So.
16.6.2002 Föhrenbergemarsch in Mödling. Der fünfte
Bewerb für den Marathoncup 2002. Obwohl diese Wanderstrecke
gegenüber der ersten Veranstaltung entschärft wurde, bleibt
es eine Marsch für die Elite. Gefürchtet von nah und fern.
Diesmal
kann ich keine Beurteilung über Labestellen auf der Strecke
machen, weil ich leider eine andere Aufgabe wahrnehmen musste.
Ich
möchte zum besseren Verständnis das Thema Unsportlichkeit
hier nochmals abhandeln. Im letzten Jahr wurde der Marathoncup vom
Organisationskomitee Mödling erstmals ins Leben gerufen. Nach
Abschluss des ersten Jahres, musste ich zur Kenntnis nehmen,
dass Teilnehmer in meiner Statistik, die ich ins Internet hochgespielt
habe, stark kritisiert wurden. Neben dem Thema Hochstöger gab
es auch eine berühmte Aussage: "In meiner Liste seien
Teilnehmer, die nicht einmal Marathon richtig schreiben können,
geschweige gehen können!" Na ich war platt. Wurde ich
wirklich so besch.........? Scheinbar doch. Habe ich Urkunden an
Leute verschickt, denen diese Auszeichnung gar nicht zusteht? Die
Unsportlichkeit traf mich mitten ins Gesicht. Das Problem war, dass
Teilnehmer mit mehreren Startkarten unterwegs waren. Sie stempelten
für Haus und Hof mit. Und darum war dieser Marathoncup auch
so "erfolgreich". Das ist aber nicht das Ziel, das wir
anstreben! Ziel ist, diesen Marathoncup ausschließlich sportlich
und fair zu halten. Es wäre sonst ein Betrug dem ehrlichen
Teilnehmer gegenüber. Die übliche Stempelei reicht scheinbar
nicht aus. Ein Stempelabdruck ist zwar schön anzuschauen, aber
im Regen nicht mehr. Und ich habe schon Wanderbücher gesehen,
wo das Wasser durchgeronnen ist, trotz Regenschutz. Aber das nur
nebenbei.
Nun
habe ich mir die Frage gestellt, was mach ich, um diese Geschichte
in den Griff zu bekommen. Wie garantiere ich eine lückenlose
Kontrolle, so hart dieser Satz auch klingt! Eine Überwachung
mittels GPS ist zwar technisch möglich, aber viel zu teuer.
Die Teilnehmer mit einen Laufchip auszustatten, wäre auch eine
Möglichkeit, aber woher nehme ich mitten im Wald den Strom.
Abgesehen davon, dass der Chip € 25.- kostet. Auch sehr aufwendig
und teuer. Ich bräuchte eine einfachere und billigere Variante.
Da kam mir die Idee mit so genannten "Spielchips". In vier
Farben waren sie bei uns leicht zu bekommen, aber ich brauche 12.
Schlussendlich wurde ich in England fündig. Bei einer
Sitzung des OK's in Mödling habe ich dieses System vorgestellt
und erhielt große Zustimmung. Darum habe ich die Chip
schlussendlich
auch gekauft. Beim Föhrenbergemarsch sollten sie erstmals zum
Einsatz kommen. Ich versuchte absichtlich dieses System bis zum
Schluss geheim zu halten. Die Überraschung am Start war
natürlich auch dementsprechend. Und es hat sich bewährt.
Trotz aller Warnungen, hat es wieder jemand versucht mit mehr als
einer Starkarte teilzunehmen. Diese Vorhaben war am Start schon
gescheitert, weil pro Teilnehmer nur eine Startkarte samt Chip ausgegeben
wurde. Diese so genannten vorangemeldeten Gruppenmeldungen hatten
nun keine Chance. Theoretisch ist es aber trotzdem noch möglich
mit einer zusätzlichen Starkarte wegzukommen, diese werden
aber dann auf den Kontrollen entlang der Strecke automatisch ausgesondert.
Die Kontrollorgane auf der Strecke wurden eingehenst ersucht, pro
Teilnehmer nur einen Chip auszugeben und das funktionierte fabelhaft.
Zumal man später nachvollziehen kann, wie viel Chips wurden
wirklich ausgegeben. Auch kann man die Chips, die die Teilnehmer
zurückbrachten im nachhinein immer noch analysieren. Das kann
man mit einem Stempel im nachhinein nicht mehr. Um ja keine Lücke
offen zu lassen, habe ich noch eine Sonderkontrolle eingesetzt.
