Das
Gewitter im Kopf
von Daniela Bachal, in: Kleine Zeitung vom 7.10.2006, 50.
Das
"anfallskranke Kind". Fragen und Antworten zum Thema Epilepsie
bei Kindern. Die Fachärztin für Neuropädiatrie, Barbara Plecko,
klärt über Krankheit und Therapie auf.
Wie häufig
ist die Krankheit Epilepsie bei Kindern?
Die Frage kann so einfach nicht beantwortet werden.
Prinzipiell haben zwei bis vier Prozent der Bevölkerung
Epilepsie. Es handelt sich dabei also um eine häufige
neurologische Krankheit. Sie kann in jedem Alter auftreten am
häufigsten allerdings in frühen und späten Lebensjahren. Der
Beginn kindlicher Epilepsie liegt häufig zwischen dem ersten und
dem dritten Lebensjahr.
Epilepsie kann in vielen Fällen mittels EEG (Messung
der Hirnströme) diagnostiziert werden
Gibt
es
mehrere Arten von Epilepsie? Was genau passiert bei einem
Anfall?
Es gibt viele verschiedene Ausprägungen von
Epilepsie. Prinzipiell unterscheidet man zwischen großen und
kleinen Anfällen. Bei Ersteren stürzt das Kind plötzlich
bewusstlos zu Boden, verdreht die Augen, wird ganz steif und
bekommt dann Zuckungen. Kleine Anfälle sind unter anderem
Bewusstseinspausen (Absencen), das Kind ist dabei für einige
bekunden abwesend und nicht ansprechbar. Mit Epilepsie meint man
unkontrollierte synchronisierte Entladungen in der Hirnrinde.
Die Erregbarkeit der Nervenzellen muss stark kontrolliert sein,
bei Epilepsie ist sie unkontrolliert.
Was sind die Ursachen für die Krankheit?
Zum Teil handelt es sich um Folgezustände
beispielsweise nach Sauerstoffmangel im Gehirn oder Entzündungen
am Nervensystem. Eine andere Möglichkeit ist eine
Hirnmissbildung. Bei 50 Prozent findet man allerdings gar keine
Ursache.
Welche
Behandlungsmethoden gibt es?
Wie sehen
die Nebenwirkungen aus?
Es gibt heute eine Fülle von wirksamen Medikamenten.
Voraussetzung für den Therapieerfolg ist, dass die Krankheit von
einem erfahrenen Epileptologen richtig klassifiziert wird. 70
Prozent der Patienten sprechen schon auf das erste Medikament
gut an und werden anfallsfrei. 30 Prozent sind therapeutisch
schwierig. Die Medikamente müssen über mindestens zwei Jahre
genommen werden. Welche Nebenwirkungen es gibt, hängt vom
Präparat ab. Möglich sind Konzentrationsstörungen und Müdigkeit.
Mit welchen Einschränkungen muss ein Epileptiker, der gut
auf die
Therapie
anspricht, leben?
In erster
Linie muss er regelmäßig seine Arznei schlucken, er sollte
zweimal jährlich zur ärztlichen Kontrolle an die Klinik und muss
beim Sport wegen des Verletzungsrisikos Abstriche machen:
Schwimmen und Klettern kommen nicht in Frage.
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Erste Hilfe |
Nach dem Anfall |
Fieberkrämpfe |
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Während eines Anfalls |
Check-Liste |
Die Zeichen richtig deuten |
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Erste Hilfe während eines Anfalles: Bewahren Sie Ruhe. Legen Sie
den Kopf des Patienten auf eine weiche Unterlage und
räumen Sie sämtliche scharfkantige Gegenstände aus der
Umgebung, entfernen Sie eventuell auch Brillen,
Zigaretten und Ähnliches. Versuchen Sie nicht, den
Epileptiker festzuhalten oder ihm den Kiefer zu öffnen,
um einen Keil zwischen die Zähen zu schieben |
Solange sich eine Person nach einem Anfall nicht voll orientieren
kann, darf man sie nicht alleine lassen. Ein Arzt ist
nötig, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert,
sich ein weiterer Anfall ereignet, noch ehe sich der
Betroffene erholen konnte, wenn Anfälle in Serie
auftreten, wenn die Person nach einem kleinen Anfall
nach über 30 Minuten noch nicht orientiert ist und wenn
durch die Verwirrung Gefährdung besteht. |
Es gibt bei Kindern Krampfanfälle, die zwar epileptische Anfälle
sind, aber nicht Zeichen einer Epilepsie sind. Diese
Anfälle treten ausschließlich bei kurzzeitigen
gesundheitlichen Störungen des Kindes auf - bei älteren
Säuglingen vor allem bei Infektionskrankheiten mit hohem
Fieber. Grundsätzlich sollte allerdings bei jedem ersten
epileptischen Anfall - mit oder ohne Fieber - der Arzt
hinzugezogen werden. |