
Liz Jung
Seccis Verführung
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Antonio Seccis Bilder sind großformatig. Sie beeindrucken gleich beim ersten Sehen. Was das genau ist, lässt sich nicht sagen, nur fühlen. Der Künstler setzt all seine Mittel dafür ein, dass das Bild in einen Dialog mit dem Betrachter treten kann. Seine Farben und Formen bilden das Repertoire, das Antonio Secci sich zu eigen gemacht hat. Mit etwas Bestimmtem aufladen möchte er seine Bilder dabei nicht. Was der Betrachter mit dem Bild macht, bleibt ihm selbst überlassen.
Möglicherweise wirken die Farben besonders stark auf sein Unbewusstes. Die Farbe Blau gilt nach dem Psychoanalytiker C.G. Jung als Farbe der Spiritualität und des Geistes. Rot dagegen ist die Farbe der körperlichen Energie, der Leidenschaft. Weiß als Summe aller Farben bildet zu Blau und Rot einen starken Kontrast. Deswegen interessieren Secci diese Farben: nicht aufgrund ihres symbolischen Gehalts, doch schlicht, aber extrem wirkungsvoll, als Mittel zum Kontrast. Denn ohne Kontraste sei das Leben sehr langweilig, sagt der Künstler.
Eine enorme Spannung geht von Antonio Seccis Bildern aus: zum einen an den „Nahtstellen“, den Übergängen zwischen zwei Farben innerhalb eines Werks, doch auch an den Bildrändern. Wenn beispielsweise Weiß sich mit Blau abwechselt - in diesen für ihn so charakteristischen Rissen oder Zacken, mit denen Secci die Zersplitterung des Lebens ausdrückt - wenn Weiß sich mit Rot einlässt oder Blau mit Gelb, dann entstehen sanfte, doch spannungsreiche Übergänge. Eine Positiv-Negativ-Form zeichnet sich ab. Eine Farbe hebt sich von der anderen auch durch entstehendes Volumen als Relief ab. An den „Nahtstellen“ werden – bei rechtem Licht – Schatten sichtbar. Innerhalb einer „Nahtstelle“ ändert sich an manchen Punkten das Kräfteverhältnis zweier Farben. Was liegt darüber, was darunter? Sind die Farben gleichberechtigt, oder ist eine stärker? Das ist Seccis Verführung.
Am Bildrand entsteht ein spannungsreiches Vakuum, und der Betrachter ergänzt im Geiste, wie das Bild sich fortsetzt. Denn es ist Teilstück eines größeren Ganzen, das im Kopf des Künstlers exisitiert und das der Betrachter unbewusst ergänzt. Antonio Secci treibt ein Spiel mit dessen Wahrnehmung, und der Betrachter lässt sich verführen.
Woher er das alles hat? Ganz aus sich selbst heraus. Seccis Blau erinnert an das Blau, das Yves Klein verwendete und das dieser sich als „International Klein Blue“ patentieren ließ. In einer legendären Performance bemalten sich 1958 in einer Pariser Galerie weibliche, nackte Models mit diesem „IKB“, um anschließend den Abdruck ihrer blauen Körperkonturen als Positiv-Negativ-Formen auf weißem Papier zu hinterlassen. Der Künstler beobachtete all das ohne selbst einzugreifen. „Le Vide“, „die Leere“, so nannte Yves Klein das Kunstwerk. Diese Art von Kontrast interessiert auch Secci.In den späten 1960er Jahren wird Roberto Crippa Antonio Seccis Lehrmeister. Die Begegnung mit Crippa und den „Spazialisti“ habe ihn in eine tiefe Krise geführt, in der er sich fragte, ob die wohl spinnen, oder er, sagt Secci. Er, der bis dahin mit konventionellen Figuren gespielt hatte, gelangte schließlich zu der Überzeugung, dass die „Spazialisti“ mit einem einzigen Zeichen, einer Geste, etwas ganz Neues schufen – ohne Umwege. Das wollte Secci auch.
Seit seiner ersten Einzelschau 1969 hat der Künstler nicht nur vielfach im In- und Ausland ausgestellt, sondern auch konsequent seinen persönlichen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Dank der großen freundschaftlichen Liebe seiner beiden Meister habe er gelernt, seine Ideen zu realisieren und zu kommunizieren, verrät Secci. Antonio Seccis Bilder sind groß. Sie beeindrucken gleich beim ersten Sehen. Was das genau ist, lässt sich nicht sagen, nur fühlen.
