
Antonio Secci. Eine Kunst, die von Sardinien spricht
aus der Ausstellungsbroschüre Universität Basel (Kollegienhaus), Oktober 2008
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Zwei Farben, zwei schroff-runzelige Oberflächen: sie versuchen sich gegenseitig zu durchdringen und erzeugen durch diese Reibung so etwas wie einen langen großen Riss, mit unterschiedlich verfranzten Rändern, - und doch sind sie gnadenlos zusammengenäht, erlauben dem Blick nicht, durch den Riss hindurch die darunter liegende Ebene zu verletzen. Es sind sparsame und scheinbar einfache Elemente, die es ermöglichen, eine komplexe Realität wie selbstverständlich zu begreifen. Hoch aufgeladen mit Spannung, noch verstärkt durch den Reichtum an Erlebtem, das sind die wesentlichen Züge des künstlerischen Schaffens von Antonio Secci. Und diese Fülle ist nicht durch die uns gegebene Zeit beschränkt.
Es ist die voll und ganz sardische Identität, die sich in der künstlerischen Produktion von Antonio Secci zeigt, dieser kompromisslose Charakter, der bestimmt ist durch das „ja oder nein“, der Raum übrig lässt für unentschiedene Mischungen, für halbe Sachen. Gleichzeitig aber ist diese Identität unglaublich reich an tiefen Gefühlen, starken Empfindungen, süßer Magie, an sinnlicher Beziehung zum eigenen Boden. Einem Boden voller Wunder und Geheimnisse, eifersüchtig gehütet seit den Ursprüngen der Sarden, den nuraghen Völkern, die keine Schriften und doch Zeichen hinterlassen haben, einfache und zugleich reiche Zeugnisse einer großen Zivilisation. Sardinien will sich nicht einfach so offenbaren, Sardinien will entdeckt, begehrt, tief geliebt werden, bevor sie ihre Geheimnisse preisgibt, bevor sie ihre unglaubliche Schönheit zeigt.
In gleicher Weise geben sich die Werke von Antonio Secci nicht zufrieden mit einem flüchtigen Blick, sie begehren einen stillen, intensiven Dialog, der einmal angefangen nie mehr endet, der dich umarmt für immer. Nur jemand, der allenfalls eine oberflächliche Beziehung zu Sardinien hat, kann in der kompromisslosen Modernität der Werke von Antonio Secci einen Bruch mit der sardischen Tradition sehen. Die Kreationen von Antonio Secci sind im Gegenteil geboren aus der sardischen Sprache, lapidar einerseits und doch so komplex und reich an tiefen Empfindungen.
Zwei Farben, zwei Oberflächen, die sich scheinbar durchdringen, um Werke entstehen zu lassen, die weder Bilder noch Skulpturen sind, die sich weder mit der Zwei- noch mit der Dreidimensionalität zufrieden geben; sie brauchen einen Raum, der einerseits multidimensional andererseits a-dimensional ist. Die Sprache von Antonio Secci ist die Sprache Sardiniens, zu reich und vielschichtig, um sich mit einem „einfachen“ Idiom zufrieden zu geben.
Übersetzung von Tilman & Libuse Rothermel