Diesen "papiers collés" muss man sich mit vorurteilsfreiem Blick nähern, um in ihnen das Handwerk, die Meisterschaft einer Künstlerin zu entdecken, die es zuwege bringt, das Papier in exquisite Poesie zu verwandeln. Es ist ein Werk mit Reminiszenzen an die Stelen und Schreibweisen alter Kulturen, die sich Steinmauern oder Miniaturen bedienten, um ihre Geschichten zu erzählen. Die Farbe ist Haupt- protagonistin dieser abstrakten Illuminationen, eine Farbe, die von Rosa, Malventönen und Violett über Blauschattierungen und die Farbe magmatischen Gesteins bis zu grün-orangenen Überraschungseffekten reicht. Eine weitere Protagonistin ist die Linie, die Randverzierungen und Kreise zeichnet und dabei an Textilmuster aus der Volkskunst sowie an prähispanische Wandbilder erinnert, wo die weißen Linien sich in abstrakte Hieroglyphen verwandeln und mit großem Gestus die Oberfläche durchfurchen.

Die Künstlerin ist sich der Anpassungsfähigkeit des Papiers bewusst und bietet uns mit ihm eine erneuerte Lesart an: die Grenzen des papierenen Untergrunds überschreitend öffnet sie ein Fenster, um uns an einen unschätzbaren ästhetischen Genuss heranzuführen.

Umberto Peña, Künstler, 2014

In akademischen Kreisen geht man davon aus, dass das künstlerische Schaffen ein Abriss der persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen des Schöpfers ist: eine Art persönliche Abhandlung, in der die persönlichen Gefühle miteinander konspirieren und zu jenem Ergebnis führen, das wir als Kunstwerk begreifen – ein Vehikel, das uns die Künstlerin offenbart, um uns entweder eine Geschichte zu erzählen oder ganz einfach einen Spiegel vorzuhalten, sodass wir uns in der Reflexion über Fantasie und Absurdität mit uns selbst konfrontieren müssen.

Obwohl Margit Bu Dominguezs Malereien nicht von der herkömmlichen Erfahrung der Künstlerin und dem, was wir über die Kreativität wissen, abweichen, ist ihr Werk mehr als nur ein Abriss von Gefühlen: Es sind Momentaufnahmen, die dem Zufall entkommen sind, Blitzlichter, Schatten und Formen, die sich auf einer Ebene miteinander verschwören und die ihre persönliche Welt durch die vielen Stationen und Kontaktpunkte enthüllen.

Die Türen, insbesondere zur spanischen Malerei – Picasso, Manolo Valdés und Tapies – hatten sich ihr durch ihren langen Aufenthalt in Barcelona geöffnet. Es ist daher kein Zufall, dass

sie mit letztgenanntem eine Leidenschaft für Textur, rätselhafte Symbole und Graffitis teilt: Jene, die uns im Alltag umgeben und die auf vergessenen Wänden in Erscheinung treten – etwa auf einem leeren Sessel in der U-Bahn oder auf einem vom Regen oxidierten Metall – und die Margit Bu Dominguez ihrer Einsamkeit entreißt, um sie uns neuerlich,  aber nun geborgen zurückzugeben.

Mag. Monika Wagner, Kunstmanagerin