Franz Eschner - Kriegserinnerungen 1940 - 1946


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Der Verfasser schildert seine Erlebnisse als Soldat der Deutschen Wehrmacht. Geboren 1920, als 19jaehriger eingezogen zum Reichsarbeitsdienst und 6 Jahre inklusive Gefangenschaft als Soldat an den Fronten eingesetzt, hat er im Alter von 81 Jahren kurz vor seinem Tod diese Geschichte ueber den - seinen - Krieg niedergeschrieben. Erwarten Sie keine Heldengeschichte. Sie werden eine Geschichte des Ueberlebens finden. Verzeihen Sie bitte die manchmal holprige Schreibweise. Der Text wurde direkt uebertragen und von mir mit einigen Fakten und Daten versehen und ergaenzt, ohne den Basistext zu veraendern. Leider existieren Luecken im zeitlichen Zusammenhang. Es ist ein subjektiver Blick auf die eigenen Erlebnisse. Geschichte findet hier im eingeschraenkten Gesichtsfeld statt. Keinerlei politische Meinung oder Ideologie wird hier vertreten.

Franz Eschner verstarb im Februar 2002. Er hinterliess eine Gattin und drei Kinder.

 

Der Verfasser in der schwarzen Panzeruniform (Sonderbekleidung) mit den Effekten der Panzertruppe (links) und im Waffenrock rechts auf dem Foto (Paradeuniform)
des Infanterieregimentes 131 - Hoch- und Deutschmeister

Erinnerungen an die Kriegszeit 1940-1945

Beim Reichsarbeitsdienst

Ich werde den Tag niemals vergessen.
    Ich war 19 Jahre alt geworden, als ich meine Ausbildung zum Kfz Techniker in den Graef & Stift Werken in Wien abschloss.

Kurz darauf wurde ich zum Reichsarbeitsdienst (kurz: RAD) zur verpflichtenden 6monatigen Ausbildung eingezogen. Ich erhielt dort eine sehr strenge und harte vormilitaerische Ausbildung. Gemeinsam mit vielen jungen Kameraden aus dem ganzen damaligen Deutschen Reich mussten wir auf der Linzer Gugl, einer kleinen Anhoehe der sogenannten Fuehrerstadt Linz, mit Spaten und Schaufel bewaffnet, Fuehrerhaeuser fuer hoehere Parteiangehoerige und Leiter des Reichsarbeitsdienstlagers bauen. Mechanische Arbeitsgeraete wurden beim Reichsarbeitdienst nicht oder nur sehr wenig eingesetzt. Damit sollte die Manneskraft gefoerdert werden...  ueber die Sinnhaftigkeit darf diskutiert werden. Dies war laut meinen Aufzeichnung im Mai 1940. Im Rahmen des RAD nahm ich auch an einem Reichsparteitag in Nuernberg teil.

Lagerleben

Es war fuer mich, als Gegner dieses Regimes ein ueberwaeltigender Anblick - der Anblick von 100 000 Mann des RAD, die in Reih und Glied und mit glattpolierten Spaten vor Hitler exerzierten. Ich kann es nicht leugnen, es hat mich beeindruckt. Das konnten sie. Juni 1940 wurde ich dann als Arbeitsdienstler zum Ausbau des Westwalles nach Rastatt im Breisgau verlegt. Wir waren dort gerne gesehen, foerderten wir doch die Infrastruktur und die Kaufkraft der Region. Zudem herrschte strenge Disziplin. Ich blieb in Rastatt, bis der Krieg mit Frankreich begann und nachdem bereits halb Frankreich durch die Wehrmacht bereits besetzt war. Kurz vor Ende der Kaempfe jedoch wurde unsere RAD-Abteilung einer Einheit Sturmpionieren zugeteilt, um die auf dem Vormarsch der Wehrmacht 1940 nicht attackierte Maginotlinie zu nehmen. Bereits am Kriegsanfang wurden Reichsarbeitdienstabteilungen zum Kampfeinsatz herangezogen, spaeter war der Dienst an der Heimatflak obligatorisch.

Frankreich

Maginotlinie

Die Maginotlinie hatte bis zum Zeitpunkt unseres Angriffes noch nicht kapituliert. Es waren noch viele kampfbereite Franzosen in den unterirdischen Verteidigungsanlagen verschanzt. Im folgenden kurzen, aber sehr harten Kampf im September 1940 sah ich auch die ersten Gefallenen. Es sollten noch viele mehr werden. Eine Erinnerung, die man nicht vergisst. Nach Ende der Kaempfe hatte ich die Gelegenheit, die mit Kameraden Bunkeranlagen zu besichtigen. Ich sah unter anderem die unterirdische, laut Aussagen von franzoesischen Kriegsgefangenen angeblich 75 km lange Eisenbahn, die Lazaretteinrichtungen und die versenkbaren Panzertuerme mit schweren Doppelgeschuetzen, Maschinengewehrbunker und andere Einrichtungen der Festungslinie. Wahrscheinlich hat man uns deswegen den Besuch ermoeglicht, um uns den Vergleich mit dem vom RAD gebautem Westwall zu ermoeglichen. Genuetzt hat es den Franzosen nichts.

Auf Vormarschpause in Frankreich (4. von rechts, volle Backen)

Ausbildung bei den Hoch- und Deutschmeistern

Nach einem kurzen Aufenthalt zwecks Wiederauffrischung und Erholung zurueck in Rastatt erhielt ich nach Ende meiner Dienstzeit beim Reichsarbeitsdienst den Stellungsbefehl, mich sofort beim Infanterieregiment 134 im Verband der 44. Infanteriedivision, spaetere Hoch- und Deutschmeister in Wien zu melden. Es war Dezember 1940. Ich konnte zurueck nach Wien. Heimat und Familie wiedersehen. Um meine Haltung zu Hitler und seiner Regierung zu verstehen, muss ich von meinen Wurzeln erzaehlen. Ich stamme aus einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie aus dem Wiener Arbeiterbezirk Ottakring. Mein Vater war Widerstandskaempfer im Februaraufstand 1934. Ich habe selbst auf Anweisung meines Vaters als 14jaehriger fuer den sozialdemokratischen Schutzbund Waffen im Waeschekorb in die Gemeindebauten geschmuggelt. Die Heimwehr oder auch Hahnenschwanzler genannt, hat dann bei uns zuhause die Wohnung durchsucht und mit den M95-Bajonetten die aufgeschichtete, frische Waesche im Kasten, nach Waffen suchend, durchstochen und herausgerissen.
    Fuer mich gab es nur den sozialdemokratischen Weg und Hitler und die Nazis waren fuer mich keine Loesung. Die offizielle Indienststellung und Angelobung war am10. Oktober 1940. Beim Vereidigen und dem Schwur auf den Fuehrer Adolf Hitler wagte ich stillen Widerstand zu leisten, indem ich den Treueid auf den Fuehrer nicht wiederholte und die Finger kreuzte.
Wehrmacht Eid 1934:
Ich schwoere bei Gott, diesen heiligen Eid, dass ich dem Fuehrer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit fuer diesen Eid mein Leben einzusetzen.
    Dies konnte ich nur, weil wir als ganze Abteilung vereidigt wurden. Ich war somit waehrend meiner ganzen Zeit als Soldat niemals auf den Fuehrer vereidigt.
    Die Transporte erfolgten in dieser Zeit grundsaetzlich mit der Reichsbahn. In Strebersdorf, Teil des 21. Bezirkes Wien-Floridsdorf, erhielt ich zwischen Oktober und Anfang Februar 1940 meine infanteristische Ausbildung zum Soldaten der Deutschen Wehrmacht. Meine Erkennungsmarke hat den Aufdruck 3. Kompanie/Schuetzen-Ersatz.Regiment 3/134. Diese Erkennungsmarke habe ich bis heute behalten. Der Barras hatte mich endgueltig vereinnahmt.
    Gefechtsmaessiges Exerzieren und Ueben auf dem damaligen UEberschwemmungsgebiet der Donau, nicht mehr existent, da dort heute die Donauinsel ist, war an der Tagesordnung. Die Ausbildung war in diesen ersten Jahren des Krieges sehr hart und effizient. Meine technische Fachausbildung war bei der Grundausbildung uninteressant. An der Tagesordnung stand unter anderem ein Tagesfussmarsch zum Truppenuebungsgelaende Allentsteig in Niederoesterreich, ca. 100 km von Wien entfernt. Die Befehle AUF, AUF, MARSCH MARSCH, PANZERANGRIFF, LUFTANGRIFF oder marschieren mit der Gasmaske mit vollem Gepaeck gehoerten zum taeglichen Brot.
    Eine Quaelerei waren auch die taeglichen Visiten und Spindkontrollen durch den Spiess der Kompanie. Er testete mit der Klinge des Dienstseitengewehrs, ob noch Staub, geschweige denn Dreck auf den Stiefelsohlen war. Wenn ja, Strafexerzieren. Ich hatte damals eine Paradeuniform mit den Schulterklappen 131. Wir nannten sie veraechtlich Sarasanijacke, weil wir Zirkusdirektoren damit glichen. Auch das Murmelspiel war beliebt - er legte eine Murmel auf die straff gezogene Bettdecke. Liess sich die Murmel leicht rollen, war alles in Ordnung, wenn nicht, hatte man verloren und Zusatzdienst winkte als Belohnung. Ich erhielt eine vollkommene und preussische Ausbildung. Auch wenn dies eine harte Zeit war und ich sie verfluchte, die Ausbildung hat mir spaeter sicher das Leben oefters gerettet.

