Wiener Kontragitarre
ca. 1860-1870

History

Mitte des 19. Jahrhunderts beschloss man den Tonumfang der Gitarre nach unten hin zu erweitern. Einer der ersten die zur damaligen Zeit mit zusätzlichen Basssaiten experimentierten war der Instrumentenbauer Johann Georg Stauffer.

1848 verkaufte er jedoch sein Geschäft an einen Instrumentenbauer namens Schmidt. Staufers ehemaliger Lehrling, Johann Gottfried Scherzer machte sich jedoch in Wien selbstständig und baute und perfektionierte diese Instrumente weiter. Das Instrument war größer als herkömmliche Gitarren und hatte zwei Metallstangen im Korpus.

Diese Konstruktion war richtungsweisend für die Entwicklung der Kontragitarre. Durch die Metallstangen wurde der Zug der zusätzlichen Saiten abgefangen, was zu einer Entlastung der Decke führte und ihr Schwingungsverhalten positiv beeinflusste.

Scherzer entwickelte sein Instrument auch weiter, indem er die Anzahl der Basssaiten schrittweise erhöhte, die Korpusform vergrößerte, etwas stärker taillierte und nur mehr eine Korpusstütze aus Metall einzog, bis schließlich die Wiener Kontragitarre mit 13 bis 15 Saiten in die Wiener Musik Einzug hielt. Johann Gottfried Scherzer dürfte jener Instrumentenbauer gewesen sein, der durch sein großes Interesse, seine Begegnungen mit Wissenschaftern und seinem unbändigen schöpferischen Geist, als erster die bereits vorhandenen Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenfügen konnte. Was aus all diesen Einzelteilen entstand ist die Wiener Kontragitarre und Scherzer kann man als ihren Schöpfer bezeichnen.

Nach letzten Recherchen im Internet dürfte auch meine Gitarre zwischen 1860 und 1870 mit grosser Wahrscheinlichkeit von Johann Gottfried Scherzer gebaut worden sein. Ein bekanntes Wiener Musikhaus, dass auf alte Gitarren spezialisiert ist schätzte das Baujahr auf ca.1870.

Die Gitarre wurde mittlerweile restauriert - der Boden war total zerrissen und musste neu gemacht werden. Gitarren dieser Bauart werden in Wien Schrammel oder Kontragitarren genannt.