Der Sierninger Hans Mayrhofer spielt Oboe und die erste Geige im Europacup
Handbike: Handspiel mit bewegenden Dreh-Momenten
LINZ. Sagen wir es so: Wer Hans Mayrhofer beim Radlfahren zuschaut, kommt nicht
gleich auf die Idee, dass Hans Mayrhofer radlfährt.Der Sierninger sitzt in einer
etwas futuristisch anmutenden Konstruktion, hinten zwei Radln, vorn eins, das
Zahnradl dreht sich dort nach der Kette um, wo Mayrhofer mit seinen beiden Händen
an ergonomisch geformten Griffen kurbelt. An der Lenkstange. So treibt Mayrhofer
sein Gerät vorwärts, und er kann mit seiner Handarbeit locker mit jedem sportlich
gestrickten klassischen Radlfahrer mithalten, versichert er, und untermauert das
mit einer beeindruckenden Zahl. 36.
In 1:09:10 Stunden ist Mayrhofer vor zwei Wochen den Marathon in Heidelberg gefahren,
das waren 42,195 Kilometer, und es war Weltrekord. Macht einen Schnitt von über
36 Kilometer pro Stunde. Mit einem Handbike, so heißt das Gerät.
Übrigens: Hans Mayrhofer ist Behindertensportler. Im Oktober 1992 ist ihm bei
einem Lkw-Unfall eine Mischmaschine ins Führerhaus geflogen. Mayrhofer hat beide
Unterschenkel verloren. Im Rehazentrum Weißer Hof ist er dann zum Sport gekommen,
1995 hat er sich zum ersten Mal bei einem Handbike-Rennen versucht und auf Anhieb
Platz zwei belegt. Es war die Initialzündung zu einer Karriere, die ihm inzwischen
einen Spitznamen eingetragen hat, den er weniger gern hört. "Hans, the Machine"
hat ihn eine holländische Zeitung genannt, weil er Kees van Breukelen, dem besten
Holländer auf dem Handbike und zugleich seinem stärksten Rivalen, permanent um
die Ohren fährt.
Im Europacup, der heuer zum ersten Mal ausgetragen wird, hat Mayrhofer in drei
Rennen ebenso oft nicht verloren, das ist insofern logisch, als Mayrhofer in dieser
Saison überhaupt alles gewonnen hat. Der 51-Jährige, musikalisch ein Mann der
Gegensätze, der einer Steirischen Ziehharmonika ebenso Gefälliges entlockt wie
einer Oboe, spielt in seinem Sport die erste Geige, was auch ein bisschen mit
Streichen zu tun hat. Freizeit, vor allem. Mayrhofer trainiert sechs Mal in der
Woche und kommt in dieser Zeit auf ungefähr 400 Kilometer. Auf noch mehr Kilometer
kommt er, wenn er zu den Wettkämpfen reist. Deutschland, Schweiz, Holland, Belgien,
und das alles mit dem Auto. Sponsoren hat der Sierninger keine, seinen Klub, den
RSC Heindl, ausgenommen, der ihn mit Kilometer- und Nächtigungsgeld unterstützt.
Bei den Rennen gibt's Prämien, weil Mayrhofer als Dauersieger viele davon einhamstert,
reicht es insgesamt gerade zu einem Nullsummenspiel. " Ich mach' es ja nicht,
um reich zu werden", sagt Mayrhofer. Obwohl, ein bisschen reicher würde alles
schon viel einfacher machen.
Bericht kopiert von www.handbike.de
Quelle: OÖNachrichten v. 01.06.2001 ( von Thomas Arnoldner )