Kapverden

26.3.-09.04.2005


Samstag 26.03.
Um 3 Uhr 30 aufgestanden (nach 3 Stunden Schlaf...). Stunde später das Taxi da, Flug um 7 Uhr nach München. Dort rumgeirrt für neue Boardingkarten, der neue Airport ist ziemlich unübersichtlich aber es gibt witzige Sitzideen (durchsichtige Kugeln von der Decke z.b.) und Spielplätze für Kinder im Terminal, Lokale mit Schanigärten (jetzt zu kalt) etc.

Um 11 Uhr mit etwas Verspätung flog die TACV Boeing 757-200 los und jetzt sind wir grad mit Essen fertig (4 Stunden nach Abflug) weil erst 3 Stunden nach Abflug kam was zu Essen.. trinken war ein Becher Juice oder Cola in den 3 Stunden. Noch 2,5 Stunden liegen vor uns. Dann 6 Stunden warten auf Sal und um 21:30 Uhr weiter nach Mindelo auf der Insel Sao Vicente.

Die Person vor mir im Flieger hat die Sitzlehne so weit hinten dass ich beim gradesitzen keinen Platz mehr habe. Von hinten kommen Socken unter dem Sitz hervor, die an meine Wadl stossen: irgendwie bin ich umkreist. Ich seh die Füsse desjenigen von hinten auch, wenn auf den Boden schaue. Jetzt hab ich meinen Rucksack hervorgekramt und auf den Fuss fallengelassen. Mein Rucksack ist ziemlich schwer. Aber geholfen hats nix, die Socke ist immer noch da.

Um 15:30 Uhr Ortszeit auf Sal (Amilcar Cabrao Airport) gelandet. Wind, 25 Grad. Gepäck war ja durchgechecked, also Geldwechseln (weil keine Ahung ob wir je wieder eine offene Bank hier finden in den nächsten 14 Tagen) (150 Euro each).
600 Escudos Wechselgebühren (in etwa 5,80 Euro) haben die mir abgeknöpft, grrr.
Dann hab ich mir gedacht Espargos ist eh nicht weit, besser dort wo sitzen als am Airport und bis 21 Uhr warten. Also zu Fuss los. Sal heisst nicht umsonst “Die Windige“.. na servas.. frontal ins Gesicht. Die Fleecejacke war gar nicht so falsch am Platz. Die Einheimischen laufen mit Shorts und ärmellos herum.
Die Häuser nach 25 Fussmarschminuten langs der Strasse waren noch nicht Espargos, aber bald danach erschien das Nest. So 2 km werdens wohl gewesen sein. Dort kurz rumgeschaut, laute Musik von einem Platz vor der Kirche. Aber nix was mit Ostern zu tun hätte sondern House oder so. Auf unser 1. Bier (120 ECV, 1,10 Euro ca. für ein Miniflaschl (0,25l) Sagres. Lässt sich aber gut trinken. Aus dem Reisebuch flogen gleich mal alle Zettel davon, wir sassen natürlich im Freien (Esplanada Bom Dia). Dann auf die Suche nach einem Restaurant weil sonst kriegen wir heute nichts mehr. Die vom Reiseführer 2005 waren entweder woanders oder zu. Na ja, das Leben hier beginnt erst nach halb 7 Uhr abends wie man merkte. Der Vatikan hätte keine Freude mit der Osterkleidung der angeblich streng katholischen Bevölkerung hier.. hot pants, bauchfrei etc. Von Ostern nix zu sehen. Espargos ist Verwaltungssitz oder so mit 8000 Einwohnern. Häuser klein und teils ziemlich baufällig.

Ein Lokal wo wir essen wollten war zur offiziellen Öffnungszeit um 18:30 noch immer zu, also ein anderes offenes gesehen (Sivy) und rein. Haben ein herrliches Omelett mit feinen Pommes Frites und Reis gegessen. Konnte gleich die 1. Kapverdische Tomate testen: ja schmeckt gut! Auch die grünen Salatblätter waren fein. Für 2 Essen und 2 Bier zahlten wir 1000 ECV, 9 Euro circa. Nicht übel.
Dann wollten wir nicht unbedingt im Finstern retour zum Airport und das Taxi wollte nur 2 Euro, also nix wie rein.