Panzerregiment 3

Nach meiner Ausbildung wurde ich Bursche, Diener bei einem Leutnant. Meine Arbeit war es unter anderem auch fuer die Gattin des Offiziers einzukaufen und ihr zur Hand zu gehen. Diese fuer mich - fuer jeden Mann nachvollziehbar - angenehme Zeit endete mit meiner Versetzung zum Panzerregiments 3.
    Das Regiment wurde am 15. Mai 1935 unter dem Tarnnamen Reiter-Regiment (motorisiert) 12 in Dresden, im Wehrkreis IV, aufgestellt. Der Regimentsstab und die I. Abteilung wurden in Dresden stationiert. Die aus mehreren Reiter-Regimentern gebildete II. Abteilung wurde dagegen in Kamenz, ebenfalls Wehrkreis IV, stationiert. Das Regiment wurde der 1. Kampfwagen-Brigade des Kraftfahr-Kavallerie-Korps unterstellt. Am 15. Oktober 1935 wurde das Regiment in Panzer-Regiment 3 umbenannt. Das Regiment wurde jetzt der 2. Panzer-Division unterstellt. Als vorlaeufiger Standort des ganzen Regiment diente jetzt Kamenz. Das Regiment leistete zeitgleich auch Abgaben zur Aufstellung vom Panzer-Regiment 4. Im Herbst 1937 machte das Regiment Abgaben zur Aufstellung der I. Abteilung vom Panzer-Regiment 25 auf dem Truppenuebungsplatz Grafenwoehr, im Wehrkreis XIII. Mit dem Einmarsch in OEsterreich wurde das Regiment nach Wien-Moedling, in den Wehrkreis XVII, verlegt. Bei Kriegsbeginn bestand das Regiment aus zwei Abteilungen mit zusammen 62 Panzer I, 78 Panzer II, 3 Panzer III, 8 Panzer IV und 9 Panzerbefehlswagen. Nach dem Polenfeldzug verlegte das Regiment an die Westgrenze. Am 10. Mai 1940 bestand es aus 22 Panzer I, 55 Panzer II, 29 Panzer III, 16 Panzer IV und 8 Panzerbefehlswagen. Nach dem Frankreichfeldzug nahm das Regiment am Balkanfeldzug in Griechenland teil. Am 5. April 1941 standen dem Regiment hierzu 45 Panzer II, 51 Panzer III und 20 Panzer IV zur Verfuegung. Im Fruehsommer 1941 wurden die beiden Kolonnen des Regiments an den Divisions-Nachschubfuehrer 82 abgegeben und bildeten dort die 13. und 14. grosse Kraftwagen-Kolonne. Im Mai 1941 wurden die Schiffe, mit denen die Panzer vom Balkan an die russische Grenze verlegt werden sollten, versenkt, so dass das Regiment vollkommen neu ausgeruestet werden musste. Nach dem UEberfall auf die Sowjetunion war das Regiment am Angriff auf Moskau beteiligt. Bei Beginn der Sommeroffensive 1942 bestand das Regiment aus 22 Panzer II, 33 Panzer 38t, 20 Panzer III, 5 Panzer IV und 2 Panzerbefehlswagen. Das Regiment kaempfte bei Rshew und Orel. Am 10. Mai 1942 musste die I. Abteilung als III. Abteilung an das Panzer-Regiment 33 abgegeben werden. Das Regiment bestand danach nur noch aus der II. Abteilung. Am 1. Februar 1943 erfolgte die Aufstockung der II. Abteilung auf vier Kompanien. Ab dem 25. Maerz 1943 wurde die I. Abteilung auf dem Truppenuebungsplatz Sennelager aus Teilen des Feld-Regiments und der Panzer-Ersatz-Abteilung 4 wieder aufgestellt.  Sie sollte am 7. Mai 1943 zur schweren Panzer-Abteilung 507 umgegliedert werden, wurde aber am 30 Juni 1943 wieder zur I. Abteilung des Regiments und mit Panthern ausgeruestet. Zu Beginn des Unternehmens Zitadelle bestand das Regiment nur aus der II. Abteilung mit 12 Panzer II, 8 Panzer III mit kurzer KwK, 12 Panzer III mit langer KwK und 20 Panzer III mit 7,5-cm KwK. Dazu ein Panzer IV kurz, 59 Panzer IV lang und 6 Panzerbefehlsfahrzeugen. Nachdem das Regiment 1944 nach Frankreich verlegt worden war und in der Normandie und bei Falaise gekaempft hatte, war es dort vernichtet  worden. Nach der Neuaufstellung im November 1944 kaempfte das Regiment in der Ardennenschlacht. Zu deren Beginn bestand das Regiment aus zwei Abteilungen mit 24 Sturmgeschuetzen, 28 Panzer IV, 64 Panzer V Panther, 3 Flakpanzer 38, 4 Flakpanzer Wirbelwind und 4 Flakpanzer 4 mit 3,7-cm Flak. Nach der Ardennenoffensive kaempfte das Regiment in der Saarpfalz und in Franken. Fuer die Ersatzgestellung des Regiments war die Panzer-Ersatz-Abteilung 4 zustaendig.
Quelle: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Panzerregimenter/PR3.htm
    Ich kam bereits am 3.Februar 1941 in die Werkstaettenkompanie des Panzerregiments 3 in Brunn am Gebirge bei Wien. Dort sollte ich spezielle Panzerkenntnisse erhalten, die nun auch Ruecksicht auf mein technisches Grundwissen als KFZ Techniker nahmen. Ich bekam den letzten Schliff in der Ausbildung zum Panzersoldaten. Die fahrtechnische Lehre erhielt ich in Moedling bei Wien Maerz 1941 auf der von uns Kameraden so genannten Blutwiese in der Hinterbruehl. Ausbildungsschwerpunkte waren unter anderem das Koordinieren der Haende und Fuesse beim Lenken eines Panzers. Bei den damaligen Panzern wurde mit je einem Hebeln links und rechts des Fahrersitzes gelenkt, d.h. die Kettengeschwindigkeit wurde auf der jeweiligen Seite gesenkt oder beschleunigt und der Panzer damit gedreht bzw. abgebremst oder eben beschleunigt. Das Steuern eines Kettenfahrzeuges erforderte damals sehr viel Kraft. Die Fuesse bedienten unter anderem die Drehgeschwindigkeit des Turmes. Der spaetere Panzer VI Tiger besass statt der Lenkhebel bereits ein Lenkrad in Halbkreisform. Er liess sich wie ein PKW fahren.  In der Hinterbruehl wurde Panzerausstieg unter Beschuss geuebt. Die Ausstattung der Lehrkompanie bestand vorwiegend aus Panzer II und Panzer III, aber auch aus den hochwertigen und fuer die damalige Zeit sehr modernen Panzer IV mit der 7,5cm Kraftwagenkanone (kurz), der Stummelkanone, ausgebildet. Besonders die doppelgelenkten Tieflader fuer den Transport der Tiger und Teile waren schwer zu fahren. Es gab zwei Fahrer, die gegenlenken mussten, um um die Kurve zu kommen.
    Gleichzeitig wurde ich aber auch weiter in der Werkstaettenkompanie in Brunn am Gebirge, nach der Bahnuebersetzung der Suedbahn, heute (2001) ist dort ein Lagerplatz einer Strassenbaufirma, in der Reparatur der Motoren oder Panzerketten und anderen technischen Fragen gezielt ausgebildet.

PR 3 auf Vormarsch

Auf dem Balkan

Marschweg der 2. Panzerdivision

Maerz 1941 startete der Balkanfeldzug. Im Verband der 2. Panzerdivision bekam mein Regiment den Marschbefehl. Wir sollten am Angriff auf Jugoslawien und spaeter auf Griechenland teilnehmen. Die Einheit wurde mit der Eisenbahn  ueber Ungarn und Rumaenien, damalige Verbuendete des Deutschen Reichs, bis nach Bulgarien ans Schwarze Meer gebracht. Die Kampfhandlung in Jugoslawien waren rasch beendet und es ging nach Griechenland weiter. Am 8. April 1941 ueberschritt unsere Einheit die Grenze zu Griechenland. Ich konnte bis zu diesem Zeitpunkt nicht Motorrad fahren, aber als mich einer der befehlshabenden Offiziere fragte, ob ich auch als Kradmelder taetig sein kann, nahm ich mir kurzerhand ein, beim Vormarsch erobertes, englisches BSA-Motorrad fuer einige Runden zum Lernen durch das Gelaende. Ich erhielt am selben Tag den Befehl, als Kradmelder meiner Kompanie dem Panzerregiments zur Verfuegung zu stehen. Meine KFZ Techniker Ausbildung hatte mir erstmals geholfen. Als Fahrzeug dieses organisierte BSA-Motorrad. Ein angenehmer Nebeneffekt war, dass ich nicht mehr viel zu Fuss gehen musste.

