Danke Herrn Dr. Gerhard Biberauer, Kleintier-Ordination Mittertreffling, Engerwitzdorf (Österreich), der mir seine Ausführungen zu FORL zur Verfügung gestellt und gestattet hat, diese auf meinen Seiten zu veröffentlichen.

FORL - Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen

Spezielle Zahnprobleme der Stubentiger

Neue Therapie bei FORL

Dr. Gerhard Biberauer (Member of EVDS - European Veterinary Dental Society)

Mehr als 50 % aller Katzen haben Zahnprobleme. Das hören Tierbesitzer beinahe täglich in der Fernsehwerbung. Und tatsächlich, Katzen sind von speziellen Zahnproblemen betroffen: Es treten neben den bekannteren Zahnkrankheiten wie Plaque, Zahnstein, Zahnfleischentzündung, Parodontitis, Frakturen und Fehlstellungen noch zwei spezifische und sehr schmerzhafte Erkrankungen auf.

Bei den Zahn-Resorptionsläsionen (FORL - Feline Odontoclastic Resorptive Lesion) handelt es sich um eine sehr häufig auftretende Erkrankung (zwischen 30 - 70 % der Katzen je nach untersuchter Katzenpopulation in verschiedenen Studien). Diese Läsionen, die sichtbar vor allem die Zahnhälse auflösen, sind meist sehr schmerzhaft und führen ohne Behandlung oft zum Abbrechen der Zähne. Dabei können natürlich Wurzelreste im Kiefer bleiben, die wiederum häufig neue Probleme verursachen.

Die Ursache der Zahnhalsresorption ist weitgehend unbekannt. Erwiesen ist nur die Förderung dieser Erkrankung durch dieselben Bakterien die Zahnstein, Gingivitis und Parodontitis auslösen. Die Vermutung, dass diese Erkrankung durch die Haltung in Wohnungen oder durch die "neueren" Futtermittel (sowohl Feucht- als auch Trockenfutter) vermehrt vorkommt, konnte nicht belegt werden. Im Gegenteil die Erkrankung wurde bereits um 1920 in wissenschaftlichen Untersuchungen beschrieben und neuerdings an Katzenskeletten aus dem Mittelalter nachgewiesen.

Wichtig ist bei FORL jedenfalls eine genaue Diagnose durch intraorale Zahnröntgen. Denn Dental-Röntgen eröffnet eine neue Therapie bei FORL.

67 % der Katzen leiden unter röntgenologisch verifizierbaren FORL.
Nur 12,6 % der FORL sind klinisch sichtbar.
Das Dentalröntgen eröffnet aber auch eine neue therapeutische Möglichkeit.
Viele beginnende Wurzelresorptionen unter dem Zahnhals und sogenannte "ghost roots" werden ohne Röntgen übersehen.

Zudem ermöglicht ein Dentalröntgen die Differenzierung zwischen den zwei wichtigsten Typen der Wurzelpathologie bei der Katze:

Typ 1: relativ normale Wurzel mit erkennbarem parodontalen Ligamentspalt und

Typ 2: Wurzelumbau ("root replacement") ohne Ligamentspalt, mit knochendichter Wurzel.

Klinisch sichtbare FORL mit geringer Gingivitis/Parodontitis

Kronenamputation ohne Wurzelextraktion nach Dentalröntgen:
Bei einer im Dental-Röntgen erkennbaren Wurzelpathologie vom Typ 2 kann bei FORL eine neue Form der Therapie angewendet werden: "die Kronenamputation mit intendierter Wurzelretention".

Dabei wird nach Präparation eines Gingivalappens die Krone mit einem Bohrer in der Turbine abgetrennt und der Gingivalappen über der Wunde verschlossen. Vor der Naht des Gingivalappens wird zur Kontrolle des richtigen Absetzens des Zahnes ein Röntgen angefertigt, das auch als Vergleichsröntgen für das Kontrollröntgen nach etwa 6 bis 12 Monaten dient. Mit dem Kontrollröntgen wird der vollständige Umbau der Wurzel-Dentin-Struktur im Knochen kontrolliert, Granulome, Abszesshöhlen oder andere Entzündungsvorgänge werden ausgeschlossen. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die oft schwierige Extraktion von Katzenzähnen, vor allem jener mit Wurzeln vom Typ 2, umgangen werden kann. Zudem ist die Therapie mit Dentalröntgen rascher durchzuführen.