Merlin Anfang November 2005

Mit dem "kontrollierten" Freigang klappt es ein paar Monate lang super, wobei Merlin auf Rufen meist wie der Blitz kommt und sehr gerne mit mir draussen Fangen spielt, japsend davonläuft und sich dann laut schnurrend auf den Boden wirft. Als der erste Schnee fällt, kurz nachdem wir im November nochmal alle nachmittags im Garten sitzen konnten, mußten Blume und Merlin alles genau inspizieren. Sie checkten sofort, dass es ruhiger ist, weniger Leute den uns am nächsten Eingang zum Nachbarhaus benützen. Ein paar Tage zuvor wollte Blume mal die Nacht draußen verbringen, war in der Morgendämmerung im Garten. Nach dem bald wieder geschmolzenen ersten Schnee blieb Merlin zweimal nachts im Dickicht, sass um halb fünf beziehungsweise halb sechs vor der Terrassentür und warf sich drinnen schnurrend aufs Bett.

Bis Merlin am 26.11.2005 nach elf Uhr abends nochmal rauswollte - er trommelt dann dauernd gegen die Scheiben und "mault" mit tiefer Stimme. Morgens hatte es leicht geschneit und kein Merlin war im Garten. Nach einer ohnehin unruhigen Nacht die sofortige Suche, Rufen, immer wieder in Innenhof und Garten schauen. Nächte fast ohne Schlaf folgen, bei jedem Geräusch hochschrecken, zur Tür rennen, wenn im Innenhof Licht angeht, was morgens beispielsweise durch ganz normale Zeitungsausträger ausgelöst wird. Suchen, dick eingemummt, mit Aspirin C "gedopt", weil man sich beim Schauen und Rufen in Garten / Innenhof nicht jedesmal warm verpackt und daher leicht verkühlt. Merlin wird bei www.tierschutzinwien.at verloren gemeldet, auch bei www.tiersuche.at eingetragen und schließlich entdecke ich die Tiersuche bei tierfreund.at, www.bauxerl.at.tf und bei den Vier Pfoten unter "Kampagnen".

Ich maile an private Tierschutzinitiativen und -Tierheime, bekomme beim Katzenheim Freudenau den Tipp, im Wiener Tierschutzhaus lieber sicherheitshalber selber alle Katzen anzusehen. Außerdem riefen dort auch Leute an, die ein Tier finden und nicht ins Tierheim geben, sodass ich mich auch nach diesen Katzen erkundigen soll. Und es kann, gerade um Weihnachten herum, wo viele Menschen ihre Tiere loswerden wollen oder aussetzen, auch zu Verwechslungen kommen, obwohl Merlin mit einem Chip auf der "sicheren Seite" sein sollte. Auf der Suche nach einer Mailadresse der Notambulanz der Veterinärmedizin - die zwar räumlich weit weg liegt von uns, doch wer eine Katze zu ungewöhnlichen Zeiten findet und keinen Tierarzt hat, geht mit ihr vielleicht dorthin - sehe ich den Hinweis, dass es zwei Datenbanken für Mikrochipnummern gibt.

Merlin ist bei Animal Data registriert, und die tun so, als wäre damit alles geritzt. Was aber, wenn ein Tierarzt nur bei Animal Control nachsieht? Zwar sucht petmaxx.com in verschiedenen Datenbanken, aber ich versuche, ihn auch bei Animal Control zu registrieren. Da muss man auch erstmal draufkommen! Bezüglich Chip wurde ich auch überall darauf hingewiesen, dass Merlin ja doch ein schöner und auffälliger Kater ist, sodass gut sein kann, jemand möchte ein "gutes Werk" tun und behält den "armen, ausgesetzten Streuner" OHNE zum Tierarzt zu gehen, der den Chip schon beim Abtasten spüren müßte. Also muss ich auch "konventionell" suchen mit Zetteln, die in einem immer größeren Gebiet hängen, je mehr Zeit vergeht. Merlin war anfangs sicher noch in der Nähe, aber wie soll ich nach zwei, drei Wochen noch daran glauben? Beim Absuchen des Landschaftsschutzgebietes durchstreife ich selbst in der vierten Woche noch neue Bereiche, dabei dauert jede meiner Touren zwischen einer und zwei Stunden.