Abfahrt von den Thermopylen

Es gab keine fuer mich nennenswerten Kaempfe in Jugoslawien. Es ging im raschen Tempo entlang der Kueste bis nach Griechenland hinein. Im Zuge dieser Kampfhandlung fiel mir auch eine Kodak-Kamera in die Haende, die ich bis heute besitze. Wir marschierten weiter ueber die Thermophylen und vorbei am Olymp, dem Sitz der alten griechischen Goetter. In Larissa waren zu diesem Zeitpunkt, es war der 7. Mai 1941, viele JU 52 und tausende deutsche Fallschirmjaeger stationiert. Niemand wusste aber warum. Es waren die Fallschirmjaeger, die eine Woche spaeter in Kreta abspringen sollten. Viele sind dort gefallen.

Metaxalinie

Die schwersten Kaempfe, die ich im Rahmen dieses Feldzuges um den 10. Mai 1941 erlebte, war die Einnahme der Metaxa-Linie, einer Festungslinie vergleichbar der Maginotlinie, die von den Griechen verbittert verteidigt wurde. Diese Anlage nahmen, nachdem wir mit den Panzern starke Feuerunterstuetzung gegeben hatten, oesterreichische Gebirgsjaeger unter schweren Verlusten.

Ich kehrte mit dem Befehl bei der Verladung des Ersatzteillagers der Kompanie auf die Bahn mitzuhelfen nach Saloniki zurueck.
    Im Mai 1941 gingen beim Seetransport von Patras nach Tarent die MS Kybfels und MS Marburg verloren. Dabei hatte die Division 56 Tote und 170 Vermisste zu verzeichnen. Wir verloren den Grossteil der technischen Ausruestung der Division. Nach der Ausfahrt in den Golf von Korinth wurden beide Schiffe oestlich Akra Doukaton vor Leukas durch Minentreffer versenkt. Es kamen viele gute Kameraden dabei ums Leben.
    Wahrscheinlich wegen dem schmutzigen Wasser, das wir in Griechenland bekamen, bekam ich die Ruhr. Damit war es aus mit dem Kradmelden, hatte mich so und so nie gefreut.
    In Larissa hatte ich ein bis heute unvergessliches Erlebnis. Unsere Kompanie hatte einen Hosenknopfappell im Freien, einen Appell, bei dem unsere Uniformen kontrolliert wurden. Zum Beispiel musste der linke Rand des Koppelschlosses in gerader Linie zur Jackenleiste stehen. Alles musste blitzen. Ploetzlich tauchten acht englische Jagdbomber auf und wir mussten Deckung suchten. Ich war unter einem Panzer gekrochen und beobachtete den Spiess der Kompanie, der in weisser Sommeruniform mit allerlei Lametta versehen, zu einem Graben rannte, hineinsprang, und dort Deckung suchte. Es war aber der Latrinengraben, in dem hinein die Soldaten ihre Notdurft verrichteten. Obwohl er dies wusste, sprang er ohne Zoegern hinein. Als der Angriff vorbei war, war es auch mit der weissen Uniform vorbei, und ueber und ueber mit menschlichen Faekalien bedeckt, stand der Hauptfeldwebel schreiend aus Wut mitten auf dem Appellplatz. Er hatte nun endlich die passende, braune Unform an. Ich konnte mir mein Lachen nicht verkneifen. Das sah der vor Zorn bebende Feldwebel natuerlich und wegen fehlendem Respekt durfte ich drei Tage in den Bau. Ehrlich gesagt, stoerte mich das nicht besonders, erstens war ich noch nicht ganz genesen, zweitens gab es dort kein Exerzieren, sondern nur Kartoffel schaelen, und drittens gab es wirklich gutes Essen dort ... Ich erholte mich schnell von meiner Ruhr, auch dank der drei Tage im Bau und erhielt den Marschbefehl nach Hause.
    Waehrend der Fahrt mit einem LKW durch Albanien und dem Kosovo Richtung Wien hatten wir eines Tages Gusto nach etwas anders als der Komissverpflegung und sahen vom LKW aus eine einzelne Kuh auf einen nahen Feld stehen. Wir gingen hin und schoben die Kuh vom Feld weg, um sie zu schlachten und zu essen. Da kam auf einmal die Baeuerin und schrie Allah, Allah, nicht schiessen, einzige Kuh, aber das hielt uns nicht ab, diese Kuh trotzdem zu schlachten. Der Baeuerin wurde von uns nichts gegeben, um ihren Verlust  wettzumachen. Noch heute denke ich mit schlechtem Gewissen an diese Begebenheit.
    Wir fuhren bis Triest, wo ich nach verpflichtender Standmeldung in der Stadtkommandantur von der Katastrophe der beiden Schiffe in der AEgaeis erfuhr.
    Ich bekam Weisung nach Wien weiterzufahren, um von dort bald nach Erlangen und Nuernberg zum Urlaub und Genesung weiterzureisen. Am 23. Mai 1941 kam ich in Wien an und hatte kurz Zeit, meine Eltern zu sehen und ihnen zu sagen, dass es mir gut ging, bevor ich nach Nuernberg weiterfuhr.
    In Nuernberg erhielten den Auftrag, nach Vichy-Frankreich zu verlegen. Dort erlebten wir aus dem Funk und den Zeitungen den erfolgreichen Angriff auf Russland in der Nacht vom 21. Juni 1941. In dieser Zeit hatte ich auch den wohlverdienten Fronturlaub von 28. Juni bis 31. Juni 1941. Ich fuhr nach Wien, meine Eltern besuchen. In Vichy-Frankreich war ich von August bis September 1941. Als Freizeitbeschaeftigung erhielten wir Autobusse und mit einem fuhr ich bis zur  spanischen Grenze, wo wir von spanischen Faschisten empfangen wurden und eine Einladung zu den Stierkaempfen in Bilbao erhielten. Es war ein interessante Abwechslung vom taeglichen Dienst. Es war eine schoene Zeit. Suedfrankreich
    Alles deutete darauf hin, dass wir dem Deutschen Afrikakorps 15. Panzerdivision -unterstellt werden sollten. Wir bekamen in Suedfrankreich eine Tropenausbildung. Unsere Ausruestung bestand nun aus Tropenhelmen und khakifarbene Uniformen. Unsere Panzer mussten wir sandfarben anmalen und mit Sandfiltern versehen. Wir rechneten mit Sonne und Wueste. Doch es kam anders ... Im September 1941 gab es den Verladebefehl und ich rechnete fest mit einem UEbersetzen nach Afrika. Wir wurden am 4.9.1941 ueber den Verladebahnhof in La Rochelle, ueber Paris und Leuven in Belgien transportiert. Wir unterstanden in dieser Zeit der 3. motorisierten Infanteriedivision.

In Russland

In diese Zeit faellt auch der Beginn des Unternehmen Barbarossa. In dieser Zeit unterstand ich mit meiner Einheit der 3. Infanteriedivison (mot.). Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen). Ich verbrachte 14 Tage im Zug.  Unser Regiment wusste noch immer nichts ueber unseren Bestimmungsort. Weiter am 15.09.1941 Hamburg, dann quer durch Polen. Wir erreichten die russischen Grenze. Der Vormarsch fuehrte durch Suempfe und ueber Knueppeldaemme immer ostwaerts. Ich sah die JU87 Stuka mit ihren Jerichotrompeten sich auf die russischen Stellungen stuerzen. Das Heulen war wirklich unheimlich. Es war in diesem Winter in Russland so kalt, dass an ein Urinieren im Freien nicht zu denken war. Viele sind erfroren.