Dann wieder warten am Airport (wo man übrigens rauchen darf!!) und kurz nach halb 10 hob eine vollbesetzte Propellermaschine bei Vollmond in Nebelschwaden ab und wir sind unterwegs nach Sao Vicente, unser Ziel für die nächsten 2,5 Tage. Das Gepäck wird hoffentlich auch ankommen, haben wir ja seit Wien nicht mehr gesehen.

23:40 Uhr:
Ja alles ist angekommen, fein! Der Anflug nach Sao Vicente im Vollmondschein war auch fein! Da gehen Klippen bzw Bergrücken ins Meer hinein, nicht so flach wie die Gegend, die ich auf Sal sah..
Taxi nahm uns auch nicht aus, 1000 ECV (ich glaube er wollte mehr aber ich tat so als ob ich nicht verstand und schrieb 1000 auf einen Zettel und er nickte; so gehts auch ;-) Mit Englisch kommt man hier keinen Meter weiter...

Angekommen in der B&B Casa Comba stand der Verwalter Roberto vor der Tür und führte uns in unser Zimmer mit Bad (Fussi ins Bidet und ZISCH) und dann kam Arthur, der sehr nette Schweizer vorbei (für was hab ich die Teleonkarte gekauft, ich sollte ihn morgen anrufen wegen der Inselrundfahrt..) und wir machten die Fahrt für morgen um 10 Uhr aus weil eh alles zu hat. Pizzeria gibts „gegenüber“ im Mindelhotel, Gerhard hat noch Glück mit seinem ’keinen Fisch essen müssen’ ;-)
Aber jetzt bom noite, es war ein langer Tag... und meine Zehenschlapfen sind vermutlich in Wien geblieben weil im halb ausgepackten Rucksack fand ich sie nicht.. 2 Batterien gehn mir auch ab.

Sonntag 27.3.
Bis zum Wecker um 8 Uhr war ich wohl 324x munter, wovon 1x mit Schüttelfrost und Gänsehaut. Das Leintuch ist fuzzydünn und sonst gibts nix. Das leicht geöffnete Fenster war dann bald zu. Sonne scheint, Wind heult, Frühstück wartet.
Frühstück war Weissbrot mit Butter und Marmelade, Joghurt, Schnitten und ein riesen Häfn Kaffee, schmeckte etwas nach Nescafe. Aber ein von Roberto angebotener italienischer Kaffee wäre zu wenig gewesen.

Um 10 Uhr waren Arthur und Taxifahrer Lino da. Lino arbeitete 15 Jahre in Rom d.h. keinerlei Verständigungsschwierigkeiten zwischen ihm und mir. Wir fuhren auf den ca. 800m hohen und somit höchsten Berg Sao Vicentes, den Monte Verde. Der Wind dort oben schmiss mich fast um, aber der Ausblick auf Mindelo und andere Gegenden war super! Agaven mit meterhohen abgeblühten ’Dingern’ und ansonsten wenig grün. Unterwegs fand ich kleine rote Kügelchen am Boden an einem Stamm, wo ich dachte schaut nach Tomate aus. Nahm es mit zum Auto und ja in der Tat: pomodorino. Schmeckte feinst. Wir fuhren weiter nach Baias Gatas und Salamansa, einheimische Leute mit Zelten und Grill und Kind und Kegel am Beach. Draussen meterhohe Wellen, die an die aufgeschichteten Lavasteine schlugen.

Weiter zu einem in the middle of nowhere gelegenen Churascheria (Barbara oder so genannt). Strohgedeckt und bald fast voll und wir bestellten uns Schweinefleischspiesse und Pommes und Salat und das war pro Kopf 6,6 Euro und allerfeinst. Eine Flasche Rotwein haben Arthur und ich geleert, kostete ganze 7600 ESC, also 7,5 Euro oder weniger, je nach Wechselkurs. Musik spielte auch, 2 Gitarristen und einer der sang, die waren gut!

Um halb 3 waren wir fertig mit essen und fuhren noch nach Puerto Nuovo und über die Promenade zum Hafen und dann rauf auf einen Aussichtspunkt, den wir auch von der Casa Comba Terrasse aus sehen. Eigentlich sind wir eh nicht weit vom Zentrum, aber die Hügel und die Häuser verwirren. Sooo klein ist Mindelo nun auch wieder nicht, 60000 Einwohner oder so. Nachdem heut fast alles zu hat werden wir probieren das Cafe do Mar zu finden, das soll einem Österreicher gehören und das Glas Wein 1,50 Euro kosten. Dann Mindelhotel auf eine Pizza oder so. Ja Urlaub und Essen gehören zusammen, zu Hause wird mittags ja so gut wie nie warm oder überhaupt gegessen und Frühstück gibts nur am Wochenende. Bin neugierig wie das Budget mit 20 Euro am Tag das aushalten soll, schaut nicht gut aus...

