Erkrankungen des Zwerchfells

Quelle: Krankheiten der Katzen
von Marian C. Horzinek, Vera Schmidt und Hans Lutz

Neben der bekannten Rolle bei der Atmung erfüllt das Zwerchfell die mechanische Funktion der Trennung von Brust- und Bauchhöhle. Bei den Zusammenhangstrennungen des Zwerchfells unterscheidet man die angeborene Hernia diaphragmatica (Vorfallen von Peritoneum und Perikard, siehe Peritoneo-perikardiale Hernie) und die häufigere, durch stumpfes Bauchtrauma erworbene Zwerchfellruptur. Angeborene Zwerchfellhernien bleiben oftmals asymptomatisch. Bei einer größeren Ruptur oder Gasansammlung in den vorgefallenen Organen zeigen die erkrankten Katzen akute respiratorische Beschwerden. Relativ kleine Rupturen können monatelang symptomlos bestehen, mäßige Tachypnoe und abdominale Atmung entwickeln sich durch Ansammlung eines Pleuratranssudats (siehe auch Zwerchfellruptur).

Rupturpatienten müssen behutsam behandelt werden, vor allem ist wegen der Gefahr eines weiteren Prolapses Druck auf das Abdomen zu vermeiden. Auskultatorisch sind abgeschwächte Lungen- und Herzgeräusche sowie auf Fehllagerung des Herzens hindeutende Geräusche festzustellen. Kollernde Darmgeräusche (Borborygmus) durch Bewegungen des Darminhalts können hinzukommen. Die Diagnose ist durch eine Röntgenuntersuchung des Thorax zu sichern, wobei Kontrastaufnahmen nach oraler Bariumsulfatgabe die Aussage erleichtern. Besonders bei chronischen Zuständen genügt das Thorax-Röntgen nicht. Die Diagnose muss dann durch eine Zöliakografie mit röntgenpositiven Kontrastmitteln, Röntgendurchleuchtung und Ultraschalluntersuchung gestützt werden.

Die therapeutischen Maßnahmen bestehen im Reponieren der in das Abdomen durchgetretenen Organe und im Beheben des Zwerchfelldefektes (siehe auch Peritoneo-perikardiale Hernie). Eine baldige Operation sollte dann vorgenommen werden, wenn der Patient auf eine konservative Behandlung nicht anspricht oder der Magen in die Brusthöhle vorgefallen und durch Gasansammlung aufgebläht ist. Im letztgenannten Fall kann eine Thorakozentese die Aufgasung beseitigen und die Atmung vor Einleitung der Narkose verbessern. Schwierig ist die Narkose einerseits durch die Notwendigkeit, bei der Operation mit abdominalem Zugang mit einem erhöhten Beatmungsdruck zu arbeiten, andererseits vor Verschluss der Bruchpforte das Eindringen von Luft in den Pleuraspalt, also einen Pneumothorax, möglichst zu verhindern.