Der Sinn der Übungen ist es, die beiden
Wirkkräfte - also
Yin und Yang - in Einklang zu bringen. Also einerseits den Körper
auf all seinen Ebenen zu harmonisieren und andererseits einen Einklang
zwischen den drei Potenzen - Erde-Himmel-Mensch - zu finden.
Jede Bewegung bzw. Haltung spiegelt nun die Polarität bzw.
Ergänzung von Yin und Yang.
Die Anzahl acht entspricht einer Einordnung in das I Ging -
System. Die Trigramme wurden schon früh mit den Körperteilen
und mit den einzelnen Übungen in Verbindung gebracht, wobei sich
die folgende Ordnung als verbreitetste und sinnvollste erwiesen hat:
qian - Schöpferisch/stark/Himmel.... Kopf.... Himmel stemmen
kun - Empfangend/hingebend/Erde..... Unterbauch, Milz und Magen
zhen - Erregend/beweglich/Donner..... Füße.... Fäuste
ballen
kan - Abgründig/gefährlich/Wasser..... Ohren.... Knie beugen
gen - Stillehalted/Ruhe/Berg..... Hände.... Bogen spannen
sun - Sanft/eindringend/Wind..... Beine.... Fersen heben
li - Haftend/leuchtend/Feuer..... Augen.... Fisch
dul - Heiter/fröhlich/See..... Mund.... nach hinten blicken
Bei den Bildern des I Ging handelt es sich nicht um statische
Zustände, sondern um eine Bewegungstendenz. Weiters lassen sich
auch Zusammenhänge zwischen dem Wu Hsing - 5 Wandlungsphasen -
und den Übungen finden, wobei sich am ehesten über die
Akupunktur-Diagnostik
der Bezug zu den Meridianen und somit zum feinstofflichen Geschehen
herstellen
läßt.
Atmung: Wenn wir die einzelnen Menschentypen beobachten, so
sehen wir, daß ein ruhiger, ausgeglichener Charakter einen
langsamen, gleichmäßigen Atemrhythmus hat. Diese Tatsache
ist die Grundlage der Atem- und Bewegungstherapie. Die Bewegung als
äußerer und die Atmung als innerer Faktor
helfen einen ruhigen Zustand des Organismus herbeizuführen und
somit
krankhafte Reaktionen zu verhindern oder auszuheilen. Bereits 400 v.
Chr.
findet man die ersten Hinweise auf die Atemtherapie in einigen
taoistischen
Texten: "Das Alte ausstoßen, um das Neue aufzunehmen.. bringt nur
langes Leben." Dabei wird die Bauchatmung angewendet, was einerseits
eine
vorteilhafte Wirkung auf die inneren Organe und andererseits die Basis
der inneren Alchemie in sich hat. Der Ausgangspunkt ist die
Konzentration der Atmung im unteren Tan-tien. Die Bewegungsform dient
nur dazu eine
entsprechende Form der Atmung zu finden. Durch das Hineinhorchen wird
die
äußere Form später jedoch zweitrangig, um dann
später
ganz durch die Atmung getragen zu werden.
Ein- und Ausatmen durch die Nase.
Atmung möglichst fein und leise.
Abdominalatmung / Tan-tien.
Einatmen: Heben (Rumpf, Arme)- allgemeine Öffnungsbewegung. Beim
Atemanhalten noch genauer hinein horchen. Ausatmen: Senken (Rumpf,
Arme) - allgemeine Abschlußbewegung.
Über die Harmonisierung des Atems sucht der Taoist seine
Mitte - den ausgeglichenen Platz zwischen Himmel und Erde - und strebt
nach echtem Verharren im TAO.
Der Begriff des Qi: Die Atmung wird in der chinesischen Sicht
nicht nur als Sauerstoffaustausch - auf welcher Ehene auch immer -
verstanden, sondern zum Begriff der Atmung gehört im Wesentlichem
auch das
Strömen und das Wechselspiel der inneren Atmungs-Energie. Ehen
diese
Vorstellung - äußere u n d innere Atmung machen den Begriff
des Qi aus, wie wir ihn hier verstehen.
Übungshaltung: Grundlegende Körperhaltung: Es soll sich eine
lockere aufrechte Körperstellung ergeben. Für den
Anfänger ist es wichtig sich auf folgende drei Dinge zu
konzentrieren:
- hängende Schultern
- gerade Wirbelsäule
- ruhige, Hara (Bauch)-betonte Atmung
In dieser Stellung wird die Wirbelsäule in eine Position
gebracht, in der die Wirbelknochen übereinander gerade zu liegen
kommen, was die Voraussetzung für einen lockeren und vor allem
entspannten
Stand darstellt. Außerdem wird dem Abdomen der
größtmögliche Ereiraum gegeben, was sich wiederum
günstig auf die Atmung und die inneren Organe auswirkt.