22:30 Uhr:
Waren um 19 Uhr auf der Praca oder wie der Hauptplatz auch immer heissen möge und in der Bar de Mar von Dimi (Wiener) und Doreen (Dresden). Wir wurden begrüsst als ob man eh schon alles von uns wusste... komisch, na ja. Hat Alfred aus St. Pölten auf St. Antao angeblich für uns organisiert was Arthur tat (ich ’kenn’ nur Peter von Maio, aber bitte... ) 1 Bier 130 Esc, Bar sehr nett eingerichtet (mit 2 Internet PC’s). Dann ins Mindelhotel auf eine Pizza. Warum sitzen dort 60 Leute an den Tischen und konsumieren fast nix bis gar nix? Und warum dröhnt ’By the rivers of Babylon’ von Boney M. (AHHHH Herbert...) wo ich das Zeugs nicht hören will (Chinesen wollt ich auch keine sehen aber die gibts hier auch genug hab ich gehört.. Fischrechte wurden gegen Plastikkram getauscht...). Dann gings los mit einer Kindermodenschau (4 - 14 Jahre). Angehabt habens alle fast nix aber das sieht man hier überall... und dann als Kind Kinder haben. Job was ist das ? (40% Arbeitslosigkeit) und man sieht auch nie Väter bei Muttern und Kind oder sehr selten. Angeblich sind die Dirndl durch die beliebten Telenovelas auf den Gedanken gekommen, dass man erst mit Kind glücklich wird und ein tolles Haus und Geld haben kann. Wohl eine Fehlinfo... Die Pizza im Restaurant war gut und 11 Euro für 2 Prosciutto Funghi und 2 offene Bier war auch angenehmer als erwartet. Aber dann kratzen wir die Kurve (über die Mauer, weil der Eingang war immer noch Showbühne für die Modenschau) und gingen retour in die Bar de Mer auf noch 2 Bier. Der Wind hört auch in der Nacht nicht auf, angeblich auch nicht bis Juni, na supi... kurzärmlig und ohne Socken geht nachts; „geht“ sag ich, aber das Wahre ist es nicht. Wie die Einheimischen noch mit Hotpants und ärmellos rumlaufen können versteh ich allerdings nicht.. na ja, wer bin ich.. morgen Stadtrumlauftour und vermutlich der letzte Tag ohne Fisch.. armer Gerhard..

(Oster)Montag 28.3., 16:30 Uhr:
Es fällt mir schwer von der Terrasse im B&B ins Frühstückszimmer reinzugehen und dies zu tippen (draussen seh ich auf der Jornada nix, gestern dachte ich sie wär endgültig kaputt aber im Freien no Chance mit dem Minibildschirm).
Von 10 Uhr bis 16 Uhr waren wir unterwegs in Mindelo. Nette alte baufällige Häuser, kleine Bars, viel Leute auf der Strasse (haben ja sonst nix zu tun), Obst und Gemüsemarkt sowie Fischmarkt (grosser Anteil von total untermassigen 15cm kleinen Fischen), Clube Nautique auf 2 Imperial Bier (kosten nur 100 ECV pro Stück) und Risois oder wie das heisst, keine Ahnung, man konnte mir auch nicht erklären was es ist. Es waren 10 Stück frittierte bzw panierte Fischdinger, aber locker essbar. 1,50 Euro. Dann Richtung Hafen und die Fährtickets für morgen gekauft: 600 ECV (5,50 Euro) pro Kopf. An den Strand, wo so viel geklaut wird, und den Jungs beim Fussballspielen bzw Fitnessstudio unter der prallen Sonne zugeschaut. Retour zu einem Gasthaustipp von Roberto, dem Archote. Hat geschlossen bis 19 Uhr. Dann in einem kleinen Supermercado 1,5 l Wasser, 2 Dosen Bier, 1 Packung Käsekeks und eine Tomate gekauft, Gesamt’schaden’ 2,90 Euro.

