Pasteurellen-Infektionen

Quelle der Ausführungen: Katzen Krankheiten, Klinik und Therapie,
W. Kraft, U.M. Dürr und K. Hartmann

deutsche Übersetzung der medizinischen Fachbegriffe in Klammern hinzugefügt
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Pasteurellen sind gramnegative Bakterien, die weltweit bei Säugern und Vögeln sowohl bei Wild-, Haus- als auch Labortieren, auf den Schleimhäuten des oberen Respirations- und Verdauungstraktes zu finden sind. Nach neueren Erhebungen erweisen sich 75 - 99 % der klinisch unauffälligen Katzen als latente Träger von Pasteurellen, die im Vergleich zu landwirtschaftlichen Nutztieren eine große Artenvielfalt aufweisen. Am häufigsten lässt sich Pasteurella (P.) multocida ssp. multocida (ca. 60 %) nachweisen, dann folgen P. multocida ssp. septica (ca. 25 %), P. canis (Biovar 1), P. dagmatis und P. stomatis. Aufgrund des latenten Pasteurellen-Trägertums ist die Tatsache nicht überraschend, dass sowohl bei Mensch als auch Tier, incl. Vogel, im Zusammenhang mit Katzenbissen nicht selten Pasteurellen als Ursache einer Wundinfektion ermittelt werden.

Bei der Katze spielen Pasteurellen im Zusammenhang mit Krankheitsprozessen im Bereich der Kopfschleimhäute eine nicht unerhebliche Rolle. Ähnlich wie bei landwirtschaftlichen Nutztieren fördern vor allem die Herbst- und Wintermonate mit ihren klimatischen Belastungen die klinische Manifestation von Pasteurellen-Infektionen. Weitere prädisponierende Faktoren hierfür sind auch Grundkrankheiten, hervorgerufen durch Viren, Chlamydien (Gattung von sich ausschließlich im Inneren von Wirtszellen vermehrenden Bakterien; können Entzündungen der Lunge, des Auges oder der Harnorgane verursachen) oder Mykoplasmen (Gattung zellwandloser Bakterien; rufen Entzündungen der Lunge und Harnwege hervor), Wurmbefall sowie Stress und Ernährungsmangel.

Klinik
Die häufigsten Symptome sind Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Rhinitis (Schnupfen), Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen), Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut), Tonsillitis (Mandelentzündung), Pharyngitis und Husten, wobei die Prozesse vorwiegend als eitrig beschrieben werden. Diese können auch auf Brustfell (fibrinöse Entzündungen) oder Bauchfell in Form von hämorrhagisch-fibrinösen Entzündungen übergreifen. Auch Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) oder Otitis media (Mittelohrentzündung), unter teilweiser Erfassung des ZNS (Abk. für Zentralnervensystem; Überbegriff für Gehirn und Rückenmark), können ebenso durch eine Pasteurellen-Infektion hervorgerufen werden wie Harnwegserkrankungen oder Wundinfektionen mit Neigung zur Abszessbildung.

Diagnose und Differentialdiagnose
Diese ist nur durch einen kulturellen Erregernachweis möglich, wobei Pasteurellen auch in Mischkultur mit anderen aeroben (Staphylokokken, Streptokokken u.a.) oder anaeroben Bakterienarten (Bacteroides ssp., Clostridium ssp., Fusobacterium ssp.) vorliegen können.

Prognose
Bei lokalen Prozessen im Allgemeinen günstig, was dagegen bei Pneumonie (Lungenentzündung) oder Septikämie (sog. Blutvergiftung) nicht in allen Fällen zutrifft.

Therapie
In Abhängigkeit vom Ausfall des Resistenztestes (Antibiogramm) mit dem isolierten Pasteurellen-Stamm kann eine mehrtägige Behandlung mit Penicillin, Ampicillin, Chloramphenicol, Tetrazyklinen oder Sulfonamiden durchgeführt werden.