Die Ratte ist
gelegentlich charmant und aggressiv. Auf den ersten Blick erscheint sie für
einen Fremden ruhig, ausgeglichen und froh.
Aber dies ist nur der äußere Schein, hinter dem sich
eine ständige Unruhe und eine nicht zu bändigende Angriffslust verbergen. Erst,
wenn man die Ratte länger kennt, weiss man, wie nervös und jähzornig sie ist.
Sie ist zwar sehr gern in Gesellschaft, aber
hauptsächlich um ihre Interessen zu wahren oder einfach nur am
gesellschaftlichen Klatsch teilzunehmen. Da sie mehr über andere zu lästern
weiss, als von sich selbst Preis gibt, hat sie mehr Bekannte als Freunde. Ihre
böse Zunge schreckt viele davon ab, sie ins Vertrauen zu ziehen. Deshalb hat
sie aber auch selbst in Notsituationen keinen, dem sie sich anvertrauen kann.
So ist sie also zwangsweise verschlossen und behält ihre Probleme für sich.
Ein charakterisches Hauptmerkmal der Ratte ist, ihre
Gewinnsüchtigkeit. Ihr ganzes Leben lang ist sie auf Profit aus. Sie schlägt
Gewinn aus ihren Eltern, ihren Partnern und sonstigen Bekannten, ihrem Geld und
mit Vorliebe dem Geld der Anderen.
Sie versteht es, in jeder erdenklichen Situation
andere Menschen mit ihrem vordergründigen Charme um den Finger zu wickeln und
sie dann auszunehmen. Diesen, ihren angeborenen unwiderstehlichen Charme,
benutzt sie bis zum Missbrauch um an ihr Ziel zu gelangen.
Sie ist genusssüchtig, verspielt und verfressen und
lässt sich nichts entgehen. Es mag dabei auf den ersten Blick paradox
erscheinen, dass sie in ständiger Angst vor Hunger und Armut lebt, obwohl es
ihr eigentlich nie all zu schlecht geht, dazu ist sie viel zu gerissen.
Aber obwohl sie jeden Augenblick geniesst und ihr
eigenes und das Geld anderer fast verschwenderisch ihrer Befriedigung opfert,
träumt sie von Ersparnissen und Sicherheiten für ihren Lebensabend.
Bei der Ratten-Frau zeigt sich diese
Charaktereigenschaft ganz deutlich. Sie neigt dazu, ihre Küchenschränke mit
unnützen Vorräten vollzustopfen, die sie dann schnellstens wieder aufbraucht.
Man trifft sie auch häufig auf Ausverkäufen, wo sie
mit blindem Eifer alles an sich reisst, um sich, die ihrer Meinung nach
>guten Gelegenheiten<, bloss nicht entgehen zu lassen.
Die Ratte ist auch
sehr einfallsreich. Sie kann schöpferisch tätig sein, sogar künstlerische
Ambitionen besitzt sie. Diese kommen aber selten zum Ausdruck, da ihr Verstand
eher rational denn emotional arbeitet. Da sie über einen hohen Intellekt
verfügt, ist es ratsam, ihre Ratschläge zu befolgen. Das Wissen um ihre
geistigen Fähigkeiten kann die Ratte aber auch ausnutzen.
Wenn sich jemand eine Ratte zum Feinde macht und sich
später einen Rat bei ihr einholt, dann wird sie ihn ohne mit der Wimper zu
zucken ins Verderben schicken. Die Ratte ist im Bezug auf Beruf und Geld
kleinlich und spießbürgerlich, aber im wesentlichen ehrlich und loyal. Was sie sich einmal vorgenommen hat oder
jemandem versprochen hat, wird sie auch peinlich genau bis zum Ende
durchführen, auch unter persönlichen Opfern.
Das einzige ernstzunehmende Hindernis ist dabei ihre
eigene Genusssucht, die sie oft von wichtigen Aufgaben ablenkt. Da sich diese
Genusssucht auch im beruflichen Leben widerspiegelt, wird sie auf keinen Fall
versuchen, ihr Geld lieber durch Schlauheit und Lust zu verdienen als durch
ihrer Hände Arbeit. Mit besonderer Freude erfüllt sie natürlich aus der Arbeit
anderer Kapital zu schlagen.
Im schlimmsten Fall kann so aus ihr ein Parasit
werden, ein Wucherer oder Pfandleiher. Insgesamt neigt sie zu Berufen, in denen
mehr der Kopf als die Hände gebraucht werden. So schnell die Ratte Geld
verdient, so schnell gibt sie es auch wieder aus. Sie kann und will auf nichts
verzichten, ihr ganzes Leben ist auf Befriedigung ausgerichtet.
So erscheint sie im wesentlichen recht egoistisch,
was ja auch den Tatsachen einiger massen entspricht. Freigiebig und opferbereit
in höchstem Masse wird sie jedoch, wenn sie verliebt ist und einen Partner
umwirbt. Der geliebten Person wird die Ratte großzügig alles geben, auch wenn
ihre Liebe nicht erwidert wird. Hiebei kommt natürlich der Eindruck auf, die
Ratte wollte sich den Partner auf irgend eine Weise kaufen, wie sie alles im
Leben kauft.
Ein guter Partner für die Ratte ist der Drache, da
seine Kraft und Ausgeglichenheit und ihr kritischer Verstand ein ganz gutes
Team ergeben. Auch mit dem Büffel passt sie recht gut zusammen, er kann ihr vor
allem Sicherheit bieten. Der Affe fasziniert die Ratte ungemein, auch wenn sie
es nie zugeben will. So wird sie sich Hals über Kopf in ihn verlieben, worüber
er sich nur amüsieren wird. Dem Pferd sollte sie besser aus dem Weg gehen. Es
ist zu individualistisch und unabhängig, um die Kleinigkeiten und Profitgier
der Ratte zu ertragen.
Eine wahre Katastrophe wäre es, wenn ein Ratten-Mann
eine Feuerpferd-Frau heiratet. Da die Feuerpferde aber nur alle sechzig Jahre
geboren werden, ist diese Gefahr etwas eingedämmt. Auch vor dem Hasen sollte
sich die Ratte in acht nehmen, der Gegensatz zwischen den beiden tritt im
täglichen Leben ganz offen zu Tage.
Die Ratte hat meisst eine gemütliche Kindheit und eine
sorglose Jugend. Der zweite Lebensabschnitt kann allerdings sehr bewegt
verlaufen. Sie wird eventuell durch ein schlechtes Geschäft ihr ganzes Vermögen
oder durch Liebeskummer ihr Glück verlieren. Der dritte Lebensabschnitt ist
wieder ruhig und das Alter ist recht sorgenfrei.