Verwundung

Ich erhielt eines Tages den Auftrag, fuer schadhafte Panzer die Ersatzteile aus der Etappe zu holen. Es war in der Gegend von Tohogi, September 1941. Zurueck also zur Panzerersatzkompanie. Wir wurden auf der Rueckfahrt beschossen und von Stoerfliegern gejagt. Nach einem Reifenschaden an einem mit Panzerersatzteilen vollgeladenen LKW Saurer, mussten wir in einem  von verstreuten russischen Truppen verseuchtem Wald stoppen und die Reifen wechseln. Das Reifenwechseln funktionierte leider nicht so reibungslos, wie ich mir das gerne gewuenscht haette. Durch den Verlust des Doppelrades wurde auch ein Bremsklotz beschaedigt, und um diesen zu erneuern, musste ich extra nochmals zur Panzersatzkompanie zurueck.
    Um die fehlenden Teile, den LKW wieder flottzumachen, zu besorgen, musste ich zurueck. Nur wie? Es gab keine Transportmittel und auch keinen Funk, um sich die Teile nachbringen zu lassen. Zufaellig kam ein Kradmelder der Luftwaffe. Er liess mich aufsteigen. Ich machte den Fahrer darauf aufmerksam, dass wir immer wieder von russischen Naehmaschinen, Stoerfliegern, angegriffen wurden. Er solle auf keinen Fall die Scheinwerfer aufdrehen. Er ignorierte die Warnung und fuhr mit aufgeblendeten Licht. Ich hoerte auf einmal das vertraute Brummen am Himmel, als es auch schon eine scharfe Explosion gab. Ich spuerte noch mit der Zunge, bevor ich bewusstlos wurde, dass ich im Oberkiefer keine Zaehne mehr hatte, und sah, dass ich an den Beinen blutete.  Wie lange ich so dalag, weiss ich nicht mehr. Ich erwachte erst in einem Sanitaetskraftwagen (kurz: Sanka) mit vier Schwerverwundeten, und erfuhr, dass mich eine Kradmelderabteilung gefunden und abgeliefert hatte.  Was mit meinem Fahrer passiert ist, habe ich nie erfahren. Vermutlich hat er den Angriff nicht ueberlebt. Er sass vor mir und fing den Explosionsdruck und die Splitter wahrscheinlich ab.
    Von den vier Verletzten in dem Sanka  war einer ein Verwundeter mit einem Einschuss durch einen russischen Scharfschuetzen hinter dem linken Ohr. Er war ohne Bewusstsein, schrie nur hin und wieder auf. Weiters lagen noch zwei Schwerstverwundete, denen, wie ich mich erinnern kann, ein Mannschaftstransportwagen mit der Panzerwand auf die Fuesse fiel. Wir waren ein Jammertransport, der da 40 km ueber Knueppeldaemme bis ins Lazarett von Smolensk gefuehrt wurde. Jede Bewegung des Sanka war fuer uns Insassen eine Tortur. In Smolensk wurde ich von einem Generalstabsarzt ueberprueft, der alle Verletzten fuer den Transport Flugzeugen zuteilte. Mehrere Fluege waren bereits abgegangen und es gab zu diesem Zeitpunkt keinen Flieger Richtung Heimat. Ich erhielt den Befehl, mit dem Lazarettzug in die Heimat zu fahren. So kam ich am 11. Oktober 1941 nach Spremberg in der Niederlausitz zur Rehabilitierung. Dort wurde ich auch mehrmals am Kiefer operiert. Ich lag dort in einem Reservelazarett mit 25 anderen Maennern in einem Saal. Dort lag ich drei Monate bis 05.12.1941. Das Verwundetenabzeichen erhielt ich fuer die Verletzung nie. Fuer mein UEberleben im russischen Winter erhielt ich dafuer den Gefrierfleischorden.
    Das Fruchtbarste, was ich im Krieg erlebte, war nicht der Fronteinsatz. Das war die Zeit auf dem HVPl (Hauptverbandsplatz). Die Schreie und die Verwundungen kann man sich nicht vorstellen.
    Da ich mehrere Zaehne verloren hatte, ich in der Zunge und im Kiefer ein Loch hatte, dass nur langsam verheilte, hat mir eine russische AErztin an der Front ein silbernes Gebiss verpasst. Das ist dann spaeter so vereitert, dass ich lange Jahre, auch nach dem Krieg, daran laborierte.
    Nach meiner Gesundung wurde ich der 9. Panzerdivision zur besonderen Verwendung (kurz: z.b.V.) im Bereich der Panzerinstandsetzung zugeteilt. Ich hoffte, als ich den Befehl zur Versetzung erhielt, wieder zu meiner alten Abteilung, dem Panzerregiment 3 zu stossen. Aber das OKH, dem ich nun direkt als zbVler unterstellt war, entschied anders.  Ich wurde als dienstfaehig der Panzer-Ersatz-Abteilung 4 der Genesungskompanie meiner Einheit zugeteilt. Diese lag ebenfalls in Brunn am Gebirge bei Wien. Dezember 1941 bis Maerz 1942 auf der Westbahn war ich im Rahmen den Genesendenkompanie als bewaffnete Zugswache eingeteilt. Hauptsache war fuer mich in dieser Zeit jedoch, dass ich in der Naehe von Wien blieb und endlich gesund wurde. Dort feierte ich auch Kriegweihnachten 1941. Fruehjahr 1942 bekam ich den Auftrag, mich wieder bei der Kampfeinheit zu melden und wurde wieder zur Ausbildung, speziell im Handling des Panzer IV F mit der 7,5cm Kraftwagenkanone lang, geschickt. Ich schloss meine Ausbildung als Panzerfahrer in Wien-Neuwaldegg auf der Pfarrwiese ab.

Zurueck an die Front

Dann ging es von dort nach Polen weiter. Wo genau in Polen der Ort lag, wo mein naechstes Erlebnis stattfand, erinnere ich mich wirklich nicht mehr. Ich sah nur die ganze Nacht Kolonnen von Juden, die an dem gelben Stern erkennbar waren, entgegen kommen, begleitet von SS-Truppen als Bewacher. Die ganze Nacht ueber hoerten wir den Klang von Maschinenpistolen in Dauerfeuer. Naeheres konnte ich nicht sehen oder feststellen, was mit diesen Personen geschehen war. Vermutlich wurden sie erschossen. Diese Tatsache und auch die Judenverfolgungen oder gar der Holocaust war mir persoenlich bis nach Kriegsende nicht bekannt. Viele Freunde der Jugendzeit waren spaeter bei der Waffen-SS.

Im Brueckenkopf

Auf dem Transport Maerz 1942 Richtung 9. Panzerdivision, die auf Moskau vorstossen sollte, bekamen wir den Befehl ploetzlich abzusitzen.  Es waren ungefaehr 75 Mann von den verschiedensten Truppenteilen, die in einem Brueckenkopf bei Wosskresskensgoje eingesetzt wurden. Es gab einige Faehnriche (Offiziersanwaerter), die in den Kampfhandlungen alle gefallen sind. Ich wurde Vorort zum Obergefreiten ernannt. Ich sollte an der rechten Flanke eine Maschinengewehrstellung beziehen - ein Panzerfahrer als Infanterist und MG Schuetze. Ich war zwei Monate seit dem Maerz 1942, in denen es zwar einige Scharmuetzel gab, im Brueckenkopf. Es gab bis Mai 1942 keinen groesseren Angriff der Russen.
     Dann kam der 1. Mai 1942, der Tag der Roten Armee. Der Angriff brach los. 3-4 Kompanien Russen griffen unseren Brueckenkopf an. Ich war alleine ohne Ladeschuetze, dazu waren wir einfach zu wenig, doch ich konnte meine Stellung halten. Als Bewaffnung diente mir eine sMG 42. Als nach drei Tagen der Kampf nachliess, klaerte ich vor meiner Stellung auf. Es waren keine Feindbewegung mehr zu sehen. Ich sah in den Stacheldrahtrollen mehrere Koerper, auf denen Kraehen sassen. Sie begannen die Leichen anzupicken und die Augen aufzufressen. Ich richtete mehrmals das MG auf die Kraehen, da ich den Anblick nicht ertragen konnte. Einige Tage danach konnten wir Einvernehmen mit den Russen herstellen und wir begannen die Leichen und Verwundeten mit Panjewaegen einzusammeln. Ich fand einen russischen Verwundeten, einen blonden jungen Mann, dem eine Salve die linke Schulter zerfetzt hatte. Ich verband ihn und schickte ihn nach hinten. Was aus ihm geworden ist, kann ich nicht sagen.
    Bei den Nahkaempfen wurde alles verwendet, um sich den Russen vom Leib zu halten. Ich habe, soweit ich mich erinnern kann, einen angreifenden Russen mit der Leuchtpistole erwischt. Das kann man nicht verstehen, aber sonst waere ich dran gewesen. Nach den Kaempfen haben wir die gefallenen Russen durchsucht. Ich habe mir einen Muetzenstern und eine Offizierskoppel als Souvenir gesichert. Die besitze ich heute noch.
    Wir wurden dann von einer Granatwerferabteilung abgeloest. Als diese mit haengenden Koepfen nach vorne gingen, aehnelten sie Vieh, das zur Schlachtbank gefuehrt wurde. Jeder von uns, der ueberlebt hatte, konnte zu seiner Abteilung zurueckkehren.
    Im Zug der Kampfhandlungen war ich als Panzerfahrer eingesetzt. Eines Tages sollten wir einen Angriff fahren. Ich hatte grosse Angst und hatte aus Frankreich noch eine Flasche Cognac. Die habe ich in kurzer Zeit, um mir Mut zu machen. ausgetrunken. Ich war so besoffen, dass ich nicht mehr aufrecht stehen konnte. Meine Kameraden legten mich auf eine Zeltplane und zogen mich unter einem der nicht einsatzfaehigen Panzer. Dort schlief ich meinen Rausch aus und verschlief den Angriff. Ich wurde zur 9. Panzerdivision (?), dem Panzerregiment 3, weitergeschickt. Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen).

