* Der Reisebericht *

A L A S K A  16.5. - 31.5. 1998

Samstag 16.5.,

14.30 Uhr: Geschafft! Der Flug KL 665 um 11.15 Uhr nach Minneapolis war mit 15 Leuten überbucht. Man suchte sogar Freiwillige, die gegen Bezahlung auf den Flug via Chicago umsteigen. Man sagte uns: no way, nachdem wir am Ende der Warteschlange vor dem Gate endlich durch die Taschenkontrolle waren. Und 5 Minuten später war es plötzlich: OK, Ihr könnt mit aber das Gepäck wahrscheinlich nicht mehr. Aber auch das scheint geregelt zu sein......... Mehr als 400 Personen sitzen hier herinnen in der Boeing 747, neben mir links ein Deutscher/Schweizer und rechts eine Engländerin oder so. Alle total ruhig. Ich probier durchs Eis zu brechen, aber es gelingt mir nicht. Sie schlafen auch die ganze Zeit. Das Essen an Board war halbwegs BAEH; Pasta oder Hähnchen? Pasta war natürlich Gatsch! Jetzt sah ich im Fernseher grad meinen italienischen Lieblingskoch (normal auf BBC 2) in Verona kochen. Gleich kommt ein Film mit Dustin Hoffman und Robert De Niro. Schaun! Is ja noch immerhin 5 Stunden restierende Flugzeit (3.20 Std. schon hinter uns).

16.40 Uhr: Vom Film hab ich wenig mitbekommen. Meine Augen brannten und ich hab sie zugemacht........... Hatten einen super Ausblick auf Grönland! Noch 3 Std. to go. 19.05 Uhr (Europa), hier 14.05: Sind nach total 8.20 Std. in Minneapolis gelandet und sofort raus bei der Tür vom Flughafen um zu rauchen. 21 Grade, strahlend blauer Himmel und ich schwitz wie irr in Bluse und Sakko und Rauhlederhose. Einchecken für Flug um 17.10 Uhr nach Anchorage, Alaska. Und warten und warten, Kaffee, Cinnamon-rol (Zimtschnecken), raus zum Rauchen (im Flughafengebäude verboten) und warten. Und der Flug war übervoll. Wir konnten nicht mit..........

Wieder neu einchecken, um 20.50 geht der nächste Flug und auch zugleich der letzte für heute. Die Rucksäcke scheinen unterwegs zu sein nach Anchorage; wir nicht. Bald bin ich 19 Stunden auf. Ich hab Durst und bin grantig.

Samstag, 23.49 lokale Zeit (= Sonntag 9.49 Uhr in Europa) Wir sind gerade angekommen in Anchorage und warten daß eines der 2 Andockstationen am Flughafen frei wird. Wir waren die letzte 2 der circa 25 Standby-Passagiere, die mitdurften im Flieger. Einige mußten noch zurückbleiben. Dabei waren im Flieger noch sicherlich 7 Plätze leer! Der Ausblick beim Anflug auf Alaska war super: schneebedeckte Berggipfel zum Angreifen; Gletscher die ins Meer liefen und der Mount Mc Kinley, dessen Spitz im "Abendrot" (um 23 Uhr!) über den Wolken herausschaute (ist ja immerhin über 6.000 m hoch). Es hat hier angeblich 4 Grade plus und wir müssen nun auf Gepäck- und Hotelsuche.

Sonntag, 17.5. 2.15 Uhr Sind in der Econolodge in Anchorage Ost. $ 65 per Nacht. Hier bleiben wir bis Dienstag.

9.15 Uhr: Nicht sehr gut geschlafen, aber kein Wunder weil im Flugzeug nach Anchorage 3 Stunden geschlafen......... Um 7.30 Uhr aufgestanden und gleich unter die Dusche und Kaffee und Zuckerreinkerl mit Nüssen!

21.40 Uhr: Sind nach und durch Downtown gehatscht. Public Land Information Center war zu. Imaginarium gesehen ($ 5,-- p.P.). Beim Army Supply Shop gewesen. Am Captain Cook Denkmal auf den Cook Inlet geschaut (ein Teil des Meeres) und auch den Spitz vom Mount Mc Kinley über die Wolken herausragen sehen. Der Berg ist satte 300 km weit weg von Anchorage! Es war meistens sonnig, bis 13 Grade. Die Einheimischen liefen in kurzen Ärmeln!! Wir mit (Winter)Jacke........ Die Berge hier rundum Anchorage sind teils voll Schnee. Mittags gelunched bei Blondies. Um 16 Uhr retour ins Hotel. Ich schmiß mich aufs Bett um die Füße ausrasten zu lassen und die Augen fielen zu und wollten nicht mehr aufgehn.......... Eine Stunde geschlafen - ich hätt bis morgen früh durchschlafen können! War echt schwierig um doch aufzustehen. Um 19.20 Uhr zu Phyllie's essen gegangen. Rib Steak, mariniert in Salz - eine Wucht!! Schmeckte wie halb gekocht, halb gebraten. $ 14.95 mit als Beilagen Kartoffeln, Mais, Bohnen und Salat. Ich kann gleich wieder einschlafen, aber es ist ein guter Film mit Bruce Willis auf einem der 35 Kanäle im Fernsehen!

Montag, 18.5. Ich hab gestern den Film, der bis 23.30 Uhr dauerte, doch noch zu 70% gesehen. Den Rest hab ich verschlafen........ Heut um 8.45 Uhr Tagwache. Das Wetter ist bewölkt, keine Sonne zu sehen. Patrick hat Probleme mit seinen Därmen............. UND WIE!!

16.50 Uhr: Sind nach 7 Klobesuchen von Patrick ins Lands Information Center gegangen. Ausgestopfte einheimische Tiere, Videofilme usw. Danach eine Bus-Tageskarte gekauft. $ 2.50 pro Kopf und mit Bus 76 eine Runde nach St. Peters Creek und zurück gefahren. Dauer: 2,5 Stunden. War aber nix besonders zu sehen. Die Natur muß sich erst wieder vom Winter erholen, die Birken treiben aus, das Gras ist halb braun. Patrick fühlt sich krank - essen will er auch nicht. Warm ist was anders: wohl 13 Grade aber doch ist mir mit 3 Lagen Kleidung nicht echt warm. 3. Lage = Winterjacke. 2. Lage = Fleecejacke. 1. Lage = Schipullover. Die Fahrt mit dem Bus wär um $ 1,-- auch möglich gewesen...... wir müssen halt heut nochmal den Bus gebrauchen, evtl. zum Northern Light Boulevard wo die größeren Geschäfte sind. Hunger hab ich auch.

