Glossar

Eine Auswahl wichtiger Fachausdrücke aus der Höhlen- und Karstkunde.

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A   
Abrasion Mechanische Gesteinsbtragung durch Meeresbrandung oder Flüsse unter Ausbildung ebener Flachwassergebiete. Erosion
Abri Felsdach
Abrißkluft Kluft parallel zu Felswänden und Steihängen (Bergzerreißung). Tektonik
ä(ae)olisch

Vom Wind geschaffen

anthropogen

Durch menschliche Tätigkeit entstanden oder beeinflußt

Anthropospäleologie Teilgebiet der Späleologie, erforscht alle Beziehungen zw. Mensch und Höhle.
Augensteine In den Kalkalpen vorkommende Gerölle aus ortsfremden Gesteinen (aus den Zentralalpen).
Auslaugung

Austrag von leicht löslichen Substanzen durch Sickerwasser aus dem Gesteinsverband

autochton An Ort und Stelle entstanden.

B

 
Baldachin Übersinterter dachartiger Vorsprung, Rand meist mit Tropfsteinen behangen.
Bergmilch Weiche, wasserreiche Kalkablagerung. Wurde auch verwechselt mit   Galmei Nix..
Biospäleologie Teilgebiet der   Späleologie, befaßt sich mit den Lebewesen in den Höhlen.
Bohnerz Mehr oder weniger gerundete Konkretion von Limonit (Brauneisen).
Brandungshöhle Durch Meeresbrandung entstandene Höhle.
Brekzie Sedimentgestein, das aus scharfkantigen Bruchstücken durch Verkittung entstanden ist, Konglomerat.
Bruchfuge Bruch im Gesteinskörper, an dem Bewegung der angrenzenden Gesteinspartien zueinander stattfand. Tektonik   Harnisch
Bruchfugenhöhle Vorwiegend oder ganz an Bruchfugen angelegte Höhle.
C  
Chlorierung Beschickung von Wässern mit Salz (meist Kochsalz) zur Verfolgung unterirdischer Wasserläufe.
Cañon Enge Klammartige Höhlenstrecke.
D  
Deckenzapfen Tropfstein, an der Decke hängend.
Doline Trichter- oder schüsselförmige Vertiefung, typische oberirdische Karsterscheinung.
Dolomit

Ist ein zur Gruppe der Karbonate gehöriges weissgraues bis hellbraunes gesteinsbildendes Mineral CaMg(CO3)2.

Durchgangshöhle Höhle mit zwei oder mehreren befahrbaren Eingängen, die nicht unmittelbar nebeneinander liegen.
dynamische Wetterführung Luftzirkulation in Höhlen zwischen mindestens zwei wetterwegsamen Tagöffnungen.
E  
episodische Quelle

in unregelmäßigen Abständen aktive Quelle.   Karstquelle, Hungerbrunnen

Eisaupressung Bündel dünner, gekrümmter Eisstäbchen auf feuchten Lockersedimenten oder porösem Gestein.
Eishöhle Höhle, in der ganzjährig Eis anzutreffen ist.
Eiskeule Schlanker, keulenförmiger Bodeneiszapfen.
Erosion Mechanische Wirkung des Wassers, eine spezielle Art der E. ist die . Abrasion
Evakuationsraum Gesamter Höhlenraum, der vom Muttergestein umschlossen ist (inklusive Höhleninhalt!). Konvakuationsraum.
Excentriques Vielfach gekrümmte, nicht unter Mitwirkung der Schwerkraft gebildete Sinterformen (engl.:Helictites).
F  
Fließfacette Regelmäßig angeordnete Dellen in der Höhlenwand, von fließendem Wasser geformt.
fluvial

