DIE ERINNERUNGEN EINES „ALTEN“ HASEN!

Als im Jahre 1978 ein schwarzer Alfa Romeo mit einer für mich damals unbekannten Antennenart vor meinem Elternhaus im fünften Wiener Gemeindebezirk parkte und der Fahrer in ein Mikrofon plauderte, konnte ich noch nicht ahnen, dass mich das Thema Funk so faszinieren würde – und diese Faszination bis heute ungebrochen ist.

Mein Vater war zu dieser Zeit beruflich bei einer Einsatzorganisation tätig und darum war mir der „Sound“ und das Drumherum des Behördenfunks bereits vertraut. Zurück zu diesem unbekannten Funker.  Zufällig war ein Radio in Betrieb, aus dem die Stimme des Breakers zwar verzerrt, aber doch verständlich schallte: „Wo stehst?, Am Bahnhof, ich komm dort hin, Schwarzer Panther, "break“!

Ein Kollege meines Vaters, damals schon Funkamateur und Mitglied des 5-Watt-Funkclubs AM-Club PETER 11, konnte mein Drängen auf den Kauf eines Handfunkgeräts gut verstehen, spielte meinen Fürsprecher und bald konnte ich mein erstes Gerät, ein HANDIC 15 G (2 Kanäle - AM), mein Eigen nennen.

Fast ging ich mit diesem Ding schlafen – es wurde mein ständiger Begleiter und von meinem damaligen Standort in Wien-Margareten waren erstaunlicherweise immer wieder Verbindungen bis in den Nachbarbezirk Favoriten (2-3 km) möglich. Ich hatte mich mit dem Funkvirus schwer infiziert und die Anzahl der Gesprächspartner, Gesichts-QSOs und nächtelangen Runden wurde immer größer. Zwei schaltbare Kanäle waren nicht viel und ich ärgerte mich immer, wenn so mancher von Kanal 9 auf einen anderen verschwand, den ich nicht empfangen konnte. Abhilfe schaffte bald darauf ein NORDMENDE- Kurzwellenempfänger, mit dem auch das komplette 11-m-Band in allen Modulationsarten erforscht werden konnte.

Nicht nur die „verschwundenen“ Funker konnte ich damit hören, sondern auch die geheimnisvollen Kanäle der 5-W-Funkclubs mit ihren für damalige Begriffe „Power“- Mobil- und Fixstationen. Zugang zu diesen Clubs hatten jedoch nur Personen ab 18 Jahren. Orangefarbenes Drehlicht und die Möglichkeit zur raschen Verständigung von Rettungs- und Hilfsdiensten im Notfall übten aber doch einen Reiz aus in Zeiten, wo ein Autotelefon in Österreich noch ca. 120.000,-- ATS kostete.

So verfolgte ich nicht nur den DX-Betrieb wegen des damaligen Sonnenfleckenmaximums, sondern auch die Arbeit aller „kommerziellen“ Stationen auf 11m. 12 AM-Kanäle waren genehmigt, ebenso Handfunkgeräte und Mobilstationen. Einige Mutige quälten die FS-Geräte in ihrer Umgebung mit zusammengestrickten Heimstationen und „etwas“ mehr Leistung, um über das „Ola, Ola“ von DX-enden italienischen Stationen zu kommen, um so wenigstens im Nahbereich gehört zu werden.

Die Funküberwachung der Post erschien in unserer Wohnung und kontrollierte peinlich genau die schriftlichen Funkgenehmigungen für meine nunmehr zwei Geräte, eine 12-Kanal-Handfunke wurde endlich(!) gekauft.  Mit dem CB-Boom kam auch eine Vielzahl von Fachliteratur – so auch CB-Zeitungen – auf den Markt, von denen jedoch einige bald darauf auch wieder eingestellt wurden. Ich selbst bin der „FUNK“ und der Zeitschrift „CB-Funk“ bis zu ihrer Einstellung treu geblieben und habe jedes Exemplar erworben. Noch heute besitze ich eine Anzahl von Handbüchern, die allesamt den CB-Funk nahe bringen wollten. Das CB-Handbuch von Stratis Karamanolis war „die“ Lektüre für aufstrebende Funker.

Langsam tastete ich mich auf den KW-Bändern vorwärts, bekam heiße Ohren bei der Entdeckung von Rundfunk und Amateurbänder – und hörte sie ab. Für UKW-Funk hatte ich einen Konverter, der mir einen abwechslungsreichen Einblick in das 2-m-Band eröffnete. Die Amateurfunk-Prüfung blieb aber noch in weiter Ferne, dafür stand der bekannte „Rothhammel“ im Bücherregal.

1980 trat ich, nachdem ich auch beim Bundesheer Funkerfahrung sammeln konnte, einem 5-W-Funkclub, dem PETER 11-Club, bei. Wir hatten ein reges Clubleben und ich erinnere mich an so manchen Sicherungseinsatz wie z. B. die Überwachung des Pfingstverkehrs auf den an Wien angrenzenden Bundesstraßen. Mit dabei war auch eine clubeigene mobile Funkleitstelle.

Mit der Erweiterung des CB-Bandes auf 22-Kanäle FM mussten die Funkclubs auf höhere Frequenzen (27.900 Mhz aufwärts) ausweichen. Auch ich stellte mein HANDIC 65M (von Kanal 19 und 26 auf 27.925 u. 27.945 Mhz) noch immer in AM-Modulation um! Nebenbei erstand ich mein erstes 22 Ch-FM-Mobilgerät und baute dieses in mein Auto ein. Eine 5/8 DV27-Antenne zierte den Kofferraumdeckel und ein Telefonhörer-Mikro gab der „SENFOR-SKYLINE“ den Touch des Wichtigen.