Dann entdeckt, dass die Sonnenmilch in der Reisetasche verteilt war obwohl sie zu ist.. Flosse, Plastiksack, Schilfmatte: alles fettig weiss, supi.
Jetzt wie gesagt auf der Terrasse, hin und wieder haut der Wind einem alles davon aber wenn er nicht bläst, ist es deftig warm. Ich trage zum 1. Mal in meiner Karriere eine Kappe.. mein Gesicht ist schon rot. Auf der Terrasse gibts keinen Schatten, von Früh bis Abends nicht. Es ist sowieso niemand ausser uns hier. Roberto meinte, ich solle den Zimmerschlüssel mitnehmen (wir kommen in einer Woche wieder für eine Nacht hierher) und können ein paar Sachen hierlassen. Eigentlich dachte ich ich bräuchte alles die nächsten 7 Tage aber in der Zwischenzeit hab ich 2 T-Shirts und eine lange Hose verabschiedet, die zerr ich gar nicht erst mit. So, wieder raus weil es ist so schön faul im Sessel in der Sonne zu sitzen. Bald müssen wir eh für morgen zusammenpacken weil um halb sieben ist Tagwache.

21:30 Uhr:
Haben gepackt und einen Teil von meinen Sachen lass ich wie gesagt hier. Hoffe sie sind noch da wenn ich wiederkomme.. Bleibt einfach im Kasten liegen. Dann probierten wir ins Rest. Archote zu kommen aber um 19 Uhr war es immer noch nicht offen. Kleiner Spaziergang, ab 19:15 Uhr trudelten 4 Leute zeitversetzt ein, ich fragte wegn zu oder offen und verstand natürlich kein Wort.. das Licht ging an, Tischdecken wurden entfernt und aha, keine Ahnung. Ein Viertelstunde später gingen wir weg. Das Flostel (wo es lt. Doreen die beste Pizza gibt) wollte auch nicht aufsperren, also gings weiter runter auf die Promenade zu einem Minilokal im 1. Stock (Oh Paula), dort roch man eigentlich nur Fritierfett. Man verstand auch nur Portugiesisch und die Menükarte hatte nix ausländische Erklärtes an sich. Im Endeffekt gabs nur Mehresfrüchte. Nö danke, sowas kriegen wir noch oft genug. Will Bohneneintopf oder Cachupa, das Nationalgericht, krieg es aber nirgends ;-(

Nach 2 Bier zu 100 ECV gingen wir doch zu Nella’s über dem Cafe Lisboa. Die Tische waren 60cm im Quadrat und 30 cm vom Nachbartisch. Ausser 2x Hendl und 1x Schweinefleisch gabs nur Fisch und Meeresgetier zu gehobenen Preisen. Gerhard nahm das Schweinefleisch mit Pürree aus Süsskartoffeln um 8 Euro und ich gegrillten Fisch mit allen möglichen unbekannten Gemüsen zu 7,50 Euro. 2 Bier dazu (alle anderen (Touristen) tranken Bottles Weisswein..) und das reichte. 100 ECV jeder zwecks Musikschutz weil ein 100jähriger Geiger (traf manchmal die Töne nicht wirklich) und 3 Gitarristen live spielten. Die Musiker gestern mittag waren viel authentischer, aber der Reiseführer lässt auch nicht viel gutes an dem Lokal, das angeblich einem Franzosen gehört und wo die europäische Klientel zuviel zahlen muss. Na ja, Bauch wenigstens halbvoll. Das Minilokal war mir allerdings viel zu voll und so verliessen wir es auch bald wieder und gingen nach Hause. Mein Gesicht und die Augen brennen, die Sonne und der Wind.
Hab auf der Rückseite der Fährtickets gelesen, man dürfe nur ein Gepäckstück mit 25x25x25 cm Ausmass und max 5 Kilo schwer mitnehmen.. Was soll das denn? Spinnen die? Viel protugiesisch versteh ich nicht aber das schon.. Hoffentlich machen die mit unseren 5 Gepäckstücken morgen keine Troubles.
Die Einheimischen kotzen sich angeblich ständig voll auf der Fahrt nacht Santo Antao und Roberto meinte auch wir sollen nirgends frühstücken weil der Kanal hat heftigen Seegang. Arthur meinte es gäbe günstigen und guten Toast und Kaffee an Board.. Wenn man mich im Freien stehen lässt sollte ich mit seekrank werden keine Probleme haben; wehe ich sitze drinnen...

