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ihr musikalischer weg führte von der improvisation zur komposition. warum?
improvisieren ist für mich immer noch sehr wichtig, aber vor ungefähr zehn jahren veränderten
sich meine musikalischen ideen so, dass ich mehr zeit brauchte, um sie zu formulieren. das waren abläufe,
die ich nicht spontan produzieren konnte. außerdem liebe ich die kammermusik sehr, und da muss man eben komponieren.
was ist ihnen wichtig beim komponieren?
ich baue meine stücke so auf, dass sie verschiedene ebenen haben. die erste ebene muss so gehalten sein, dass
zuhörerInnen, die das stück zum ersten mal hören, einen direkten und emotionalen zugang finden können. und für
diejenigen, die sich intensiver mit der musik auseinandersetzen, z.b. interpretInnen oder menschen, die sich eine
aufnahme öfter anhören, sollen sich weitere hoffentlich interessante ebenen und zusammenhänge öffnen.
wie glauben sie das erreichen zu können?
naja, ich versuche einen anderen umgang mit programmmusik zu finden: ich persönlich mag keine musik, die nur
irgendein ereignis schildert, weil ich das rein illustrative daran ablehne. aber wenn es ein programm gibt, das mich
als komponist und in folge die zuhörerInnen zu neuen, ungewohnten assoziationen bringt, dann finde ich das
interessant. natürlich kann auch ein literarischer text diese funktion übernehmen, oder es reicht schon ein titel.
in mister ives brät sich ein spiegelei gibt es mehr als nur ein programm, das stück ist schon fast ein musikalisches
minidrama...
ja genau, es handelt davon, wie der vor 50 jahren verstorbene komponist charles ives ein spiegelei zubereitet, und
wie sich dabei seine phantasie entzündet und ein stück musik in seinem kopf entsteht.
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dieses spiegelei wird ja ganz real und live auf der bühne zubereitet. ein gag?
nein, überhaupt nicht! humorvoll, ja hoffentlich! das zubereiten vom spiegelei ermöglicht einen ganz direkten und
sinnlichen zugang. im saal verbreitet sich der bratduft und durch den darsteller wird der komponist ives eine sehr
greifbare und normale person. das ist eben die erste ebene im stück. der innere musikalische monolog, den ich in den
kopf ives hineinkomponiert habe, ist schon wesentlich komplexer und vielschichtiger: ich stelle mir vor, dass ives,
während er ein spiegelei zubereitete, bestimmte musikalische ideen hatte. diese musik ist aber meine assoziation zur
musik von ives und spiegelt meine beschäftigung mit diesem großartigen komponisten.
stichwort spiegel: der titel ihrer personale lässt sich als spiegel-ei und als spiegelei lesen.
ja, ich erlebe meine eigenen ideen und die entstehungsprozesse meiner kompositionen oft als ein verarbeiten von
musikalischen prägungen. mal ist es bewusst, mal ist es unbewusst und ich entdecke erst jahre später, was sich in
einem stück von mir so alles widerspiegelt. und das ist eine meiner wichtigsten motivationen zu komponieren: durch
dieses reflektieren bekomme ich auch zu fremder musik eine viel persönlichere beziehung.
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