Abgeschossenes Sturmgeschuetz

Im Orelbogen

 Wir standen im Mittelabschnitt des Orel-Bogen im Mai 1942, wo wir mit ungefaehr 50 Panzer eine Front von 400 km zu halten hatten. Es gab keine Panzer zu fahren oder zu reparieren, und die Maenner, die neu zugeteilt wurden, hatten keinen Verwundungen, die zu heilen gewesen waeren (sic!).
    Eine unserer Aufgaben war es in dieser Zeit die umliegenden Waelder von Partisanen zu saeubern. Wir sollten Stellungen rechts von den befahrenen Wegen besetzen. Wir versteckten uns hinter den Baeumen, und als es Nacht wurde, verteilten wir uns in die Stellungen. Ohne es gemerkt zu haben, waren wir drei von den Feinden ueberrollt worden und hatten keine Moeglichkeit mit eigenen Truppen Kontakt aufzunehmen. Aus den Gebueschen heraus am Bauch liegend, sahen wir Gruppen Partisanen auf der Strasse marschieren, Maxim-MGs auf kleinen Waegen hinter sich herziehend. An einen Angriff war nicht zu denken, wir waren froh, nicht entdeckt zu werden. Die Nacht ging vorbei, und auf den Hauptwegen kamen deutsche Panzer. Wir gaben uns zu erkennen und konnten aufsteigen.

nach der Schlacht - Vorder- und Rueckseite

Wir kamen wieder zurueck auf die Rollbahn. Smolensk, Kursk, Orel zaehlten zu den naechsten groesseren Staedten, durch die ich durchkam. Wir wurden angehalten, langsam auf den staubigen Strasse zu fahren. Die Staubwolke machte die russische Ari immer auf uns aufmerksam.
    Einmal bekamen wir den Auftrag im Orel-Bogen, einen Panzer mit angeblichen Vorgelegeschaden abzuschleppen. Ein liegen gebliebener russischer T34, der keinen Turm nach deutschen Beschuss mehr besass, eignete sich als Bergepanzer perfekt. Jedoch als ich mich den abzuschleppenden deutschen Panzer naeherte, erlebten wir eine unangenehme UEberraschung. Der Panzer war vollkommen durchloechert. Es war, soweit ich mich erinnern kann, ein Panzer IV. Die Russen hatten eine deutsche 8,8cm Flak erbeutet und den Panzer und natuerlich auch die Besatzung schwer getroffen. Der Panzer war innen durch Koerperteile der Besatzung bespritzt und mit Blut ueberstroemt. Vorort bekamen wir noch Feuer von einer russischen Granatwerferkompanie, die darauf gewartet hatte, dass eine Einheit zur Bergung heranrueckte. Der Panzer wurde gesprengt.
    Im September 1942 sollte unsere Truppe die 6. Deutsche Armee beim Angriff auf Stalingrad unterstuetzen. Schwere russische Artillerie erwartete uns und verhinderte dieses Vorhaben.
    In Briansk wurde ich eines Tages waehrend einer Vormarschpause unserer Panzerkolonne zum Wachdienst eingeteilt. Ich erkannte eine russische Naehmaschinen mit abgestelltem Motor den Ort umkreisen. Ein Soldat verliess gerade sein Quartier, um sich eine Zigarette anzuzuenden. Der Pilot der Naehmaschine sah die glimmende Zigarettenspitze. Zwei Panzerbesatzungen haben in dem Haus gerade biwakiert, und achteten nicht auf das Flugzeug. Sie schliefen tief und fest. Ich ging gerade am Ortsausgang auf Kontrolle, konnte meinen Posten nicht verlassen, als ein heftiger Knall ertoente. Das Quartier stuerzte mit allen Soldaten im Inneren zusammen. Sie starben alle.
    Ich wurde, als wir die Reste beseitigt hatten, zur Totenwache eingeteilt. Die Beerdigung sollte in der Frueh des naechsten Tages erfolgen, bis ich hinwies, dass bei einem der gefallenen Soldaten der Kopf fehlte. Die Suche nach dem Kopf verlief ergebnislos. Ich wurde zu Unrecht beschuldigt, dass ich nicht richtig aufgepasst haette, und wurde dazu verurteilt, die ganze Nacht ueber die Toten anzusehen. Diese Strafe werde ich nie vergessen. Der Kopf tauchte nicht mehr auf. Tiere, besonders Pferde, haben sehr gelitten im Krieg.

Panzerregiment 33

    Ich wurde mit 16. Mai 1942 in die Panzerwerkstaette des Panzerregiments 33 versetzt. Das Panzer-Regiment 33 wurde am 2. Februar 1940 fuer die 9. Panzer-Division aufgestellt. Der Regimentsstab wurde aus dem Stab vom Panzer-Regiment Conze, in der Feldpostuebersicht als Panzer-Regiment z.b.V. der 8. Panzer-Division bezeichnet, aufgestellt. Die I. Abteilung wurde aus der ehemaligen Panzer-Lehr-Abteilung aufgestellt, welche im Polenfeldzug beim Panzer-Regiment 5 als III. Abteilung angegliedert war. Die II. Abteilung wurde durch die Eingliederung der Panzer-Abteilung 33 aufgestellt. Mitte 1941 wurden die Kolonnen der beiden Abteilungen vom Regiment an den Panzer-Divisions-Nachschubfuehrer 60 abgegeben und bildeten dort die 13. und 14. grosse Kraftwagen-Kolonne. Am 10. Mai 1942 wurde eine III. Abteilung aus der I. Abteilung des Panzer-Regiments 3 gebildet. Am 9. Januar 1943 wurde die II. Abteilung in Panzer-Abteilung 51 umbenannt. Die III. Abteilung wurde am 8. Mai 1943 ohne die 10. Kompanie zur schweren Panzer-Abteilung 506. Am 4. Januar 1944 erhielt das Regiment wieder seine II. Abteilung durch die erneute Umbenennung der Panzer-Abteilung 51 zurueck. Anfang 1944 wurde das Regiment durch die Reserve-Panzer-Abteilung 7 aufgefrischt. Im Mai 1944 wurde die II. Abteilung der Panzer-Brigade 10 unterstellt und mit dem Panzer V ausgeruestet. Bei der Werkstatt-Kompanie der II. Abteilung war ab Juni 1944 der 1. Zug fuer den Panzer V zustaendig. Ab August 1944 war der 2. Zug der Werkstatt-Kompanie fuer den Panzer IV zustaendig. Am 26. September 1944 wurde die Panzer-Abteilung 2105 eingegliedert. Im Oktober 1944 wurde das Regiment bei Arnheim erneut aufgefrischt.Fuer die Ersatzgestellung des Regiments war zuerst die Panzer-Ersatz-Abteilung 4 zustaendig. Ab dem 1. Juni 1940 war die Panzer-Ersatz-Abteilung 33 fuer diese Aufgabe zustaendig. Quelle: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Panzerregimenter/PR33.htm   
Eines nachts bekamen wir den Befehl, puenktlich um 2300 in die Frontlinie zu fahren. Es musste ohne Licht gefahren werden, um die Russen nicht auf uns aufmerksam zu machen. Es war sehr schwer zu fahren, da nichts auszunehmen war. Zwischen den Panzern fuhren auch Pferdegespanne, Kradmelder und andere Fahrzeuge. Ploetzlich waren zwischen den Fahrzeugen andere Einheiten hinzugekommen, ohne dass wir das wussten. Da kam es zu einen traurigen Zwischenfall. Bei einem groesseren Auflauf sind drei Kradmelder von einem anderen Panzer ueberrollt worden. Alle drei tot. So etwas kam jedoch leider oefters in Bereitstellung vor. Die Panzerbesatzung des betreffenden Tanks war fuer den Angriff natuerlich nicht mehr verwendbar. Sie wurden aber auch nicht strafrechtlich verfolgt.
    Es war im Mittelabschnitt 1942 Winter, als unsere Panzerabteilung rausgezogen wurde und zwar wurde meine Stabskompanie in Schklow gelagert, damit wir uns etwas erholen konnten, das hiess Erholen bei einer Aussentemperatur von -38 Grad Celsius. Die Haeuser waren voller Wanzen.

