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Gabriel und die Jungfrau

veröffentlicht in

Rosa Elfen & andere skurrile Gestalten

Elfenschrift-Anthologie

Herausgeberin: Ulrike Stegemann

ISBN: 3842330391
ISBN 13: 978-3842330399

124 Seiten
broschiert

erhältlich bei Amazon, Thalia.de und im Buchhandel

Diese Geschichte spielt zu einer Zeit der Magie und der Fabelwesen, als große Könige herrschten und der Begriff der Ehre hoch im Kurs stand. Sie handelt zu einer Zeit, da die Götter der Erde näher waren und das Handeln der Menschen von Glaube und Aberglaube beeinflusst wurde. Es war eine Zeit, als Kriege mit Schwertern geführt wurden, eine Zeit edelmutiger Ritter und selbstloser Helden. Diese Geschichte handelt von Gabriel. Doch war Gabriel weder von hohem Geblüt, noch war er besonders mutig. Gabriel war seines Berufes ein Barde. Er vollbrachte keine Heldentaten, er erzählte von denen anderer, während er selbst Gefahren stets auszuweichen versuchte. Und hätte er gewusst, dass ihm mit ihr sein größtes Abenteuer bevorstand, er hätte vielleicht an jenem Tag das Gebirge gemieden, an dem Tag, als er sie das erste Mal sah.
Doch er wusste es nicht. Und so war er bereits früh am Morgen aufgebrochen, zum Land des Fürsten von Sherald, weil dieser ihn zur Unterhaltung einer Festgesellschaft an den Hof bestellt hatte. Er wählte den Weg vorbei an der Flanke des Gebirges, da die offene Handelsstraße in diesen Tagen von Räuberbanden heimgesucht wurde, weshalb der Weg auf schmalen, selten begangenen Pfaden sicherer schien. Fröhlich pfeifend und guter Dinge, denn das Wetter war herrlich und der Fürst hatte ihm gute Entlohnung in Aussicht gestellt, überquerte Gabriel eine weitläufige Wiese, als er sie erblickte. An eine einzelne Eiche gebunden stand sie da und schluchzte leise. Ihr langes Haar war wie pures Gold und ihre Haut wie Alabaster. Sie war das lieblichste und grazilste Geschöpf, das Gabriel je gesehen hatte. Und als er näher trat, da erkannte er, dass sie keine Menschenfrau war.
„Du bist eine Elfe“, hauchte er tonlos, doch laut genug für ihre empfindlichen Ohren. Sie hob den Kopf und sah ihn aus großen, grünen Augen verängstigt an.
„Hilf mir.“ Ihre Stimme klang tränenerstickt.
„Ja, natürlich! Warte!“, stammelte Gabriel, was wenig Sinn ergab, da sie nirgendwohin fortgehen konnte. Er durchwühlte seine Habseligkeiten und förderte ein Messer zu Tage. Die Klinge war gut geschliffen, um Speck und Brot zu schneiden, und sie durchtrennte die Fesseln mühelos.
„So, du bist frei!“ Gabriel machte eine einladende Geste über die Wiese, in dem Glauben, das Ausreichende für die Rettung der Schönen getan zu haben.
Doch die Elfe blieb unverwandt am Baum stehen und ihre Augen waren immer noch voll Furcht. „Du musst mir helfen!“
Gabriel verstand nicht. „Das habe ich bereits. Du kannst gehen. Du bist frei!“
Sie schüttelte ihr Haar. „Ich kann gehen, doch bin ich nicht frei. Er wird mich überall finden!“
„Wer? Wovon sprichst du?“
„Der Drache!“
Gabriel machte vor Schreck einen Satz rückwärts und sah sich entsetzt um. „Ein Drache!?“
Ohne zu überlegen, packte er die Elfe am Arm und rannte los.
„Warte! Es hat keinen Zweck!“ Sie wand sich in seinem Griff, während sie hinterher stolperte. „Er wird mich überall finden!“ Doch Gabriel hörte nicht zu. Er kannte viele Geschichten über diese geflügelten Bestien. Ihr Feuer war so heiß, dass es Stein zum Schmelzen brachte. Ihre gewaltigen Kiefer konnten einen Mann in einem Stück verschlingen. Und Gabriel war kein Ritter in glänzender Rüstung, mit verzauberten Waffen, noch wollte er einer sein. Er wollte nur weg.
Schon hörte er das Rauschen in der Luft, wenn lederne Flügel schlugen. Und vor sich sah er die mächtigen Klauen, wie sie angriffslustig über die Erde scharrten, tiefe Furchen hinterlassend. Wie vom Blitz getroffen blieb Gabriel stehen und starrte den Drachen an. Vor ihm ragte der riesige, schwarz glänzende Körper auf, von Schuppen gepanzert, jede einzelne so groß wie der Schild eines Kriegers. Dann blickte er in die gelben Reptilienaugen, als der Drache den Hals bog und den Kopf zu ihm hinabsenkte. Giftiger Atem schlug Gabriel entgegen. Der stand nur da und zitterte am ganzen Leib.
„Worauf wartest du! Kämpf gegen ihn! Du musst ihn töten!“ Die Elfe schüttelte ihn unsanft.
Da erhob der Drache dumpf grollend seine Stimme. „Du wagst es, mein Eigentum zu stehlen? Dafür wirst du bezahlen!“
Gabriel fiel in Ohnmacht.
...

Was kann ein Barde mit einem Brotmesser gegen einen Drachen ausrichten. Werden Gabriel und die schöne Elfe letztendlich als Mittagessen enden? Die Auflösung gibt es in "Rosa Elfen & andere Skurrile Gestalten". Erhältlich unter anderem bei Amazon und Thalia.de.

 

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