20.45 Uhr: Sind zum Transit Center (der zentrale Busbahnhof) und mit Bus Nr. 3 (geht 1x in der Stunde) zum Northern Light Boulevard gefahren. Die Malls (Einkaufszentren) dort sind sehr aufgeteilt auf die etwa 5 km lange Straße. Waren nur in einem (riesigen) Sportartikel-Geschäft und danach hatte Patrick die Nase endgültig voll. Kopfweh, Halsweh, Bauchweh usw. usw. Wir gingen getrennt in verschiedene Richtungen weiter (alle zwei mit Ziel Hotel, aber Patrick ging in die falsche Richtung.........) und trafen uns bei einem Supermarkt zufällig wieder. Gegessen hab ich noch immer nichts. Das wars wohl für heute. Gepackt muß auch noch werden; dann morgen früh den Camper-Vermieter anrufen und den Camper mittags holen.

Dienstag, 19.5., 21.20 Uhr Sind (ich dann) um 6.30 Uhr aufgestanden. Hab auch um 21.30 Uhr schon geschlafen gestern...........! Und um 3.30 Uhr vom Lärm der Nachbarn geweckt...... Hab Fernsehen geschaut und gepackt und Gebäck und Kaffee gefrühstückt und um 9.30 Uhr sind wir einige hundert Meter weiter nochmal "echt" frühstücken gegangen. Um 11.00 Uhr den Hotel-Shuttle zu Great Alaskan Holidays (dem Campervermieter) genommen und dort auf den Wohnwagen gewartet. Da waren auch Hermann Knapp und seine Frau. Er Grazer, seit 10 Jahren in Alaska, vorher in einigen anderen Staaten von Amerika (The Lower 48). Sie aus Alaska glaub ich. Hab ihre Adresse (in Eagle River, etwa 20 km nördlich von Anchorage) bekommen, sie wollen in 2 Jahren ein Bed&Breakfast eröffnen. Wir bekamen ein Einführungsvideo zum Gebrauch von Wasser, Generator, Schmutzwasserbeseitigung etc. und danach noch eine Runde Einführung durch eine Teilzeit-Lehrerin und um 14 Uhr konnten wir mit dem Monster wegfahren (22 feet = 6.70 m lang. 5000 kg schwer; toll eingerichtet: 3 Sitz/Schlafbänke, Tisch, Bett über dem Fahrer/Beifahrersitz, Dusche, WC, Mikrowelle, Gasofen und -herd etc. etc.

Sind zum Wallmart gefahren um Lebensmittel zu kaufen; dort gab es aber so gut wie nix Eßbares........ dann via Glenn Highway nach Eagle River und dort einkaufen...... Die Auswahl wie immer in den USA: irr! Trümmer von Steaks für ein paar Dollars usw. Dann weitergefahren durch ausgestreckte Täler umringt von schneebedeckten Bergen. Nun sind wir beim Big Lake, etwas hinter Wasilla, und haben den Camper in einen State Parke gestellt. Wir haben ja einen State-Park-Aufkleber am Auto, d.h. in State Parks müssen wir nicht bezahlen (sonst meistens $ 10,--). Im Park war niemand, auch kein Wasser bzw. Strom, aber 36 Gallon (1 Gallon = etwa 3,8 Liter) Wasser und 14 Gallon Gas haben wir "on board" und Strom braucht eh nur die Mikrowelle und die Kaffeemaschine. Die Videokamera lade ich mit dem Inverter, den ich ausgeliehen hab, der wandelt 12 V um in 110 V. Gibt da einen Stecker neben dem Zigarettenanzünder. Patrick liegt gerade: es geht ihm wieder schlecht: der Lachs war wahrscheinlich nicht so gut, er kann schon wieder (noch immer) kein Essen anschaun, hat gestern gar nix gegessen, heute Toast und Nudelsuppe und ein Stück Brot am Abend. Ich werd auch langsam müde. Draußen ist es frisch (hier herinnen auch immer mehr.....) und ich warte auf die Elche und Bären (Moskito's und Möwen hab ich schon gesehen........). Etwa 54 Meilen vom Highway haben wir hinter uns.

Mittwoch, 20.5., 10 Uhr Na..... ! Patrick hat um 23 Uhr gespieben. Danach ging er unten auf der Bank liegen, nicht mehr oben übern Fahrersitz. Ich legte mich oben nieder (wenn man oben liegt ist man nicht so schnell am Wc...........). Dort oben war es fürchterlich kalt samt 3 dicken Decken. Um 3.30 Uhr wars bei mir dann soweit: schnell runter vom ersten Stock und aufs Klo. Das Essen von 2 Tagen kam retour.......... Und ich bekam fast keine Luft mehr. Ich schlief dann auch unten auf der 2. Bank. Die Vögel und Co. machten um diese Zeit viel Lärm. Jetzt in der Früh hört man kaum was. Ein Eichhörnchen hat Patrick Guten Morgen gewünscht. Wir müssen sparsam sein mit Wasser und so; wer weiß wann wir irgendwo Nachschub kriegen können. Na wir müssen weiter, die Tage fliegen ja wie immer im Urlaub. Mir gehts eigentlich beschissen, keinen Saft und an Essen darf ich gar nicht denken.

noch für 20.5.: Sind Richtung Denali National Park gefahren. Unterwegs rechts von der Straße einen Bald Eagle (Seeadler) gesehen, der gerade über die Straße fliegen wollte! Das hat er sich dann Gott sei Dank doch noch anders überlegt denn sonst wär er im Camper gelandet......... In Susitna Landing weg vom Parks Highway (nachdem wir bei 2 "Husky-Spots" vorbeigefahren sind. Die Abzweigschilder von der Straße stehen ja auch dämlich spät und da ist man so vorbeigefahren. Und Umdrehen mit dem großen Ding ist ja auch nicht das Allereinfachste/schnellste). Dort wollten wir Kaffee kochen und fragten den Eigner des Campings ob wir das durften. Er verkaufte selber Espresso und ihm gehörte der Campingplatz etc. Wir luden ihn auf unseren Kaffee ein und quatschten über eine Stunde. Er hatte einen total schwarzen Schäferhund namens Kaiser Wilhelm I, ein wunderschönes Tier, das seinen Tennisball über alles liebte. Und manchmal gab er den Ball her, lief die Treppe der Veranda runter und wartete, daß man den Ball schmiß. Ron hieß der Besitzer glaub ich, er ist auch am Internet zu finden. Er arbeitete überall in der Welt auf Öl-Bohrinseln und in Alaska ist er dann hängen geblieben, er wollte nicht mehr weg. Zum Abschluß unseres Gespräches gab er Patrick eine Rentierwurst mit auf den Weg. Gegen Abend und nachdem wir einen dichtbeharten rot-orangen Polfuchs und zwei Elche gesehen hatten, kamen wir in Denali an.

