Ring 2

(The Ring Two)

 

USA 2005, 110 Min.

Regie: Hideo Nakata

Ring 2 hat ein großes Problem: Falsche Erwartungen der Kinogeher. Der erste Film war, zumindest für die meisten, ein absolut beängstigender und angsteinflössender Streifen, von der ersten bis zur letzten Minute, bei dem einen die (An)spannung keine Sekunde lang aus Samara's kaltem Griff gelassen hat. Ring 2 ist anders. Die Fortsetzung will nicht einfach nur "more of the same" liefern, sondern eine etwas andere Geschichte auf andere Art und Weise erzählen - und ist eher ein Mysterythriller im Stile eines "Sixth Sense" denn ein waschechter Horrorfilm. Dies mag zwar ungewohnt und vor allem nicht das sein, was sich Ring-Begeisterte von ihrer Fortsetzung erwartet haben - doch es macht "Ring 2" noch lange nicht zu einem schlechten Film...

Seit den Ereignissen aus "Ring" sind einige Monate vergangen. Rachel Keller (Naomi Watts) ist mit ihrem Sohn Aidan (David Dorfman) in eine Kleinstadt gezogen, um dem Grauen und auch ihren Schuldgefühlen zu entfliehen. Doch der Fluch breitet sich weiter aus, und schließlich erreicht das Video auch Rachel's Zufluchtsort. Zwar gelingt es ihr, das Video nach dem ersten Opfer sicher zu stellen und zu verbrennen, wodurch sie die weitere Verbreitung aufzuhalten hofft - doch damit zieht sie nur Samara's Zorn auf sich, die es ohnehin aus ganz persönlichen Gründen auf Rachel und ihren Sohn abgesehen hat... 

Wie in der Einleitung schon angesprochen, ist "Ring 2" nicht wirklich ein Horrorfilm, und entscheidet sich von Atmosphäre und Ton her sehr stark von seinem Vorgänger - was wohl auch der Hauptgrund für die zahlreichen schlechten Kritiken sein dürfte, die dieser Film, zu unrecht, erhalten hat. Der erste war spannend und packend von der ersten bis zur letzten Minute - bei der Fortsetzung sind eigentlich nur die ersten 30 Minuten ähnlich beängstigend. Danach wandelt sich der Film zunehmend von einem richtigen Horrorfilm zu einem Mysterythriller, der viel wert auf seine Charaktere und eine leicht bedrohliche Atmosphäre und weniger wert auf nervenzerreißende Spannung und Schockmomente legt. Zwar mag eben dies für jene, denen "Ring" das Fürchten gelehrt hat, etwas enttäuschend sein - alles in allem ist mir diese Lösung aber lieber als ein reines "more of the same"-Sequel, dass die selbe Geschichte wie der Vorgänger, nur neu aufgewärmt, erzählt. Auch bietet sich durch diese Herangehensweise der Vorteil, dass auch jene, die "Ring" zutiefst ungruselig fanden, an "Ring 2" Gefallen finden könnten...

Eine der größten Stärken der Fortsetzung ist ohne jeden Zweifel Hideo Nakata's Inszenierung. Er findet einen gelungenen Mittelweg zwischen der von Gore Verbinski beim Vorgänger etablierten Optik und seinem persönlichen Stil - eine großartige Mischung, die diesem Film einen ganz besonderen Touch verleiht, über den weder die Originale noch das Remake verfügt haben. Hideo Nakata's ruhige und höchst stilvolle Inszenierung besticht dabei insbesondere mit einigen wunderschönen Bildern und der bedrückend-verstörenden Grundstimmung, welche trotz der Reduzierung der nervenzerreißenden Spannung für ein kontinuierliches ungutes und beklemmendes Gefühl beim Zuschauer sorgt. Jedenfalls ist dies für mich ohne jeden Zweifel das beeindruckendste Hollywood-Debut, dass ein Regisseur aus dem asiatischem Raum bisher hingelegt hat - eine perfekte Symbiose beider Inszenierungsstile, welches das Beste beider Welten vereint und zu einem höchst stimmigen ganzen kombiniert, welches "Ring 2" deutlich von den üblichen Hollywood-Horrorfilmen nach Standardschema abhebt.

