Im Zuge der schriftlichen und mündlichen Befragungen im Raum St.Oswald wurden 20 Landwirte befragt, wobei das Verhältnis Voll- Nebenerwerbslandwirt 3:2 war. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei den Befragten in etwa bei 31,15ha, wovon 16,75ha landwirtschaftlich genutzte, und 14,40ha forstwirtschaftlich genutzte Fläche darstellen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt bei 6,2 Personen, in etwa 2,7 Erwachsene arbeiten im Betrieb mit. Fax und Handy haben mittlerweile fast in jedem Betrieb Einzug gehalten, oft werden betriebliche Angelegenheiten nur noch übers Internet abgewickelt. Die PC-Ausstattung jedoch gestaltet sich ziemlich unterschiedlich: etwa 35% der vorhandenen PCs sind älter als 4 Jahre, und damit höchstens mit 586er-Pentium Prozessoren ausgestattet. Ungefähr ein Viertel bewegt sich mit ihrem Equipement im Bereich eines Pentium II (2-4 Jahre alt), und die restlichen 40% besitzen einen Pentium III oder höher.


Österreichweit wird die Computertechnologie in der Landwirtschaft schon weitgehend eingesetzt. Auch die Gemeinde St.Oswald macht da keine große Ausnahme. In etwa 50% der ansässigen Landwirte verwenden einen PC oder eine andere computergesteuerte Anlage für betriebliche Zwecke. Die Anwendungspalette ist hierbei sehr umfangreich: Von der einfachen Informationsbeschaffung aus dem Internet über E-Mail, E-Banking und Behördengang, über Buchhaltung bis hin zur Futtermittelsteuerung und der Ackerschlagkartei, können die Bauern beinahe alles mit dem Computer bewerkstelligen.
Vor allem das Internet hat sich in den vergangenen Jahren als das Medium herauskristallisiert. Förderungsinformationen, Meinungsaustausch unter Gleichgesinnten, Gebrauchtmaschinenbörsen, News- und Info-Foren, und so weiter... hier haben wir den Kirchenplatz des 21.Jahrhunderts.

Der Grüne Bericht
Obwohl sämtliche landwirtschaftliche Betriebe steuerlich pauschaliert sind, gibt es für jeden Landwirt die Möglichkeit, freiwillig für den Grünen Bericht Buch zu führen. Nach sorgfältiger Überprüfung des Betriebs werden sämtliche buchhalterische Daten in die österreichweite Jahresbilanz einbezogen. Zur Erfassung der Daten dienen sowohl spezielle Buchhaltungsprogramme diversester Anbieter, als auch Excel für einfache Ein- und Ausgabenrechnungen. Die monatliche Bilanz wird meist per E-Mail oder Fax an die zuständige Behörde übermittelt.

Der Zuchtverband
Unter dem Service RinderNET (rindernet.at) haben Landwirte aus ganz Österreich die Möglichkeit, die vorgeschriebenen Meldungen über Neuzugänge oder Abgänge im Viehbestand direkt online zu melden, und sparen sich damit aufwendige Telefonate und damit verbundene lästige Wartezeiten. Außerdem soll über dieses Feature künftig für jeden beliebigen Stichtag direkt die GVE-Berechnung möglich sein. Das würde mehr Überblick für den einzelnen Bauern bedeuten, der mit den Großvieheinheiten (GVE), auf die landwirtschaftliche Fläche aufgeteilt, nach den neuen Bestimmungen, nicht über 1,9 GVE/ha kommen darf. Diese Großvieheinheiten werden aufgrund der Altersklassen der einzelnen Tiere berechnet, und entscheiden somit indirekt über den Erhalt gewisser Förderungen.


Forstwirtschaftsplaner
Auch in der Forstwirtschaft gibt es natürlich die diversesten Einsatzmöglichkeiten für den Computer. Die aufwendigste und interessanteste jedoch ist die 10-Jahres-Planung. Aufgrund lokaler Bestandserhebungen durch die Winkelzählmethode und Begutachtung vor Ort, kann der Computer die vorhandenen Festmeter berechnen, und der Forstwirt somit genau feststellen, wieviel er schlagen kann, ohne mit einem Rückgang rechnen zu müssen. Die 10-Jahres-Planung für einzelne kleine Flächen beinhaltet üblicherweise das Ausputzen des Unterholzes, die Durchforstung und gegebenenfalls das Schlägern. Mit einer groben Schätzung der Arbeitsstunden und der damit verbundenen Kosten lässt sich eine ungefähre Prognose zukünftiger Ausgaben machen.

