Warm, weich und lautlos regnet es auf den nächtlichen Asphalt und färbt das Grau der Straße glänzend schwarz.
Mein Blond wird dunkler von der tropfenden Nässe, die das kalte Neonlicht der Peitschenlampen in einen nebeligen Hof hüllt.
Von den rotlackierten Zehennägeln perlt der Regen. Eingehüllt in die Geborgenheit des stetigen Nieselns tänzeln die Riemchensandalen vorsichtig über Regenspringbrunnen in Pfützen, sie maulen und bremsen die Euphorie im Kopf, wollen keine rechte Freude aufkommen lassen, mir den Genuss am Nass verderben, mich daran erinnern, dass sie teuer sind und weit von hier gekauft. Doch trotzig treibe ich sie weiter durch gurgelnde Rinnsale, die sich allmählich zu Bächen verbreitern; ich lasse mir den Spaß nicht verderben.
Und dann bin ich da. Mein Herz holpert vor Ängstlichkeit, das sanfte Vergnügen an der tropfenden Stadt gegen die Betriebsamkeit dort im Nachtcafè einzutauschen. Dennoch kann ich nicht anders, ich brauche heute Menschen um mich - carpe nocturnam - und die Gelegenheit ist günstig.
Je stiller die Stadt, je voller der Mond, desto eifriger sucht man das Knistern und Flirren der anderen. Blicke werden gekreuzt wie Klingen - wer ist schöner, wer gewinnt? Lachen zerplatzt auf Gesichtern wie aufflammendes Feuerholz. Witternd blähen sich die Nüstern, erregt und aufmerksam, um sich nicht den leisen Hauch der Bereitschaft entgehen zu lassen, den Duft der speziellen Essenz, die die Nacht zu einer gelungenen machen soll.
Selbst das Wissen um dieses Spiel, das am nächsten Morgen Wehmut und Bitterkeit zurücklassen kann, nicht zwangsläufig muss, hält mich nicht ab davon, es virtuos mit zu spielen.
Auch er, der meinen langsam dahintreibenden Blick mühelos einfängt, lacht. Alles an ihm lacht und ganz besonders die Augen. Sein Haar, blond wie das meine, die Zähne, die Nase lachen. Lediglich in den Mundwinkeln zuckt ein Rest von Ernst, die Qual der Gewissheit, sich den Gegebenheiten des Daseins nicht entziehen zu können. Er kann das nicht weglachen, obgleich er sich große Mühe gibt. Wir versenken unsere Augenbläue ineinander, unsere Blondheit und Münder verschmelzen zu dem ersehnten Eins.
„Sag nichts, bleib still ...“,
flüstert er mit seiner Ernsthaftigkeit, er spürt meine Angst vor dieser Vertrautheit mit ihm, dem Fremden.
Es wird heiß gekocht bei uns, die Funken dieser Glut verbrennen die Menschenlandschaft im Umkreis von einem Meter. Um sie nicht weiteren Feuerstürmen auszusetzen, verlegen wir den Schauplatz unserer aufgeheizten Biologie an einen Ort der Einsamkeit.
nichts, bleib still ...“
bittet er. Und so stöhnen wir stumm und verkrallen uns fremd und doch nahe ineinander.
Sag nichts, bleib still ...“
wispert er und erzählt mir von meiner Weichheit, meinem Duft. Es macht mich wehrlos und verletzlich und ich denke an die Wehmut des nächsten Morgens, die über mich hereinbrechen wird. Er formuliert instinktiv seine Unzuverlässigkeit, raubt damit meinem Plan, um Wiederholung zu bitten, die Kraft und lässt ihn verzittern.
„Besser lachen als weinen ...“ lachen wir und treten auf die Straße, trocken und grau, ins scharfe, ungetrübte Neonlicht.
Nur meine feuchten Schuhe, mein feuchter Schoß geben mir Gewissheit, dass der Regen dieser Sommernacht kein Traum war.
Sag nichts, bleib still ...“, winkt er mir ein letztes Mal zu und weicht zurück in seine Anonymität.