Westliche Berichterstattung
über östliche Autos ist meist von Häme und Arroganz geprägt, die den tatsächlichen
Leistungen dieser Fahrzeuge und den Ansprüchen ihrer Fahrer nur selten
gerecht werden - nämlich trocken von A nach B zu gelangen. Besonders,
wenn die Käufer - wie östlich von Helmstedt lange Zeit üblich - nur die
Wahl zwischen dem Lada und wesentlich schlechteren Autos hatten. Dort
wurde fehlende Hohlraumkonservierung durch Eigenarbeit ersetzt, auch die
Knappheit von Streusalz bremste den Verfall der kantigen Karossen. Und
im Westen muß endlich einmal der Mut der Deutschen Lada in Neu Wulmstorf
gewürdigt werden, so einen Anachronismus in unserem High-Tech-Land überhaupt
anzubieten. Das ging selbstverständlich nur über den Preis, und so wurde
der Lada das Auto der Geringerverdienenden, die nicht auf Neuwagen-Geruch
(und -Garantie) verzichten wollten. Eine Mehrausgabe empfahl sich trotzdem:
die Umrüstung der Zündanlage auf Bosch-Teile; dadurch ließ sich die Zuverlässigkeit
steigern. Manche vertrauten auch auf die Wirksamkeit des 19teiligen Bordwerkzeugs,
mit riesiger Luftpumpe und Adapter zum Durchpusten der Spritleitung.
Ihr natürlicher Feind heißt Korrosion, einzige Gegenwehr war die von Dinol-Stationen
aufgetragene Versiegelung. Im Osten wurde mehr mit Sprühöl konserviert,
solche Exemplare sind oftmals besser in Schuß. Beeindruckend ist in jedem
Fall die Solidität des Gehäuses, weder ukrainische Feldwege noch tschechische
Taxifahrer können sie zerstören. Erster Eindruck: In den Nova (östlich:
2104, 2105) kriecht man nicht wie in eine cW-Flunder, man betritt ihn.
Und sitzt aufrecht, das dürre Lenkrad etwas zu nah vor der Brust. Übrigens
auch zu viert, ohne Stühlerücken. Und genießt den Schatten des breiten
Daches, wahlweise umfächelt von kühler Luft aus den klappbaren Dreiecksfenstern
oder von bullernder Wärme der für Sibirien ausgelegten Heizung. Ein Vierzylinder
bemüht sich redlich, mit kräftiger Stimme und ebensolchem Durchzug. Hohe
Drehzahlen sind ihm zuwider, sanften Gasfüßen dankt er mit genügsamem
Verbrauch des preisgünstigen Normalbenzins. Die Zuverlässigkeit ist okay,
abgesehen von gelegentlichen Undichtigkeiten.
Ärgerlich nur, daß ausgerechnet die G-Kat-Versionen ruckeln und schlecht
Gas annehmen. Tja, hier fällt esschwer zu relativieren. Das Foto ganz
unten spricht für sich und legt nahe, großen Abstand zum Grenzbereich
zu halten. Auch weil die Bremsen keinen Spaß verstehen, schlecht zu dosieren
sind und die Lenkung schon im Neuzustand allenfalls grobe Richtungsempfehlungen
an die Vorderräder leitet. Aber dafür bleibt das Lenkrad immer ruhig,
und die Federung wird selbst mit übelstem Kopfsteinpflaster fertig. Der
Ausverkauf läuft. Derzeit gehen reichlich alte Nova den Weg zurück in
die ehemalige Sowjetunion. Deshalb empfehlen wir hier auch nicht das stets
korrekt nach Serviceplan gewartete Ersthand-Exemplar, schließlich war
der Nova immer ein Auto für Bastler - und empfiehlt sich auch nurfür solche.
Denn zu reparieren gibt es immer etwas.


Zweierlei
Ansichten: Von oben sieht der Vierzylinder meistens ganz manierlich
aus...
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Modellgeschichte |
8/81 Modelleinführung in der BRD
(Vorgänger "1200" schon 5/73).
Vierzylinder mit
1,2 l, 44 kW/60 PS;
1,3 l, 48 kW/65 PS;
1,5 l, 55 kW/75 PS
7/86 Einführung Nova Kombi,
ungeregelter Kat lieferbar,
Luxus-Version 2107 vorgestellt
1/90 auf Wunsch geregelter
Katalyator erhältlich für
1,5-Liter-Motor, 52 kW/71 PS
1/95 Nova i mit 1,7 l, 62 kW/84 PS
5/96 Vertrieb in Deutschland eingestellt
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...unten
zeigen sich Fehler russischer Dichtkunst - Öl-Lecks an Motor und
Getriebe sind die beliebtesten Mängel
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Schwachstellen |
Korrosion an Rahmen, Hauben,
Kotflügeln, Bremsleitungen, Scheinwerferreflektoren, Ölverlust an
Motor, Getriebe, Hinterachse und Lenkgetriebe, Wasserverlust an
Schläuchen, Kühler und Pumpe, mangelhafte und ungleichmäßige Bremswirkung,
Lenkgetriebe und -gestänge ausgeschlagen, elektrische Anlage anfällig,
Zündanlage mangelhaft
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