Bücher

Hier habe ich versucht, die wichtigsten und beeindruckendsten Bücher zusammenzufassen, denen ich bislang in meinem Leben begegnet bin. Ein guter Roman erzählt eine tatsächlich geschehene Geschichte, beschreibt das Umfeld wirklichkeitsgetreu, und urteilt nicht, sondern berichtet (frei nach Kafka:-). Dem Leser bleibt es selbst überlassen, daraus Lehren zu ziehen.
Wie auch immer, hier kommt meine Liste.

Gute Autoren und ihre besten Bücher

Autor Titel Kommentar
Franz Kafka
Der Prozeß
Tschechischer Österreicher, dem der Beamtenstaat ziemlich an die Lungen gegangen ist. Und uns erwartet nun die Technokratie. Wichtig von Kafka auch "Die Verwandlung", "Das Urteil", "Das Schloß", "Ein Bericht an eine Akademie".
Albert Camus
Der Fremde
Algerischer Franzose, Zwischenkriegszeit, Existenzialismus. Camus muss man gelesen haben. Ebenso gut sind auch "Die Pest" und "Der Fall".
Jean Paul Sartre
Das Spiel ist aus
Franzose, Zwischenkriegszeit, Existenzialismus. Pflichtlektüre. Gut sind auch "Melancholia" ("Der Ekel"), "Der Pfahl im Fleische", "Bei geschlossenen Türen".
Gabriel Garcia Marquez
Hundert Jahre Einsamkeit
Südamerikaner von heute, der einiges bemerkenswertes geschrieben hat. Magischer Realismus. Gut sind auch "Chronik eines angekündigten Todes", "Bericht eines Schiffbrüchigen".
Fjodor Dostojewskij
Schuld und Sühne (Raskolnikow)
Russe im Zarenreich. Von Dostojewskij kann man alles lesen, er hat allerdings sehr viel geschrieben. Wichtig sind auch "Die Brüder Karamasow", "Die Dämonen", "Der Spieler", "Der Idiot".
Nikolaj Gogol
Die toten Seelen
Kritischer Russe aus dem Zarenreich. Hat nicht so viel geschrieben, alles ist interessant, besonders "Tarass Bulba", "Der Revisor", "Der Mantel", "Petersburger Novellen".
Maxim Gorki
Die Mutter
Russischer National-Autor des 20. Jahrhunderts. Die russische Schwermut. Besonders gefallen haben mir auch Gorki's Erzählungen, z.B. "Konowalow", "Der Vagabund", wichtig auch "Das Nachtasyl".
Heinrich von Kleist
Michael Kohlhaas
Ein Bauernrebellen-Schicksal im Mittelalter. Kleist ist ein beeindruckender Erzähler. Kennen sollte man auch "Erbeben in Chili", "Die Marquise von O.". Er hat allerdings mehr Theaterstücke als Erzählungen geschrieben.
Emile Zola
Germinal
Franzose im 19. Jahrhundert. Das Buch handelt über Bergarbeiter in den Cevennen und die Geburtsstunde des internationalen Kommunismus. Zola hat viel geschrieben, mir kam noch nichts unter, das ich nicht ausgelesen hätte. Lesenswert sind noch "Nana", "Der Bauch von Paris", ... (leider ist sein Zyklus "Les Rougon-Macquart" in deutsch kaum erhältlich). Wunderbare Beschreibungen und eingebettete Geschichten.
Tschingis Aitmatov
Der Richtplatz
Russe von heute. Das Buch ist eine der für Aitmatov typischen Parallel-Geschichten, einen Wolf und einen Träumer beschreibend. Von Aitmatov kann man alles lesen, ausser seinem Alterswerk, das mit dem "Kassandramal" beginnt. Wichtig sind "Dshamilija", "Aug in Auge", "Du meine Pappel im roten Kopftuch", "Abschied von Gülsary", "Der Junge und das Meer".