Durch fließendes Wasser entstanden

fossile Höhle Höhle, die vollständig mit Sedimenten erfüllt ist.
fossiler Karst Siehe    Paläokarst
Frostschutt Gesteinsschutt, der durch Frostsprengung entstanden ist.
G  
Galmei Bergmännischer Ausdruck für Zinkerze, vor allem Smitsonit (Zinkspat),   Bergmilch ist oft damit verwechselt worden. Siehe auch   Nix.
Gang In der Höhlenkunde: mehr oder weniger horizontale Höhlenstrecke.
geologische Orgel Mehr oder weniger lotrechte, zylindrische, oft mehrere Meter messende Vertiefung mit geringem Durchmesser.
Grotte Alte romantische Bezeichnung für   Höhle.
Grottenolm (Proteus anguinus) Bewohner der Höhlengewässer auf der nordwestlichen Balkanhalbinsel.
H  
Halbhöhle Höhle, bei der der Eingang größer ist als die Tiefe des Eindringens in den Gesteinskörper.
hangend Einer bestimmten Schicht überlagert.
Harnisch Durch Bewegung zweier Gesteinspartien gegeneinander entstandene geglättete Fläche, die Striemen in Bewegungsrichtung aufweist.
Höhle Unterirdischer Hohlraum natürlichen Ursprungs.
Höhlenbefahrung  Begehung einer Höhle.
Höhlenbildung Werdegang einer Höhle: 1.) Raumentstehung, 2.) Raumentwicklung, 3.) Raumverfall und -zerstörung.
Höhleninhalt Alle Stoffe, die im   Evakuationsraum enthalten sind.
Höhlenlehm Sammelname für alle tonigen bis erdigen   Höhlensedimente.
Höhlenkataster Sammlung der Unterlagen über Höhlen eines bestimmten Gebietes.
Höhlenruine Rest einer Höhle.
Höhlenperle

Von Tropfwässern zu einem länglichen bis rundlichen Gebilde abgerolltes Sinterstück, das in einem kleinen Wasserbecken abgelagert worden ist. Eine Höhlenperle bildet sich gelegentlich auch dann, wenn Sandkörner oder andere Fremdkörper in ein Sinterwasserbecken fallen und durch rege Kalkausscheidung eine almähliche Versinterung

Höhlensediment In Höhlen abgelagertes festes Ausfüllungsmaterial.

Hungerbrunnen

Karstquelle, die nur in niederschlagsreichen Jahren Wasser führt - nasse Jahre waren früher Hungerjahre, da die Getreideernte schlecht war.

I  
intermittierende Quelle Jede Quelle, die periodisch (in regelmäßigen Abständen) oder  episodisch (in unregelmäßigen Abständen) Wasser führt. Karstquelle
K  
Kalkhäutchen Innig verzahnte Calcitkriställchen, die auf  Höhlenwässern schwimmen, bis sie infolge ihrer Schwere auf den Gewässergrund sinken.
Kalktuff Poröser Absatz von Kalkstein aus Lösungen auf Pflanzenteilen. Kann große Lager bilden, in denen häufig Höhlenräume enthalten sind.
Kamenitza Beckenförmige geschlossenen Vertiefungen in Kalk, mit überhängenden Seitenwänden. Entstehen unter Humuspolstern. (0,1 - 1 m).
Karfiolsinter Blumenkohlähnliche Sinterbildungen. Knöpfchensinter
Karren Korrosionsformen auf verkarstungfähigen Gesteinen, die Rippen und Grate bilden.
Karst Gebiete, deren Entwässerung infolge Klüftigkeit und Löslickeit des Gesteins, vorwiegend unterirdisch erfolgt.
Karstquelle

Quelle in einem Karstgebiet (meist starke Schwankungen der Schüttung). perenniernde Quelle, episodische Q.   periodische Q.   intermittierende Q. Hungerbrunnen

Kaskade Stufenförmige, konvexe Sinterbildungen.
Kluft Gesteinsspalte, die durch Druck oder Zug entstanden ist. Tektonik
Kluftfugenhöhle Höhle, die entlang von Klüften angelegt ist.
Knöpfchensinter Auch Knötchensinter, Sinterbildungen in Form kleiner, gestielter Köpfchen, die an Wänden, Decken und an der Sohle zu finden und vermutlich verschiedener Entstehung, sind. Werden auch nach ihrer Gestalt bezeichnet.   Karfiolsinter,   Perlsinter,   Pilzsinter,   Traubensinter
Kolk Durch strudelnde, chemische oder mechanische Wirkung des Wassers entstandene, wannen- oder topfartige Hohlform.
Konglomerat Sedimentgestein, das aus gerundeten Steinen (Schotter) durch Verkittung entstanden ist. Brekzie