Dienstag 29.3.
Um halb 7 nach 300x rumdrehen aufgestanden und alles Gepäck erwischt. Lino war vor viertel 8 schon da. Der Weg zum Hafen ist ja nicht weit. 250 ECV wollte er, 400 hab ich ihm gegeben, er hat ja vorgestern bei der Inselrundfahrt kein Trinkgeld bekommen. Am Hafen riss einer schon die Taxitüre auf, nein ich trag mein Gepäck selber (es waren ja nur 10 Meter rein in die Abfertigungshalle wo man dan ein Wagerl nehmen konnte). Halb 8 waren wir an der Tür, kurze Zeit später am Schiff. Einen sehr guten Espresso um 70 ECV und dann rauf aufs Oberdeck weil drinnen sitzen ist nix für mich. Ein italienisches Pärchen, das ich schon im Flieger nach Sao Vicente sah (er stand neben mir und sagte "Jacka Wolfskina" (ich hab Rucksack und Hose von dieser Marke getragen..) und im Österreicherkaffe in Mindelo, war auch auf dem Schiff. Weiters ein Haufen älterer Wanderfranzosen und die turnten nervös die Stunde an Deck mit Feldstechern und Fotoapparaten rum. Ich wartete nur, bis die eine kleine mit dem Fernglas durch das schwappende Schiff umfiel. Die Sonne schien schön ins Gesicht, der Wellengang war mir wurscht weil ich sass an der Reling und sah den Horizont.

Kurz nach 9 legten wir in Porto Novo auf Santo Antao an, dort war ein Gewirr von Leuten und Aluguers (wir zahlten für unser Gepäck übrigens nix extra, jeder hatte viel mit..) und ich sah jemand mit einer Tafel "Tarrafal" (dort wollten wir hin, wussten aber dass das Aluguer erst um 13 Uhr irgendwo am Dorfende wegfahren sollte.). Der Typ (ich glaub Adriano hiess er) meinte, es warteten noch 4 Leute wo anders und wir könnten uns den Preis von 5000 (=50 Euro) teilen. Ich wusste, dass Taxifahrer gerne Leute übers Ohr hauen und mit normalen Aluguers (die Sammeltaxis kosten 500 Esc nach Tarrafal) fahren. Aber es stimmte, 4 Deutsche warteten und sie wussten sogar wie wir heissen (schon wieder, das gibts doch gar nicht.. Susi von Mar Tranquilidade hat gesagt, sie sollten auf uns warten). Na schön, zusammen mit noch einem Deutschen, der wohl hier wohnt, gings dann los und nach kürzester Zeit waren wir von oben bis unten staubig; wir sassen im Freien auf 20 cm breiten harten Pritschen und wurden durch die Gegend geschleudert. Ich wollte zwar immer schon eine graue Jack Wolfskin Hose aber nicht auf die Art... mein schwarzes Shirt und der Rest von mir waren natürlich auch total eingestaubt. Die Fahrt ging durch eine Mond-Lavalandschaft mit hin und wieder einem Haus. Strasse konnte man die Stein- und Löcherpiste nicht nennen... von 10 Uhr bis 12:45 Uhr dauerte die Fahrt und nachdem man sich die ganze Zeit festhalten musste wuchsen einem auch die Muskeln. Susi begrüsste uns sehr freundlich, nach einem Bier sah die Sache auch schon wieder ganz anders aus. Wir wohnen in einem Doppelhaus, neben uns 2 Deutsche. Rauchen tun glaub ich nur wir hier, kein Mensch übrigens am Lavastrand (dort gibt es auch keinen Schatten..) Auf der Fahrt hierher wurde alles, was der Sonne blossgestellt war, gnadenlos verbrannt. Ein Schweizer Paar ist auch noch hier. Keiner scheint so lang wie wir zu bleiben .. Wegen 3 Tagen tu ich mir eine solche Fahrt nicht 2x an... Wind geht hier auch fast keiner und wir sitzen unter Bäumen vor unserer Terrasse mit Tisch. Von Frank, dem Besitzer, hab ich gehört es ist grad Tomatensaison und ich bekam auch gleich eine zum Mittagessen geschenkt. Nein ich brauch weder Messer noch Salz noch Pfeffer, ich beiss einfach rein.. Das kalte Wasser zum Duschen ist gewöhnungsbedürftig, besonders den Haaren tuts nicht sonderlich gut. Aber egal, die nächsten 7 Tage bleiben wir hier und lesen und gehn vielleicht wandern und essen (Susi, die Partnerin vom Besitzer Frank mag auch keinen Fisch, Gerhard hat eine Verbündete gefunden) und trinken und faulenzen, oder so..

