Baghira im Jänner 2006

Die Merlin-Suche findet real - immer weiter, zu Fuss und per Bus, bei fast jedem Wetter - und virtuell statt, in Rubriken wie "gefunden" oder "zu vergeben". Kann ja sein, dass jemand ihn findet, zuerst behalten und dann doch vergeben möchte. Dabei stolpere ich über ein Inserat, dass ein Mädchen zuwenig Zeit hat für einen Kater, den es im Sommer ausgesetzt und abgemagert in der Stadt gefunden hat. Bei den ersten Bildern bin ich sofort hingerissen, ein schlanker, schwarzer Kater vom orientalischen Typ ist es, genannt "Lurchi", weil er so gerne zu den Staubfutzeln unters Bett kriecht. Ich möchte Merlin noch etwas Zeit zur Rückkehr lassen, aber den "Neuen", wenn Merlin nicht kommt, vor Silvester nehmen, weil ich dann die Katzen wegen der Knallerei nicht mal in den Garten lasse.

Schließlich wird der Schwarze am 26. Dezember gebracht und macht seinem provisorischen Namen alle Ehre, da er sich unters Sofa flüchtet. Von dort wird alles angeknurrt, das neugierig nachschaut, auch ich. "Er ist nicht Merlin!" meine ich ein wenig enttäuscht, da der Kleine sich damals sofort von mir herumtragen liess. Bald kuschelt der Schwarze aber bei mir und nur mehr die Begegnungen mit den drei Katzen sind reserviert. Athos kommentiert alles lautstark, fast klingt es wie "du hast mir doch einen Spielgefährten versprochen!". Dieser da knurrt aber, was nicht Aggression, sondern Angst bedeutet. Auf freundliche Annäherung reagiert er mit erhobener Pfote, die auf dem Kopf der anderen Katze landet. Mit Blume war alles gleich klar, kommt er ihr zu nahe, zeigt sie kurz ihre Eckzähnchen, und die Sache ist gegessen.

Zunächst braucht er einen Namen, und da bietet sich Baghira an, nach schnellem Nachschauen im Internet, ob der Panther im Dschungelbuch wohl männlich war. "Baghi" hört auch sofort darauf, findet es also durchaus passend. Überhaupt ist er sehr wach und immer dabei, akzeptiert auch, wenn er etwas nicht darf, ohne viel zu quengeln. Er liebt, wie alle Orientalen, Körperwärme von Katzen und Menschen. Da Blume, CB und Athos eher nicht miteinander kuscheln, höchstens eng nebeneinander liegen, bleibt die Komponente Mensch übrig. Baghira kriecht jeden Abend mit unter die Bettdecke, lässt sich schnurrend streicheln mit Köpfchen auf Zweibeinerschulter. Freilich muss er dann wieder inspizieren, was sich sonst so in der Wohnung tut, legt sich jedoch bald wieder ins Bett, diesmal auf die Decke.


CB, Blume und Baghira

Da Baghira in seinem früheren Zuhause manchmal verschwand, um sich irgendwo in der Gegend wieder finden zu lassen, wurde ihm angewöhnt, an der Leine zu gehen. Wegen seines Freiheitsdrangs wollte die Familie einen Platz für ihn, wo er eventuell sicheren Freigang haben kann. Sicher war es schlimm, ausgesetzt und hungrig über die Schmelz, eine Grünfläche im 15. Bezirk zu irren, aber offenbar kam er dabei doch auf den Geschmack. Ich gehe mit ihm an der Leine im Innenhof herum, einschließlich Vögel beobachten, und auch mal draußen beim Dickicht. Dies auch deshalb, weil er Blumes Pfad ins Freie doch nach drei Wochen in einem unbeobachteten Moment entdeckt, wo gerade kein Topf davor steht, um dies zu vermeiden. Baghi checkt alles ab, weiter als Merlin und Blume beim ersten Ausflug, aber es ist auch Winter, eiskalt und niemand nachts unterwegs.

Als ich rausrenne, um ihn von außen zu holen, erklingt Kampfgeschrei durch die Nacht: Marder und Katzen geraten aneinander? Ich bin beruhigt, als ich draußen feststelle, dass es vom Golfplatz her kommt, während Baghi im sehr lichten Gebüsch sitzt. Er läßt sich brav hereintragen, sieht aufmerksam umher, steht nun erst recht unter Beobachtung. Offenbar verbindet er mit "Ausflug" nicht "Rückkehr auf dem Pfad, wo ich gekommen bin". Eine Woche darauf schafft er es wieder, ich finde ihm bei ersten Mal Rausrennen nicht, gehe dann das Dickicht weiter ab und sehe ihn genau dort, wo ich ihn schon einmal gefunden habe. Am nächsten Tag gibts wieder Innenhof mit Leine - und inzwischen ist es so kalt, dass selbst der neugierige Baghi nur ganz kurz in den Garten möchte. Mit Athos, der irgendwie schon sein Kumpel ist - wilde Katerspiele eingeschlossen....

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