Radballbericht von Heinz-Dieter Kuhlmann 

 

UCI-World-Cup-Finale 2009: Der 2. Triumpf für den RMV Altdorf

Zum letzten Male fand das UCI-World-Cup-Finale im folgenden Jahr statt, ab der Saison 2010 ist dieses Finale auf den 1. Sonnabend im Dezember terminiert. In der Chemnitzer Sachsenhalle bei sehr guter Kulisse über den gesamten Turnierzeitraum von 11 Stunden lieferten sich die 8 qualifizierten europäischen Mannschaften, Universität Osaka als Vertreter Asiens und per Wildcart das Heimteam vom HRV Chemnitz tolle Spiele. Am Ende triumphierten nach 2007 in Dornbirn/AUT der RMV Altdorf mit Roman Schneider und Dominik Planzer zum 2. Male, dank eines überzeugenden Sieges im Finalspiel gegen den SV Ehrenberg (Mike Pfaffenberger und Rico Rademann) mit 5:3 Toren.

Diese beiden Teams hatten in der Halle auch die meisten Fans im Rücken. Altdorf war auf die Minute topp drauf. Seine Spezialität: Eckball unter die Latte am kurzen Pfosten verwandelte Roman Schneider schon in Minute 1 zum 1:0, Ehrenberg konnte zwar noch zum 1:1 ausgleichen, aber innerhalb von 20 Sekunden fingen sich die Thüringer 2 Gegentreffer, ein Schock für den BL-Tabellenführer. Altdorf blieb eiskalt, Pfaffenberger und Planzer fielen an der Seitenbande bei einer Zweikampf, der Ball rollte in Richtung Altdorfer Eckballmarke. Beim Aufstehen blieb Dominik Planzer „clever“ kurz auf dem Vorderrad von Mike Pfaffenberger mit dem Fuß stehen, dadurch konnte dieser sein Rad nicht sofort hochheben und die Mitte zum eigenen Tor abdecken und diese Situation nutzte Schneider per Weitschuß zum 4:1-Halbzeitstand. In der 2. Halbzeit lief Ehrenberg mehr und mehr die Zeit davon, die Chancen (2 Mann frei vor Keeper Schneider) und Schüsse wurden zu überhastet vergeben und dann passiert das, wenn man selbst in Führung liegt. Roman Schneider fängt ein Ball und per Dropp-Kick schießt er gegen den Innenpfosten und bei dieser Rettungstag drückt Rico Rademann den Ball selbst zum 1:5 über die Linie. In den letzten 4 Minuten schafft Ehrenberg nur noch die Ergebniskorrektur zum 3:5, aber am verdienten Erfolg der Innerschweizer gibt es nichts zu deuteln.

Schon die beiden Halbfinals hatten Spannung pur zu bieten. Altdorf hatte gegen Höchst I (Simon König spielte für den erkrankten Dietmar Schneider nun doch mit seinem jetzigen Stammpartner Florian Fischer) ein 2:0 vorgelegt und mit Konzentration und Geduld holten die Vorarlberger zum 2:2 Halbzeitstand auf. Ähnliche Konstellation auch in der 2. Hälfte, wieder führt Altdorf 4:2 und jetzt ließen sich die Schweizer Pokalsieger nicht mehr überraschen, der knappe 4:3-Erfolg wird frenetisch vom Anhang in schwarz-gelb bejubelt. Im 2. Halbfinale kam es zum innerdeutschen Duell Ehrenberg gegen Eberstadt, beide Teams hatten die Vorrunde sicher überstanden. Die Teams lieferten sich ein Superspiel, Tempo, Technik, rassige Zweikämpfe und ein sehr guter Kommissär Peter Lehmann/SUI, Spannung pur über ein 2:2 zur Pause und am Ende ein leistungsgerechtes 3:3, das Spiel hätte 2 Sieger verdient, aber die Entscheidung mußte das 4-Meter-Schießen bringen. Während alle Spieler einen Penalty verwandelten, scheiterte Jens Krichbaum 2 mal, so ging der Sieg mit 5:4 Toren an den SV Ehrenberg. Im Spiel um Platz 3 gegen Höchst I war für die „Turtles“ trotz ihres Tempospiels irgendwie die Luft heraus, an den klug deckenden Florian Fischer kamen sie kaum vorbei und wenn, dann stand der Klassetorwart Simon König im Wege.