Denali Nationalpark und Reservat

Der Park öffnet dieses Jahr erst am 23.5., also übermorgen, offiziell seine Pforten. Dann kann man mit dem Denali-Bus alles anschaun. Der fährt 96 Meilen (1 meile = 1,6 km) durch den Park. Mit dem Auto darf man dann nur 14 Meilen in den Park reinfahrn. Aber weil der Bus noch nicht fährt, darf man nun noch 30 Meilen mit dem Auto rein und man zahlt auch keinen Eintritt und auch nix für den einzigen offenen Campingplatz (der einzige auch, der kurz vorm Eingang des Parkes liegt, alle anderen sind im Park). Der Campingplatz war nicht mal so leer. Er liegt am Riley Creek River und überall hingen rote Warnzettel auf den Bäumen: Bären in Zone gesichtet. Achtung! Na bravo........... Aber frisches Wasser und Schmutzwassergrube gibt es auch nicht........ Um 22 Uhr ab in die Heia. Vom Steak hab ich nur 2 Beisser genommen. Keinen Hunger.

Donnerstag, 21.5. Um 8 Uhr aufgestanden und dann auf dem Parks Highway eine Meile weit gefahren (erst endlich mal schnell mit wenig Wasser geduscht) und dort frisches Wasser und Senkgrube gefunden und benützt. Dann retour gefahren zum Denali Park und die Straße gefahren wo normal der Bus fährt (teils schlechte Steinstraße). Aber mehr stehengeblieben als gefahren weil es immer wo was zu sehen gab: Rentiere (oder warn es Elche? Oder Karibu's?), komische Vögel, Kaninchen mit dickem Fell, vielleicht war auch der Nationalvogel "Ptarmigan" dabei, er hat sich nicht vorgestellt aber er ist auf Video samt seinen komischen Tönen. Auch beim Husky Zwinger waren wir. Ist eigentlich erst am 23.5. offen für Rundleitungen und Vorführungen. Etwa 25 Huskies (eigentlich sah nur einer so aus wie ich mir einen Husky vorstelle), angekettet und sie lagen auf ihren Holzhundehütten drauf. Manche konnte man streicheln, manche saßen hinter "Gittern".

Die 30 Meilen der Straße dauerten viel länger als die angegebene 1 Stunde 10 Minuten. Der Mount Mc Kinley war nicht zu sehen, die anderen 3 Stück 4000er drumherum auch nicht. War bewölkt und nicht echt warm. Am Teklanika River war Endstation und von dort gingen wir zu Fuß die Straße weiter auf der ansonsten nur der Denali-Bus fahren darf. Es war 15.30 Uhr als wir weggingen. Ein Mann am Parkplatz, der gerade mit seinem Mountainbike aus der Richtung kam wohin wir gehen wollten, erzählte, daß ab 5,5 Meilen von hier 3 Bären (Grizzly's) auf 100 m Abstand zu sehen waren. Eine Mutter mit 2 etwa 3-jährigen Jungen. Die waren schon seit einer Woche in diesem Gebiet gesichtet. Wir marschierten also durch den Wald, immer rechts und links auf der Ausschau ob wohl nirgends ein Grizzly (die Gattung gibts hier im Park nämlich en masse) oder ein ärgerlicher Elch stand.

Aber nach 4,5 Meilen wars doch genug geworden. Wir drehten um (17.45 Uhr inmittels) und mit festem Schritt (und Muskelkater und einmal heiß: Jacke auf, Schal weg, Handschuhe aus, dann wieder kalt: Schal rumwickeln, Jacke zu, Handschuhe an) waren wir ohne was anderes als Hasen, Vögel und Erdhörnchen (arctic squirrel) gesehen zu haben um 19.15 Uhr am Parkplatz zurück. Dann die Fahrt wieder retour und überall wo ein oder mehrere Autos am Straßenrand standen und jemand mit Feldstecher oder Teleobjektiv zu sehen war, blieben wir auch stehen um zu schaun, was da gespottet (erblickt) wurde. Und das wurde mit Erfolg belohnt: 1. ein Riesenelch, 2. ein Grizzlybär am Fluß, den aber nur Patrick sah. Als ich das Fernglas nahm, war er weg....... Und 3. (und den sah ich auch) ein Grizzlybär an einer anderen Stelle beim Fluß. Ein kolossales Tier, daß den Boden mit der linken Vorderpfote aufgrub auf der Suche nach ich weiß nicht was.

Meine Videokamera hat wieder Überstunden gemacht, das Blöde ist nur, daß das Tele nie so weit reicht als wie die Tiere weg sind.......... und ich gebrauch auch schon den letzten der 3 Accu's, der noch halbvoll ist. Ob ich die anderen 2 noch laden kann ist mir zur Zeit ein Rätsel. Ich hab einen 12 Volt nach 110 V Umspanner ausgeliehen ($ 1,50 pro Tag), der über einen Anschluß im Dashboard des Campers funktionieren soll. In den Zigarettenanzünder paßt er auch. Aber ohne daß der Motor läuft tut das Ding wenig bis nix und wenn der Motor läuft, ladet das Ding ich weiß nicht wie lang und der Accu wird nicht voll, funktioniert also auch nicht. Na dann muß ich weiter mit dem Fotoapparat.

Es ist jetzt beinah 1 Uhr früh, solang war ich noch nie auf in den letzten Tagen. Es ist wieder kühl hier. Das Thermostat steht auf 60 Fahrenheit und wir schlafen heut oben über dem Fahrersitz (bis gestern unten im "Wohnzimmer"). Ich geh dann auch mal Schlafen. Um 9 Uhr ist Tagwache und Abfahrt nach Norden Richtung Fairbanks und Polzirkel.