Annie E. Proulx
Postkarten
Eine Abenteurer-Biografie. Proulx ist Amerikanerin von heute. Von ihr kann man alles lesen, gut sind vor allem "Das grüne Akkordeon", "Schiffsmeldungen", "Mitten in Amerika". Die Erzählungen sind auch gut: "Herzenslieder". Diese Autorin macht klar, was ein Buch einem Film voraus hat. Ein paar Kapitel eines ihrer Bücher würden Stunden Film erfordern, so viel erfährt man.
Juri Rytcheu
Der letzte Schamane
Der schreibende Tschuktsche (Nordost-Russland). Von ihm kann man wirklich alles lesen: "Teryky", "Die Reise der Anna Odinzowa", "Unter dem Sternbild der Trauer", "Traum im Polarnebel", "Die Suche nach der letzten Zahl", "Wenn die Wale fortziehen".
Yasar Kemal
Memed mein Falke
Memed wirkt vielleicht kitschig, ist aber ernst zu nehmen. So sind die Türken. "Der Zorn des Meeres", und die beiden anderen Memed-Bücher ("Die Disteln brennen", "Das Reich der vierzig Augen"). Ich freu mich schon auf die vielen anderen, die ich noch nicht kenne.
Nagib Machfus
Die Kinder unseres Viertels
Ägypter sind manchmal langatmig, aber immer befreiend. Machfus beschreibt schonungslos die Unterdrückung der Menschen durch Menschen, vor allem der Frauen. Wer die Gedankenwelten der Kairoer Triglogie durchsteht, den kann nichts mehr aufhalten: "Zwischen den Palästen", "Palast der Sehnsucht", "Zuckergässchen". Das viel-perspektivische "Miramar" hat mir auch gut gefallen.
Charles Dickens
Oliver Twist
Engländer im 19. Jahrhundert. Kinder aus den unteren Schichten hatten es damals schwer (habe sie es heute leichter?). Das Buch hat mich umgeworfen, das ist allerdings KEIN Kinderbuch! Wichtig auch "David Copperfield".
Joseph Conrad
Lord Jim
Engländer Ende des 19. Jahrhunderts. Südsee- und Piraten-Geschichten der Sonderklasse. Auch "Herz der Finsternis", "Almayers Wahn", "Geschichten der Unrast", man kann alles von ihm lesen.
Hermann Hesse
Siddhartha
Ein schreibender Idealist, 19./20. Jahrhundert. Meine Jugendliebe. Wenn man diesen Stil gut findet, kann man alles von ihm lesen. Wichtig auch "Der Steppenwolf", weiters erinnere ich mich an das Märchen "Der Europäer".
Amitav Ghosh
Der Glaspalast
Inder der Gegenwart, lebt in Amerika und Indien. Das Buch beschreibt die politischen Wirren, denen Burma im 20. Jahrhundert ausgesetzt war. Der Autor versteht die Kunst des Schreibens wirklich, man kann alles von ihm lesen, Schattenlinien, Das mohnrote Meer, ...
Salman Rushdie
Mitternachtskinder
Lang hab ich mich gewehrt, einen von den Medien promovierten Autor zu lesen. Nichtsdestoweniger ist er es wirklich wert, ich hab noch nichts schlechtes von ihm gelesen, wenngleich er zum fabulieren neigt. Doch muss man ihn deshalb gleich mit dem Tod bedrohen, Herr Islam?

