Die Jugend kennt ihn kaum, aber die Alten erinnern sich gerne an:

Baron von Münchhausen

Die Gastwirtschaft war auch Poststation. Die Sonne war schon untergegangen, als die letzte Kutsche ankam. Unter den Fahrgästen, die über Nacht blieben, befand sich diesmal kein Geringerer als Baron Hieronymus Karl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Nach dem Essen, als der Baron gerade seine Pfeife in Brand stecken wollte, geschah es dann. Einige Studenten stürmten in die Gaststube, einer von ihnen stieß dem Baron die Pfeife aus der Hand. Eine Entschuldigung unterblieb. Diese hätte der Student besser nicht versäumt, denn der Baron war ein streitbarer Mann. Er forderte Satisfaktion: ein Duell. Der Student war noch sehr jung und grün hinter den Ohren, eigentlich kein ernstzunehmender Gegner. Dies sah auch der Baron und deshalb meinte er: »Da ich es bin, der beleidigt wurde, habe ich die Wahl der Waffen - ich wähle die Schachfiguren!«.
Der Student wollte etwas sagen, aber der Baron duldete keine Einwände - es musste gespielt werden. Der Baron, dem Genugtuung erwiesen werden musste, hatte Weiß.

Es kam zu folgender Partie: 1. d4 e5 2. d5 e4 3. Lf4 Lc5 4. Sd2 Se7 5. d6 e3 6. dxc7 exf2 matt (siehe Diagramm 1). »Potz Blitz«, sprach der Baron, »das mir, der ich die russische Kriegsschule erlernt habe und zu den besten Spielern der Ost-(Preußen-)Liga zähle. Offenbar wieder einer der sonderbaren Zu- fälle, die mir so oft in meinem Leben widerfahren, ich fordere Revanche und als Verlierer habe ich Weiß! «.

Es folgte die zweite Partie: 1. Sc3 Sf6 2. e3 d6 3. Sf3 Sc6 4. Se2 Sd7 5.c4 f5 6. Sfd4 Sce5 7. Se6 (wieder glaubte der Baron die gegnerische Dame gefangen zu haben) 7. - Sd3 matt (siehe Diagramm 2). Das Antlitz des Barons spiegelte Entsetzen. »Weh mir«, rief er aus, »muss ich mich wieder geschlagen geben!? Das Unglaubliche hat sich wiederholt. Ich fordere eine dritte und letzte Partie. Zum Ausgleich für meine zwei Niederlagen setze ich zwei Goldstücke. Natürlich habe ich wie immer Weiß! «.

Es kam zur dritten Partie: 1. e4 d5 2. d4 e5 3. c4 f5 4. f4 c5 5. dxc5 exf4 6. exf5 dxc4 7. Lxc4 Lxf5 8. Lxf4 Lxc5 9. Lxg8 Lxb1 10. Lxb8 Lxg1 11. Txb1 Txg8 12. Txg1 Txb8 13. Dxd8+ (siehe Diagramm 3) und jetzt zog der Student 13…Kxe1. »Was soll das«, rief der Baron empört, »dieser Zug ist nicht möglich!« - »Nicht möglich? «, wiederholte der Student verwundert, »ich weiß zwar nicht warum - doch ich muss gestehen, ich habe nur Schach gespielt, weil Sie, Herr Baron, mich dazu gezwungen haben. Die Wahrheit ist: Ich kann das Spiel überhaupt nicht, und deshalb habe ich Ihnen einfach alle Züge nachgemacht! «