Konsequenzhöhle

Eine Höhle, die ursprünglich ein künstliches Objekte war,  infolge von Versturzvorgängen einen natürlichen Charakter angenommen hat.
Konvakuationsraum Nicht von festen Stoffen erfüllter Höhlenraum (begehbarer Raum).   Evakuationsraum
Korrosion Auflösung des Gesteins, hauptsächlich unter Einwirkung von Säuren (Humussäuren) Mischungskorrosion
L  
Laughöhle Durch Lösung des Gesteins (ohne chemische Umsetzungen, siehe   Korrosion) entstanden (z.B. Höhlen in Gips) 
Lehmbäumchen Durch über Lehm abfließendes Wasser entstandene nadelbaumartige Kleinformen.
Lehmpyramiden Durch Tropfwasser gebildete Kleinformen aus Lehm.
liegend Einer bestimmten Schicht unterlagert.
M  
Mischungskorrosion Korrosion, die beim Vermischen zweier Wässer mit unterschiedlichem Kalkgehalt wirksam wird.
Muttergestein Das Gestein, in dem die Höhle angelegt ist, und von ihm umschlossen ist.
N  
Naturbrücke Felsbogen, Felsentor.
Nix Volkstümlicher Ausdruck für   Galmei.   Bergmilch ist oft damit verwechselt worden.
P  
Paläokarst Fossiler Karst bei dem die   Verkarstung zum Stillstand gekommen ist.
perennierende Quelle Immer fließende Q.    Karstquelle
periodische Quelle in regelmäßigen Abständen aktive Quelle.   Karstquelle
Perlsinter Kleinkugelige Sinterformen, meist auf Kanten aufgewachsen    Knöpfchensinter
Pilzsinter Knöpfchensinter mit flachgedrückten Köpfchen.
Polje Große und breite, längliche bis ovale Karstwanne mit ebener Sohle über Nichtkartsgestein und meist steilwandiger Umgrenzung (Ein bis mehrere hundert Quadratkilometer groß).
Polygonpunkt Endpunkt einer Meßstrecke bei der Höhlenvermessung.
Polygonzug Reihe aufeinaderfolgender Meßstrecken.
Ponor Wasserschlinger. Schwinde
primäre Höhle Höhle, die gleichzeitig mit dem Muttergestein entstanden ist.
Pseudokarst

Formen die den Lösungsformen des Karstes ähnlich sehen, aber nicht  durch normale Lösungsprozesse entstanden sind.

Q  
Quelle

Stelle, an der Wasser zu Tage tritt. Karstquelle, Hungerbrunnen

Quellhorizont Horizontale Zone wo gehäuft Quellen austreten.
R  
Redzina Dunkler Karbonathumus, der dem Gestein direkt aufliegt.
rezent Aus der geologischen Gegenwart stammend.
S  
Sandsyphon Ab- und wieder aufstrebender Höhlengang, der mit Sand verfüllt ist.
Säkundärhöhle

Höhlen die nachträglich im umgebenden Gestein entstanden sind

Schacht Lotrecht oder fast lotrecht angelegter Höhlengang.
Schachthöhle Höhle mit ausschließlich oder vorwiegend lotrechter Entwicklung.
Schichtfuge Die zwei Gesteinsschichten trennende Fläche.
Schichtfugenhöhle An Schichtfugen angelegte Höhle.
Schlinger Öffnung, in die Wasser unter Druck in den Untergrund fließt (auch Wasserschlinger), siehe auch Schwinde.
Schlot von der Höhlendecke aufwärts ziehende senkrechte Höhlenstrecke.
Schluf Höhlenstrecke, die nur schliefend befahrbar ist.
Schlund Auf geographischen Karten verwendeter Ausdruck für einen natürlichen Schacht.
Schutt Kantige Gesteinstrümmer.
Schüttung Die pro Zeiteinheit einer Quelle entströmende Wassermenge (l/sec)
Schwinde Die Stelle an der ein Bach oder Fluß in den Untergrund fließt.
Sedimente Alle wiederabgelagerten Reste von Gesteinen, Organismen und vulkanischem Meterial, locker oder verfestigt.
Sinter In den Höhlen: Kalksinter (Calcit, Aragonit). Entstehung aus übersättigten wässerigen Lösungen.
Sinterbecken Wassebecken das von einem  Sinterwall abeschlossen bzw umschlossen ist.
Sinterbildung

In der höhlenkundlichen Literatur Sammelbezeichnung  für die Entstehung von Sinterformen, die an die Grenzflächen des Höhlenraumes gebunden sind; als Gegensatz zur  Tropfsteinbildung gebraucht.

