieblingsbilder; Merlin mit Kumpel Athos
Natürlich
sind immer Zettel dabei, die ich inzwischen "professionell"
verklebe: schmale Streifen, drei auf einer A 4-Seite kopiert,
zwei Fotos, kurzer Text, diese mit gutem Klebeband um Säulen
"gewickelt" und auf Sitzbank-Lehnen affichiert. Oft
ist das ein "Härtetest", wenn eisiger Wind weht
und ich Straßen entlanggehe, die Zettel strategisch gut
platziere. Eigentlich müßte ich schon informiert sein,
wenn Merlin von jemandem gefunden wurde, denn die Wiener Gratiszeitung
"heute" war so nett, eine kleine Notiz mit dem "Lieblingsbild"
zu bringen, und in der Tierecke der "Kronen Zeitung"
war ein kurzer Text. Ich erhielt Anrufe mit Hinweisen auf einen
grauen Kater, der in Liesing gefunden wurde, jedoch ein Kartäuser
ohne weiße Flecken ist. Das ist gar nicht mal so enttäuschend,
denn somit ist recht unwahrscheinlich, dass Merlin gefunden wurde
und ich davon noch nicht erfahren habe.

Im
Tierheim
durfte ich sogar die Quarantäne-Katzen sehen; Reihen um Reihen
von Käfigen teilweise mit Wärmelampen, in denen sich
Katzen von ihrem Schock erholen. Sie wurden verirrt oder ausgesetzt
gefunden, was auf die meisten zutrifft, oder von Ex-"Besitzern"
abgegeben. Zwei abgemagerte Siamkatzen, eine mit einem Verband
um den Hals, lassen sofort erkennen, dass sie aus schlechter Haltung
gerettet wurden. Bereits vor Weihnachten sind die Kapazitäten
ausgeschöpft, was sich leicht erklärt: so wurden 40
Katzen aus einer 50 Quadratmeter-Wohnung mit Kot zentimeterhoch
befreit, da die "Besitzerin" eine tätliche Auseinandersetzung
mit ihrem Lebensgefährten hatte und so die Polizei Zutritt
bekam. Auch außerhalb des Tierheims werden Katzen gerettet
und zum Teil sogar rasch vermittelt, wie zwei acht Wochen alte
Kätzchen, die jemand bei Schnee in meinem Wohnbezirk ausgesetzt
hatte. Oft sind es auch "ältere" Tiere, die auf
Einzelplätze sollen, weil ihre bisherigen "Besitzer"
sie nicht mehr versorgen können oder wollen. Haben die denn
eine Chance? Die kann ja niemand dazunehmen, der schon Katzen
hat....Athos, hier im ersten Schnee, vermißt seinen Freund
sehr, er lief immer morgens in den Garten, hoffte auch, mein Rufen
nach Merlin bedeute, dass er wirklich kommt.

Lange
saß er draußen in Wind und Kälte, Ausschau haltend,
wurde mit der Zeit auch "unrund", weil das Spielen mit
mir, Bällchen werfen und so, halt nichts ist gegen wilde
Katerspiele. Blume drehte kurze Runden, versuchte aber, mich zu
unterhalten, und kümmerte sich auch in den ersten Tagen ganz
rührend um mich. Sie ist ja nicht so die Kuschelkatze, schnurrte
aber in einem fort, rollte sich unter der Decke auf meinen Füßen
zusammen. Wo ist Merlin? All die Aktionen haben bislang nicht
die leiseste Spur gebracht; allenfalls habe ich andere wild lebende
Katzen aufgestöbert. Eine Tierkommunikatorin sprach telepathisch
mit Merlin, zehn Tage nach seinem Weggehen. Er liebt demnach die
Freiheit, ist ganz Katze, spürt sich, ist sehr gesund und
muskulös und macht reichlich Beute. Er hängt an seinem
Freund Athos, der "anders" ist als er, "brummig"
und "weich". Ich war immer gut zu ihm und er erinnert
sich gerne an lange Haare, die auf ihn herunterhängen, wenn
er sich einrollt und kräftig gestreichelt wird. Merlin hat
eine Aufgabe da draußen in der Wildnis, und ich soll mir
keine Sorgen machen, sondern selbst meine Wildheit und Freiheit
leben, mich nicht so sehr an Gebote halten. Je mehr ich das tue,
desto weniger wird er nach außen drängen. So schön
dies alles klingt, nach nunmehr genau 26 Tagen bin ich schon beunruhigt...
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