    Dort lernte ich einen Russen kennen, der bei uns als Hilfswilliger (kurz: Hiwi) eingestellt war und mit dem ich, da er verhaeltnismaessig gut deutsch sprach, einen guten Kontakt hatte. Er lud mich dann oefters in seine Huette ein, wenn ich Ausgang hatte. Da war es einmal, dass ich, um dort in der Huette Licht zu machen, einen Kanister mit uebriggebliebenen Panzersprit mitnahm, damit wir es uns gemuetlich machen konnten. Er gab mir dafuer zu essen, Speck und andere Kleinigkeiten. Es wurde spaet in der Nacht. Als ich mich dann in der Dunkelheit auf den Heimweg machte, sprang mich ein grosser, schwarzer Hund an. Ich hatte Glueck und packte ihn an den Vorderpfoten, sodass er mich nicht mehr beissen konnte. Ich drehte mich und schleuderte den Hund weg, weg an die Mauer eines Bauernhauses. Ich zog meine Pistole 08 und schoss dem Hund nach. Er lief jaulend davon. Angeblich haben die Partisanen, so erfuhr ich nach dem Krieg, im Mittelabschnitt Hunde abgerichtet, um Deutsche zu toeten. Am letzten Abend, nach einem Besuch bei dem Russen, als ich zur Einheit zurueckging, wurde auf mich aus dem Hinterhalt geschossen, wahrscheinlich ein weiterer vergeblicher Versuch, den verhassten Deutschen zu toeten. Damit hatten meine Ausfluege ein jaehes Ende gefunden.

Kriegsweihnacht

    Ein weiteres Erlebnis aus diesem Zeitraum im August 1942 war folgendes: Ein OEsterreicher, ein Burgenlaender, namens Franz R., gab laut vor uns Kameraden an, dass er in einem Bauernhaus mit der 08-Pistole zwei Russinnen, Mutter und Tochter, gezwungen hatte, mit ihm zu schlafen. Spaeter erfuhr ich, dass er sich woanders eine Geschlechtskrankheit geholt hatte. Er wurde abgeholt, wahrscheinlich in ein Straflager geschickt, aber nicht wegen der Vergewaltigung, sondern wegen Wehrkraftzersetzung.
    Wir wurden in der Folge zum Entsatz der Stalingrad Armee bereitgehalten. Dieser Vorstoss fand jedoch in Folge niemals statt. Ausserdem gab es schweren Regen Oktober 1942 und die Strassen waren auf Grund Schlamms nicht benutzbar. Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen).
    Als aber der Umfassungsring der Russen nicht mehr zu durchbrechen war und es fuer uns kein Durchkommen gab, dann war es auch mit dem Panzerregiment 33 zu Ende. Unsere Kompanie wurde zur Neuaufstellung einer Tiger-Abteilung verwendet. Unsere Einheit aus Russland war fast aufgeloest und die meisten Landser gefallen.

506. Schwere Panzerabteilung

Ich wurde am 11. Juni 1943 der neu aufgestellten 506. Schweren Panzerabteilung zugeteilt. Zuerst der 2. Kompanie als Fahrer (sic!), das machte mir nichts aus, da ich ja gelernter Mechaniker bin und die Einschulungen nicht in Russland, sondern in Deutschland erfolgten. In Folge wurde ich dann jedoch bald der Stabskompanie zugeteilt.
    Auf einem Heimaturlaub habe ich die Frau eines Majors kennengelernt. Diese hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Ihre Mann war im Stab einer Einheit im Heimatgebiet. Wir kamen uns naeher. Ploetzlich merkte sie, dass ihr Gatte die Stiegen heraufkommt. Ich packte meine Stiefel und die Uniform und sprang halbnackt aus dem Fenster im 1. Stock. Dank meiner preussischen Ausbildung habe ich den Sprung gut ueberstanden.
    In dieser Zeit faellt das Unternehmen Zitadelle. Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen). Am Morgen des 12. Juli 1943 begann der heftige Gegenangriff auf die Stellungen des II. SS-Panzerkorps vor Prochorowka.
   
Waehrend dieser Offensive befand ich mich in Deutschland. Dort wurden wir auf die neuesten Modelle der deutschen Panzer, dem Panzer VI Tiger ausgebildet.  Es war ein Erlebnis, dass mich auch technisch faszinierte. Der Tiger hatte ein 10 Gang-Getriebe, einen Benzinmotor, der uns noch oft Schwierigkeiten machen sollte, und wie bereits erwaehnt, statt der Lenkhebeln ein halbes Lenkrad. Zur weiteren Ausbildung kam ich nach Frankfurt, mit dem Auftrag meiner Einheit nach Paderborn-Sennelager, ins dortigen Panzerlager nachzufahren. Die Ausbildung dauerte ca 2 Monate. Dort wurden wir mit dem Tiger weiter bekannt gemacht. Ich lernte den Maybach-Tigermotor richtig kennen, lernte die Vergaser einstellen und das Service fuer die OElgetriebe. Ich besitze die Fahrer- und Mechanikerausbildung fuer den Tiger.  Im August 1943 bekamen wir in Warburg unsere Tiger. Der uns zugeteilte bekam von uns Wienern den Spitznamen Steffl nach dem Wiener Stephansdom. Wir haben einen Stephansdom vorne aufgemalt. Als Abteilungswappen haben wir ein grosses W (Wien), das Wiener Wappen und einen Tiger, der sich darauf stuetzt, gefuehrt.

Diese 506. Schwere Panzerabteilung unterstand direkt dem OKH, dem Oberkommando der Wehrmacht und war Liebkind des Fuehrers und diente zur besonderen Verwendung. Die sah so aus, dass wir alles Frontluecken stopfen sollten und langsam als Feuerwehr ausbrannten. Unser Kommandant (Name wurde seitens des Verfassers nicht genannt) hatte einen Schaeferhund. Der Offizier trug einen Rohrstab, mit dem er staendig auf seine Stiefel seitlich klopfte. Der Tiger war eine maechtige Maschine und Waffe. Innen war er komplett weiss angestrichen. So blieb er nicht lange.

   Fahreransicht - TIGER

Die Abteilung wurde am 8. Mai 1943 in St. Poelten, Wehrkreis XVII, aufgestellt. Die Abteilung wurde als schwere Tiger-Abteilung der Heerestruppe mit 3 Kompanien aus der III. Abteilung des Panzer-Regiment 33 der 9. Panzer-Division aufgestellt. Zwischen dem 16. und 27. August 1944 empfing die Abteilung 45 Tiger. Zwischen dem 9. und 12. September 1943 wurde die Abteilung in den Osten verladen. Zwischen dem 17. und dem 20. September 1943 erreichte die Abteilung Zaporozhe. Hier wurde die Abteilung dem XVII. Armeekorps unterstellt. Am 20. Oktober 1943 waren nur noch 7 von 36 Tigern einsatzbereit. Die verbliebenen Tiger wurden am 25. Dezember 1943 nach Kirowgrad verladen. Vom 29. bis zum 30. Januar 1944 erhaelt die Abteilung 12 Tiger geliefert und verfuegt so ueber insgesamt 22. Am 4. Februar 1944 bricht die Abteilung unter der 1. Panzerarmee aus dem Kessel von Tscherkassy und Korsun aus. Am 9. Februar 1944 erhaelt die Abteilung wieder 5 Tiger. Am 1. Maerz 1944 gibt die Abteilung die wenigen verbleibenden Tiger an die schwere Panzer-Abteilung 503 ab und verlegt zur Neuausruestung nach Lvov. Zwischen dem 29. Maerz und 8. April 1944 empfaengt die Abteilung 45 Tiger. Vom 2. bis zum 10. April 1944 wird die Abteilung bei der 100. Jaeger-Division eingesetzt. Am 31. Mai 1944 wird die Abteilung mit 41 Tigern der Heeresgruppe Nordukraine unterstellt. Am 27. und 28. Juli 1944 werden die 6 verbliebenen Tiger an die schwere Panzer-Abteilung 507 abgegeben. Am 15. August 1944 ergeht der Befehl zur Verlegung nach Ohrdruf zur Ausruestung mit Tiger II. Zwischen dem 20. August 1944 und dem 12. September 1944 wird die Abteilung mit 45 Tigern II ausgeruestet. Zwischen dem 22. September 1944 und dem 24. September 1944 erreicht die Abteilung Arnheim und wird dem II. SS-Panzerkorps unterstellt. Die Abteilung wird auch im Raum Aachen eingesetzt. Am 20. Oktober 1944 sind noch 18 von 35 Tigern II einsatzfaehig. Am 2. November 1944 werden vom II. SS-Panzerkorps 2 Tiger II uebernommen. Am 8. Dezember 1944 wird aus der Panzer-Kompanie Hummel eine 4. Kompanie mit Tiger I aufgestellt. Zwischen dem 8. und 13. Dezember 1944 erhaelt die Abteilung wieder 12 Tiger II. Insgesamt befinden sich damit 47 Tiger bei der Abteilung. Ab dem 21. Dezember 1944 wird die Abteilung bei Bastogne in der Ardennenoffensive eingesetzt. Die Abteilung ist bei der 7. Armee eingesetzt. Ende Januar 1945 wird die Abteilung mit nur noch 30 Tigern zur Auffrischung herausgezogen. Am 16. Februar 1945 verlaesst die 4. Kompanie die Abteilung mit 5 Tigern I. Am 15. Maerz 1945 wird die Abteilung mit 15 Tigern II der Heeresgruppe B unterstellt. Nur 2 davon sind einsatzfaehig. Am 20. Maerz 1945 erhaelt die Abteilung 7 Tiger II von der schweren SS-Panzer-Abteilung 501. Am 14. April 1945 wird die Abteilung von ihrem Kommandeur in Iserlohn aufgeloest. Fuer die Ersatzgestellung war die Panzer-Ersatz-Abteilung 500 zustaendig.   
Quelle: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/PanzerAbt/PanzerAbt506-R.htm