Doch dass sich "Ring 2", trotz etwas anderer Tonart, nicht vor dem vielgelobten Vorgänger verstecken muss, ist nicht nur Hideo Nakata zu verdanken. Auch Ehren Kruger's tolles Script, dass noch einmal deutlich tiefgründiger und komplexer ausgefallen ist als beim in dieser Hinsicht ohnehin schon lobenswerten Vorgänger (im Vergleich zu anderen Filmen des Genres, versteht sich), hat daran großen Anteil. Im Gegensatz zu "Ring" stellt er diesmal weniger Samara als Rachel und Aiden in den Mittelpunkt und beschäftigt sich ausgiebig mit der Verbindung zwischen Mutter und Sohn. Zugleich ist jedoch auch Samara diesmal allgegenwärtig - wo der erste Teil seine Spannung hauptsächlich aus der "Deadline" (im wahrsten Sinne des Wortes) der 7 Tage bezog, und man die "Infizierten", so beängstigend das Geschehen auch war, bis dahin relativ in Sicherheit wähnen konnte, liegt diesmal fast ständig ein drohender Schatten über die Figuren. Der Vorteil davon ist, dass die Bedrohung diesmal allgegenwärtiger und spürbarer ist, der Nachteil wiederum, dass man beim letzten Mal genau wusste, dass diejenigen, welche das Video gesehen haben, dem Tode geweiht sind, falls es nicht gelingen sollte, den Fluch zu brechen. Diesmal weiß man halt schon genau, wie der Fluch funktioniert, und dass er sich relativ leicht aufheben, oder besser: übertragen, lässt. Daher ist Samara zwar ständig eine beängstigende und bedrohliche Präsenz - aber man weiß dafür wiederum nicht genau, was sie eigentlich vor hat, und was den Figuren überhaupt droht.

Das Fehlen der "Deadline" macht sich insbesondere in jenem Teil bemerkbar, als sich Rachel erneut dazu aufmacht, Samara's Ursprünge zu ergründen. Beim 1. Teil waren die entsprechenden Nachforschungen unheimlich spannend, da man richtiggehend das Ticken der Uhr im Hintergrund hören konnte und man wusste, dass sie unbedingt herausfinden muss, was es mit dem Fluch auf sich hat, um sich und ihren Sohn zu retten. Diesmal fehlt diese Dringlichkeit leider, weshalb der entsprechende Teil doch deutlich weniger spannend ausgefallen ist - wenngleich es aufgrund einiger neuer Erkenntnisse durchaus interessant bleibt. Großartig gelungen ist dafür auch diesmal wieder der (für Hans Zimmer höchst untypische) Soundtrack, und die schauspielerischen Leistungen, wobei insbesondere David Dorfman's unheimliche Performance als Aidan hervorsticht. Daneben gibt es auch noch 2 Auftritte von Gaststars, die ich hier nicht vorwegnehmen will, die mir ebenfalls sehr gut gefallen konnten - ersterer hauptsächlich, da ich den Schauspieler immer wieder gerne sehe, und letzterer, weil es sich dabei um eine absolut geniale Castingentscheidung der Produzenten handelt. Die Effekte sind fast den ganzen Film über großartig gelungen - wobei insbesondere die ganzen optischen Spielereien mit Samara auf Bildern, in Spiegeln etc. sowie das Wasser (wer den Film gesehen hat, weiß was ich meine) hervorstechen. Lediglich die Szene mit den Hirschen ist von den Effekten her gesehen einfach nur grauenhaft - diese waren einfach derart schlecht animiert und eindeutig als CGI zu erkennen, dass es doch etwas schwer fällt in die Szene einzutauchen und die Bedrohung nachzuvollziehen.