In den beiden Vorrundengruppen ging es bereits spannend zu. Zunächst gab es das innerdeutsche Kräftemessen Ehrenberg gegen Cup-Verteidiger und Rankingsieger RV Gärtringen. Ehrenberg war sofort im Bilde und griffiger, führte 2:0, das Gärtringen bis zur 9. Minute zum 2:2 ausgleichen konnte. Die Vorentscheidung brachte Rico Rademann, als er mutig 4 Meter aus seinem Tor heraus fuhr und eine einstudierte Gärtringer Abgabe abfing und zur 3:2-Führung verwandete. Mit dem folgenden hart erkämpften 4:3 über Dornbirn und dem Dreier über Osaka war schon vor dem letzten Spiel für Ehrenberg das Halbfinale klar. In Zugzwang geriet durch die Auftaktpleite dagegen Gärtringen. Nach dem Sieg über Osaka folgte gegen Dornbirn der 2. Rückschlag, denn Lingg/Köck lieferten ein Superspiel und rangen im wahrsten Sinne des Wortes dem Deutschen Pokalsieger Gärtringen ein 3:3 ab. Damit war bereits um 15.11 Uhr klar, Gärtringen ist so gut wie entthront. Als Altdorf dann gegen Ehrenberg 6:5 gewonnen hatte, war die Enttäuschung über das verpaßte Halbfinale bei Gärtringen perfekt, was sich später auch im Platzierungsspiel gegen Ex-Weltmeister SC Svitavka beim 6:7 bemerkbar machte. Platz 6 am Ende ist zwar ernüchternd, aber zu Denken gibt die Tatsache, daß sie von einem Teil der Zuschauer „nicht positiv“ empfangen worden sind. Leid taten einem hier die jungen Japaner mit dem Rekord an Gegentoren, denn aus der Konstellation der Tabelle mußten die Gegner auf Torejagd gehen. Der Technische Delegierte für den World-Cup Hartmut Kimmerle griff schließlich zum Mikrophon und bat um Verständnis und Unterstützung für die Asiaten, die erst seit 3 Jahren an der Uni Osaka Radball spielen und von da her sogar recht gut mit dem Rad umgehen konnten. (Rico Rademann wundert sich noch heute, wie die 2 Gegentreffer durch sein Rad geflutscht sind). In der Gruppe 2 war Eberstadt nach dem gewonnenen Schlüsselspiel gegen Ex-Weltmeister SC Svitavka mit 6:5 Toren gut im Rennen und mit dem am Ende deutlichen 6:2 (Halbzeit 3:0, dann wurde es bis zum 3:2 eng) war das Halbfinale perfekt. Für den amtierenden Weltmeister (mit der 1:2-Pleite gegen Dornbirn sogar nur Platz 8) war die letzte Chance auf das Halbfinale weg, als man gegen SC Svitavka 4:5 scheiterte, wobei Keeper Jiri Hrdlicka spektakulär 2x Knallerschüsse von Winterthur mit gefühltem Tempo 100 km/h. wie Äpfel aus dem Dreiangel pflückte und per Dropp-Kick zum Gegentor verwandelte. So konnte sich Eberstadt im letzten Spiel gegen Höchst I (brauchte noch ein remis) „aussuchen“, ob man Höchst I oder SC Svitavka mit ins Halbfinale nimmt. Das Oberligateam aus Chemnitz schaffte es tatsächlich, in ihren 4 Spielen gegen die absolute Weltelite die eingeplanten Niederlagen unter 10 zu halten.