Einzelne Perlen

Aldous Huxley
Schöne neue Welt
Pflichtlektüre. In dieser Zukunftsvision hat die Zivilisation alle Urbevölkerungen ausgelöscht. Die Menschen werden mit der Droge "SOMA" ruhiggehalten. (Hierzulande übersetzt man das mit SOzial-MArkt:-)
George Orwell
1984
Pflichtlektüre. Zukunftsvision. Eine fiktive Zivilisation mit starker Ähnlichkeit zur heutigen wird in ihrer ganzen Grausamkeit beschrieben. Alle Ideologien führen letztendlich zu einem Zwangsstaat. Lesen muss man von Orwell natürlich auch "Farm der Tiere" (Animal Farm), ein Klassiker.
Michael Ib
Kilroy, Kilroy
Ein Däne schreibt die Geschichte eines amerikanischen Soldaten, der überall ist, wo es schön ist (Südsee, China, Tibet), und bedeutende Ereignisse des 20. Jahrhunderts stattfinden (Hiroshima). Diese Mischung und ein wenig magischer Realismus machen dieses Buch einmalig, wenngleich es am Ende schon gefährlich ins Drehbuch umschlägt. Warum ein solches Buch in Europa vergriffen ist, ist mir ein Rätsel.
Kamala Markandaya
Nektar in einem Sieb
Die detailreich erzählte Geschichte einer indischen Bauernfamilie, und wie sie vom technischen Fortschritt praktisch ausgelöscht wird.
Galsan Tschinag
Das geraubte Kind
Die Tuwa sind ein west-mongolisches Volk. Das Buch beschreibt die letzte Zeit der freien Tuwa vor der Einverleibung durch Chinesen und Mongolen im 18. Jahrhundert. Eine Tragödie. Wichtig auch Tschinags "Die graue Erde" über den Kommunismus.
Robert Schneider
Schlafes Bruder
Ein Österreicher mit einem beeindruckenden Erzählstrom. Der Bregenzerwald und die Orgel.
Ray Bradbury
Fahrenheit 451
Amerikanischer Science-Fiction Roman über eine Welt, in der das Lesen von Büchern verboten ist. Sie werden, wenn entdeckt, von 'Feuerwehrmännern' verbrannt. Einem wird das zu blöd, er kann sich aber in den Wald zu den andern retten :-)
Franz Werfel
Die 40 Tage des Musa Dagh
Der von den NAZIs verfolgte deutsch-tschechische Autor schrieb dieses beeindruckendes Buch über ein armenisches Dorf, das dem von den Türken an den Armeniern begangenen Massaker 1915 entkommt.
Mo Yan
Das rote Kornfeld
Chinesischer Reisser, beschreibt eine Kriegerlegende vom 1. bis zum 2. Weltkrieg, japanische Invasion.
Elias Canetti
Die Blendung
Der verhinderte Gigant Canetti beschreibt den echten Wiener in Gestalt eines Sinologen und seines Umfeldes. Ein seltsames, aber einmaliges Buch.
Stanislaw Lem
Solaris
Science Fiction. Die Monster der Vergangenheit sitzen in uns, manchmal auch um uns. Der Film von Tarkovski reicht fast an das Buch heran. Von Lem kann man auch vieles andere lesen.
Patrick Süskind
Das Parfum
Der Erzählstrom des stillen Münchners ist einmalig. Ein französischer missgestalteter Parfümeur mordet junge Frauen, um das perfekte Parfüm zu entwickeln, an dem er schliesslich stirbt. Wie viele Meisterleistungen hat dieses Buch keinen Nachfolger gehabt.
Sten Nadolny
Die Entdeckung der Langsamkeit
Die Geschichte eines langsamen Schiffs-Kapitäns. Erstaunen begleitet einen andauernd.
Harry Mulisch
Das Attentat
Ein Niederländer überlebt den 2. Weltkrieg und blickt zurück auf die Geschichte des nicht so überzeugenden, aber vorhanden gewesenen Widerstandes gegen die Nazis. Andere Bücher von ihm probier ich allerdings nicht mehr.
Malcolm Lowry
Unter dem Vulkan
