Pasteurella-Infektionen

Quelle der Ausführungen: Krankheiten der Katze
Marian C. Horzinek, Vera Schmidt, Hans Lutz

 

Erkrankungen durch Pasteurellen manifestieren sich bei Katzen hauptsächlich im Bereich des oberen und unteren Respirationstraktes sowie als Wundinfektionen; seltener lokalisieren sie sich am Ohr., Auge und in der Brusthöhle, gelegentlich kommt es, bevorzugt bei jungen Katzen, zur Ausbildung einer Septikämie. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wird ihr Manifestwerden durch prädisponierende Faktoren und Grundkrankheiten (Virus-, Chlamydieninfektionen, Wurmbefall etc.) begünstigt.

Ätiologie
Aufgrund einer Neueinteilung von P. multocida lassen sich die felinen Pasteurellen heute als P. multocida ssp. multocida, P. multocida ssp. septica, P. canis, P. dagmatis und P. stomatis differenzieren. In allen Fällen handelt es sich um gramnegative, unbewegliche und bipolar anfärbbare Stäbchenbakterien, die allgemein eine nur geringe Widerstandsfähigkeit aufweisen. Gegen Austrocknung und Temperaturen unter 10 °C sind sie sehr empfindlich.

Als natürlicher Standort der aus P. multocida hervorgegangenen Spezies sind wie beim klinisch gesunden Hund vor allem die Schleimhäute der Maulhöhle und des Nasen-Rachen-Raumes anzusehen. Bei klinisch unauffälligen Katzen lassen sie sich fast regelmäßig nachweisen. P. pneumotropica ist weniger bei der Katze als bei der Maus und Ratte Kommensale der Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raumes. Diese Nager kommen auch als Ansteckungsquelle für die Katze in Frage. Pasteurellen-bedingte Erkrankungen in diesem Bereich dürften hauptsächlich endogenen Ursprungs sein. Auch Tröpfcheninfektionen durch Niesen oder Fauchen spielen eine Rolle, dagegen sind Ansteckungen aus der Umwelt wegen der geringen Tenazität dieser Keime ohne Bedeutung. Meistens kommt es im Rahmen konditioneller Schwächephasen infolge von Grundkrankheiten oder sonstigen Belastungen zur massenhaften Vermehrung der Pasteurellen und damit zur Entwicklung zunehmend purulenter Rhinitis, Sinusitis, Pharyngitis, Tonsillitis und/oder Stomatitis. Häufig werden Trachea, Bronchen und Lungengewebe unter Ausbildung einer fibrinösen Bronchopneumonie mit erfasst. Von hier sowie im Rahmen von Septikämien können die Prozesse auf Brust- und Bauchfell in Form fibrinöser Entzündungen übergreifen.

Auf endogenem Wege können auch Infektionen des Mittelohres entstehen, die teilweise auf das ZNS übergreifen. Wundinfektionen entstehen entweder direkt nach Biss- und Kratzverletzungen oder hängen mit der Neigung der Katzen zum Sichputzen zusammen; dabei werden die Erreger direkt oder über die Pfote in die Wunde eingeschleppt. Im weiteren Verlauf kommt es sehr häufig zur Abszessbildung. Auch die Entstehung eitrig-seröser Konjunktivitiden oder einer Otitis externa dürfte auf diesem Weg erfolgen.