DER STAR



Ich weiß nicht, irgendwie habe ich mir das ganz anders vorgestellt. Mehr so wie Hollywood.
Dabei ist es dann doch eher ein Fellini geworden ...
Hm? Ist doch egal, wer das ist.
Schön war das, wie ich mir das alles vorgestellt hatte ... Die Voraussetzungen hätte ich  ja gehabt. Immerhin habe ich zu den wenigen gehört, die lange Beine und einen großen Busen hatten. Begnadet!
Ich hätte etwas aus mir machen können. Damals war ich ein richtiger Star im Jugendzentrum. Die Burschen haben sich um mich gerissen. Das war,  bevor ich aus dem Gymnasium geflogen bin ... was? Na, wegen Schulschwänzen und Herumtreiben! Nein, ich habe geglaubt, ich hätte es nicht nötig etwas zu lernen.
Dann bin ich eben in die Fabrik gegangen, ans Fließband. Da fühlte ich mich schon weniger als Star, aber die Kerle waren immer noch ganz verrückt nach mir. Doch unter einem Vorarbeiter ging nichts bei mir!
Ich bin ja dann befördert worden, in die Kantine. Sogar der Chef hat mir schöne Augen gemacht, wenn ich ihm die Gulaschsuppe servierte. Er war nämlich einer von den volksnahen Kapitalisten. Der hat Seite an Seite mit seinen Arbeitern gespeist. Unglücklich verheiratet war er und nur von mir hat er sich verstanden gefühlt ...
Bis ich schwanger wurde. Da sagte er dann, wie sehr er seine Kinder liebte. Die Abtreibung hat er mir noch bezahlt und am Ersten lag dann die Kündigung im Briefkasten.
Dann konnte ich die Miete nicht mehr aufbringen, meine Eltern wollten nichts mehr wissen von mir.
Schlecht hat es ausgeschaut damals ... meine Träume sind mir vorgekommen wie ein altes verwaschenes Leintuch, so eines, das gleich reißt, wenn man einmal daran zieht.
Ja, und dann ist der Fritzi kommen. Ja, der Fritzi! Wie ein Paradiesvogel ist er aufgetaucht. Mit seinen engen Jeans und seinen Goldkettchen auf dem Brusthaar. Er liebt mich, hat er gesagt, nur müsste ich ihm ein bisschen helfen, weil Spielschulden sind Ehrenschulden!
Nur ein-, zweimal, bis er sich gefangen hätte. Dann würden wir auf Urlaub fahren. Nach Spanien, ins Hotel ...
Doch dort sind wir niemals hingekommen ...

Das Sozialamt hat mir die neuen Zähne finanziert, aber gegen die Narben haben sie nichts machen können ...
Was sagst du, Schatzi? Für’s Reden hast du mich nicht bezahlt? Schon gut, Schatzi, sag, gibst du mir noch Fünfzig drauf und vielleicht noch ein Glas Wein? Dann mache ich es dir besonders schön!

Glaube mir, in Wirklichkeit bin ich ein Star ...


STAR


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