Freitag, 22.5. Um 9 Uhr auf und dann Richtung Norden. Nach Denali war die Landschaft ganz anders: viel grüner und saftiger, viele Hügel wodurch bzw. über welche der Highway Richtung Fairbanks ging. Ich fuhr nicht. Noch immer nicht. Die Straßen wurden schmaler und schlechter. Es war warm in Fairbanks aber wir machten nur Tankstop und fuhren weiter. Dann ein Stück Steese Highway, nur die Hälfte davon war asphaltiert, total 71 Meilen/114 km. Dann ab Livengood auf den Dalton Highway: berühmt berüchtigt.

Dalton Highway und Trans Alaska Pipeline

Wir fahren am Dalton Highway "nur" 115 Meilen / 185 km weit bis zum Polzirkel auf 66 Grad 33 Minuten nördlicher Breite. Heute bis etwa 75 Kilometer von der Strecke gefahren. Die Straße geht rauf, runter, hin, her, mehr oder weniger Schotter bzw. Löcher bzw. Staub bzw. LKW's, die einem entgegenkommen. Wir haben den Highway "rechts hinauf" verlassen, d.h. einen 50m langen auf eine Anhöhe führenden Weg zu einem Radiosendmasten mit Sonnenenergie genommen. Der Wind hier oben weht anständig und man fühlt den Wohnwagen (5000 kg Eigengewicht!!) hin- und herschaukeln.

Es ist 22.15 Uhr und die Sonne geht heut laut Radio in Fairbanks um 23.30 Uhr unter und morgen um 4 Uhr nochwas wieder auf. Haben gerade gegessen: Faschiertes mit Speck und Mozarella und Toast. Die Essenswaren bleiben wieder im Magen, wenigstens etwas! Ich hab dafür irr brennende Augen und eine Riesen Fieberblase auf der Lippe........... Unser Wasserverbrauch im Camper ist übrigens noch immer minimal. Man weiß ja nie wann und wo man wieder Wasser bekommt. Duschen ist Luxus. Grad noch Zähneputzen und Wasser fürn Kaffee und ein paar Tropfen fürn Abwaschfetzen (gemischt mit Duschgel, weil Abwaschmittel sahen wir nur in typischen Ami-Verpackungen a 3 Liter und mehr...)

Mein Accu für die Handycam ist noch immer nicht geladen, ich glaub auch nicht, daß das noch was wird. 15 Minuten Video, that was it mit 3 Accu's! Schöne Sch..... Der Direktanschluß Kamera-12 Volt Umwandler funktioniert, aber er zieht Streifen im Sucher... zuwenig Saft wahrscheinlich.

Samstag 23.5., 9 Uhr Um Mitternacht ins Bett. Draußen war es noch total hell . Ich konnte erst nicht schlafen; ich dachte der Wind bläst uns mit dem Camper den Hang hinunter. Nun weiß ich auch warum meine Augen brannten: eines (das Linke) ist geschwollen. Juhu, auch noch ein Gerstenkorn. Noch mehr in 4 Tagen gibts eh nicht mehr. Und das alles im ersten "richtigen" Urlaub seit (außer 1997 eine Woche Camping) 1995. Die Fieberblaslippe schaut aus als ob Mike Tyson gut getroffen hat. Und sonst: die Nase ist voll und rinnt andauernd. Die Sonne scheint und ist stark. Aber der Wind bläst auch ordentlich. Nun denn, auf zum nächsten Teil vom Dalton Highway (noch etwa 112 km bis zum Polzirkel).

22.25 Uhr: Sind um 10 Uhr losgefahren und um 14.30 Uhr waren wir (nach einigen Fotostops natürlich...) am Polzirkel. Da standen 2 Autos und deswegen hab ich kein Foto gemacht, bzw. gefilmt. Wie schaut das denn aus: fährt man auf so einer Saustraße 185 km weit, kaum ein Mensch zu sehen und dann am Polzirkel kreischende Jankeekinder auf dem Filmtape als Hintergrundgeräusch. Nö, tumma nicht. Die Sonne schien den ganzen Tag brav, einige Wolken aber manchmal kalten Wind. Wir stehen mit dem Camper etwas oberhalb vom Polzirkel-"Schild" und übernachten hier auch. Getankt haben wir unterwegs (in einer der 2 oder 3 Tankmöglichkeiten auf dem gesamten Dalton Highway = 666 km). Das Benzin gleich $ 0,65 pro Gallon teurer als in Fairbanks. Wasser auch nachgefüllt; aus einem Grundwasserbrunnen in der Nähe des Yukon River.

Um 15.30 sind wir im Camper sitzend eingeschlafen! Um 17 Uhr wach geworden und rausgegangen um Holz zu sammeln. Da sahen wir auch Bärenspuren.......... Um 19 Uhr begonnen mit Lagerfeuer und dann später ein 0.64 lb Steak ($1,25 $!!) auf den Grillrost geschmissen und Bohnen dazu und Brot. Ein Hase leistete uns Gesellschaft und hatte gar keine Angst um eventuell selber auf dem Grill zu landen. Morgen ist früh Tagwache; wir wollen den ganzen Dalton Highway zurückfahren und dann zu den Chena Hot Springs im Osten von Fairbanks. Die Manley Hot Springs sind doch zu weit weg und Schotterstraße. Die Chena "nur" 90 km one way von Fairbanks aber asphaltiert.

Sonntag, 24.5. Die frühe Tagwache gelang nicht. Um 8.30 oder 9 Uhr erst aus den Federn, um 9.45 Uhr on the road. Doch noch ein Foto vom Polzirkel gemacht und dann den Dalton Highway wieder 185 km Richtung Süden. Danach von Livengood bis Fox (70% Schotterstraße) etwa 90 km und nach tanken und ein paar Essenswaren einkaufen auf die Chena Hot Springs Road (91km). Um 17 Uhr hier angekommen. Die Chena Hot Springs sind auf Privatgrund. Ein Hotel, ein Campingplatz, ein paar Pferde zum Reiten. Auf Schitrails kann man wandern. Goldwaschen ist noch nicht begonnen. Erst Mitte Juni.