Dies tat mir aus sportlicher Hinsicht sehr weh, weil ich wollte
diese 50km zu diesem Zeitpunkt auch durchwandern. So blieb mir nur
die Möglichkeit die Strecke mit einer lieben Kollegin samt
Gatten am 20.4.2002 vorzuwandern. Zum Schluss meiner Abhandlung
möchte ich noch bemerken: Es ist schade, dass man Kontrollen
überhaupt braucht!!
Wieder
zurück zum Föhrenbergemarsch aus meiner Sicht. Am Samstag
den 15.6.2002 6 Uhr früh. Mein Kollege und ich begannen mit
den Markierungsarbeiten von der Einöde über den Hohen
Lindkogel zur Augustinerhütte. Schon sehr heiß und schwül
zu dieser Zeit. Mit Kalk und Plastikbändern versuchten wir
unser Glück. Da diese Gebiet im Landschaftsschutzgebiet Wienerwald
liegt mussten wir sehr sparsam markieren. Um ja keine Unsicherheiten
bei den Teilnehmern aufkommen zu lassen, habe ich mich entschlossen
den Streckenplan färbig und auf die problematische Strecke
hinzuweisen. Außerdem versuchte ich den Teilnehmer auf eine
permanente Markierung aufmerksam zu machen. Den verlaufen auf einer
50km Strecke im Wienerwald kann sehr viel Kraft kosten. Im oberen
Bereich des Anstieges auf den Hohen Lindkogel, es ist erst 8 Uhr
30. Die heiße Luft steht in den Bäumen. Kein Luftzug
macht sich spürbar. Die morgige Veranstaltung und meine Gedanken
an die Teilnehmer, die sich womöglich erst knapp vor Mittag
in diesem Bereich bewegen. Womöglich eine große Hitzeschlacht.
Da
ich in den Wetternachrichten Tags zuvor von einer Hitzeschlacht
ausgehen musste, habe ich mich entschlossen, auch meine Sonderkontrolle
mit Obst und Flüssigkeiten auszustatten. Auf zum Metro und
eine eigens fürs Auto gekaufte 26 Liter Kühlbox sollte
den Teilnehmern zu Gute kommen, aber leider. Unvorsichtiger Weise
habe ich meine Kühlbox beim Ausladen meiner PCs auf die Gartenmauer
gestellt. Als ich nach dem Startschluss auf der Sonderkontrolle
stand, hatte ich keine Kühlbox mehr. Sie war weg. Schließlich
konnte ich mir eine Kühlbox von der Kontrolle Rosental holen.
Aber ich konnte halt nicht kühlen. Die von zu Hause vorgekühlten
Getränke verstaute ich in der Box. Hab mich etwas geärgert,
kaufe mir extra eine elektrische Box, um den Teilnehmern gekühlte
Getränke bieten zu können und dann so was.
So.
16.6.2002 Tagwache um 4 Uhr früh. Großer Verstau ins
Auto und um 5 Uhr auf nach Mödling. 5 Uhr 25, erste Teilnehmer
warteten auch schon geduldig auf den Start. Aufbau der PC Anlage.
5 Uhr 45, die Warteschlange drängte schon. Knapp vor 6 Uhr
wurden die ersten Startkarten ausgegeben. Mein Markierungskollege
hat sich bereit erklärt, vorne weg zu laufen, um etwaige Markierungsschäden
auszubessern. Die Warteschlange wurde immer länger. Das Aufnehmen
der Adressen der neuen Teilnehmer beanspruchte doch etwas Zeit.
Mein Fehler war, dass ich in dieser Zeit keinen zweiten PC mehr
einsetzen konnte. Werde sicher vorsorgen, dass das nicht mehr passiert.
Danke den Teilnehmern für die Geduld. Eines kam mir in diesem
Moment zu Gute, das Wetter. Das noch am Vortag angekündigte
heiße Wetter am Vormittag war nicht mehr. Schwarz und tiefhängende
Wolken zogen auf. Wind wurde stürmisch. Und es dauerte nicht
lange und ein Gewitter wie aus dem Bilderbuch ging nieder. Damit
war eine gewisse Abkühlung der Luft gewährleistet. Somit
waren die Teilnehmer einer großen Hitzeschlacht nicht mehr
ausgesetzt. Den Hitze und später Start ist sicher kein Service
dem Wanderer gegenüber.

65
Teilnehmer wagten sich auf die Strecke. Darunter 7 Damen und der
erst 17jährige Markus Stöckl aus St.Pölten. Es ist
immer wieder eine Freude mit anzusehen, wie sich auch die Jugend
beteiligt. Ich werde auf Markus später noch zurück kommen.
Ich richtete mich knapp vor Gaaden als Sonderkontrolle ein.
Um
11 Uhr erreichte mein Kollege als erster die Sonderkontrolle. Er
war ja beauftragt, eventuelle Markierungsschäden auszubessern.