Von einem amerikanischen Alkoholiker geschriebenes bemerkenswertes Buch über einen trinkenden Botschafter und dessen Ende in einer mexikanischen Schlucht. Das Buch wirkt erst im Nachhinein, so wie ein Kater, mit dem Unterschied, daß die Nachwirkung besser als das Buch ist.
Jose Saramago
Hoffnung in Alentejo
Mitreissendes Buch über das Arbeitervolk Südamerikas unter den Portugiesen.
Nikos Kazantzakis
Alexis Sorbas
Besser das Buch lesen als den Film ansehen, wirklich.
Alejo Carpentier
Das Reich von dieser Welt
Ein wenig Geschichte Haitis zur Zeit der Sklaven-Befreiung, der eine noch viel schlimmer Tyrannei durch die Sklaven selbst folgte. Magischer Realismus. "Die Explosion der Kathedrale" erzählt von Guadeloupe zur Zeit der französischen Revolution, als die Revolutionäre den Schwarzen erklärt haben, dass sie nun frei seien, um sie gleich darauf als Zwangsrekrutierte wieder in Ketten zu legen.
Miguel Angel Asturias
Die Maismenschen Eine Geschichte über einfache Menschen in Mittelamerika, das Schlüsselbuch des magischen Realismus. Ich fand es einmalig.
Vargas Llosa
Das Fest des Ziegenbocks
Die schlimmste Diktatur in der Dominikanischen Republik im 20 Jahrhundert: Rafael Trujillo. Dieser Realismus ist leider nicht mehr magisch, aber hoffentlich heilsam.
Alai
Roter Mohn
Tibetische Fürsten-Geschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die mit dem Einmarsch der roten Garden endet. Einfach unglaublich, das asiatische Mittelalter.
Gao Xingjian
Der Berg der Seele
Ungewöhnlich locker geschriebene Beschreibung einer Reise durch China auf der Suche nach dem "Berg der Seele", die wirklich lesenswert ist, weil man viel über den bis heute nachwirkenden Maoismus erfährt. Allerdings spricht er nicht über die Hungerkatastrophe 1959, wohl weil er nicht vollkomen aus seiner Heimat verstossen werden möchte.
Halldor Laxness
Die Islandglocke
Historischer Roman über die Behauptung der Isländer gegen die Dänen und der armen gegen die reichen Isländer, im 18. Jahrhundert. Laxness' archaische Sprache hat etwas ganz besonders erhebendes in sich.
Alois Jirasek
Die Hundsköpfe
Der letzte Aufstand der Choden (West-Tschechien) gegen den europäischen Adel im Spätmittelalter. "Spannend erzählt" steht drauf, und so ist es. Geschichtlich auch. Leider gibt es bei uns von Jirasek nichts zu kaufen, wohl weil er die Deutschen so darstellte, wie sie sich selbst nicht gern sehen.
Andre Gide
Die Verliese des Vatikan
Narren, Papst und Mord im 19. Jahrhundert. Klassiker.
Louis-Ferdinand Celine
Reise ans Ende der Nacht
Der erste Weltkrieg und die elende Ruhe danach kann nicht besser beschrieben werden. (Allerdings habe ich Stahlgewitter von Jünger noch nicht gelesen, vor solchen Autoren graut mir ein bisschen.)
Alfred Döblin
Berlin, Alexanderplatz
Ein Nervenarzt beschreibt das bemerkenswert gewöhnliche Leben eines Berliner Proleten. Kolossus.
Anna Seghers
Der Aufstand der Fischer von Santa Barbara
In einem Dorf auf einer süditalienischen Insel revoltieren Fischer, die in tiefster Armut leben, gegen ihre Ausbeutung.

Weitere

Steinbeck, Tolstoj, Remarque, Brecht, C.F.Meyer, Gotthelf, Stifter, Hetmann, Musil, Mitchener, Perutz, Joseph Roth, Pynchon, Traven, Dick, Waggerl, Turgenjew, Puschkin, Schiller, Büchner, Dor, Dinev, Schami, Meyrinck, Hoeg, Updike, Hemingway, ... Michael Ende!