 
eins meiner Lieblingsbilder; Merlin mit Kumpel Athos

Natürlich sind immer Zettel dabei, die ich inzwischen "professionell" verklebe: schmale Streifen, drei auf einer A 4-Seite kopiert, zwei Fotos, kurzer Text, diese mit gutem Klebeband um Säulen "gewickelt" und auf Sitzbank-Lehnen affichiert. Oft ist das ein "Härtetest", wenn eisiger Wind weht und ich Straßen entlanggehe, die Zettel strategisch gut platziere. Eigentlich müßte ich schon informiert sein, wenn Merlin von jemandem gefunden wurde, denn die Wiener Gratiszeitung "heute" war so nett, eine kleine Notiz mit dem "Lieblingsbild" zu bringen, und in der Tierecke der "Kronen Zeitung" war ein kurzer Text. Ich erhielt Anrufe mit Hinweisen auf einen grauen Kater, der in Liesing gefunden wurde, jedoch ein Kartäuser ohne weiße Flecken ist. Das ist gar nicht mal so enttäuschend, denn somit ist recht unwahrscheinlich, dass Merlin gefunden wurde und ich davon noch nicht erfahren habe.

Im Tierheim durfte ich sogar die Quarantäne-Katzen sehen; Reihen um Reihen von Käfigen teilweise mit Wärmelampen, in denen sich Katzen von ihrem Schock erholen. Sie wurden verirrt oder ausgesetzt gefunden, was auf die meisten zutrifft, oder von Ex-"Besitzern" abgegeben. Zwei abgemagerte Siamkatzen, eine mit einem Verband um den Hals, lassen sofort erkennen, dass sie aus schlechter Haltung gerettet wurden. Bereits vor Weihnachten sind die Kapazitäten ausgeschöpft, was sich leicht erklärt: so wurden 40 Katzen aus einer 50 Quadratmeter-Wohnung mit Kot zentimeterhoch befreit, da die "Besitzerin" eine tätliche Auseinandersetzung mit ihrem Lebensgefährten hatte und so die Polizei Zutritt bekam. Auch außerhalb des Tierheims werden Katzen gerettet und zum Teil sogar rasch vermittelt, wie zwei acht Wochen alte Kätzchen, die jemand bei Schnee in meinem Wohnbezirk ausgesetzt hatte. Oft sind es auch "ältere" Tiere, die auf Einzelplätze sollen, weil ihre bisherigen "Besitzer" sie nicht mehr versorgen können oder wollen. Haben die denn eine Chance? Die kann ja niemand dazunehmen, der schon Katzen hat....Athos, hier im ersten Schnee, vermißt seinen Freund sehr, er lief immer morgens in den Garten, hoffte auch, mein Rufen nach Merlin bedeute, dass er wirklich kommt.

Lange saß er draußen in Wind und Kälte, Ausschau haltend, wurde mit der Zeit auch "unrund", weil das Spielen mit mir, Bällchen werfen und so, halt nichts ist gegen wilde Katerspiele. Blume drehte kurze Runden, versuchte aber, mich zu unterhalten, und kümmerte sich auch in den ersten Tagen ganz rührend um mich. Sie ist ja nicht so die Kuschelkatze, schnurrte aber in einem fort, rollte sich unter der Decke auf meinen Füßen zusammen. Wo ist Merlin? All die Aktionen haben bislang nicht die leiseste Spur gebracht; allenfalls habe ich andere wild lebende Katzen aufgestöbert. Eine Tierkommunikatorin sprach telepathisch mit Merlin, zehn Tage nach seinem Weggehen. Er liebt demnach die Freiheit, ist ganz Katze, spürt sich, ist sehr gesund und muskulös und macht reichlich Beute. Er hängt an seinem Freund Athos, der "anders" ist als er, "brummig" und "weich". Ich war immer gut zu ihm und er erinnert sich gerne an lange Haare, die auf ihn herunterhängen, wenn er sich einrollt und kräftig gestreichelt wird. Merlin hat eine Aufgabe da draußen in der Wildnis, und ich soll mir keine Sorgen machen, sondern selbst meine Wildheit und Freiheit leben, mich nicht so sehr an Gebote halten. Je mehr ich das tue, desto weniger wird er nach außen drängen. So schön dies alles klingt, nach nunmehr genau 26 Tagen bin ich schon beunruhigt...

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