Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Fr. Silke Ellerkamp, Tierärztin und
der Gong Verlag  GmbH & Co. KG, Münchener Str. 101/09, D-85737 Ismaning, 
Katzen Extra Ausgabe 03-2009 

Die heimliche Krankheit
Aktuelles zur
Chronischen Niereninsuffizienz (CNI)

Text: Silke Ellerkamp, Tierärztin

Lange Zeit merkt man gar nichts von einer Erkrankung der Nieren. Dann erscheint die Katze möglicherweise etwas durstiger als gewohnt. Vielleicht schläft sie auch etwas mehr. Doch die Veränderungen sind zu Beginn einer Chronischen Niereninsuffizienz (CNI) so geringfügig, dass sie häufig auch sehr aufmerksamen Katzenbesitzern nicht auffallen.

Erst wenn sich die Katze öfter erbricht, nicht fressen mag und vielleicht schon etwas abgemagert ist, bemerken viele Halter, dass ihr Tier ernsthaft erkrankt ist. Das ist kein Zeichen dafür, dass diese Besitzer keine liebevollen Katzenhalter sind. Es ist vielmehr bezeichnend für die Heimtücke der CNI. Denn zeigt die Katze erstmals solche Symptome, muss man leider davon ausgehen, dass bereits mehr als 75 - 85 % des Nierengewebes unwiederbringlich zerstört sind.

Anatomie der Niere

Die Nieren der Katze sind bohnenförmig, etwa so groß wie Zwetschgen und wiegen zusammen
15 - 30 g. Sie liegen beidseits der Wirbelsäule im Bereich des letzten Brust- und des ersten Lendenwirbels. Eine starke Kapsel aus Bindegewebe umgibt das Nierengewebe, das in Rinde und Mark unterteilt ist. Im Nierengewebe wird das Blut, das über die Nierenarterie in die Nieren gelangt, filtriert und gereinigt. Dabei entsteht Harn. Im Harn befinden sich verschiedene Stoffe, die ausgeschieden werden sollen. Darunter können Gifte, Abbauprodukte aus dem Stoffwechsel oder nicht benötigte Mineralstoffe sein. Der Harn wird schließlich über Sammelrohre in das Nierenbecken geleitet und gelangt von dort über die Harnleiter in die Harnblase. Das gereinigte Blut fließt dem Organismus wieder über die Nierenvene zu.

Aufgaben der Nieren

Was ist ein Nephron?

Mit Nephron bezeichnet man alle Strukturen im Nierengewebe, die direkt an der Blutreinigung und der Harnbereitung beteiligt sind. Die Filtrierung des Bluts findet in einem winzigen Blutgefäßknäuel, dem Glomerulum, statt. Wasser, Gifte und andere Stoffe bilden den sogenannten Primärharn und tropfen in die Bowmansche Kapsel, die das Glomerulum umgibt. Von der Bowmanschen Kapsel fließt der Primärharn in ein System feiner Röhrchen (Tubulussystem). Mit proximalem Tubulus bezeichnet man den ersten Abschnitt des Röhrchens, dann kommen die Henlesche Schleife und schließlich der distale Tubulus, der in ein Sammelrohr mündet. Im Tubulussystem werden Wasser und alle Stoffe, die der Körper noch braucht, aus dem Primärharn zurückgewonnen und dem Blutkreislauf wieder zugeführt. Mit dem Harn werden jedoch alle Gifte und überflüssigen Stoffe aus dem Körper entfernt.