Zurueck in Russland - es hatte uns schon seit einiger Zeit kein Nachschub mehr erreicht. Wir mussten in Slobzowo (Ort nicht feststellbar) die Panzer des Regiments zuruecklassen. Wir sprengten 28 Panzer, unter anderem Tiger, damit sie nicht in russische Haende fallen konnten. Es blieb uns nur ein Kranzug und ein Abschleppwagen, mit dem alle Panzer nicht zurueckgeschleppt werden konnten. Die restlichen Besatzungen gingen mit anderen Truppenteilen zurueck und ich blieb mit vier Mann, darunter auch dem spaeteren Schwager meiner Frau, zurueck, um die Panzer zu vernichten.  Zwei Mann mussten arbeiten, zwei Mann durften schlafen. Geschlafen wurde in einem Bauernhaus in der Naehe. In der kurzen Zeit dort lernte  ich auch die Vorteile einer einfachen russischen Sauna kennen, bei der nach der Hitzeperiode mit Schnee eingerieben wird, und dann mit Birkenruten die Durchblutung wieder gefoerdert wird. Wahrscheinlich haben die Russen deswegen nicht den Panzerplatz angegriffen, da sie auf Grund der Anzahl der Tiger vermuteten, einem Regiment mit voller Besetzung gegenueber zu liegen.
    In Erinnerung bleiben mir die vielen Wanzen und Fliegen, die ueberall in diesen kleinen russischen Hoefen und zu Hause waren. Das Klima hat das noch unterstuetzt. Seit 1942 gehoerte auch Karl P. zu meiner Einheit. Er heiratete spaeter die Schwester meiner Frau und wurde mein Schwager. Wir vereinbarten, um den Speiseplan aufzubessern, ein Wildschwein zu jagen. Ich schickte den Karl in ein kleines Tal, auf dass er  mir die Wildschweine auf den Huegel treiben sollte, damit ich sie mit dem Karabiner 98k erlegen konnte. Karl selbst bekam die Pistole 08. Nur die Schweine wollten nicht so wie wir und liefen ins Tal auf den Karl zu. Nur mit einer Pistole bewaffnet konnte er nichts ausrichten, und er suchte schnellstens Deckung vor den Wildschweinfurien auf dem naechsten Baum. Dort habe ich ihn zitternd vorgefunden.  Nichts war mit unserem Essen. Und Karl ist bis heute auf mich wegen den Schweinen schlecht zu sprechen.

Saporoschje 1943

Stansilav 1944 (rechts)

Tiger - heute - Munster

Das Wechseln der Kette beim Tiger war Schwerstarbeit. Die Zylinder im Maybach-Motor HL 230 P 45, 12-Zylinder-Ottomotor; Hubraum 23 l, 515 kW (700 PS) (erste 250 Exemplare: Maybach HL 210 P 45 mit 478 kW (650 PS) hatten unglaubliche Ausmasse. Unangenehm war es, abgeschossene Panzer zu bergen. Oftmals waren darin die UEberreste der Besatzungen. Die wurden geborgen, soweit moeglich. Aber sehr oft nicht mehr. Noch heute kann ich keine Birken sehen, sie erinnern mich an die unzaehligen Holzkreuze, die wir in Russland fuer Freunde aufgestellt haben.

Kriwoi Rog 1943

Vermisst

Es geschah eines Tages, dass ein russischer Stosstrupp von ca. 20 Mann zu dem Haus kam, in dem wir schliefen. Wir waren nur mehr zwei Deutsche, die hier untergebracht waren. Die Frauen, die im uebrigen das Beste Einverstaendnis mit uns hatten und das Haus noch immer bewohnten, weckten mich und meinen Kameraden und machten uns auf den Trupp aufmerksam. Wir sollten das Haus durch den Hintereingang verlassen und uns unter einem Strohdach verstecken, dass uns Tanja und ihre Schwester ca. 150m entfernt vom Haus errichtet hatte. Aber es war zu spaet. Der einzige Ausweg war der Kohlenkeller, und wir zwei versteckten uns unter den Kohlen. Dort lagen wir nun mit der Maschinenpistole in der Hand, und warteten, dass die Russen das Haus wieder verlassen. Wir hoerten, wie die Russen die beiden Frauen als Hiwis bezeichneten, als deutschen Freiwillige und dann die Frauen vergewaltigten, jedoch nicht toeteten. Unfaehig etwas zu unternehmen, ohne selbst getoetet zu werden, musste ich zuhoeren, als die Frauen schrien. Die Russen liessen erst nach einiger Zeit von den Frauen ab. Der Trupp verschwand dann, ohne die Frauen zu toeten und nachdem er die Huette gepluendert hatte. Die Frauen kamen zu uns, als die Russen weg waren und fuehrten uns in den Wald. Die Frauen begleiteten uns ca. zwei Monate durch die Waelder an Partisanen und regulaeren Truppen vorbei. Wir ernaehrten uns von einem Speck, den die Russinnen noch hatten. Ich sah russische Vormarschwege und viele gefangene deutsche Soldaten, die zurueckgetrieben wurden. Ploetzlich hoerten wir deutsche Kommandoworte und wir sahen uns deutschen Soldaten gegenueber, die auf uns zukamen. Da wir mit deutschen Soldaten in unserem Aussehen nichts mehr gemein hatten, hielten wir die Haende hoch und gaben uns mit Zurufen zu erkennen. Wir wurden aufgegriffen und sofort zum Stab gebracht  und nach eingehender Befragung wieder zu unseren Einheiten zurueckgebracht. Die Frauen blieben nach Befragung unserer Einheit als Hiwis zugeteilt. Ich wurde fuer das EK II. Klasse vorgeschlagen, dass ich jedoch nicht bekam, weil ich zur Ordensverteilung nicht erschien. Ich habe in dieser Zeit viele Kilo abgenommen. Wir waren wieder am Leben.

Wieder bei den Kameraden (4. von links)

In Saporoshje war ich 1943. Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen). Die Sogenannten DO-Werfer oder Stuka zu Fuss waren furchtbare Waffen. Beim Abschuss gaben sie ein unverwechselbares Geraeusch von sich.
    Bei Treffern auf der Panzerung war es als wuerde man mit einem Holzhammer eine auf den Kopf bekommen. In Saporoshje war einer unser Hauptstuetzpunkte. Dort war auch eine Zeitlang unsere Werkstaette untergebracht, die diese Treffer dann ausbesserte.

im Kessel - Tscherkassy, 1944

Da faellt mir ein weiteres Erlebnis ein. Beim Rueckzug aus Russland, bereits an der ungarisch-russischen Grenze wollte uns eine SS-Streife unter Waffengewalt aufgehalten, damit wir ihre Fahrzeuge, die im Schlamm steckten, rausziehen sollen. Die Russen im Nacken und dann zielten die eigenen Leute auf uns! Wir waren mit vier Mann gut besetzt und begannen ein Feuergefecht mit der SS-Streife und fuhren, waehrend wir feuerten, rechts in die Felder. Als Abschiedsgeschenk habe ich noch eine Handgranate geworfen. Da unsere Kette gut in Schuss war, hatte wir keine Schwierigkeiten uns durch das Feld davon zumachen. Ich habe nur selten etwas von diesem Vorfall erzaehlt.

Lazarett Lemberg

UEber Budapest fuehre uns der Weg zurueck in den Westen. Im Juni 1944 hatte ich wieder Heimaturlaub.

Tiger 1944

In den Niederlanden

Arnheim

September 1944 landeten Fallschirmjaeger in Arnheim. Im Landmarsch wurde die 506. Schwere Panzerabteilung dorthin geschickt. Ich war Ende September in Arnheim. Schwere Gefechte mit den Englaendern. Wir hatten damals schon den Koenigstiger.
    Auf dem Anmarsch hatten wir Fliegeralarm. Die LKWs, mit denen wir unterwegs waren, hatten Seitenfenster in der Groesse 50 mal 50 cm. Als die Flieger aufkamen, haben wir die LKWs stehen gelassen, und es geschafft, mit voller Ausruestung durch die Seitenfenster einen Sprung in den Graben zu machen. Angst kann auch schlank machen.

Ardennenoffensive

Wir lagen dann 1944 in der Hocheifel, um unsere Panzer im Rahmen der Ardennenoffensive ueber die Eifel zu fuehren. Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen). Ich bekam November 1944 die Schwarzsucht und musste drei Monate ins Lazarett und auf Genesungsurlaub. Im Jaenner 1945 hatte ich meinen letzten Heimaturlaub.
    Ich war mit meinen 25 Jahren bereits ein altes Frontschwein.

