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Kyselak - die Legende

Der Kaiser lässt Kyselak zu sich bringen Kyselak am kaiserlichen Schreibtisch

Nicht belegen lässt sich die bekannteste Anekdote, wonach Kyselak zum Kaiser gerufen wurde und auf dessen Schreibtisch seinen Namen hinterliess. Fotos: Florentin Groll als Kaiser Franz II./I.; Nikolaus Barton als Kyselak.

Auch dass Kyselak während der Eröffnungsfeier der 1829 fertiggestellten Augartenbrücke trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen eine rote Signatur anbrachte, lässt sich nicht verifizieren. Vollkommen unmöglich ist, dass Kyselak, als er einen Felsen im Flussbett der Donau taggen wollte, ertrunken ist. Wohin Kyselaks Reisen führten und ob er etwa tatsächlich bis in den Teutoburger Wald gekommen ist, ist Gegenstand unserer Recherche.

Externfelsen Gesichtet vom Leiter der SS-Abteilung: Kieselack-Signatur an den Externsteinen SS-Schreibkraft tippt

Eine 1940 an den Externsteinen beobachtete Signatur: 'Kieselack' dürfte von einem der unzähligen Nachahmer platziert worden sein. Fotos: Sebastian Eckhardt als Joseph Plassmann; Christoph Fälbl als Schreibkraft der SS-Abteilung 'Haus Ahnenerbe' demonstrieren die Toleranz des Trägermaterials Papier.

Joseph Kyselak – Biographische Fakten:

Franz Ehemaliger Aufbewahrungsort der wichtigsten Archivalien zur beruflichen Laufbahn von Joseph Kyselak. Hier war Franz Grillparzer ab 1848 Direktor.

1799, Dezember: Joseph Kyselak wird geboren als erster Sohn von Joseph und Josephine Kyselak; der Vater arbeitet bei der k.k. Privat-, Familien- und Vitikalfondskassenoberdirektion.

1811- 1816: Besuch des Gymnasiums zu den Piaristen in Wien-Josefstadt, gemeinsam mit seinem um ein Jahr jüngeren Bruder Wilhelm. Das Zeugnis von 1811 weist ihn als 12 Jahre alt aus. Joseph absolviert die vier Grammatikal-Klassen und zwei Humanitätsklassen.

1816 - ca. 1817: Inskribiert an der Universität Wien, Fachrichtung Philosophie, zeitgleich mit Johann Nestroy.

1818, 8. Juni: Kyselak arbeitet als unbeeideter Praktikant bei der k.k. Privat-, Familien- und Vitikalfondskassenoberdirektion.

1819, 1. Dezember: Kyselak wird eben daselbst als beeideter Praktikant angestellt.

1823, Dezember: Aufgrund des Umstandes, dass sein Vater der gleichen Behörde dient, wird Kyselak als Praktikant zur k.k. allgemeinen Hofkammer übersetzt.

1825, 4. Februar: Tod des Accessisten Schwarz. Kyselak bewirbt sich offenbar nicht rechtzeitig um den freigewordenen Posten.

1825, 26. Mai: Kyselak sucht um die Stelle als Accessist an, und begründet in den Punkten a-f weshalb er darauf Anspruch hätte.

1825, 25. Juni: Kyselak erhält eine abschlägige Antwort. Die Begründung der k.k. Magistrats=Ober=Direkzion bestätigt dem Bittsteller zwar 'sehr vielen Fleiß, genaue Aufmerksamkeit und regen Eifer zur Erlernung der Manipulation', kann entgegen Kyselaks eigenen Angaben jedoch keinen Vorteil gegenüber den anderen 3 Bewerbern erkennen. Er möge sich vielmehr in die Manipulation der Registratur erst richtig einarbeiten - wozu er bisher wegen Verwendung zu untergeordneten Tätigkeiten in diversen Bureaus noch nicht gekommen war - und ausserdem tüchtig fremde Sprachen erlernen. Darüberhinaus wäre es den anderen Bewerbern nicht zumutbar, weiterhin jahrelang ohne Entgelt ihren Dienst zu versehen.

Franz Cameralakten im alten Hofkammerarchiv1825, 12. August - Oktober: Kyselak unternimmt eine Fussreise.

1825, Dezember: Kyselak wird zum Registratursaccessisten befördert.

1826, Jänner: Kyselak wird von der Bureau=Dienstleistung (als Praktikant) enthoben.

1826, Februar: Kyselaks Beförderung wird Seiner kaiserlichen Hoheit Franz II./I. angezeigt.

1828, Juli: Kyselak nimmt Urlaub.

1828, September: Urlaubsverlängerung.

1829, 20. Mai: Kyselak schließt das Nachwort zu seiner Reisebeschreibung ab.

1829, 1. Juni: Kyselak sendet ein Exemplar seines Buches an Erzherzog Carl. Er drückt seinen Wunsch nach Unterstützung für seine weiteren Veröffentlichungen aus.

1831, 16. September: Kyselak stirbt zuhause, Kirchberggasse 37 in Wien Spittelberg, an der Cholera. Er hinterläßt weder Frau noch Kinder, die Sperrs=Relation (eine Dokumentation der Hinterlassenschaft) unterzeichnen seine Mutter und sein Bruder Wilhelm.

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