Nach ein paar Seiten lesen und faul bei Bier um 80 ESC am Tisch sitzen sind wir dann in den Fischerort Tarrafal de Monte Trigo gegangen, der direkt an unsere Unterkunft anschliesst. Wie überall viele Kinder und auch 2 Fussballmannschaften die bei der Hitze spielen. Auf der Suche nach einem Lebensmittelgeschäft geriet ich in ein Privathaus und als man mich rauskommen sah fragte mich ein alter Mann was ich denn suchte. Und er wies mich nach rechts oben. Dort war zwar auch ein Schild Mercearia, aber die war zu. Dann hab ich halt ein paar Fotos gemacht... so klein ist der Ort gar nicht. Am Rückweg fragte mich der alte Mann, ob ich das Geschäft gefunden hatte und ich antwortete im besten spanisch sowas wie ’ist zu, später halt’ und nachdem er das wiederholte war ich mir sicher dass er mich verstand. Dann kamen wir bei einer Minibar vorbei (Bier, Süsskartoffel, 4 Tomaten und Schnaps gabs dort im Laden) wo auch der Deutsche Bernd sass (der beim Herweg mit dabei war). Wir bekamen einen Kokosschnaps zum kosten (Grogue ist das Nationalgestränk hier da wirst vermutlich blind..) wo 65% Grogue drin war. Na ja, nicht meins. Tranken noch ein Bier und unterhielten uns und jetzt sind wir wieder im Haus wo sich alles wohl aufs Abendessen vorbereitet (Buffet). Ich begann schon das Zimmer und den Vorplatz von den ewig herabfallenden Blättern der Akazien zu säubern (hat zwar keinen Sinn aber sonst zerren wir den Dreck rein und es gibt hier keinen Zimmerservice), und jetzt werd ich noch was lesen. Meer ist für morgen geplant. Sind ja 6 Tage hier und haben vieeel Zeit.

Um 19 Uhr gabs Essen in Buffetform. Waren zu 15. Geräucherter Gitarrenfisch und andere Fische, Aufläufe mit Gemüse und Erdäpfel, gegrillte irgenwasdinger (gut), Maisauflauf mit Karotten und Erbs. Dazu ein Bier (10 haben wir heute geschafft, aber na ja, 0,25l pro Fläschchen) und nachher einen Grogue. Na servas, ist der grausig!! Die 4 Deutschen haben sich mit den 2 bereits anwesenden gleich verbündet (siehe anderen Reisebericht von Namibia, das muss wohl so sein..), 2 Spanier? und 2 Schweizer und wir 2 waren ’single Paare’. Nachdem wir im Essensbereich nicht rauchen (weil wir zu gut erzogen sind.. ich mein es ist im Freien und trotzdem tun wir es nicht) sind wir bald nach dem Essen abgedampft. Durchfall hab ich, woher eigentlich? Ein bissl zuviel Sonne hab ich heut wohl auch abgekriegt, weil ich fror um halb 7 als andere ohne Ärmel rumsassen. Die Fleecejacke war nicht übertrieben! Es ist jetzt 21 Uhr und ich werd wohl bald die brennenden Äuglein schliessen und hoffen der Moskito von vorhin findet mich nicht!

Mittwoch 30.3.
So gehts natürlich auch dass man "nix tut": war in den letzten 12 Stunden (ab halb 9 gestern abend) 14x am Klo mit deftigsten Krämpfen vorher. Supi... eiskalt war mir in der Nacht bis ich mein Strandtuch noch drübergeworfen habe übers Leintuch. Und es hört nicht auf. Soviel hab ich in den letzten 3 Tagen gar nicht gegessen was da alles mit der Klospülung verschwindet. Heute begebe ich mich nicht mehr als 5 Meter vom Klo weg und Essen wird gestrichen. 2 Tee hab ich intus und 2 Bissen Kuchen. Das reicht.

15:45 Uhr:
Bin gelegen und hab mich rumgedreht und gefroren und geschwitzt. Frank meinte nach Handauflegen ich hätte nicht viel Fieber, nur 38.. da bin ich ja sonst schon beinah tot, ich hab fast nie Fieber. Noch einen Tee im Freien getrunken, unbedingt warm ist mir gar nicht. Ob ich heut was essen soll? In der Zwischenzeit war ich ja schon wieder 5x am Klo...