Er meldete keine Schäden, na Gott sei Dank. Knapp dahinter
schon der 72jährige Willi Schwarz aus Wr.Neustadt. Na ich hab
gschaut. Er will es einfach wissen, so sein Kommentar, total locker
seine Gestik. Als nächster kam Herr Attam vorbei, dann Herr
Kicler und Herr Ottitsch. Alle konnten laufen, nur ich nicht! Die
durchschwitzten Körper, die ganz kleinen Mücken im Schweiß
klebend, ach warum muss ich hier stehen? Wehmut trifft mich.
Warum darf ich das nicht erleben? Weiter kommen nach und nach die
Starter bei meiner Sonderkontrolle vorbei. Stolz bin ich auf alle,
die es bisher schon geschafft haben (noch 11,5km bis ins Ziel) und
auch auf jene die es wenigstens versucht haben und dann trotzdem
aufgeben mussten. Auch sehr gut wurde die kleine Labestelle
angenommen, die ich im Kofferraum bereitgestellt hatte. Um 17 Uhr
30 verlies ich meinen Standpunkt und fuhr nach Mödling zurück.
Zu diesen Zeitpunkt wusste ich schon, dass 10 Teilnehmer das
Ziel nicht erreichen werden.
Als
ich ins Ziel kam, erfuhr ich, dass die Chips positiv angenommen
wurden. Auch wurde meine Richtung von Teilnehmern bestätigt,
weiter sportlich zu arbeiten. Es gibt großes Interesse, dass
speziell der Marathoncup sportlich fair abläuft. Mein Ziel
ist es, dass ein Teilnehmer am Marathoncup das Gefühl hat,
dass eben alles sportlich ehrlich abläuft. Aber es gab auch
ein paar negative Stimmen bezüglich Chips. Wenn mir jemand
eine 100%ige Alternative bieten kann, bin ich sicher zu einem Kompromiss
bereit. Ansonsten fahr ich meine Schiene weiter.
Ich
bedanke mich recht herzlich bei meinem unschlagbaren Team hinter
dem PC und auch bei meinen Wanderkollegen, die immer bereit stehen,
wenn ich sie brauche! Ohne deren unentgeltlichen Einsatz, wären
solche Veranstaltungen gar nicht möglich.
Ich
werde morgen meinen Bericht weiter fortsetzen. Leider betrifft dies
ein sehr trauriges Kapitel. Es gibt auch noch einen Bericht über
den Föhrenbergemarsch in http://www.mikesdesign.at/wiwa.html
Dieser
Abschnitt hat mit wandern nichts mehr zu tun! Obwohl rigorose Kontrollen
angekündigt waren, wurde wieder versucht für Leute mitzustempeln,
die nicht am Start waren. Als am Start und auf der Strecke die Geschichte
nicht funktionierte, begann der Kampf um den Wertungstempel dann
im Ziel. Genau genommen, handelte es sich um nur eine Person, die
unfreundlichst versuchte, bei meinem Team diesen begehrten Stempel
zu erhalten. Eines möchte ich hier gleich nochmals anfügen.
Alle Personen stellen sich für eine solche Veranstaltung in
ihrer Freizeit und unentgeltlich zur Verfügung. Mit sehr viel
Freundlichkeit wird dem Wanderer entgegengekommen und es ist nicht
gerechtfertigt, dass auch nur eine Person um sich schlägt und
ins tiefe Niveau abgleitet. Als dieser Stempel von meinem Team nicht
zu bekommen war, versuchte es jener schlussendlich noch bei
mir. Als ich auch ablehnte, zerriss er die Wertungspässe
und schmiss sie auf den Tisch.

Wer
am Start ist und erfolgreich ins Ziel kommt, bekommt selbstverständlich
den Wertungsstempel und wer nicht da ist eben nicht, so einfach
ist das. Gefälligkeiten wie gefordert sind nicht mehr drinnen.
Wie soll man zum Beispiel den 17jährigen Markus Stöckl
erklären, dass er laufen muss und ein anderer bekommt den Stempel
aus Gefälligkeit? Ich kann mich noch gut an das schmerzverzehrte
Gesicht von Markus aus dem Vorjahr erinnern, wo er es nicht geschafft
hat und mit nur aufmunternden Worten nach Hause geschickt wurde.
Und ein anderer der gar nicht da ist, soll die Wertung bekommen?
Nie und nimmer! Voller Stolz hat es Markus heuer geschafft. Bin
richtig stolz auf ihn!
Abschließend
möchte ich mich bei allen Teilnehmern, die den Weg nach Mödling
gefunden haben und diese Strecke in Angriff genommen haben recht
herzlich bedanken und auch allen jenen danken, die diese Veranstaltung
erst ermöglicht haben!