Sinterdecke Sinter, der sich an der Sohle flächig absetzt. Wenn die Sinterdecke auf Lockersedimenten aufsitzt und diese später abgetragen oder abtransportiert (Wasser) werden, ragt die S. frei in den Raum.
Sinterfahne Unter abrinnenden Wassefäden an überhängenden Höhlenwänden entstehende fahnenförmige Sinterleisten.  Sintervorhang
Sinterperle Höhlenperle
Sinterröhrchen Ausgangsform der   Stalaktiten, die an kapillaren Deckenspalten entstehen.Sie weisen etwa den Durchmesser eines Wassertropfens auf und können in seltenen Fällen mehrere Meter Länge aufweisen.
Sintervorhang Eine den   Sinterfahnen gleichende Entwicklung, jedoch mit bedeutender Breitenentwicklung und vorhangähnlichem Faltenwurf.
Sinterwall Sonderform einer Sinterdecke an der Sohle eines geneigten Ganges, und bildet eine Art Stufe.
Schrofen Von Felsen durchsetzte steile Abhänge.
Solifluktion Bodenfließen von durchfeuchtetem Erdreich, das gefriert und wieder auftaut.
Solifluktionsschutt Gesteinstrümmer, die durch   Solifluktion hangabwärts transportiert werden.
Speläologie Höhlenkunde Anthropospäleologie Biospäleologie
Stalagmit

Bodentropfstein Tropfstein

Stalaktit

Deckentropfstein Tropfstein

T  
Tektonik Lehre von den Verformungen der Erdkruste; Faltung Überschiebung, Bruchfuge  Verwerfung,  Abrißkluft , Kluft..
Tonplatten Die durch Trockenrisse in unregelmässige, polygonartige Platten geteilte lehmigen und tonigen Höhlensedimente   Höhlenlehm
Traubensinter Knöpfchensinter, bei dem die Knöpfchen dicht aneinander stehen, sodass ein traubenartiges Aussehen vorliegt.
Trockental

Ein Tal in einer Karstlandschaft, das durch oberirdische Gerinne bzw. deren Erosion entstanden ist, aber kein fließendes Oberflächengerinne mehr vorhanden ist, da infolge der Verkarstung die Entwässerung unterirdisch erfolgt.

Troglobionten Echte Höhlentiere, die nur in Höhlen vorkommen.
Troglophile Höhlenliebhaber, kommen auch außerhalb von Höhlen vor.
Trogloxene Höhlengäste, die nur gelegentlich eine Höhle aufsuchen.
Tropfstein

Ausscheidungen aus Tropfwasser, in Höhlen meist aus Calcit (CaCo3). Es kommen aber auch Tropfsteine aus Aragonit, Dolomit, Gips, Alaun, Steinsalz, Diadochit (Phosphoreisensinter) und Schwefel vor. Stalagmit Stalaktit

U  
Überdeckungshöhle Höhle, die unter und zwischen aufgetürmten Felsblöcken angelegt ist.
Uferhöhle Eine an einem fließenden Oberflächengewässer durch   Erosion entstandene Höhle.
Uvala

Eine auf verschiedene Weise entstandene größere flache Karsthohlform, deren Sohle uneben ist,und mehrere Ponore enthalten kann; häufig eine in ein Trockental eingesenkte Dolinenreihe durch Abtragung der trennenden Felsränder zwischen den einzelnen Dolinen zu einer Uvala.

V  
Verkarstung Vorgang der Umwandlung von oberirdischer zu überwiegend oder vollständiger unterirdischer Entwässerung in Gebieten mit  verkarstungfähigen Gesteinen.
verkarstungsfähige Gesteine Sammelname für alle Gesteine, die in (kohlensäurehätigem) Wasser löslich sind. (Kalksteine, Dolomit, Anhydrit, Gips und Salz).
Versinterung

Vorgang der Sinterbildung

Verwerfung Bruch im Gesteinskörper, an dem Bewegung der angrenzenden Gesteinspartien zueinander stattfand.   Tektonik
W  
Wasserschlinger  Schlinger
Wetterführung Höhlenwind
Z  
Zerklüftung Durchsetzung eines Gesteinskörpers mit zahlreichen Gesteinsspalten.
Zugspalte Abrißkluft

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