Ackerschlagkartei
Um die Fruchtfolge über einen größeren Zeitraum im Überblick zu haben, legen sich Bauern üblicherweise - zumindest handschriftlich - sogenannte Ackerschlagkarteien an. In ihnen ist festgelegt, in welchem Jahr welche Pflanze auf einem der Felder angebaut wird. Dies kann in Form einer normalen Tabellenkalkulation oder eines Flächenplanes geschehen, auf dem man auch gleich die einzelnen Parzellen, ihre Neigung und ihre Widmung eintragen kann. (Beilage 3, S 37)

Ein großes Problem, dem sich die Computerindustrie in diesem Sektor stellen muss, sind fehlendes Know-how und zu hohe Preise. Für viele Landwirte ist es nicht interessant, teure Fütterungsanlagen für ihren Betrieb anzuschaffen, weil das der Größe des Betriebes nicht entsprechen würde. Auch der fachmännische Support ist für die meisten der Kleinbetriebe zu kostspielig. Nur in wirklich groben Fällen wird in der Regel der Spezialist konsultiert, sonst versucht man, sich gegenseitig bestmöglich weiterzuhelfen.




4.2.1 Fallbeispiel 1 - Peter Hinterndorfer (Steiner, Urthaleramt 30)

Peter Hinterndorfer, auch bekannt unter dem Synonym "Stoana Peter", ist seit 22 Jahren Vollerwerbsbauer in der Gemeinde St.Oswald. Gemeinsam mit seiner Frau bewirtschaftet er den 31 Hektar-Betrieb sowohl land- als auch forstwirtschaftlich.
Zur Erleichterung dieser Arbeit ist der Computer seit 1997 in verschiedensten Variationen in den unterschiedlichsten Bereichen im Einsatz. Vor allem zur vielgepriesenen Selbstkontrolle durch doppelte Buchhaltung mit Kostenstellenrechnung und in Form einer Erntestatistik ist der PC als Archivierungs-Medium sehr

hilfreich. Auch im Stall hat der Computer mittlerweile Einzug gehalten. Eine vollautomatische Fütterungsanlage übernimmt die gesamte Kraftfutterzuteilung für jedes einzelne der 30 Rinder. Über einen Ohrmarkensensor, der jeder Kuh ihren eigenen Identifikationsstempel gibt, werden die Tiere am Melkstand erkannt. Dadurch kann fürjedes Vieh die spezifische Milchmenge eines Tages erfasst und in einem separaten Computer gespeichert werden. Nach dieser Milchmenge errechnet dieser dann die jeweilige Kraftfutterzuteilung. Die Kuh kann jederzeit zum Futterautomaten gehen. Hier wird sie ebenfalls durch die Ohrmarke identifiziert und bekommt
demnach ihre zugeteilte Schrotmenge in den Trog gelassen. Außerdem dient der Steuerungscomputer (Abb. 7) auch als Kuhkalender. Hier sind Daten wie Abkalbung, Brunst, Trockenstellung und zusätzliche veterinäre Behandlungen erfasst. Da der Fütterungscomputer auch nach der Laktationskurve füttern soll, ist das äußerst sinnvoll, da der Bauer auf die spezielle Rationierung keine Rücksicht mehr nehmen muss. Ab dem errechneten Kalbedatum wird die Mutterkuh langsam sinnvoll, da der Bauer auf die spezielle Rationierung keine Rücksicht mehr nehmen muss. Ab dem errechneten Kalbedatum wird die Mutterkuh langsam über einen gewissen Zeitraum (z.B. 14 Tage) von einem bestimmten Basiswert bis zur vollen Menge mit Kraftfutter "angefüttert". Die weitere Zeit erhält sie dann - wie gewöhnlich - ihre Futterration nach der Milchmenge, und bevor sie vor der nächsten Kalbung wieder trocken gestellt wird, wird sie vom Computer wieder langsam "abgefüttert". So vermeidet man abrupte Änderungen in der Ernährung, die sich dann negativ auf das Tier auswirken könnten.
Die strenge Rationierung ist deshalb so wichtig, weil Kraftfutter in großen Mengen für den Bansenmagen unverträglich sein kann, was sich wiederum auf die Milchleistung niederschlagen würde. Darum kann man die zugeteilte Menge pro Tag nochmals auf einzelne kleinere Fütterungsabschnitte aufteilen. Die Zusammensetzung der Kraftfuttermischung spielt dabei ebenfalls eine sehr große Rolle. Als Zusatz zum normalen Grünfutter, das den Großteil der Masse ausmacht, soll die Kuh schließlich alle Nährstoffe erhalten, die sie benötigt, um gesund zu bleiben und genügend Milch geben zu können. Aus diesem Grund prüft der Milchmesser alle 40 Tage die Inhaltsstoffe der Milch, durch welche Rückschlüsse auf die Futterzusammensetzung gemacht werden können. Der Milchzettel kommt dann innerhalb von zwei bis sechs Wochen gemeinsam mit der Milchabrechnung auf die Kassa, bzw. ist nach zwei Tagen bereits aus dem Internet abrufbar. (Beilage 3, S 35)
Über kurz oder lang wird die landwirtschaftliche Konkurrenz aus dem Osten garantiert zunehmen. Sogenannte Agrarfarmen werden den heimischen Bauern den Markt streitig machen, und sie mittelfristig zu einer Reaktion zwingen. Herr Hinterndorfer sieht deshalb die Zukunft der Landwirtschaft im Südlichen Waldviertel nicht so rosig. Der Strukturwandel wird unweigerlich weitergehen. Die Betriebe, die die finanziellen Mittel dazu besitzen, werden expandieren, um ihr Überleben zu sichern, die übrigen können dann höchstens auf Nebenerwerb umstellen bzw. die Produktionsflächen in die Forstwirtschaft verlagern. Das Ausmaß und die Geschwindigkeit dieser weitgreifenden Umstellungen werden durch den vorherrschenden Preisdruck bestimmt.