19:25 Uhr:
Ich dachte ich geh auch zum Buffet aber kurz vor Beginn hatte ich wieder einen miesen Krampf und war gleich drauf am Klo.. Gerhard sagt ich glühe, ich find dass alles an mir abgekühlt ist. Gerhard brachte mir Spaghetti mit feiner Gemüsesauce und 2 Kürbispuffer aber die Puffer lass ich mal, sind ziemlich dunkel und frittiert, wohl nicht das Wahre für meinen Magen/Darm.
Einen Moskito hab ich erschlagen, 2 haben mich zerstochen und einer probiert grad mich zu attackieren. Mir tut übrigens alles weh vom Aluguerfahren: von den Fingern über die Arme, Gnack, Rücken und natürlich Steissbein. Auch nicht sonderlich gut beim Liegen. Bin ja mal gespannt wie lange das Essen braucht bis es einen Krampf verursacht.. Das Wasser (Meer) vor der Tür hab ich noch nicht mal betreten (liegen am Strand kann man sich wohl abschminken, kein Schatten nix), die Wellen waren heut wieder hoch und es liegen angeblich Lavasteine im Wasser, nix gut für die Fussi.

Donnerstag 31.3.
Also ich hab 2 Krämpfe standhaft ignoriert und so gut es ging 11 Stunden geschlafen (mit Frier und Schwitz natürlich). Frühstück ein Stück Omelett und Kaffee und Tee, danach auf zum Meer aber Schnorchelmöglichkeiten gibts keine, die Wellen sind viel zu hoch, das Wasser trüb (war mit Schwimmbrille drinnen und sah keinen cm). Gute Fotomöglichkeiten jedoch mit meterhoch spritzenden Wellen, die sich am Lavagestein brechen. Das Wasser war übrigens kalt und die Steine im Wasser rollten mit jeder Welle landein- und landauswärts. Dann noch einen Radler und ein Bier getrunken, die Suppe hab ich mir erspart. Neuankömmlinge gibts auch wieder (alles fest in Deutsch-Schweizer Hand) und einer muss heut nacht draussen schlafen weil er zuviel ist (die beiden Schweizer wurden im Ort einquartiert). Die 4, die heute abreisen wollten, sind nämlich noch da. Jetzt mal ein Spaziergang Richtung Dorf und weiter, Fotoshooting.

Nix weiter, nur Dorf und schon wieder wars Dorf aus, so wie gestern.. dafür haben wir überall den Müll gesehen der niemals verrotten wird... Alles wird aus dem Haus rausgeschmissen und das wars dann. Das Dorf hat auch mehr Kinder als sonstwas und alle wollen sie Geld von einem... Tut leid, ich kann meine Hosensäcke umdrehen, es ist nix drin. Nur Fotomachen.

Morgen wollen wir den Weg zum Wasserfall gehen weil das Schnorchelzeugs ist wirklich umsonst mit uns rumgereist. Beim kleinen Vulkan hinten vielleicht, etwa 3 Kilometer von hier. Na dorthin schlepp ichs sicher nicht wenns nicht sicher ist dass man schnorcheln kann. Deutschland hat noch mehr Zuwachs bekommen, 2 Damen, die Bekannte von Susi zu sein scheinen. "Unser" Tisch vom Vorplatz ist schon weg, den braucht man jetzt drüben auf der Essterrasse. Decken für die gemauerten Steinliegen vorm Häuschen hamma auch keine, liegen also nix. Durchfall seit heut morgen vorbei aber ich hab auch nix mehr gegessen.
Die Nachbarn die morgen abreisen haben 2 Decken für die Steinliegen, die hätt ich gerne...

Das Abendessen war herrlich: Kartoffel, Bechamelsauce mit irgendwas (Käse oder Hendl, eher wohl Käse), Kichererbsengemüse und Fisch und Knoblauch-Gewürz-Pesto. Hendl gabs auch, hab ich aber nicht genommen. Im Badezimmer hängt am Plafond über dem Eingang eine handtellergrosse Spinne und hinter der Tür pickt ihr Kumpel auf 1m ab Boden-Höhe. Ein Kakerlak war in Gerhards Bett. Heut hab ich einen Zimtgrogue probiert, den kann man schon viel eher trinken als den puren, von dessen Geruch man schon erblindet. Das Bier wird auch schon fad und ich überleg mir schon auf Wein umzusteigen zumal 1L 600 ESC kostet und ein viertelliterfläschchen Bier 80. Wein trink ich eher weniger als Bier weil Sprite und Fanta und Cola (gestern Cola getestet) mag ich nicht wirklich. Wasser ist auch nicht so sonderlich. Hier gibts welches aus der Quelle, habs aber noch nicht probiert. Morgen für die Wanderung werma aber welches brauchen. Jetzt wart ich auf den nächsten Moskitobiss, 5 haben mich schon erwischt (die Schweinigel sind auch tagaktiv! Nicht nur die überlästigen überzähligen Fliegen hier..) und alles gleich dramatisch rot und angeschwollen.

