Asthma und chronische Lungenerkrankungen

Ein herzliches Danke an Monika Angerhuber, die mir nachstehende Ausführungen zur Verfügung gestellt hat. Monikas Siamkater, Mimi, leidet an Asthma ......


Chronische Lungenerkrankungen sind bei Katzen eine mit zunehmender Häufigkeit auftretende Komplikation und man hört oft, dass bestimmte Rassen besonders prädisponiert zu sein scheinen, z.B. Siamesen und andere Orientalen, wobei das Geschlecht offenbar keine Rolle spielt. Meistens sind Katzen in jungem bis mittlerem Alter betroffen.
Die Symptome sind vorwiegend Husten, expiratorische Stenoseatmung (pfeifendes Atemgeräusch, Giemen) und Luftnot. Diese Symptome können dauernd vorhanden sein, hin und wieder oder nur selten. Bei manchen Katzen ist der Husten am ausgeprägtesten vorhanden, bei anderen hingegen eher die Stenoseatmung, verursacht durch die Verengung der Atemwege. Dann fällt meistens rasch die Diagnose "chronische Bronchitis" oder "felines Asthma".
Echtes Asthma ist erkennbar an einer Überreaktivität der Atemwege und Bronchokonstriktion (Verengung der Bronchien, Luftnot).
Chronische Bronchitis hingegen zeichnet sich durch Entzündung der Atemwege und übermäßige Schleimproduktion aus.
Die Atemnot kann bei manchen Katzen zu einer sehr ernsthaften und lebensbedrohlichen Krise führen und erfordert sofortige Hilfe (Sauerstoffzelt, Medikamente)! Manchmal werden die Symptome je nach Jahreszeit schlimmer oder besser, z.B. bei kaltem trockenen Winterwetter oder bei Pollenflug.
Auch Haushaltsreiniger, Haarspray, Duftlampen etc. können allergieauslösend sein.
Die Therapie richtet sich idealerweise nach der tatsächlichen Erkrankung, obwohl die klinischen Symptome oft sehr ähnlich sein können, sodass keine klare Unterscheidung zwischen Asthma und chronischer Bronchitis möglich ist.

Diagnose:
Auskultation/Abhorchen mit dem Stethoskop, Blutuntersuchung, Röntgenaufnahme, Kotuntersuchung auf Parasiten, evtl. zytologische Untersuchung der Flüssigkeiten in den Atemwegen. Lungenfunktionstests sind wohl derzeit noch nicht gang und gebe und es fehlen noch die technischen Möglichkeiten dazu, außer vielleicht an tierärztlichen Hochschulen und Universitätskliniken. Bei manchen Katzen kann Hustenreiz durch Druck auf die Luftröhre ausgelöst werden. Manche Katzen sind klinisch unauffällig. Die Blutuntersuchung ergibt häufig eine Eosinophilie (erhöhte Anteile an eosinophilen Granulozyten), doch kann eine Eosinophilie auch bei anderen Erkrankungen auftreten und ist nicht unbedingt ein schlüssiger Hinweis auf Asthma oder Allergien. Bei der Diagnose sollten andere Ursachen ausgeschlossen werden, z.B. Parasitosen oder Herzkrankheiten, welche ebenfalls zu Husten führen können. Beim Röntgenbild fallen bisweilen Veränderungen der Lunge ins Auge ('tramlines and donuts'), aber es gibt auch Katzen, deren Röntgenbilder unauffällig sind.
Mittels einer Bronchoskopie können Flüssigkeiten aus den Atemwegen entnommen werden, die dann auf mögliche Krankheitserreger, z.B. Mykoplasmen, untersucht werden können. Ob eine Bronchoskopie durchgeführt werden soll, entscheidet der Tierarzt im Einzelfall, denn es scheint nicht ganz risikofrei zu sein, eine Katze mit Atemnot durch einen Fremdkörper in der Luftröhre noch zusätzlich zu belasten.
Allergietests sind bei Katzen noch nicht üblich, da häufig unzuverlässig, sie wären aber eine eventuelle Möglichkeit für die Zukunft.

Therapie:
Zur Kontrolle der Entzündung der Atemwege werden gewöhnlich Kortikosteroide (z.B. Prednisolon oder andere Cortisonderivate), manchmal in Kombination mit Bronchodilatatoren (z.B. Theophyllin), eingesetzt. Es gibt auch andere Behandlungsansätze wie Antihistaminika oder Leukotrienantagonisten, aber es scheinen noch schlüssige Beweise für die Wirksamkeit bei der Katze zu fehlen.
Bislang wurden überwiegend systemische Steroide eingesetzt (Depotspritzen oder Tabletten). Eine neue Behandlungsmethode besteht in der Verabreichung von "Asthmasprays" (Aerosolen) über spezielle Vorschaltkammern ("Inhaliergeräte"), z.B. AeroKat von Trudell Medical International und andere. Kortikosteroide bleiben das Mittel der Wahl, weil sie die der Krankheit zugrundeliegende Entzündung bekämpfen, zugleich bronchienerweiternd wirken und die Bildung von Leukotrienen und Prostaglandinen hemmen. Die Anwendung von Bronchodilatatoren allein - ohne entzündungshemmende Mittel - ist nur in ganz leichten Fällen empfehlenswert und kann unter Umständen die zugrunde liegende Entzündung "maskieren". Doch in Verbindung mit Steroiden erweisen sich Bronchodilatatoren oft als nützlich und im akuten Notfall (Asthmaanfall, Atemkrise) als unverzichtbar.
Wenn die Reaktion auf Steroide und Bronchodilatatoren ungenügend ist, so heißt es, könnte eventuell eine Therapie mit Serotonin-Antagonisten (z.B. Cyproheptadin) versucht werden.
Bei einem möglichen Mykoplasmenbefall könnte sich eine Therapie mit speziellen Antibiotika (z.B. Enrofloxacin oder Azithromycin) als günstig erweisen; so führen manche Tierärzte zusätzlich zur Diagnose eine empirische Therapie mit diesen Antibiotika und zusätzlich vielleicht auch noch mit speziellen Wurmmitteln durch, die gegen Lungenwürmer wirksam sind (z.B. Panacur).

Speziell zur Therapie mit inhalativen Medikamenten:
Die Therapie mit inhalativen Medikamenten, im Gegensatz zu systemischen Medikamenten, ist relativ neu. Das Prinzip besteht darin, dass die Katze "Asthmasprays" über eine speziell dazu konzipierte Vorschaltkammer mit einer Maske, die genau auf das Katzengesicht passt, verabreicht bekommt. Das Gegenargument vieler gutmeinender Tierärzte scheint zu sein, dass die Katze dadurch einer verstärkten Stressbelastung ausgesetzt wird. Das ist natürlich ein ernstzunehmendes Argument, denn Stress kann Asthma verstärken und ist ohnehin "Gift" für Katzen. Doch gilt es abzuwägen, ob die Mühe, eine Katze an die Benutzung eines Inhalators zu gewöhnen, gegenüber dem Risiko der Nebenwirkungen systemischer Steroide nicht letztendlich doch zu bevorzugen wäre. Bei der Anwendung inhalativer Steroide werden diese Nebenwirkungen stark verringert. Bronchodilatatoren wirken schneller, wenn sie inhaliert werden, als wenn sie oral eingenommen oder injiziert werden. Leider sind inhalative Medikamente um ein Vielfaches teurer als Tabletten oder Depotspritzen.

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(c) Text und Bild 2005 by Monika Angerhuber
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