Bernhard Lang
Schrift/Bild/Schrift

"Man vermutet auch schon, daß die Schrift als >>Bild<< und äußerliche >>Darstellung<< keine unschuldige >>Repräsentation<< sein kann. Das Draußen unterhält mit dem Drinnen eine Beziehung, die wie immer alles andere als äußerlich ist. Der Sinn des Außen hat sich seit jeher im Innen befunden,war außerhalb des Außen gefangen und umgekehrt."

Zwischen 1996 und 1997 schrieb ich eine Serie von drei Solostücken mit dem Titel "Schrift", und zwar für die Instrumente Flöte, Violoncello und Akkordeon Diese Stücke entsprangen einem improvisatorischen Modus des Schreibens, den ich in meinem Text "Schrift/Bild" versuchte zu beschreiben.

Im vorliegenden Stück "SCHRIFT/BILD/SCHRIFT" blieb dieser Modus einerseits für einzelne Schichten der Partitur weiter bestehen, wurde aber durch "komponierte" Strukturen konzeptuell kontrapunktiert. Mir schwebte so etwas wie ein Kontrapunkt der Schreibweisen, ein Kontrapunkt der Verfahren des Umgehens mit sich selbst vor.

Die "Schrift"-Schichten der einzelnen Abschnitte wurden so einerseits durch weitere Kontrapunkte a posteriori frei verdichtet, andererseits hier wieder auf bestimmte Zeiträume einer umfassenden Architektonik eingegrenzt.

Der entstehende Text bricht jedoch in der Mitte des Stückes mit sich selbst, der sich offenbarende Gestus wird durch einen weiteren, extrem entgegengesetzten kontrapunktiert: Stille, Reduktion der Differenz, Ende der Erzählungen, schweigende Stimme, ein Bild.

Was man nicht sagen kann, muß man zeigen.

Doch das ist keine Konklusio, das ist ein Interludium, ein Moment, eingebettet in den Strom der Differenzen, wiederholungslose Episode. Es geht weiter ohne den Anspruch einer Entwicklung, einer differenten Reprise.

Bernhard Lang, Wien 1998