Arnheim 1944 - im Graben (zweiter von links)

Przemyzl, August 1944

Hatte die Ostfront ueberlebt. In der Zeit an der Westfront hatte ich folgendes Erlebnis. Als wir die Fahrzeuge in einem Wald abstellten, begann alliiertes Artilleriefeuer auf  uns, schwere Brocken. Ich lief zum Waldrand, und sah, dass dort deutsche Infanteristen ihre Kleidung und Unterwaesche  zum Trocknen sichtbar fuer alle am Waldrand aufgehaengt hatten. Ein wunderbares Ziel fuer die Alliierten. UEber uns kreiste ein Flugzeug, wahrscheinlich ein Artilleriebeobachter. Ich fluechtete aus dem Wald, da ich sonst sicher gefallen waere. Knapp neben dem Wald fuehrte ein Feldweg vorbei. Als ich ins Freie lief, sah ich zwei Kettenhunde, Feldgendarmerie. Ich erklaerte ihnen, ich war zu dieser Zeit bereits Stabsobergefreiter, dass ich mich in einem drei Kilometer entfernten Kommandostab zu melden haette. Sie glaubten mir nicht. Ich hob daraufhin die MP und entsicherte eine Handgranate, die ich im Guertel hatte. Ich warf sie, waehrend ich ueber den Feldweg in ein Feld weiterlief. Was aus den Kettenhunden geworden ist, kann ich nicht sagen, sie waren verschwunden und sicher noch am Leben, als ich zurueckkam. Ich erreichte meine Einheit wieder, wo alles zerstoert war. Ich kam durch Glueck davon, unsere Panzer waren alle zerfetzt. Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen).

Wir lagen spaeter mit den Resten unserer Einheit im Raum Eickweiler, Gelsenkirchen. Es kam kein Nachschub und die Panzer mussten sich in den Waeldern verstecken. Wir konnten uns nur naechtens ungehindert bewegen. Jagdbomber waren staendig auf der Jagd nach uns. Da wir zu diesem Zeitpunkt nichts zu essen  hatten, mussten wir organisieren. Einige unsere Kameraden waren in den benachbarten Haeusern organisieren. In dieser Zeit fiel auch ein Angriff von P-38-Lightning. Diese Doppelrumpfmaschinen waren sehr schnell und sehr beweglich. Wir hatten grossen Respekt vor den Jaegern. Ich hatte auf einer 18to-Zugmaschine eine Vierlings-2cm-Flak montiert, und diese war sehr behilflich beim Abwehrkampf gegen diese Tiefflieger. Ich schoss auf eine der P-38, erwischte sie aber nicht.
    Es gab einen Angriff von ca. 600 Bombern in der Naehe und die Erde bebte. Zum Begleitschutz gehoerten eben die P-38, und so kamen wir zum Handkuss. Die meisten sind in die Waelder gelaufen, nur die Infanterieeinheiten sind weitermarschiert, und deswegen auch die meisten gefallen. Ich war unter anderem auch in Hamm an der Sieg.

Rueckzug nach Deutschland

Ruhrkessel

Mai 1945 Iserlohn. Ruhrkessel. Weiter kamen wir mit den Panzern nicht mehr. Anmerkung des Editor (Hier sind zeitliche Luecken in den Aufzeichnungen).

Tieflader

Die Einheit war damals im Ruhrkessel gefangen. Wir hatten kein Benzin mehr fuer unsere Tiger, und die Kompanie bekam Befehl,  als Infanterie in Einsatz zu gehen. Wir haben in Bombentrichtern all unsere Orden, Papiere und Unterlagen der Abteilung in Munitionskisten vergraben. Dann stellten wir die Fahrzeuge im Wald ab, sprengten die Innenteile und wir wurden zum Marsch aufgestellt. Auf dem Marsch fiel mir ein Sanka auf, der mit offenen Tueren dastand. Drei Kameraden und ich schlugen uns noch vorher die Arme oder Beine an Kanten blau, dann gipsten wir uns gegenseitig ein. Wir waren nun verwundet durch die P-38. Die Franzosen waren bereits in der Naehe und wir wurden kurz darauf gefangengenommen. Nachdem ich sie ueberzeugt hatte, kein SS-Mann zu sein, die Totenkoepfe auf den Uniformen der Panzerfahrer war sehr leicht zu verwechseln, zeigte ich ihnen noch die stehen gebliebenen Koenigstiger. Damit war es fuer mich erledigt. Ich ging in Gefangenschaft. Ich war bei Gefangennahme Unteroffizier (sic!).

Gefangenschaft

            Ich wurde mit hunderttausenden anderen Soldaten in die Rheinwiesenlager gebracht. Wir litten dort grossen Hunger. Die Amerikaner machten sich einen Spass, uns zu quaelen. Ich bekam einmal eine Zigarette, die mich aufgrund des grossen Hungers sofort bewusstlos machte. Die Franzosen warfen lebende Hunde und Katzen ueber den Zaun. Besonders Schaeferhunde waren beliebt. Wir zerrissen die lebendigen Tiere mit den Fingern. Katzen schmeckten wie Hasen, wenn man Hunger hat. Viele Kameraden starben am Hunger.
    Beim Appell vor den Franzosen hatten wir die Wahl zwischen Fremdenlegion und Freiheit oder Gefangenschaft. Ich waehlte die Gefangenschaft. Die Gefangenschaft der Franzosen war sehr hart. Ich wurde zur Arbeit bei einem Bauern im Elsass eingesetzt. Dort war es zwar hart, aber es ging mir besser. Als OEsterreicher hatte ich es zu diesem Zeitpunkt schon besser. Am 23.11. endete meine Kriegsgefangenschaft in Frankreich.
    Ich kam am 3. April 1946 in Wien-Matzleinsdorf an. Ich hatte bei meiner Rueckkehr knapp 50 kg bei einer Koerpergroesse von 1,81cm. Ich habe aber ueberlebt, und das zaehlte.
    In den fruehen 80er Jahren bekam ich vom OEsterreichischen Bundesministerium fuer Landesverteidigung eine Vorladung. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich mich im Falle eines Angriffes auf OEsterreich aufgrund meiner Spezialausbildung als Panzertechniker bereithalten muesste, einberufen zu werden. Ich habe mich entschieden dagegen ausgesprochen. Ich werde niemals wieder in den Krieg ziehen. Fuer wen auch immer.
    Die ersten Aufzeichnungen wurden 2001 angefertigt. Franz E. war zu diesem Zeitpunkt noch am Leben. 2009 habe ich mir erlaubt, den Text zu ueberarbeiten und mit Informationen aus meiner Erinnerung und der meiner Familie an Erzaehlungen meines Vaters zu ergaenzen.

Werdegang laut WASt:

Deutsche Dienststelle (WASt) fuer die Benachrichtigung der naechsten Angehoerigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht

Erkennungsmarke
1138 Sch.Ers.Rgt 3/134 (3. Kompanie Schuetzen-Ersatz-Regiment 134)

Truppenteile
Oktober 1940
3. Kompanie Infanterie-Ersatz-Battalion I/134 Wien

10.10.1940 bis 04.01.1941
2. Kompanie Infanterie-Ersatz-Battalion I/134 Wien

04.01.1941 bis 21.01.1941
1. Schuetzen-Ersatz Kompanie I/134 Wien

03.02.1941
Werkstatt Kompanie Panzer-Regiment 3

11.10.1941
Lazarettaufenthalt Reservelazarett 103 Spremberg Erkrankung Zugang von der Truppe
Abgang 05.12.1941 zur Panzer-Ersatzabteilung 4 Wien

11.10.1941
unterstand der 3. Infanteriedivison (mot.)
Einsatzraeume
Februar/Juni 1941 Heimat, Juli/August 1941 Ostrow, Luga, September 1941 Demnjansk, Oktober 1941 Roslawl, Juchnow

16.05.1942 bis 10.06.1943
Panzer Werkstatt Kompanie Panzer-Regiment 33
Unterstand der 15. Panzer-Division
Einsatzraum Mai 1942 bis Juni 1943 Afrika

11.06.1943 bis 01.04.1944
Stabskompanie Panzer-Abteilung 506

02.04.1944 bis 29.08.1944
Werkstatt Kompanie Panzer-Abteilung 506

09.09.1944 bis 28.12.1944
Versorgungs-Kompanie Panzer-Abteilung 506

15.04.1945
Panzer-Abteilung 506
Die Abteilung unterstand der Heerestruppe
Einsatzraeume: Mittelrussland, 1944 Nordurkraine, September 1944 Aachen, Eifel

Dienstgrad laut Meldung
15.04.1945 Obergefreiter

Kriegsgefangenschaft
15.04.1945 bis 25.03.1946
In Iserlohn in franzoesische Gefangenschaft
Heimkehr in Innsbruck


Wuensche, Beschwerde, Anregungen

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