Die heißen Quellen wurden etwa im Jahre 1905 von Goldsuchern entdeckt. Einfach so hineinsteigen kann man nicht, das Wasser hat 150 Grade Fahrenheit. Im überdeckten Schwimmbad, wo man das warme Wasser hinleitet und abkühlt bezahlt man $ 8,-- Eintritt für die Tagesbenützung, $ 6,-- nach 19 Uhr. Geöffnet ist das Bad bis 24 Uhr. Es gibt 3 kleine Hallenbecken und eines im Freien, aber maximal 30 Leuten dürfen gleichzeitig hinein in die Halle.

Fürs kampieren ohne Strom zahlt man % 15,-- und mit Strom $ 20,-- pro Nacht. Wucher! Um 12 Uhr am nächsten Tag muß man weg sein. Und gleich nebenan (50 m) ist eine Flugzeuglandebahn! Ein Hubschrauber kam gerade mit viel Lärm über meinen Kopf geflogen. Sind noch eine Runde spazieren gegangen und haben beim Chena Fluß goldglänzende Ministeinchen gesehen und mit den Händen im eiskalten Wasser ein paar Stückchen rausgeholt. Mehr als einen mm2 groß waren die Dinger nicht. Freu freu, das muß Gold sein! Ist schließlich ein Goldgräber(wäscher)dorf gewesen. Um 1 Uhr ins Bett und am

Montag, 25.5. um 9 Uhr aufgestanden. Nach dem standard Cornflakes-Frühstück hinter das Badehaus gegangen. Dort liegt ein Teichlein mit Quelle, das "nur 42 Grade" warmes Wasser hat und man muß dort keinen Eintritt bezahlen. Dort haben wir auch Goldstaub gesammelt und uns ins Wasser gehaun. Aber lange konnte ich nicht drinbleiben; Lufttemperatur war sowieso 26 Grad und 42 Grad im Wasser = Hitzestau!

Wir beschlossen noch eine weitere Nacht zu bleiben. Bis jetzt haben wir eh fast kein Geld ausgegeben. Dann halt nochmal $ 15,-- fürs Übernachten. Dem Mann, bei dem man die Übernachtungsgebühr zahlen muß, zeigte Patrick unseren "Goldfund" um ihn zu fragen, was er davon hielt. Na, das war kein Gold, Pyrit glänzt auch so! Shit! Nix reich!

Um 13 Uhr gingen wir auf einen (im Winter Langlauftrail) Wanderweg, wo hin und wieder noch Eis (Schnee kann man die 30 cm dicke steinharte Masse wohl kaum nennen) links und rechts von der Spur lag. Mitten am Trail lief manchmal ein Bächlein Schmelzwasser und tiefe Matschteichlein, sodaß man sich einen Weg drumherum suchen mußte.

Um 14.30 Uhr waren wir zurück vom Spaziergang und gingen in die Bar. Der Winecooler schmeckt mir noch immer sehr! Patrick aß irgendeine kalte Platte mit Wurst, Geräuchertem und Aufstrich aber mir gefiel die "Barspeisekarte" nicht. Hamburger, American Pizza, Salat. Dann halt nix.

Ich schaute mir die Restaurantspeisekarte an und die gefiel mir schon besser: Steaks, Heilbutt etc, Preise ab $ 20,--. Nicht gerade billig, aber wie gesagt, wir gaben die letzte Woche fast nix aus, gingen einmal in Anchorage essen und danach nie mehr. Also kann das Budget heut Abend angeknabbert werden. Lieber Steak als selbstgemachte Makkaroni mit Corned Beef!! Haben gerade geduscht (2x in 5 Tagen!) weil wir können hier Wasser nachfüllen.

Unser Reiseplan ist durch die kurze Zeit, die wir haben und die länger und schlechter als erwarteten Straßen nicht zu ver-wirklichen: bis Valdez sind es von hier aus noch 687 km, von dort bis Anchorage noch etwa 400 km. Das ist zuviel für 4 Tage. Immer nur fahren ist nix. Das hab ich vorige Woche gesehen. Vom Danebensitzen wird man auch müde und von der Straße aus sieht man nix bzw. "nur" Bäume. Ich wär sehr gerne mit einem Schiff von Valdez aus zu den Gletschern gefahren (besonders den riesigen Columbia Gletscher hätt ich gern gesehen). Geht aber nicht. Valdez muß auf eine eventuelle nächste Reise nach Alaska warten.

So, it's time to Mampf!

Oh, ich platz gleich......... Das broiled New York Steak mit Kartoffelgratin, Schwammerl, Gemüse, Salat und Schokoladekuchen mit Schokoeis und Schokosauce und Schlagrahm war viel zu viel. $ 66,-- für uns beide ist es geworden...... So, nun wieder sparen. Und schlafengehn, ich bin müde.

Dienstag, 26.5. Um 23 Uhr gestern Heia, Tagwache: 6.30 Uhr !! Und es regnete. Bald danach waren wir unterwegs nach Fairbanks. Dazwischen einmal ausgestiegen und den Duft des Waldes war so streng und gut wie ich es noch nie zuvor gerochen habe. Total konzentriert schienen die Fichtennadeln (oder welche Bäume es auch sonst waren) auf mich abzuströmen.

In Fairbanks waren wir um 9.45 Uhr und gingen Essen kaufen. Im Safeway, der 24 Std. geöffnet ist. Steaks gekauft und Süßigkeiten natürlich und endlich mal Ansichtskarten. Wo wir die aufgeben werden ist eine andere Frage. Dann Richtung Süden gefahren und gefahren und gefahren. Tolle Berge der Alaska Mountain Range gesehen. 4000er. Zugefrorene Seen und beinah trockene irr breite Flußbette; ein sich zurückgezogen habender Gletscher war auch dabei.

Um 19.30 Uhr sind wir dann angekommen wo wir jetzt sind, 21 Kilometer hinter Glenallen auf einem Campingplatz um $ 12,--. Kochen gerade Makkaroni mit Schinken/Käse. Viel mehr ist hier eh nicht zu tun und morgen müssen wir wieder weit fahren (278 km bis Anchorage, danach weiter nach Süden Richtung Portage. Da gibt es einen "Gletscher zum Angreifen". Wenn schon keine Cruise.......)

