SILVIA HEIMADER | texte  

 

 






   























 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mikulov jüdisch
Ein einziges Bild ...

Im September 2006 hatte ich einen Malworkshop im tschechischen Mikulov gebucht. Ich wollte ins Ausland, und mit 1,5 h Fahrzeit von Wien war  dies der schnellst erreichbare nicht-deutschsprachige Ort, der für mich auch eine malerische Infrastruktur bot. 

Ich reiste zwei Tage vor Kursbeginn an, um mich mit meiner neuen Umgebung vertraut zu machen:  der Altstadt, dem Kalvarienberg, den Weinbergen, dem jüdischen Viertel, der Synagoge und dem alten jüdischen Friedhof.  Viele Stunden verbrachte ich auf diesem jüdischen Friedhof von Mikulov. Ein weitläufiger, verwachsener Ort mit üppig tragenden Zwetschkenbäumen, über den die Zeit scheinbar friedlich hinweggegangen ist. Ich denke, ich muss nicht extra erwähnen, dass sie das nicht ist - die Zeit ist zu Mikulov und zu seinen Juden nicht gut gewesen. Am idyllischen jüdischen Friedhof ist das jedoch schwer zu bemerken. Vergeblich sucht man nach Spuren gewalttätiger Zerstörung. Einzig und allein die Tatsache, dass hier im Jahr 1938 die letzten Toten begraben wurden, gibt einen Hinweis auf das, was geschehen ist. 

Die große Diskrepanz zwischen dem, was ich  im Hier und Jetzt an diesem Ort  spürte und zwischen dem, was ich über diese Vergangenheit wusste, beschäftigte mich sehr stark. Ich arbeite seit Jahren beruflich mit dokumentarischen Filmaufnahmen über den Holocaust - was ich nicht darüber wusste oder gesehen hatte, konnte ich mir vorstellen. 

Ich hatte meine Farben noch nicht ganz ausgepackt, begutachtete einige neue Gerätschaften zum Malen und fing an, probehalber Flächen und Striche auf ein Papier aufzutragen. Und bevor ich noch die Arbeit dieser Woche  aufgenommen hatte, gab mein Unterbewusstsein ein fertiges Bild frei: Feuer, Rauch, tanzende Symbole, Gewalt, Zerstörung. 

Mein persönliches Mahnmal für die Juden von Mikulov. Ich habe im Verlauf dieser Woche noch weiter versucht, an  diesem Thema zu arbeiten, aber keinen Zugang mehr zu diesen Bildern in meinem Inneren gefunden. Einige Bilder sind entstanden, die sich dem Augenschein widmen: den Grabsteinen mit den hebräischen Zeichen und Namen und der Zeit, die darüber hinweggegangen ist.  Das Bild, das ich "schtetl" genannt habe, ist  aber das einzige seiner Art geblieben. 

 

Silvia Heimader (2006)














                                        

      

 


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