Nachdem
es mit dem Sommer dauerte, können die Katzen Garten bzw. Dickicht
erst im Juni so richtig genießen. Dafür dann aber voll,
was besonders Baghira beweist, der sich mehr als eingelebt hat. Angeblich
brauchen Katzen, um erfolgreich zu jagen, einmal die mütterliche
Anleitung. Diese hat mein Halborientale, der mitten in Wien gefunden
wurde, wohl kaum genossen. Dennoch stellt er sich ziemlich geschickt
an, was ich mit gemischten Gefühlen aufnehme. Das Rausbringen
von Schlangen, die Baghi in die Wohnung schleppt, ist mittlerweile
schon Routine - es handelt sich um die einzige Beute, die ich ihm
wirklich wegnehmen kann. Immerhin ist eine Schlange etwas sperrig,
sodass Baghi sie hinlegen muss, ich zugreifen und das Tier retten
kann...

Athos
im Juni 2006
Baghi
liest ja leider keine Katzenbücher, dann wüßte er
nämlich, dass er deswegen Beute mitbringt, weil er mich für
eine schlechte Jägerin hält. Ans Teilen denkt er aber nicht
im Traum, knurrt er doch mit handlicheren Beutetieren im Maul auch
mich an. Bleibt nur, ihn ins Freie zu verweisen, wo Vögel durchaus
eine Chance haben, ihm noch zu entwischen. Mäuschen sind ihm
hingegen voll ausgeliefert, was sich selbst tagsüber beobachten
läßt bei diesen an sich nachaktiven Tieren. Er läßt
sie, wie Aufziehspielzeug, eine Weile herumflitzen und verspeist sie,
wenn er des Zeitvertreibs müde ist. Für mich bleibt nur,
derlei von fern zu beobachten, da er inzwischen gecheckt hat, dass
ich Beute in der Wohnung nicht so gern mag, ergo auch kein Mäuslein
retten kann.

Baghira
im April 2006
Einmal
brachte Baghira etwas rein, das dann alle andächtig betrachteten,
rührte es sich doch kaum. Es war ein winziger Mäuserich,
der noch nicht mal die Augen geöffnet hat und den ich mit Katzenmilch
und wärmender Schreibtischlampe durchzubringen versuchte. Ich
massierte den Kleinen auch, um seine Verdauung anzuregen, und er krabbelte
munter auf meiner Hand herum - leider starb er nach eineinhalb Tagen,
was bei unverletzten Beutetieren angeblich meistens der Fall ist.
Baghira döste inzwischen selig auf dem Bett und kuschelte sich
schnurrend an seine zwiespältige Zweibeinerin. Will mir lieber
nicht so genau vorstellen, was er dann so alles in seinem Magen hat
:-)

Baghi
ist, man sieht es, schon ein Prachtbursche geworden! Im Grunde kann
ich ihm für sein Jagen ja nicht böse sein, es ist nun mal
die Natur der Katzen. Faszinierend ist aber, wie er die "wilde"
Katze mit der mehr als zahmen kombiniert, die nichts mehr liebt als
ein weiches Bett. Ja, er fordert sogar beizeiten ein, dass endlich
das Bett bereitet wird, richtet sich vom Sofa aus auf und packt meine
Hand mit beiden Pfoten, wie ein Kind, das an der Hand zieht: Nun mach
doch endlich! Komm schon! Er flitzt übrigens meist wie der Blitz
heim, wenn ich rufe, während Blume dann erst recht erstmal nicht
kommt. Beziehungsweise durch den Türspalt hinauseilt, wenn ich
nur aufmache, um Baghi reinzurufen. Manchmal liegt sie ganz in der
Nähe in einer milden Nacht und läßt sich nur mit Leckerli-Bestechung
reinlocken...
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