Mittwoch 27.5. Um 8 Uhr aufgewacht. Frühstück (Cornflakes und Kaffee, wie immer) und on the road. Die Chugach Mountain Range entlangge-fahren. Zwei Gletscher gesehen, einer davon ziemlich nahe und zwar der Matanuska Gletscher. 43 km lang schlängelt er sich vom Berg herab. Er ist im Durchschnitt 3.4 km breit. Am unteren Ende ist er 6 km breit. Zusammen mit dem Kaiserwetter ein super Anblick.

Beim Caribou Creek sind wir stehengeblieben, denn ein Schild stand da langs der Straße: Recreation Gold Mining. GOLD! Wo, wie, wer, was, wann, warum?!? Mußten dann einen steilen Weg nach unten zum Fluß und fanden da erst ein Skelett von - wahrscheinlich - einem Karibu...... Wer war der Mörder? Ein Bär? Wenn ja, wo ist der jetzt?!? Wenn ich hier einem begegne und er mag mich nicht, dann ist es zu spät - ich kann nirgends hinflüchten, so schnell komm ich den steilen Weg nicht rauf zum Auto.........

Wir hatten keinen "Goldgräberspfanne"...... Ein Mann aus Alberta, Kanada, der dort auch am Fluß stand hatte wohl einen. Er hatte ein bißchen gekauftes Gold in einem Plastiksackerl bei sich - sah aus wie eines unserer Pyritblättchen. Schöne Steine gab es da im Fluß. Auch Jade. Ich werd bald den ganzen Rucksack voll Steine haben. Der Mann aus Alberta erzählte von einer Familie, die jedes Jahr nach Alaska kam um Gold zu suchen und immer genug Gold fand um den nächsten Urlaub zu bezahlen. Im 10. Jahr fanden sie nichts und beim Weggehen tritt die Tochter ein Stück vom am Flußufer eingetrockneten Schlamm weg und da lag ein Goldnugget drunter um den Urlaub der nächsten fünf Jahre zu bezahlen.... nun, um eine Goldwäscherpfanne zu kaufen, ist es schon zu spät...

Sind dann via Anchorage nach Süden entlang dem Turnagain Arm gefahren und sahen 2 Seeadler und einen anderen (evtl. jungen Seeadler, die haben noch keinen weissen Kopf, sind aber gleich groß wie die Eltern) beim Fischfang. Es regnete, war kalt und ein stürmischer Wind blies. Auch ein Elch watete 50 Meter neben der Straße durchs Wasser.

Wir fuhren dann zum Portage Gletscher. Im Portage See lagen abgebrochene strahlendblaue Eisstücke von einigen Metern Länge, Breite und Höhe. Bekanntlich ist ja 2 Drittel von "Eisbergen" unter Wasser. Einst bedeckte der Portage Gletscher beinah den ganzen See. Inzwischen hat sich der Gletscher weit zurückgezogen, er ist von der Straße aus kaum zu sehen. Das Informations-zentrum war schon zu. Morgen dann eventuell. Fuhren dann 32 km zurück Richtung Anchorage und stehen nun gratis am Chugach State Park Camping "Bird Creek", unter uns die Schienen der Bahn direkt neben dem Wasser des Turnagain Arms. Jetzt (22 Uhr) wird Lagerfeuer gemacht und Würstl gegrillt. Mahlzeit! ..............

Nix Mahlzeit! Das Lagerfeuer wollte nicht so recht. Eineinhalb Stunden probieren um ein Feuer zusammenzubringen später fanden wir raus, daß die Chorizo, die wir grillen wollten (ein Stück scharfe Wurst von 35 cm lang) eine Plastikhaut hatte.... na das geht nicht zum Grillen. Also rein in den Camper (in der Zwischenzeit war es beinah Mitternacht) und das Ding kochen. Es wollte und wollte nicht, im Inneren der Plastikhülle schien Flüssigkeit zu sein neben Fleischähnlichem und Luftblasen. Nach 25 Minuten wurde es mir zu blöd und ich nahm eine Gabel und stach in die Wursthaut.

Und "SPRITZ" das ganze grausliche stinkende undefinierbare Zeugs aus dem Inneren der Haut über meine schöne rot-schwarze Lieblingsfleece-jacke (auch die einzige die ich habe.......), über meine Hände und den (früher mal) weißen Fußboden......... Oh nein, oh Ärger, oh Brüll!! Und dann war natürlich der ganze Wurstbrei im kochenden Wasser. Forget it.

Die kleine Dose Fisolen mit Speck und Toastbrot war dann das Abendessen (um 0.30 früh.......).

Donnerstag, 28.5. Um 9 Uhr Tagwache. Endlich mal Bacon + Eggs + Toast. Eier haben wir viel zu viel gekauft. Den Bacon wollte ich in die Mikrowelle schmeißen (schöne schnell und keine fette Pfanne) aber der Generator wollte nicht anspringen...... 1/3 Tank Benzin im Auto ist ihm zuwenig. Dann doch in die Pfanne. Und dann der große Abwasch vom Fett von gestern noch.......

Wasser gekocht und mit Fenjal Duschgel (is eh noch voll, zum Duschen haben wir doch zuwenig Wasser und Möglichkeiten um es nachzufüllen) und dem grauslichen Schmuddelfetzen vom Tag 1. Das Abtrockentuch war auch mal weiß.... Meine Fleecejacke, wovon ich die häßlichen Chorizo-Fettspritzer gestern Nacht noch probiert habe wegzuwaschen, hat sich etwas erholt.

Sind nach dem Abwasch wieder nach Portage gefahren und eine Cruise für morgen zu buchen. Portage ist nur mehr der Verlade"bahnhof" (ein Gleis) vom Zug nach Whittier. Whittier ist ein Hafen (der 2. eisfreie neben Valdez) vom amerikanischen Militär angelegt und nur mit Zug durch 2 Tunnels im Berg erreichbar. Um 9.30 müssen wir morgen "einchecken". 10.10 = Abfahrt mit Diesllok, 11.00 Uhr Ankunft; dann mit Bus zum Schiff und mit Buffet ($ 10,-- Lachs, Huhn, Kuchen) 6 Stunden zum zweitgrößten Gletscher im Prince William Sound. Ein aktiver Gletscher der kalbt, d.h. wovon Stücke Eisberge abbrechen und ins Meer fallen. $ 243,-- kostet der Spaß zu Zweit. $ 89,-- die Cruise pro Person, $ 20,-- der Zug und $ 10,-- das Essen.