Geistige Ausrichtung: Was die innere Einstellung bei den
Brokatübungen betrifft, so gilt genau das selbe, was auch zu allen
anderen Übungen auf dem geistigen Weg zu sagen ist (saubere
Umgebung, innere Ruhe, bequeme Kleidung....) Es geht bei dieser
Übungsart um ein Hineinhorchen in das eigene Wesen, um ein Erahnen
der Energie und später um ihre Harmonisierung und Lenkung.
Die Chinesen gliedern den Aufbau der Übung in drei Stadien:
I. Ching: Still werden, sich entspannen und auf die Übung
ausrichten. Der Geist wird beruhigt und die Muskulatur entspannt, um
einen ruhigen Fluß der Übung zu bieten.
II. "Vereinigen von Aufmerksamkeit und Atmung": Die Atmung ist in
diesem Stadium zwanglos und ruhig. Die Achtsamkeit haftet ebenfalls
nicht an einem bestimmten Gegenstand sondern beobachtet ganz neutral -
etwa im Sinne des Atemlauschens. Die Atmung stellt das eigentliche
Geschehen dar und lenkt damit die Aufmerksamkeit - niemals umgekehrt.
III. "Wechsel von Üben und Verweilen": Das natürliche
Wechselspiel von yin und yang ist hier gemeint. In jeder Übung
gibt es aktive und passive Phasen. Im Atemzug wird geübt - im
Atemanhalten wird abgewartet und "verweilt" - hinein gelauscht.
Für jede Übung wird eine gewisse Anzahl an Wiederholungen
empfohlen, die immer im Verweilen in der Stille abgeschlossen werden.
Allgemein soll der Übungsablauf in einem Zug erfolgen, wobei die
Bewegung die Atmung und später die Atmung die Bewegung führt.
Vorbereitende Übungen: Bevor man an die eigentliche
Ausführung der Brokatformen geht, ist es günstig - besonders
für den Anfänger - mit einigen einfachen Techniken die
grundsätzlichen Punkte ins
Gedächtnis zu rufen und sich auf die Übung einzustimmen.
Kinhin:
Einige Minuten meditativer Rundgang stimmen den Organismus auf das
ruhige
üben ein. Besonders wichtig ist das bewußte Abrollen der
Sohle
und die Kontaktnahme mit dem Boden. Die Atmung wird den Schritten
angepaßt. Die Haltung der Hände kann verschieden sein (auf
Hara(Bauchmitte) oder Anahata(Herzmitte) gelegt).
Finden
des Schwerpunktes! Die Augen können leicht geschlossen sein und
der Atem wird bewußt in das Hara versenkt -- man fühlt das
Heben und Senken der Bauchdecke.
Übung der
Reiterstellung: Sie dient zum Kennenlernen der Stellung, wobei die
Atmung schon spontan aus dem Hara kommen sollte. Durch die vor der
Brust gehaltenen Hände wird ein neuer Bewußtseinsbereich
für das Hineinhorchen erschlossen.
Wecke das Qi:
Eigentlich kommt diese Übung aus dem taijiquan. Sie stellt aber
die Grundlage der Wellenbewegung dar, welche in irgendeiner Form
fast immer in den Brokatübungen auftritt. Ausgeführt wird die
Übung in der Grundstellung. Zu Beginn der Einatmung beginnt das
Handgelenk
eine Kreisbahn nach oben zu ziehen, wobei der Arm und die Finger nur
entspannt mit geführt werden. Am höchsten Punkt befindet sich
die Hand
knapp unter der Schulterhöhe - von nun an beginnen Ausatmung und
Rückführung, wobei jetzt der Ellbogen die Führung
übernimmt und den Rest des Armes hinter sich herzieht. Am Ende der
Ausatmung pendelt die Hand nach
hinten und vollendet damit die Welle. Ohne Pause beginnt wieder die
Einatmung
mit ihrer Bewegung.
1. Übung: Wir stemmen den Himmel. Beide
Hände stemmen den Himmel hoch, um den dreifachen Erwärmer zu
regeln.
Grundstellung: Einatmend führen wir unsere Arme
seitlich über unseren Kopf, so daß die Hände einander
berühren. Nun lauschen wir in den Körper hinein; dabei werden
die Hände in einer leichten Bewegung nach oben gestemmt. Ausatmend
senken sich unsere Arme - zurück in die Ausgangsstellung.
2. Übung: Wir
spannen den Bogen. links- und rechtsseitige Bogenschützenstellung,
wie wenn man einen Adler schießen will. Wir senden einen
Lichtstrahl .
Reiterstellung. Hände ruhen in der Höhe des
Anahata. Langsam ausatmen. Einatmend wird der rechte Zeigefinger
erhoben und die Hand nach vorne und außen gedreht, bis der Arm
gestreckt ist - der Handrücken weist zum Gesicht. Der Blick folgt
der sich streckenden Hand. Die andere Hand führt die Gegenbewegung
aus - die Finger gestreckt, so als wollten sie die Sehne des Bogens
erfassen,
dabei zieht der Ellbogen den gestreckten Unterarm zur Seite. Nun
lauschen
wir in den Körper hinein - den Fluß des Qi beachtend.
