Mykoplasmen

(= Gattung zellwandloser Bakterien;
rufen Entzündungen der Lunge und Harnwege hervor)

Quelle der Ausführungen: Katzen Krankheiten, Klinik und Therapie,
W. Kraft, U.M. Dürr und K. Hartmann

deutsche Übersetzung der medizinischen Fachbegriffe in Klammern hinzugefügt
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Bei den Mykoplasmen (frühere Bezeichnung Pleuropneumonia-like organisms, PPLO) handelt es sich um die kleinsten, bekannten Mikroorganismen, die sich selbständig vermehren können. Sie unterscheiden sich von den Bakterien dadurch, dass sie keine Zellwand besitzen. Aus diesem Grunde neigen sie zu Pleomorphie und können auch bakteriendichte Filter (0,45 µm) passieren. Zur Anzüchtung von Mykoplasmen werden hochwertige Spezialnährmedien (enthalten Serum, Peptone, Hefeextrakt, Vitamine, Spurenelemente u.a.) benötigt (Bebrütung 2-10 Tage unter aeroben, besser noch unter miktroaerophilen Verhältnissen).

Bei den bisher von Katzen isolierten Mykoplasmen handelt es sich vor allem um die Spezies Mycoplasma (M.) felis, M. feliminutum, M. gatae, M. arginini sowie Acholeplasma laidlawii. Auch über den kulturellen Nachweis von M. arthritidis, M. gallisepticum, M. pulmonis sowie Ureaplasma sp. wurde in Einzelfällen berichtet. Mykoplasmen können in Abstrichen wie Auge, oberem Respirationstrakt, Ohr oder Genitaltrakt sowohl von klinisch gesunden als auch kranken Katzen gefunden werden. Das Angehen einer Mykoplasmen-Infektion ist möglicherweise abhängig vom Vorhandensein anderer Bakterien oder Viren (Faktorenkrankheit). Als Virulenzfaktoren für Mykoplasmen, die von Haus aus eine schwache Virulenz aufweisen, werden das Adhärenzvermögen, die Bildung toxischer Substanzen und auch die Resistenz gegenüber Phagozytose angesehen.

Klinik
Vorwiegend ein- oder beidseitige Konjunktivitis (Bindehautentzündung), die mit milden bis schweren Entzündungen der Lidbindehäute und der Netzhaut einhergeht, verbunden mit Hyperämie (vermehrte Blutfülle eines Organs), Chemosis (Flüssigkeitsansammlung in der Augenbindehaut mit blasenähnlicher Abhebung von der Lederhaut), Blepharospasmus (Krampf des Augenlids) sowie vermehrter Bildung von serösem bis schleimig-eitrigem Augensekret; Kornea, Iris und Augenfundus erscheinen in diesem Zusammenhang unauffällig.

Beschrieben wurden Mykoplasmen auch als Ursache von Polyarthritis (gleichzeitige Entzündung mehrerer Gelenke) und Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung), die mit Fieber, Depression, Ödemen in den Gliedmaßen und Schmerzhaftigkeit im Bereich der Gelenke einhergingen. Auch Harnwegsinfekte sowie Aborte können bei Katzen auf Infektionen mit Mykoplasmen zurückgeführt werden.

Diagnose
Nur durch einen kulturellen Erregernachweis. In diesem Zusammenhang muss, aufgrund der geringen Tenazität von Mykoplasmen in der Außenwelt, das Untersuchungsmaterial auf dem schnellsten Weg, am besten im Transportmedium dem Labor zugestellt werden. Ferner muss bei einem positiven Erregernachweis berücksichtigt werden, dass Mykoplasmen auch auf Schleimhäuten von gesunden Katzen vorkommen können.

Differentialdiagnose
Bei Konjunktivitis-Symptomen (Bindehautentzündungs-Symptomen) sind Infektionen mit Chlamydien (Gattung von sich ausschließlich im Inneren von Wirtszellen vermehrenden Bakterien;
können Entzündungen der Lunge, des Auges oder der Harnorgane verursachen), Staphylococcus aureus bzw. intermedius, Bordetella bronchiseptica, Pasteurella multdocida, Streptococcus ssp. sowie Viren des Katzenschnupfen-Komplexes differentialdiagnostisch auszuschließen.

Prognose
Günstig. Bei komplikationslosem Verkauf der Konjunktivitis ist eine Heilung innerhalb von 2 - 4 Wochen möglich. Auch geheilte Katzen müssen aber nach wie vor als latente Träger und Ausscheider von Mykoplasmen angesehen werden.

Therapie
Als Mittel der Wahl gilt Oxytetrazyklin, das bei Konjunktivitis 4 - 5mal täglich lokal, mindestens für
4 Tage verabreicht wird. Auch eine parenterale Behandlung, u.U. auch mit Chloramphenicol, ist möglich.