Sind dann zum Portage Gletscher Visitor Center und dort rumgeschaut und uns gebildet (man lernt viel über das Phänomen Gletscher). Der Gletscher ist nun - wie gesagt - ganz weit zurückgezogen, früher war er einige Kilometer länger und das konnte man auch auf älteren Fotos und einer Darstellung sehen. 100 m Rückgang pro Jahr ist ganz schön viel.

Danach wanderten wir auf einem Trail von etwa 2 km zum Fuß des Byron Gletschers. Da lag Schnee und teilweise war er blau (= vereist). Na, so beeindruckend fand ich das Ganze nicht, ich begann also wieder mit Goldsuchen im eisigen Schmelzwasser dieses Gletschers.

Es war schon 18 Uhr als wir zum Camper zurückkamen und daß hieß, daß "Gold Creek Mine" (eine Goldsucherniederlassung von 1898, 8 originale Häuser und Möglichkeit zum Goldsuchen im Fluß, das Ganze 37 km von Portage entfernt) zu war. Man mußte nämlich Eintritt zahlen um zum Fluß zu gelangen und zu schürfen.

Wir fuhren dennoch hin und am Parkplatz standen 2 Männer mit einer Goldwäscherpfanne und nachdem sie von der ein Foto machten, gingen wir gleich ran (wer macht schon von einer leeren Goldwäscherspfanne ein Foto?!?). Da lag doch echt ein Goldklümpchen in der Pfanne! Das sah gaaaaaaaaaaaaanz anders aus als unser "Blattgold". Die Männer (aus Washington State, eine Woche zum Goldhunting in Alaska) tun das seit einem Jahr, haben sogar Pumpen und Pimpetten etc. alles mitgenommen. Sie schauten unsere "Schatz" an und gleich hieß es: "Pyrit". Na ja! Auch das glänzende kleine Blättchen?!? Ja. Und sie ließen uns echte Goldblättchen sehen.........

Schade, daß der Gold Mine Creek zu war, aber vielleicht können wir ja am Samstag in Anchorage noch Goldwaschen (obwohl es hier in dieser Gegend wohl eher was zu finden gibt, wegen all der Gletscher und Flüsse). Nun sind wir zurück am Campingplatz, unser Platz von gestern ist besetzt, jemand hat den "bezahlt"-Zettel vom Pfeiler runtergenommen...... Es waren angeblich nicht die 2 Leute, die jetzt mit ihrem Camper dort stehen. Patrick ist zu ihnen hingegangen (mit viel Wut im Bauch) und erzählte, daß er böse ist. Sie verstanden das auch, aber sie hatten nicht gewußt, daß der Platz 2 Tage für uns reserviert war.

Nun brutzeln 3 Steaks am Feuer (an einem anderen, weniger idyllischen Platz), die Erdäpfel kommen noch und als Nachspeise ein Apfelkuchen, der schon in den ersten 15 Minuten den Rauchmelder vom Camper 5x aktiviert hat. Das blöde Ding reagiert schon, wenn man einmal zu schnell ausatmet. Und ein Lärm! Nun ist es genug und er liegt samt seiner Batterie im Duschraum. Und wir warten aufs Steak.

Freitag, 29.5. Um 8 Uhr Tagwache. 8.30 Uhr unterwegs zum "Bahnhof" in Portage (ein Gleis, keine Hütte weit und breit). Dort hat uns die Linda von Major Marine Tours (wo wir gestern die Cruise gebucht haben) ihren Mann vorgestellt. Da hätt ich letzte Nacht auch meinen Camcorderakku aufladen können..... ja wenn ich das gewußt hätte.......!

Um 10.20 Uhr fuhr der Schleichzug weg (wohl aber Wagons mit unten Bänken und via eine schmale Wendeltreppe auf 2 m Höhe eine Reihe Sitze links und rechts). Nach Whittier dauert die Reise 40 Minuten = 15,5 Kilometer. 2 Tunnel (total finster) weiter kommt man in Whittier an. Ein Hochhaus, viele Boote (Jachten) und thats about it. Viele Leute wohnen dort nicht, ein paar hundert.

Unser Schiff, die "Emerald Sea" hatte Platz für 147 Passagiere, 74 waren an Bord (oder 47?). Der Kapitän war sehr nett. Er erklärte unterwegs das ein und andere. Er sagte z.B. "rechts sieht man ein Adlernest" und die Hälfte der Passagiere (inklusiv mir natürlich, mit Fernglas, Fotoapparat und Filmkamera, deren letzte Volts ich hier verbrauchen wollte) rennt raus aufs Aussendeck und sucht und sucht.....

Nun hab ich schon 3 Filmaufnahmen mit einem kleinen weißen Punkt in der Mitte: einen Bär, einen Elch und nun einen Adler. Wahrscheinlich ist demnächst auf dem Fernseher überhaupt nix zu sehen..........

Es gab dazwischen Buffet: Reis, Sourdough-Brot (fürchterlich sauer), Lachs (sehr gut!), Grillhuhn (bäh!) und Salat. Vom Lachs hab ich mir gleich nochmal was nachgeholt.

Nach etwa 2 Stunden dahingeschaukelt zu haben und raus und reinlaufen (rauchen nur am Oberdeck.....) kamen wir beim Blackstone Gletscher und seinem Nachbarn, dem Northland Gletscher an. Beim 2. knallte gerade ein Stück Eis von der etwa 50 Meter hohen Wand worüber der Gletscher hing, ins Wasser. Und dann warteten alle 45 Minuten lang gespannt, ob nochwas runterfällt (aktivster Gletscher weit und breit......), denn deswegen waren wir ja gekommen. Aber es tat sich so gut wie gar nix. Zwei mal ein "Eisverschiebgeräusch", das klang als ein dumpfer Gewehrschuß, aber es war angenehmes Wetter, deshalb war das draußen an Deck stehen nicht so schlimm.

Dann mußten wir wieder zurückfahren und es gab das Nachtisch-buffet. Ich nahm gleich 3x dasselbe: Muffins mit Nüssen oder so. Und Melone. Um 17 Uhr waren wir wieder im Hafen von Whittier (nachdem wir 2 Bergziegen hoch oben am Felsen gesehen hatten und ein paar Seeadler die noch weiter oben am Himmel ihre Kreise zogen).