Ausatmend lassen wir unseren Atem plötzlich los, der zur Brust
fallen sollte - "gehauchte" Technik - es folgt die
Rückführung in die Ausgangsposition.
3. Übung: Wir stimmen Milz und Magen zusammen.
Hebe die Hände einzeln hoch, um Milz und Magen zu harmonisieren.
Grundstellung: Einatmend wird eine Hand
seitlich nach oben geführt - mit der Handfläche nach oben
- während die an<~re Hand eine Bewegung nach unten beschreibt
- mit der Hand Fläche nach unten. Die Hand nach oben fuhrt eine
weite, leichte Bewegung aus, die Hand die nach unten drückt eher
kurz und stark. Wir lauschen in uns hinein, während die nach oben
gerichtete Hand nach oben und die nach unten gerichtete Hand nach unten
gedrückt wird. - Qi - das heißt, wir lassen Erd- und
Himmelskräfte
auf unser Tan-tien wirken. Ausatmend werden die Arme :In die
Ausgangsposition zurück geführt.
4. Übung: Wir blicken nach hinten. Um die 5
Leiden und 7 Mühsale zu lindern.
Grundstellung. Vor der Übung suchen wir uns einen
Punkt hinter uns. Einatmend drehen wir den Kopf (Schultern bleiben
ruhig) soweit wie möglich auf einer Seite nach hinten Den Blick
möglichst gerade ausgerichtet. Sobald wir eine leichte Spannung in
der Hals- oder Genickgegend fühlen lauschen wir in unseren
Körper hinein während wir eine imaginäre Linie zu
unserem festgelegten Punkt zeichnen.
Ausatmend kommen wir in die Ausgangs- Stellung zurück. Einatmend
drehen wir den Kopf nun soweit wie möglich auf die andere Seite
und
fuhren die Übung wie zuvor aus.
5. Übung: Der Fisch. Seitliches Hin- und
Herschwenken des Kopfes und Wiegen wie ein Fisch, vertreibt das Feuer
aus dem Herzen.
Reiterstellung. Die Hände liegen, mit den
Handflächen nach vorne - oberhalb der Knie auf. Die Arme sind
durchgestreckt. Ausatmend beugen wir unseren Oberkörper nach
unten. Die Hände bleiben auf ihrem Platz, die Arme dementsprechend
gebeugt. Einatmend zeichnen wir mit unserem Oberkörper einen
weiten Kreis nach rechts - bis wir aufrecht stehen. Wir lauschen in uns
hinein und ausatmend vollenden wir unseren Kreis - indem wir mit
unserem Oberkörper nach links unten zeichnen.
Bei der nächsten Einatmung wird die Richtung geändert - und
seitenverkehrt, also links beginnend führen wir die Übung
noch einmal aus.
6. Übung: Wir heben die Fersen. Hinter
dem Rücken verschwinden alle 7 Betrübnisse und l00
Krankheiten.
Grundstellung. Einatmend heben wir unsere Fersen hoch
- die Körperposition wird dabei nicht verändert. Wir lauschen
kurz in uns hinein und ausatmend kommen wir wieder in unsere
Ausgangsstellung.
7. Übung: Wir ballen die Fäuste.
Die Augen wie ein Tiger funkeln lassen, so wird die Energie vermehrt.
Reiterstellung. Beide Fäuste (fest geballt, den
Daumen nicht eingeschlagen) liegen seitlich in der Taile - auf dem
Beckenknochen. Der Faustrücken zeigt nach unten. in dieser
Position atmen wir ein, lauschen in uns hinein. Indem wir
explosionsartig ausatmen wird die gesammelte Energie durch einen
Fauststoß entladen. Anschließend ziehen wir die Faust
entspannt in die Ausgangsposition zurück. Einatmend beginnt der
Übungszyklus von vorne: Die Reihenfolge der Fauststöße:
rechts nach vor
links nach vor
rechts zur Seite
links zur Seite
8. Übung: Wir fassen mit beiden
Händen die Füße. So werden Nieren und Lenden
gestärkt.
Grundstellung. Einatmend heben wir seitlich unsere
Arme ganz hoch - mit den Handflächen nach vorne. Ausatmend
führen wir unsere Hände zu den Zehen. Nun lauschen wir in
unseren Körper hinein, strecken dabei die Knie durch und ziehen
den Kopf in den Nacken - dadurch entsteht ein Zug über den ganzen
Meridian. Nach einigen Sekunden folgen wir dem Zug der Beine und
ausatmend lösen wir unsere Finger von den Zehen und kommen langsam
wieder in die Grundstellung.
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