Pasteurella-Infektionen

 

Die Diagnose beruht auf der kulturellen Anzüchtung der Erreger. Wegen ihrer natürlichen Verbreitung bei klinisch gesunden Katzen bestehen allerdings häufig Interpretationsprobleme bezüglich der ätiologischen Bedeutung der nachgewiesenen Pasteurellen. Dies gilt vor allem für Untersuchungsmaterial aus dem Nasen-Rachen-Raum, wo in jedem Fall auch eine Grunderkrankung anderer Ätiologie in Betracht zu ziehen ist. Aber auch in offene Wunden können Pasteurella spp. oft lediglich durch ständiges Belecken gelangt sein. Dagegen ist ihre Bedeutung beim Nachweis großer Mengen dieser Keime in mehreren Körperorganen, bei Isolierung aus geschlossenen Abszessen, dem Mittelohr oder aus Pleuraexsudat im Allgemeinen nicht in Frage zu stellen. Allerdings sind die Pasteurellen gerade in Pleuraexsudat und in Abszessen häufig mit weiteren aeroben Bakterien (Strepto-, Staphylokokken) und anaeroben Bakterien (Fusobakterien, Bacteroides, Clostridien, Actinomyces) vergesellschaftet. P. pneumotropica fand sich vorwiegend in der Lunge von Katzen, vereinzelt waren mehrere große Körperorgane, die Nase oder das Mittelohr betroffen.

Die Prognose ist bei lokalisierten Prozessen im Allgemeinen günstig; bei Septikämien sowie Pneumonien mit Pleurabeteiligung, dem Befall des Mittelohres mit Beteiligung des ZNS (Differentialdiagnose: Tollwut!) ist eine vorsichtige Prognose zu stellen.

Therapeutisch kann neben symptomatischen Maßnahmen (Sekretolytika bzw. Abszessspaltung, Wundtoilette etc.) eine mehrtägige Applikation von Penicillin, Ampicillin, Chloramphenicol oder Doxycyclin durchgeführt werden. Die Prüfung von Isolaten im Resistenztest wird empfohlen.

Pasteurellen sind Zoonoseerreger. Sie werden durch Bisse und Kratzverletzungen namentlich von Katzen sehr häufig auf den Menschen übertragen und lösen hier regelmäßig Wundinfektionen aus, die teilweise schwer zu behandeln sind. Immer wieder ist davon ausgehend auch über schwere Allgemeininfektionen, Meningitis, Arthritis oder Endokarditis mit z.T. letalem Ausgang berichtet worden.