Hier ist Frühschlaf angesagt weil was ausser lesen soll man sonst tun. Und hoffen kein komisches Vieh krabbelt einem übers Gesicht. Das Moskitonetz will ich nicht verwenden, da krieg ich keine Luft drunter.

Freitag 1.4.
Um dreiviertel 1 in der Nacht wieder mit Krämpfen aufs Klo, die Riesenspinne rechts vom Klo, auf 40cm Distanz, igitt! Die Nachbarn wegfahrn gehört um 5 Uhr, aber leider keine Decken bei uns gefunden. Der Bungalow ist wieder belegt, jetzt von den älteren Damen. Einen Kakerlak im Bett. Weg damit (ich inspizier es mit der Taschenlampe bevor ich mich reinlege.. ) und am Kopf flog mich was an und piekste. Keine Ahnung was es war, es war fies. Neue Moskitostiche collected. Frühstück: gute Semmeln mit Butter und leider nur 3 kleinen Blattln Käse. Der war danach nämlich sofort weg obwohl noch genug auf der Platte lag. Marmeladetyp bin ich ja keiner. Kaffee war auch nur noch ein halber Becher voll da. Dann ab zur Wanderung zum Wasserfall. Denkste. Nix gefunden. Aber dafür haben wir einen neuen Weg kreiert, die kerzengrade über brüchiges Gestein und Schotter ca. 100 Höhenmeter auf allen Vieren rauf. Ein Junge im Feld sah uns zu und deutete wir wären falsch, kam blossfüssig rüber und führte uns über einige Höhenmeter und zeigte uns den Weg weiter bis ganz rauf zum Dorf. Dort dann über den Wasserleitunsweg runter bis die Kniee schon w.o. gaben (ich rutschte auch 2x aus und fiel hin). Die Sonne tat trotz Käppie das übrige.

Nach ca. 3,5 Stunden fanden wir eine Mercearia im Dorf (die vorgestern zu hatte) und Wasser eiskalt und 2 Bier wurden eingeschlagen. Der Bierpreis bei Frank hat sich gestern abend um 25% erhöht von 80 auf 100 ECV. Gehört hammas nicht, ich sah nur jemand einen Preis am Eisschrank überkleben. Unser Bargeld ist auch in Euro beschränkt, ich glaub wir steigen auf Wein um. Die Flasche zu 600 Esc (ich sah sie im Laden grad um 200, aber den nimm ich mir nicht mit ins Zimmer). Jetzt ist faulsein angesagt aber ehrlich gesagt: ich träum von Tobago, auch wenn es mehr kostet. Mit Appartment dort statt B&B hält sich das ganze aber noch in Grenzen, Abendessen kochen würden wir eh nicht.

Das Abendessen war wieder fein. Pastaauflauf, Fisch, Pflänzchen von irgendwas (um es mal auf Deutsch zu halten), Gemüse, Salat. Den Grogue hab ich mir erspart aber zwecks Geldsparen war eine Bottle Wein angesagt. Nix Geld sparen weil 6 Bier hätten wir zum Abendessen nie getrunken.. soviel kostete der Liter Rotwein und er war um 21 Uhr auch leer (diesmal haben wir nämlich den Essensort nicht nach dem Essen und einem Bier pro Kopf verlassen sondern mit den Deutschen die hier 11 Tage bleiben gequatscht (die einzigen Raucher ausser uns). Jetzt isses für hiesige Verhältnisse schon etwas spät also wieder ein Tag ohne Meer und 11 Stunden schlafen und keine Zeile lesen. Ist das Erholung? Na, ich mach es mir selber, den ganzen Tag nixtun im Sinne von lesen geht bei mir einfach nicht, dazu bin ich wohl noch zu jung ;-)

 

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