Bericht über Grönland
'Was du willst nach Grönland? Dort ist es doch nur kalt, nichts wächst dort, und überhaupt; dort gibt´s doch nichts zu sehen.' So ähnlich hörten sich oft die Kommentare an wenn ich erzählte, was mein nächstes Reiseziel war.
Und eines hatten Alle gemeinsam: Sie waren noch nie dort! Schon das machte mich neugierig, noch nie hab ich jemanden getroffen, der selbst in Grönland war.
Es war schon Anfang September, als ich endlich im Flugzeug von Ottawa nach Kangarlussuaq saß. Was wird mich erwarten. Wird schon Schnee liegen? Werden mich die Leute freundlich aufnehmen oder ablehnen? Viel hab ich schon über das Land gelesen, aber in dem Moment wo es wirklich ernst wird erscheint alles nur mehr wirr und zusammenhanglos. Aber was würde man sich schon von Österreich erwarten wenn man das Land nur aus Büchern kennen würde. Vielleicht wär man enttäuscht weil kaum jemand Lederhosen an hat, und die Sennerinnen beim Kuhmelken nicht jodeln. Genauso enttäuscht ist jeder, der nach Grönland kommt und sich in Pelz gekleidete Wilde erwartet die das ganze Jahr im Iglu leben
So komme ich also in Kangarlussuaq an und bin gleich von der Natur beeindruckt. Kaum eine Stunde zu Fuß vom Flughafen entfernt weiden Karibous und Moschusochsen. Das Wetter ist herbstlich, überall findet man Heidelbeeren, Preiselbeeren und Birkenpilze. Die 180 km nach Sisimiut sind eine beliebte Trekkingroute und das Wetter spielt auch noch mit. Oft würde ich mir sogar wünschen, dass es ein bißchen kälter wäre, denn dann würde ich nicht bei jeden Schritt bis zu den Knöcheln im Sumpf versinken. Aber wenigstens gibt es keine Mücken mehr zu dieser Jahreszeit. Nach gut einer Woche sehe ich das erste mal wieder richtige Häuser. Ich leiste mir 2 kleine Bier für rund 150 Schilling. Am nächsten Tag treffe ich Jakob vom Kajakclub Sisimiut. Er kann mir nicht nur viel über den Kajaksport in Grönland erzählen, er ladet mich sofort zu sich nach Hause ein und borgt mir sogar sein Kajak. Dazu muss man wissen dass Jakob mehrfacher grönländischer Meister ist und er mir einfach so sein Wettkampfboot borgt. Vorsichtig zwänge ich mich durch die enge Sitzluke. Das Wasser ist eiskalt und das Boot ist nur etwa 50 cm breit. Ein bißchen Ängstlich probier ich ob ich nicht gleich bei der ersten Bewegung kenter. aber ich bin überrascht wie stabil das Boot im Wasser liegt. nur wenige Paddelschläge und ich fahr mit einer Geschwindigkeit dahin..., ich bin einfach begeistert. So ein Boot möchte ich auch haben!
Nach gut einer Woche in Sisimiut fällt mir schon der Abschied schwer, so viele Freunde hab ich gewonnen. Mit den Küstenschiff geht's weiter nach Ilulisat. Ilulisat heißt Eisberg, und die kleine Stadt macht ihren Namen alle Ehre. Durch die Vermittlung von Jakob lern ich gleich wieder einen der besten Kajakfahrer Grönlands kennen. Carl ist Fischer, das Kajakfahren ist aber auch für ihn nur Sport. Als Jagdfahrzeug hat das Kajak ausgedient, aber praktisch jeder größere Ort hat einen Kajakclub. *) Eindrucksvoll ist es den Sportlern beim Training zuzusehen, wenn sie auf zig verschiedene Arten die Kenterrolle üben, und das bei Wassertemperaturen um 0°C! Einmal im Jahr finden dann grönländische Meisterschaften statt, jedes Jahr an einem anderen Ort.
Ein anderes traditionelles Fahrzeug gehört aber immer noch zum grönländischen Alltag. Trotz aller Motorschlitten verzichten die Grönländer nicht auf ihre Hundegespanne. Der Grund liegt vor allen in der Sicherheit. Schnell ist man mit einem Motorschlitten 50 oder 100 km von der Ortschaft weg. Wenn dann etwas kaputt geht kann man nur noch zu Fuß zurückgehen. Schlittenhunde finden sogar vollkommen selbständig den Weg zurück. So leben auch heute noch in vielen Städten mehr Schlittenhunde als Menschen. Streicheltiere sind das aber nicht gerade, darüber lassen sie mit ihren Wolfsgeheul gleich gar keinen Zweifel aufkommen.
Obwohl mich meine Reise jetzt immer weiter nach Süden bringt holt mich der Winter immer wieder ein. Als ich Anfang November das Land wieder verließ, konnte man bereits den Fjord bei Narsarsuaq auf der Eisdecke überqueren. Wenn ich so übers zugefrorene Meer gehe und an die Schlittenhunde weiter im Norden denke, wird mir erst bewusst wie mobil die Menschen jetzt sind. In Gegensatz zu uns gibt es hier kein Schneekaos. Transportprobleme entstehen nur durch das fehlen einer geschlossenen Schneedecke.
Wie geplant hab ich zu Hause mit dem Bau eines Grönland Kajaks begonnen. Das Gerüst ist schon fertig. Ich bin gespannt ob sich mein Boot zumindest annähernd so gut fahren lässt wie die Boote in denen ich in Grönland probegesessen bin.
Kontaktperson zum Bau von Grönland Leinenkajak: helmigo@hotmail.com
*) In Qaanaaq, der nördlichsten grönländischen Siedlung wird sogar wieder vom Kajak aus gejagt. Leider bin ich nicht bis dort hin gekommen. Von Ilulisat nach Qaanaaq sind es noch einmal rund 1000 km!
