VORSTELLUNGEN
ISBN 3-900436-94-0;
ibera verlag, Wien 2000, 180 Seiten
Motto (Wilhelm Busch): Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders als man
glaubt.
Peter Arnheim, 45, ist - von weiblichen Fans verwöhnter - Theater-Star in
St. Pölten. Ihm fällt eine Frau auf, die nicht seine Bekanntschaft sucht.
Es ist Betty Fabian, 35, deren Schwester voriges Jahr entführt und ermordet
wurde. - Während Peter auf Urlaubsfahrt ist, bringen ihn intrigante Zeitungsberichte
in Zusammenhang mit jener Entführung, sowie mit dem Verschwinden des ermittelnden
Oberkommissars Harald Hobinger. Peter gerät sogar in Verdacht, Hobinger getötet
zu haben. Um seine Widersacher blosszustellen, unterläßt Peter offizielle
Schritte zum Beweis seiner Unschuld. Stattdessen taucht er bei einer Tournee-Truppe
unter, deren Vorstellungs-Stationen im Umkreis von St. Pölten liegen. So kann
Peter dort tagsüber recherchieren, um herauszufinden, wer hinter der Zeitungscampagne
gegen ihn steckt. Was Peter mit verändertem Aussehen macht, unter Assistenz
von Ensemble-Kollegen. Ohne Peters Wissen hält der nach St. Pölten versetzte
Kriminalmajor Klaus Mertens schützend seine Hand über Peter. So gelingt die
Aufklärung auch zurückliegender Verbrechen (Entführung, Mord, und Fahrerflucht
nach dem Tod des Unfallopfers). Nebenbei beschäftigt Peter zunehmend die Frage,
ob Peters Vorstellungen von Betty mit Bettys Vorstellungen von Peter vereinbar
sein könnten.
Leseprobe
aus dem 1. Kapitel:
Als ich von Guido Braun das Geld für mein neues, erstmals zur Spitzenklasse
zählendes Sport-Kabriolett lieh, ahnte ich nichts von den Schwierigkeiten,
die ich mir damit einbrockte. Guido war Intendant des Stadttheaters St. Pölten,
und insoweit ist er mein Chef gewesen. Außerdem aber war er der eine meiner
zwei besten Freunde.
Ich, Peter Arnheim, war ein Star des Stadttheaters, und durch Einspringer-Glück
auch Held einer TV-Serie geworden. Mein Traum war es, eines Tages dem Theater
in der Josefstadt anzugehören. Von diesem latenten Wunschziel abgesehen, war
ich mit meiner Position in St. Pölten und dem Fernseh-Erfolg sehr zufrieden.
Aber einmal im Jahr brauchte ich absolute Ruhe von allem. Da fuhr ich vierzehn
Tage auf abseits gelegenen Straßen ins Blaue, und hoffte, von niemandem erkannt
zu werden.
Bevor die unangenehmen Ereignisse begannen, trat ich in dem Musical „La Cage
Aux Folles“ als Albin bzw Zaza auf. Am Abend der letzten Vorstellung saß die
aufregende Frau wieder in der ersten Reihe. Sie fiel mir auf, weil sie jedesmal
eine mit winzigen Glasstiften bestickte Abendjacke trug, die das Licht von
Bühne und Orchestergraben glitzernd reflektierte. Ich schätzte die elegante
Frau auf Mitte Dreißig, also für zehn Jahre jünger als ich war. Sie applaudierte
immer lange, kam aber nie zum Bühnentürl.
Bei meiner letzten Nummer vor der Pause - Zazas Song „Ich bin was ich bin“
- mußte ich ganz vorne an der Rampe stehen. Ich bildete mir ein, zu spüren,
daß die Frau in der Glitzerjacke von meiner Darbietung neuerlich besonders
beeindruckt war, obwohl sie diese in den letzten vierzehn Tagen, das wußte
ich genau, bereits fünfmal gesehen hatte. Weshalb ich plötzlich ganz intensiv
hoffte, sie würde nach dieser Vorstellung endlich doch beim Bühnentürl stehen.
Dann wollte ich sie mitnehmen zu der Party bei Oswald Richter, und danach
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