Trotz aller, durchaus berechtigter, von mir vorgebrachter Kritik muss ich jedoch auch ganz klar feststellen, dass ich die weitgehend negativen Meinungen von Fans und Kritikern absolut nicht nachvollziehen kann. Besonders witzig finde ich dabei Kommentare, welche "Ring 2" aufgrund einiger übersinnlicher Elemente wie Telepathie, Gespräche im Schlaf etc. als "unglaubwürdig" bezeichnen. Ich mein, Leute, ernsthaft. Wir sprechen hier von einem Film, in dem es um ein Video geht, welches man binnen 7 Tagen kopieren und einer anderen Person zeigen muss, da ansonsten der Geist eines vor Jahren verstorbenen Mädchens aus dem Fernseher kriecht um einen zu töten. Ehrlich, Leute, ich bin normalerweise der erste, der es nachvollziehen kann, wenn es jemandem aufgrund einer unrealistischen Handlung nicht gelingt, in einen Film einzutauchen - aber sich an der Existenz des Video's bzw. Samara's Geist nicht zu stören und dann diese anderen paranormalen Elemente zu kritisieren und als unglaubwürdig und zu abgedreht zu bezeichnen - das ist lächerlich. Ebenfalls geschockt bin ich über die offenkundige Tatsache, dass es Leute zu geben scheint die bereits von einem Horrorfilm, der etwas anspruchsvoller und komplexer ist als das übliche "Buh"-Spektakel aus Hollywood, doch tatsächlich schon überfordert zu sein scheinen. Fragen wie "Warum greifen die Hirsche an?", "Warum kann Samara auch ohne Video Rachel und Aiden bedrohen" etc. lassen sich doch ohne weiters innerhalb der Logik des Ring-Universums erklären, und stellen eigentlich jeweils nur Erweiterungen von Ideen dar, die man bereits im Vorgänger finden konnte (so erinnern die aggressiven Hirsche an die durchdrehenden Pferde, und Aidan hatte auch schon im 1. Teil eine starke Verbindung zu Samara). 

Ich für meinen Teil kann jedenfalls nur feststellen, dass mir diese Fortsetzung wirklich gut gefallen hat. Ja, er mag nicht diese nervenzerreißende Spannung bieten wie der Vorgänger, dennoch herrscht den ganzen Film über eine durchaus beängstigende Atmosphäre, ich war zu keiner Sekunde wirklich entspannt und fühlte mich sicher bzw. glaubte die Figuren in Sicherheit. Es herrschte ein kontinuierliches, beklemmendes Gefühl der Bedrohung bzw. dass etwas nicht stimmt. Im Vergleich zum Vorgänger zieht "Ring 2" dabei seinen Schrecken eher aus der Handlung bzw. dem tatsächlichen oder drohenden Geschehen, wie z.B. alles rund um Aiden, welcher diesmal noch deutlich furchterregender wirkt als schon im Vorgänger. Und die Vorstellung, ein derart abscheuliches und abgrundtief bösartiges Wesen wie Samara könnte (Achtung, Spoiler!) quasi von ihm Besitz ergreifen (Spoiler Ende) fand ich abstoßender als alles, was den Charakteren im 1. Teil an Unheil gedroht hat. Zwar fand ich es ein wenig schade, dass man am Ende (Achtung, Spoiler!) doch einen leichten Rückzieher gemacht und die Idee nicht bis zum Äußersten weitergesponnen hat (Spoiler Ende), andererseits war dies in einem Horrorfilm aus Hollywood auch nicht wirklich zu erwarten. Und abgesehen von dieser kleinen Schwäche war der Showdown meines Erachtens einfach nur großartig und wirklich genial. Für mich ist "Ring 2" jedenfalls nicht nur eine würdige und angenehm eigenständige Fortsetzung, sondern zugleich auch ein höchst gelungener (voräufiger?) Abschluss der Ring-Reihe, und der Fortsetzung des Originals in allen Belangen deutlich überlegen...

Fazit: "Ring 2" ist in der 1. Hälfte ein effektiver Gruselfilm, und in der 2. ein höchst ansprechender Mysterythriller, mit einigen erinnerungswürdigen Bildern und einer großartigen, ruhigen und stilvollen Inszenierung, die durchwegs für eine beklemmende Atmosphäre sorgt. Ähnlich spannend und beängstigend wie der Vorgänger ist "Ring 2" zwar nur in den ersten 30 Minuten, doch wie man den anschließenden Teil als langweilig empfinden kann, bloß weil man sich nicht auf billige Schockeffekte und der Bedienung der aus dem Vorgänger bekannten Muster verlegt, werde ich nie begreifen. Meines Erachtens ist "Ring 2" zwar anders und zugegebenermaßen nicht mehr so nervenzerreißend spannend wie der Vorgänger, doch insgesamt keinesfalls schlechter. Eine gelungene, würdige und eben auch eigenständige Fortsetzung, die ich - sofern man mit den richtigen Erwartungen in den Film geht - nur empfehlen kann...

Wertung:       (8/10)             

 

Verfasser: cornholio

 

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Titelbild und Filmausschnitte © 2005 United International Pictures