Just
an dem Tag, an dem die christliche Welt des aufsehenerregendsten
Piercing-Acts der Geschichte gedenkt, rumpelte der Wacken-Tour-Tross
mit Videoleinwand, vier Bands und Freibiergutscheinen ins heilige
Land Tirol. Gut 350 Spießgesellen nutzten die Gelegenheit,
um das Ende der Fastenzeit ordentlich zu begießen.
MOB RULES hatten die undankbare Aufgabe, die Rolle des
Anheizers zu übernehmen. Die Mannen mühten sich mit ihrem
melodischen Power Metal auch redlich, allein der Funke wollte einfach
nicht überspringen. Die Latte in diesem Genre liegt momentan
halt verdammt hoch und so begegneten die Anwesenden dem fast vierzigminütigen
Gig größtenteils mit Ignoranz.
Als kurz darauf AMON AMARTH die Bretter betraten,
war auf einen Schlag klar, für wen das Herz des Innsbrucker
Publikums an diesem Abend schlug. "Death By Fire" war
genau der richtige Opener, um das Eis zu brechen. Schreiend, tobend
und klatschend feierten die Headbanger die Viking Death Metal-Songs,
die die Schweden mit wuchtigem Sound und professioneller Optik ins
Auditorium ballerten. Aufgrund der kurzen Spielzeit mussten sich
AMON AMARTH hauptsächlich auf Songs ihres aktuellen Albums
"Versus The World" konzentrieren. Bis hinten an die Bar
pflanzte sich das kollektive Abschädeln fort und der anschließende
Sturm auf das Merchandise kürte die Schweden zum eindeutigen
Gewinner des Abends.
Mit dem mittlerweile aufgewärmten Publikum hatte ONKEL
TOM dann leichtes Spiel. Die Liste seiner Saufhits ist
lang und spätestens als Tom Angelripper das Publikum auf die
Bühne bat, rasselte das Niveau schlagartig sechs Stockwerke
nach unten. Während Tom selbst sich singend unters Publikum
mischte, warf die „Mir iss gar nix peinlich“- Fraktion
auf der Bühne die letzten Hemmungen über Bord. Obwohl
es für den nüchternen Teil des Publikums nur schwer nachvollziehbar
war: die Leute hatten einen Heidenspaß daran, sich mit reihenweise
Kalauern ins Dosenbier-Elysium entführen zu lassen. Da gibt‘s
nichts dran zu rütteln.
Die Erwartungen an die abschließende Monstershow der finnischen
Shooting Stars LORDI waren hoch. Und was die Jungs
an gewaltigen Bühnenaufbauten und geilen Kostümen auffuhren,
musste auch den verwöhntesten Geschmack zufriedenstellen. Unerhört
professionell rockten sich LORDI durch die Hits ihres aktuellen
Albums und erinnerten dabei stark an Alice Cooper zu „Thrash“-Zeiten.
Zwar erreichten die Finnen damit nur beim Accept-Cover "Midnight
Mover" und der finalen Hitsingle "Would You Love A Monsterman?"
das Stimmungsniveau der Vorgängerbands, aber das Publikum klatschte
artig mit und hatte sichtlich Spass an dem optisch genialen Theater.
Schade nur, dass der Ruf nach Zugaben grausamerweise nicht erhört
wurde und so ein äußerst abwechslungsreicher Abend im
Innsbrucker Hafen viel zu früh zu Ende ging. Veranstalter "Bühne
Innsbruck" sei Dank, bot die Aftershowparty im bis zum Platzen
gefüllten Abyss noch jede Menge Gelegenheit, sich bis früh
morgens die Lichter auszuschießen.
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