3. Jänner 2010
Der folgende Suderer ist sowohl eine Art Übertragung des Artikels
World to US: Zzzzzz von Mark Rosenfelder als auch ein Kommentar aus europäischer – will wohl eher heißen: meiner – Sicht zum Thema. Ach ja: Der Titel bedeutet natürlich „Nach dem ersten Jahr Barack Obamas“, wobei ich vermute, daß Mr. Obamas Vorname eine Variante des arabischen Wortes für „der Gesegnete“ ist, und das heißt eben auf Latein „Benedictus“. Die Gleichheit mit dem Dienstnamen Papa Ratzis ist wohl zufällig. Hoffe ich …
Nun, Mark Rosenfelder selbst kommentiert einen Artikel, in dem angemerkt wird, daß die ausländischen (will heißen: nicht-US) Staatsmänner nichts für Obama tun würden, weil er zu nett und konziliant sei. Rosenfelder schreibt dazu: „»Wenn er [Obama] nicht kämpfen kann, ist er nicht beängstigend«, bemerkt Rosner [der von Rosenfelder kritisierte Autor] schnippisch. (Wir [die Amerikaner] sind in zwei Kriegen. Wie viele Kriege müssen wir anfangen, um zu kämpfen?)“
Rosenfelder schreibt weiter, daß die Reaktionen der Welt auf die US-Politik schon bei Bush Jr. nicht sehr intensiv waren, jedenfalls gegen Ende seiner Amtszeit. Liegt es daher an den Amerikanern, daß auf sie nicht reagiert wird? Anscheinend nicht, meint Rosenfelder, den es macht offensichtlich keinen Unterschied, ob man nett ist oder nicht.
Ist es denn ein Wunder? Jedenfalls war es in den letzten neun Jahren nicht opportun, mit den Amerikanern zusammen zu arbeiten. Das ist für Obama ein schweres Erbe, denn die Kriege hatte er von seinem Vorgänmger übernhemen müssen, und da heraus zu kommen, ohne allzuviel Gesicht zu verlieren, jedenfalls von islamistischer Seite, die ja gehört wird, wird sehr schwierig bis unmöglich. „Imperator Dei Gratias“ George Bush II ist in die Falle, die ihm der islamistische Terror gestellt hat, hinein getappt, und Obama kann jetzt kaum heraus. Er wird weiter kämpfen müssen und daher die Amerikaner noch unbeliebter machen. Der letzte Anschlagsversuch beweist, daß für die Islamisten die Rechnung aufgeht: Es finden sich weiter junge Leute, deren Begeisterungsfähigkeit man mißbrauchen kann.
Der nächste Punkt ist natürlich, daß Obama außer mit dem Klima-Thema sonst kaum außenpolitisch wirksam werden konnte, denn er hat in dem Land, dessen Regierungschef er ja ist, dank der neoliberalen Exzesse und deren Folgen für die Bevölkerung des eigenen Landes genug zu tun. Der ohnehin schwache Ausbau des geradezu lächerlich winzigen Gesundheitssystems wird von den Republikanern bekämpft, wo es geht. Schon alleine das ist eine Schande. Die USA sind wahrlich kein armes Land, und die Superreichen dort könnten schon auf eine oder 10 Milliarden Dollar verzichten; selbst wenn ihnen die Hälfte fehlte, könnten sie noch immer die Zinsen beim Fenster hinaus schmeißen, ohne dabei ärmer zu werden. Warum nicht damit das Gesundheitssystem ausbauen? Antwort ist die Gier der Reichen und Mächtigen, die die Schnauze nie voll genug kriegen können, obwohl sie schon zum Platzen gestopft ist. Ich kann mir gut vorstellen, daß dahinter die Strategie steckt, ihn schon bei der nächsten Wahl als Verlierer und Lahme Ente dastehen zu lassen, weil er ja nichts weiter gebracht hätte, dabei werden es gerade die Beschimpfer und Schlechtmacher gewesen sein, die eine grundlegende Reform der amerikanischen Gesellschaft in Richtung einer allgemeinen Solidarität zu einenader und daher eines ordentlichen Gesundheitssystems verhindert haben werden.
Stichwort Klima: Das ist ein ernstes Problem. Selbst wenn ein Teil des Klimawandels gar nicht hausgemacht ist, bewirkt doch jede Steigerung der Treibhausgase in der Atmosphäre eine Steigerung der Energie in dieser Atmosphäre mit den bekannten Folgen extremen Wetters und den folgenden schwierigeren Lebensbedingungen auch und vor allem für die gesamte Menschheit, die Reichen eingeschlossen, die wohl glauben, sich einbunkern zu können, und für sie läuft alles so wie bisher weiter. Rotchina, das inzwischen alles mögliche ist, nur nicht mehr kommunistisch, hat die Kopenhagener Klimakonferenz erfolgreich mit der Weigerung torpediert, sich zu etwas zu verplfichten oder sich, horribilissime dictu, gegebenenfalls kontrollieren zu lassen. So kammt man natürlich nie weiter.
Ich würde aus österreichischer Sicht von Obama nicht allzuviel erwarten. Er wird sich darauf konzentrieren, seine sozialen Vorstellungen durchzusetzen, und das meint vor allem Innenpolitik für ihn. Immerhin hat man ihn wegen solcher Dinge gewählt, und seine Wähler erwarten von ihm die Verbesserung ihrer Situation oder zumindest die Möglichkeit, sich selbst nach amerikanischer Art aus dem Sumpf zu ziehen. Wenn ihm die Republikaner und die mit ihnen verbündeten neoliberalen Kräfte nicht die Möglichkeit lassen, wird er seine Wiederwahl wohl nicht erleben.
Ich wünsche ihm viel Glück: Ein Amerika, das Rotchina nicht nur ein wirtschaftliches (oder vielleicht sogar notwendiges militärisches) Gegengewicht bietet, sondern auch ein moralisches, kann der Welt nur gut tun.
© 2007 Robert H. Mangl