Gesellschaft der Lyrikfreunde
(Repräsentanz Wien)

 

 

Gedichte von Hans Emil Haller

Fass mich in die weiße Schale deiner Hände

Als die dunklen Mächte
mich gefangen hatten,
schritt ich siebenmal durch sieben Nächte,
bis die Schatten
endlich sanken.

Durch das schmale Tor
entschritt ich ihren Schranken
und schritt langsam jenen Pfad empor,
der mich Armen,
von der Dunkelheit Erlösten,
in dein schützendes Erbarmen
führte, in dein Trösten.

Was ich ruhelos erträumte:
Lass mich siebenmal durch sieben Nächte bei dir ruh'n.
Fass mich in die weiße Schale deiner Hände -
leg das rosenduftgesäumte
Lächeln über mich und ende
alle Qualen.

Tief und  tiefer sinken alle Schmerzen.
Siebenmal will ich an deinem Herzen
sieben Nächte ganz in deiner Liebe ruh'n.

 


Impression im März

Die Tage gehen leis' an mir vorbei.
Ihr Haar ist blau mit einem Sonnendiadem.
Aus ihrer Schleppe stäubt der Schnee.
Sie ziehen fort und kehren nicht zurück.

Das wundervolle Einerlei
aus schönen Dingen - leicht und angenehm -
bleibt fern von mir. Es tut nicht weh,
ist wie ein Traum. Ist das das Glück?

Das Leben schläft. Ich seh' ihm zu,
wie seine Brust sich zart bewegt.
Mein Ich verliert sich in ein Du,
das keinen lauten Namen trägt.

Es bleibt kein Wunsch. Die Ewigkeit
kommt nahe her und löscht den Wind.
Sie lässt uns liebend noch das Kleid,
darunter wir geborgen sind. -

Die Tage gehen leis' an mir vorbei ...

Und manchmal malt er Bilder in der Nacht

Dann aber spricht in mir
der stille Gott
und redet seine Träume wie Musik.
Ich lausche.
Und wenn er schweigt,
der Gott,
der in mir sprach,
hör' ich sein Schweigen wie Musik
und lausche.

Und manchmal malt er Bilder in die Nacht,
die zart wie Rauch im kalten Wind verweh'n.

Und dann in einer Nacht,
wenn ich mich mit ihm tausche,
lässt er mich ganz
in deine Seele geh'n.

© Hans Emil Haller

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