Heute noch kann in den amtlichen Frequenzzuweisungen nachgelesen werden, dass Frequenzen im 27-Mhz-Bereich Bedarfsträgern zugewiesen werden können, nur dementsprechende 11-m-Betriebsfunkgeräte gibt’s schon lange nicht mehr zu kaufen.

Auf 11-Meter entstand rund um meinen Wohnort eine Runde auf Kanal 22-FM, sogar erstmals offiziell mit Fixstationen. Funkgeräte wurden gekauft und ausgiebig getestet, ich möchte nicht mehr nachrechnen, wie viel Geld ich bereits damals für mein Hobby ausgegeben habe. 1983 war's, da ging die Meldung über die QRG, dass bald 40-Ch-FM erlaubt wären. Bald darauf war es Wirklichkeit und wieder ging's los mit dem Testen. So nebenbei liebäugelte ich mit dem Amateurfunk, da waren natürlich die bereits vorhandenen UKW und KW-Empfänger und Kontakte mit Ham`s (Funkamateuren) daran schuld. 1986 erfüllte ich mir meinen Wunsch und legte die Lizenzprüfung  ab.

Es eröffneten sich damit neue Funkperspektiven, die manchmal recht tiefe Löcher im Familienbudget hinterließen. Ich bevorzuge die störungsfreie Kommunikation auf den UKW-Bändern in der Modulationsart FM und habe in der Zwischenzeit mein Equipment mit einer 2m/70cm-Duobandantenne und einer Kurzwellen-Drahtantenne mit Smart-Tuner  auf dem Hausdach ergänzt. Am „anderen Ende“ sind ein FT-900 AT und verschiedene Geräte für UKW angeschlossen.

Mit einem schon in die Jahre gekommenen Handfunkgerät der Marke Standard C568 kann ich auch auf dem 23-cm-Band mit 35mW Funkbetrieb zumindest über das  in Wien 14 vorhandenen Relais betreiben. Einige Betriebsfunkgeräte, die auf Amateurfunk umprogrammiert wurden, bieten beste Qualität und darüber hinaus „hat man etwas in der Hand“! Seit August 2003 bin ich, wie andere berichten, mit „besten Signalen“ zu hören (mein Standort ist einfach optimal und die Antennen schauen weit ins Umland!).

Dem CB-Funk bin ich aber bis heute in Form meiner Sammelleidenschaft treu geblieben. Die Funkhilfsdienste auf 11-Meter-Betriebsfunkfrequenzen, durch die Verbreitung von Handys unattraktiv geworden, lösten sich auf. Trotzdem war ich auch kurze Zeit bei einer Nachfolgeorganisation, dem "Donau-Club", tätig, dem Ende der 80er-Jahre die  2-m-Gemeinschafts-Sport-Frequenz  160,575 Mhz genehmigt wurde. Kurioserweise konnten damals die Fixstationen nicht miteinander sprechen, weil der ausgesendete Selektivruf andere "Fixe"  empfangsmäßig sperrte". Später kam auch die Möglichkeit dazu, ein kommerzielles Relais im Bereich 164 Mhz (kostenpflichtig) mitzubenutzen.  Der Funkclub- Donau besteht ebenfalls seit einigen Jahren nicht mehr. 

Bis Ende 2001habe war ich ehrenamtlich in einer leitenden Tätigkeit bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Wien (JUHÖ) beschäftigt und hatte ich in dieser Position ebenfalls viel mit dem Medium Funk zu tun. Diese Organisation besitzt im Bereich Not- und Katastrophenfunk eigene Gerätschaften für den Amateurfunkdienst (OE1XJW) und für Funkverbindungen mit dem Roten Kreuz auf Kurzwelle (als Staatsfunkstelle OEH26). An der Einrichtung und Beschaffung dieses speziellen Teilbereichs des Katastrophenhilfsdienstes war ich maßgeblich beteiligt.

Auch für die Anwendungen PMR446 (acht 70cm-Kanäle) betreibe ich die unterschiedlichsten Geräte. Im 11-m-Funk  haben sie jedoch schon etliche Jahre auf dem Buckel. Im Amateurfunk hoffe ich auf leistbare wahlweise schaltbare analog/digitale Sprechfunkgeräte. Wir Funkamateure sollten nicht auf dem Erreichten ausruhen und im Sinne unserer Verbandsbezeichnung „Versuchssenderverband“ versuchen, probieren, forschen und senden!

Das tun wir auch – seit Beginn des Jahres 2008 können und dürfen die OE-Funkamateure auch digitalen Sprechfunk nutzen. Das Geheimnis lautet ICOM D-Star! Mit mehreren Hand- und Mobilgeräten nehme ich an der digitalen Kommunikation teil. Undefinierbares lautes Rauschen ist demnach keine Störung, sondern eine digitale Sprachaussendung! Wann sind SIE (!!) dabei??

Wie die Geräte alle hießen und was sie auch konnten, sie haben mir viel Spaß bereitet und in den vergangenen Jahren für viele persönliche Kontakte mit Funkerinnen und Funkern gesorgt. Ich habe 1978 den richtigen Weg eingeschlagen und ich beschreite ihn auf „allen Bändern“ zielstrebig weiter –  seit Beginn 2004 als Notfunkreferent im Dachverband des Österreichischen Versuchssenderverbandes und seit kurzer Zeit auch mit einem Modem für Pactor, PSK ….....

Ich habe in dieser Zeit vielfältige Aktivitäten in die Wege geleitet, die auf meiner Homepage http://members.chello.at/oe1mmu/ nachzulesen sind.

55 und 73 de

OE1 MMU CB-Wüstenfuchs

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