AM BALL BLEIBEN!

Eine Betrachtung zur Selbsterfahrung

Elsa Rieger


Recht verbreitet ist die Ansicht, die Eigen-Erfahrungen, die im Rahmen der absolvierten Ausbildungen gemacht wurden, reichen nun für lange Zeit, wenn nicht für immer.

Ich halte das für Unfug.
Wohlgemerkt, ich spreche hier nicht von allen, die mit Menschen, doch sind mir etliche bekannt, die ihre persönliche Weiterentwicklung aus vielerlei Gründen vernachlässigen. Meist ist die Zeit das häufigste Argument dafür.

Die Nischen, an uns selbst weiterzuarbeiten, müssen Raum im Leben von BegleiterInnen haben. Schließlich blicken wir tagtäglich in das weite Land der menschlichen Seele mit ihrer Vielfalt an Freude, Leid, Ängsten, erleben die depressiven und die ekstatischen Momente unserer KlientInnen.

Die ‚Seelen-Waschungen’ zu selten oder vielleicht nie für sich zu machen ist übel aus zweierlei Gründen.
Einerseits wird dadurch energetische Fahrlässigkeit betrieben, die sich im persönlichen Leben der BegleiterInnen niederschlagen kann in Form von Partnerschaftsproblemen, Schwierigkeiten mit den eigenen Kindern, Geld, psychosomatischen Faktoren u.a.


Da wir ja mit dem Atem eine Form von Energiearbeit betreiben, sollten wir sehr sorgfältig damit umgehen.
Energie schwingt im Raum – nicht nur unsere eigene, auch und gerade die der anwesenden KlientInnen oder der Gruppe, mit der wir arbeiten.
Jeder von uns hat schon registriert, wie die Luft im Praxisraum manchmal ‚zum Schneiden’ dicht ist.
Das sind diese energetischen Schwingungen, denen wir ausgesetzt sind und oft sind es negative Strömungen.
Das ist natürlich völlig logisch, denn die Menschen, die zu uns kommen, tun das ja vor allem deswegen, weil sie sich schlecht, abgespalten, unharmonisch, elend fühlen.

Und so kann es geschehen, dass wir BegleiterInnen davon ‚besetzt’ werden, diese entladene Energie in uns eindringt, auf uns überschwappt, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Damit können sich die Lasten, von denen sich der Klient in der Stunde befreien konnte im eigenen Alltag manifestieren.

Zum anderen ist es für die KlientInnen ungünstig, wenn wir ‚kontaminiert’ unsere Arbeit tun. Denn dadurch ist es leicht möglich, dass wir demjenigen, der bei uns etwas los werden will,  Probleme und Nöte ‚überstülpen’, die nicht ihre Themen waren und jetzt plötzlich werden!
Und auf einmal geht es ihnen schlechter denn je, weil wir nicht ‚sauber’ in die begleitende Arbeit gegangen sind.
Ich möchte das gern anhand eines Beispiels aus der Kinesiologie darstellen.
Angenommen, jemand möchte wissen, ob er eine Weizen-Unverträglichkeit hat (Stress durch Weizen ist übrigens das Symbol für Vater-Konflikte).
Ich kann nun diese Unverträglichkeit durch den Muskeltest prüfen, indem ich die
Ampulle mit Weizenmehl oder Korn auf den Körper des Klienten lege.
Das Ergebnis ist positiv, also der Körper reagiert mit Stress, somit ist tatsächlich eine Überempfindlichkeit gegen Weizen gegeben.
Wirklich?
Mitnichten! Das Ergebnis kann auch völlig falsch sein! Und zwar, weil die Möglichkeit besteht, dass ich selbst eine unbehandelte Weizen-Unverträglichkeit in mir herumschleppe. Unbehandelt deshalb, weil ich eben nicht sorgfältig genug für mein persönliches ‚Cleaning’ sorge und zu selten bis gar nicht einen Kollegen aufsuche, der regelmäßig meine Befindlichkeit durchcheckt.

Alte Konflikte zeigen sich nicht im ‚Package’ – sie ruhen oft Jahrzehnte verborgen im Limbischen System, dem Hippothalamus. Unser Unterbewusstsein lässt nur allmählich Stück für Stück, wie bei einem Puzzle, an die Oberfläche. Das gilt auch für uns, die BegleiterInnen.
Aus diesem Grund reicht es nicht für immer und ewig, sich auf den Selbsterfahrungen aus den Ausbildungen auzuruhen.
Es geht weiter ....

Also, in Bereichen, wo mit Energie gearbeitet wird, müssen wir dafür sorgen, die hochgeschwemmten Konflikte regelmäßig zu erlösen, damit wir so sauber wie möglich sind.

Deshalb sollten wir alle ‚am Ball bleiben’ und uns die Zeit nehmen, die wir für unsere eigene Entwicklung brauchen.

Damit bewahren wir uns bei allen Erfolgen, die wir in der Klientenarbeit verbuchen können, die Demut vor der Kraft des energetischen Prozesses, der Atem- und Körperarbeit bedeutet.    



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