Ein Rundgang in Whittier noch, d.h. u.a. aber nicht viel mehr ein paar Souvenirgeschäfte, eines mit zwei lebenden Rentieren im Garten und sogar einem öffentlichen Klo. Ist zwar nur ein Container, aber da könnten sich europäische Länder ein Beispiel dran nehmen. Überall ein gratis Klo, sei es im Einkaufszentrum, Geschäften bzw. als Container auf der Straße.

Um 18.50 Uhr kamen wir mit dem Zug in Portage an und dann war ich müde. Wir fuhren nach Anchorage und suchten und fanden einen Camperpark in der Nähe vom Flughafen. Da hatten wir dann direkten Wasseranschluß, aber mit kaltem Wasser duschen: nö. Dann halt Gebrauch machen von den Gratisduschen am Platze.

Aber erst Essen. Wir gingen zum "Sorrento" und die kleinste Pizza war viel viel viel zu groß. Und Peperoni ist da eine Wurst, keine Pfefferoni....... und Kanadischer Speck soll Schinken sein. Na ja. Ich fühlte die halbe Pizza, die ich wegmampfte am nächsten Tag noch im Magen.

Danach (es war schon 23 Uhr) mußte noch gepackt werden, oh du Sch......lamassel, und den Camper zusammenräumen auch noch. Eiskasten war noch ein bisserl voll, haben wir Dinge weggeschmissen (offene Sachen) und den Rest in einen Sack fürs Personal vom Wohnwagen-vermieter (Kaffee usw.). Um 1.30 Uhr früh hatten wir dann so ziemlich alles verstaut.

Samstag, 30.5. + Sonntag 31.5. 7.45 Uhr stand ich auf und ging duschen. Cornflakes essen und ab die Post. Tanken mußten wir auch noch innerhalb von 7,5 km vom Vermieter. Das stand in der Mietvereinbarung. Um 9.45 Uhr stand der Camper wo er hingehörte. Mit 1.620 Meilen (rund 2.592 Kilometer) mehr am Tacho.

Wir wurden zum Flughafen gebracht und dort brauchten wir eine dreiviertel Stunde um zu erfahren, daß wir nach dem telefonischen Reservieren für den Flug (das konnte man am Flughafen nicht tun) uns doch noch nicht von den Rucksäcken trennen konnten. Es war zu früh. Na ja........... wir brachten die Dinger zu einer Aufbewahrung und bezahlten $ 8,-- für 9 Stunden. So lange hatten wir nämlich Zeit bis zum einchecken für den Flug, der erst um 21.50 Uhr geht.

Also: es gibt keinen Bus in die Stadt, außer man geht erst 1,5 km zu Fuß. Und das taten wir dann auch und verpaßten dort den Bus auch gleich (fährt einmal die Stunde). Aber ein LKW-Fahrer bot uns an um uns mitzunehmen. Und dann waren wir gratis im Zentrum von Anchorage.

Dann noch T-Shirts kaufen, Goldmine am Turnagain Arm war geschlossen, dann halt Samstagmarkt (hab getrocknete Chilischoten und Origano gekauft, irr billig). Danach noch bei Blondies gegessen (Steak und Nachspeise) und mit einem Taxi zurück zum Flughafen. Umziehen (schöneres Gwand an wegen dem Standbygrundsätzen der KLM) und einchecken. Waren wieder die letzten 2 Personen, die an Bord durften. Die waren schon wieder zu spät dran und ließen andere standby-Passagiere einfach stehen obwohl noch Platz war.

Der Flug nach Minneapolis dauerte 5 Stunden und ich "schlief" (wenn man das unbequeme verbogene Sitzen mit geschlossenen Augen in den Flugzeugstühlen als Schlafen bezeichnen kann - man wacht auf und kann sich nicht mehr bewegen weil man zusammengefaltet ist....) mehr als die Hälfte der Strecke.

Am Sonntag 31.5. um 6.20 Uhr früh kamen wir an (sind dort 3 Stunden vorne). Dort wieder umziehen und legere Klamotten an, Rucksack in die Aufbewahrung und um 7 Uhr mit Bus ins Zentrum von Minneapolis/-St. Paul. Unterwegs sahen wir entwurzelte Bäume rumliegen, teils auf Autos und beschädigte Dächer der Häuser. Da gabs gestern Nacht einen Sturm mit 75 mph (" 90 kmh).

Eine angenehme Stadt, dieses Minneapolis/St. Paul: alte Mehlfabriken, der Dam im Mississippi, Hochhäuser und moderne Architektur, alles durcheinander. Der Bus kostet $ 1,-- und braucht 50 Minuten vom Flughafen ins Zentrum. Man fährt vorbei an lieblichen Häusern.

In der Stadt folgten wir dem Historic Trail, der uns auf Tafeln mit Zeichnungen und Text von den Anfängen der Stadt erzählte und von den Mehlfabriken. Dann um 9.30 Uhr auf Kaffee und Kuchen und um 10 Uhr zurück ins Zentrum vom Zentrum. Noch ein bißchen rumgelaufen bis 12.30 Uhr (zuviel, denn ich schlief beim Gehen fast ein, immerhin schon 25 Stunden relativ munter) und dann mit Bus zurück zum Flughafen.

Wir konnten noch mit mit dem Flieger nach Amsterdam und inzwischen sitzen wir an Bord, 16.45 Uhr Minneapolis-Zeit, d.h. 29 Stunden weiter seit dem Aufstehen in Anchorage am Samstag. Und es fehlen noch etwa 7 Stunden zum Ziel in Amsterdam (Ankunft 6.20 am 1.6.). D.h. noch etwas warten aufs Essen und dann Heia, damit der Jetlag nicht zu schlimm wird.

Wir kamen pünktlich an, mußten dann eine Stunde auf einen Bus nach Amstelveen warten, zu unserem Auto marschieren und dann gegen 8 Uhr waren wir zu Hause in Mijdrecht. Tapfer probierten wir bis abends wach zu bleiben, um 16 Uhr schlief ich zum ersten mal auf der Couch im Sitzen ein, um 18 Uhr zum 2. Mal und um 19.30 "durfte" ich endlich offiziell ins Bett (da war Patrick wach um mich aufzuwecken.........). Nach 11 Stunden Schlaf war ich am nächsten Tag noch nicht echt munter und den Tag danach mußten wir schon wieder arbeiten. Der Jet Lag dauerte noch ein paar Tage..........

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