Seccis Verführung
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Antonio Seccis Bilder sind großformatig. Sie beeindrucken gleich beim ersten Sehen. Was das genau ist, lässt sich nicht sagen, nur fühlen. Der Künstler setzt all seine Mittel dafür ein, dass das Bild in einen Dialog mit dem Betrachter treten kann. Seine Farben und Formen bilden das Repertoire, das Antonio Secci sich zu eigen gemacht hat. Mit etwas Bestimmtem aufladen möchte er seine Bilder dabei nicht. Was der Betrachter mit dem Bild macht, bleibt ihm selbst überlassen.
Möglicherweise wirken die Farben besonders stark auf sein Unbewusstes. Die Farbe Blau gilt nach dem Psychoanalytiker C.G. Jung als Farbe der Spiritualität und des Geistes. Rot dagegen ist die Farbe der körperlichen Energie, der Leidenschaft. Weiß als Summe aller Farben bildet zu Blau und Rot einen starken Kontrast. Deswegen interessieren Secci diese Farben: nicht aufgrund ihres symbolischen Gehalts, doch schlicht, aber extrem wirkungsvoll, als Mittel zum Kontrast. Denn ohne Kontraste sei das Leben sehr langweilig, sagt der Künstler.
Eine enorme Spannung geht von Antonio Seccis Bildern aus: zum einen an den „Nahtstellen“, den Übergängen zwischen zwei Farben innerhalb eines Werks, doch auch an den Bildrändern. Wenn beispielsweise Weiß sich mit Blau abwechselt - in diesen für ihn so charakteristischen Rissen oder Zacken, mit denen Secci die Zersplitterung des Lebens ausdrückt - wenn Weiß sich mit Rot einlässt oder Blau mit Gelb, dann entstehen sanfte, doch spannungsreiche Übergänge. Eine Positiv-Negativ-Form zeichnet sich ab. Eine Farbe hebt sich von der anderen auch durch entstehendes Volumen als Relief ab. An den „Nahtstellen“ werden – bei rechtem Licht – Schatten sichtbar. Innerhalb einer „Nahtstelle“ ändert sich an manchen Punkten das Kräfteverhältnis zweier Farben. Was liegt darüber, was darunter? Sind die Farben gleichberechtigt, oder ist eine stärker? Das ist Seccis Verführung.
Am Bildrand entsteht ein spannungsreiches Vakuum, und der Betrachter ergänzt im Geiste, wie das Bild sich fortsetzt. Denn es ist Teilstück eines größeren Ganzen, das im Kopf des Künstlers exisitiert und das der Betrachter unbewusst ergänzt. Antonio Secci treibt ein Spiel mit dessen Wahrnehmung, und der Betrachter lässt sich verführen.
Woher er das alles hat? Ganz aus sich selbst heraus. Seccis Blau erinnert an das Blau, das Yves Klein verwendete und das dieser sich als „International Klein Blue“ patentieren ließ. In einer legendären Performance bemalten sich 1958 in einer Pariser Galerie weibliche, nackte Models mit diesem „IKB“, um anschließend den Abdruck ihrer blauen Körperkonturen als Positiv-Negativ-Formen auf weißem Papier zu hinterlassen. Der Künstler beobachtete all das ohne selbst einzugreifen. „Le Vide“, „die Leere“, so nannte Yves Klein das Kunstwerk. Diese Art von Kontrast interessiert auch Secci.In den späten 1960er Jahren wird Roberto Crippa Antonio Seccis Lehrmeister. Die Begegnung mit Crippa und den „Spazialisti“ habe ihn in eine tiefe Krise geführt, in der er sich fragte, ob die wohl spinnen, oder er, sagt Secci. Er, der bis dahin mit konventionellen Figuren gespielt hatte, gelangte schließlich zu der Überzeugung, dass die „Spazialisti“ mit einem einzigen Zeichen, einer Geste, etwas ganz Neues schufen – ohne Umwege. Das wollte Secci auch.
Seit seiner ersten Einzelschau 1969 hat der Künstler nicht nur vielfach im In- und Ausland ausgestellt, sondern auch konsequent seinen persönlichen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Dank der großen freundschaftlichen Liebe seiner beiden Meister habe er gelernt, seine Ideen zu realisieren und zu kommunizieren, verrät Secci. Antonio Seccis Bilder sind groß. Sie beeindrucken gleich beim ersten Sehen. Was das genau ist, lässt sich nicht sagen, nur fühlen.