"Då stellt sich für mi die Fråge: Wer is' für wen då? Is' d' Wirtschåft für d' Leut' då, oder san d' Leut' für d' Wirtschåft då? Und då, då kunnt's in die nächsten zehn Jåhr stockån-gehend werden."
Österreichs Chance besteht laut Herrn Hinterndorfer darin, dass bestimmte notwendige Übergangsregelungen und Auflagen den heimischen Markt vor allem in der Anfangsphase vor einer Überflutung schützen, sodass sich die Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebe in geordneten Bahnen durchführen lässt. Denn oft nehmen vor allem ältere Landwirte die Last einer so tiefgreifenden Änderung nichtmehr auf sich, wodurch dies meist mit dem Generationswechsel am Hof einher geht.




4.2.2 Fallbeispiel 2 - Leopold Reutner (Weghof, Urthaleramt 29)

Leopold Reutner, 49 Jahre alt, führt nebenberuflich den Weghof in St.Oswald. Nachdem er 1987 die Wirtschaft hochverschuldet übernommen hat, ist es ihm durch Umstellung auf Schafzucht und extensive Bewirtschaftung nicht nur gelungen, den Betrieb zu sanieren, sondern auch den größten Teil des Wohnbereichs des alten Vierkanters zu renovieren. Seit damals versucht Herr Reutner durch extensive Bewirtschaftung und minimalen Arbeitsaufwand den Betrieb am Laufen zu halten. Da er selbst unter der Woche in Wien in einer Computerfirma arbeitet, kümmert sich Emil Reutner, sein Cousin, um die 25 Milchschafe und die bis zu 40 Lämmer.





Die Schafzucht hat sich für den Weghof als die rentabelste Option erwiesen, zumal der Umgang mit den wesentlich kleineren Tieren um etliches leichter und arbeitsunaufwändiger ist, als dies zum Beispiel bei der Rinderzucht der Fall ist.

Als 1995 nach dem EU-Beitritt die Forderung einer neuerlichen Landvermessung der landwirtschaftlich genutzten Flächen von der EU laut wurde, wurden sämtliche Wiesen, Wälder und Äcker händisch kategorisiert. Ein paar Monate später fand zur Berichtigung der gesammelten Daten eine Befliegung durch die AMA statt, bei der durch Luftaufnahmen das gesamte Gelände abgetastet wurde. Herr Reutner besorgte sich eben diese Überflugsdaten und trug sie per Koordinatensystem in eine zweidimensionale CAD-Anwendung ein. Durch den 1:1 Maßstab, der in solchen vektorbasierenden Programmen möglich ist, kann der Computer aufgrund der Eckpunkte der einzelnen Parzellen auch deren Flächen berechnen. (Beilage 4, S 38)


Viehbestandsdatenbank

Jedes der 25 Milchschafe in Herrn Reutners Betrieb ist statistisch genauestens erfasst. In einer selbst programmierten Access-Datenbank werden neben Geburts- und Verkaufs- oder Sterbedatum auch sämtliche Krankheiten, Behandlungen durch den Tierarzt, Milchkeimzahlen, und sonstige Besonderheiten festgehalten. Erfasst werden diese Daten mittels einer einfachen Eingabemaske. Dann besteht die Möglichkeit, die Daten spezifisch in verschiedenen Abfragen abzurufen, oder auch gleich als Formular auszudrucken.


"Die Zukunft der Landwirtschaft im südlichen Waldviertel hängt zu einem großen Teil von der europaweiten Struktur der Landwirtschaft ab. Wird in dieser die Erhaltung kleinräumiger landwirtschaftlicher Strukturen möglich bleiben - was nicht zuletzt von den von der EU dafür zur Verfügung gestellten Förderungsmitteln abhängt - dann wird der von vielen Bauern eingeschlagene Weg (Bio-Landwirtschaft, bäuerlich verkaufbare End- und Edelprodukte, Selbstvermarktung usw.) erfolgreich sein."
Herr Reutner ist der Meinung, dass das Internet für die Ab-Hof-Vermarktung durch Internet-Portale und virtuelle Einkaufskörbe ein recht großer Vorteil wäre. Er selbst überlegt stark, die Schafmilchproduktion aufgrund einiger Abnehmerschwierigkeiten aufzugeben, und nur noch auf Fleisch- und Wollproduktion umzusteigen. In der extensiven Landwirtschaft sieht er definitiv eine Überlebenschance für österreichische Bauern, aber die billige Produktion des Ostens unterbieten zu wollen, erscheint ihm doch etwas gewagt.