Der kleine Drache „Nopsrudubsl“

Es war einmal ein kleiner Drache, der hieß „Nopsrudubsl“.
Jeder lachte den kleinen Drachen „Nopsrudubsl“ aus, weil er „Nopsrudubsl“ hieß.
Der kleine Drache „Nopsrudubsl“ war darüber so traurig, dass er
weinend zu seiner Mami lief.
Seine Mami hieß Mama „Nopsrudubsl“ und sein Papi hieß Papa „Nopsrudubsl“. Der kleine Drache lief also weinend zu seiner Mami
und erzählte ihr, dass alle anderen Drachenkinder so schöne Namen haben und Ihn immer wegen seinem Namen auslachen. Er musste dabei ständig niesen, weil traurige Drachen immer niesen müssen.

Mama „Nopsrudubsl“ tröstete ihren kleinen „Nopsrudubsl“ und erzählte ihm, warum alle Drachen in ihrer Familie „Nopsrudubsl“ heißen. „Weißt Du mein liebes Kind“ sagte Mama geheimnisvoll „Nopsrudubsl ist ein Zaubername“.
„Nopsrudubsl“ machte große Augen und lauschte gespannt, während seine Mami erzählte. „Wenn Du unseren Namen ganz schnell 3 mal aussprichst, dann kannst Du fliegen! Alle anderen Drachen haben zwar auch Flügel, aber wir „Nopsrudubsl“ sind die einzigen auf der ganzen Welt, die fliegen können!“. „Auf eins-zwei-drei sprichst Du mit mir unseren Namen 3 mal ganz schnell aus“.
Mama „Nopsrudubsl“ sagte eins-zwei-drei und dann wiederholten sie beide drei mal schnell ihren Namen. „Nopsrudubsl“ „Nopsrudubsl“ „Nopsrudubsl“ Plötzlich begannen die Flügel wie von Zauberhand zu schlagen und beide Drachen erhoben sich in die Lüfte.

„Nopsrudubsl“ flog mit seiner Mama über die Wälder, über die Seen, über die Flüsse, über die Dächer der Häuser und über die Menschen hinweg. Er flog mit seiner Mama in die weißen Wolken und juchzte vor Freude ganz laut. „Hurra, ich kann fliegen“ schrie er in den blauen Himmel hinein. Nachdem die Beiden ganz lange geflogen sind, wurden sie etwas müde. Sie steuerten eine weiße flauschige Wolke an und ruhten sich darauf aus.

„Mama, warum können die anderen eigentlich nicht fliegen?“ fragte „Nopsrudubsl“, als er entspannt auf seiner Wolke lag. Seine Mama erzählte ihm die geheime Geschichte der Ur-Drachen. „Früher, weißt Du, da konnten alle Drachen fliegen und der ganze Himmel war voller fliegender Drachen. Es gab keine leere Wolke mehr und somit auch keinen Regen. Die Erde wurde immer trockener und trockener und alle Pflanzen verdörrten. Die Flüsse trockneten aus und kein Lebewesen auf der Erde hatte etwas zu trinken. Da entschlossen sich die Drachen-Weisen, dass nur mehr eine Familie fliegen kann und die anderen wieder auf der Erde bleiben müssen. Der älteste Zauberer wurde gerufen und verzauberte alle Drachen, bis auf zwei, in Erd-Drachen. Die Flügel blieben zwar, wie bei den Hühnern, aber so sehr sie sich bemühten, sie konnten nicht mehr fliegen.

Die auserwählten Flugdrachen (ein Drachenmann und eine Drachenfrau) bekamen jeweils den Namen „Nopsrudubsl“ und wenn sie drei mal ihren Namen ganz schnell aussprachen, dann erhoben sie sich in die Lüfte. Die zwei „Nopsrudubsl“ hatten aber die Aufgabe, sobald die Menschen auf der Erde erscheinen, deren Kinder glücklich zu machen. Viele Millionen Jahre sind nun vergangen und noch heute sind wir „Nopsrudubsl“ auf der Welt die einzigen Flugdrachen, die sich um traurige Kinder kümmern.“ Klein „Nopsrudubsl“ lächelte und freute sich nun so sehr, über seinen Namen, dass er wie verrückt auf seiner Wolke zu tanzen begann. Kein anderer Drache würde ihn je ärgern können, denn er war ein
„Nopsrudubsl“. 
Nach ein paar Stunden sagte Mama „Nopsrudubsl“ zu ihrem Kleinen, dass es schon sehr spät sei und sie heim fliegen müssten. Wieder sagten sie drei mal schnell ihren Namen „Nopsrudubsl“ „Nopsrudubsl“ „Nopsrudubsl“ und flogen wieder zu ihrer Dracheninsel.
Die Jahre vergingen und aus dem kleinen „Nopsrudubsl“ wurde ein großer und stattlicher „Nopsrudubsl“. Er hatte eine blitzblank geputzte Zauberkugel, mit der er in die Zimmer von traurigen Kindern blicken konnte. Diese Zauberkugel bekam er zu seinem 16. Geburtstag von einer kleinen Elfe geschenkt.

Unser „Nopsrudubsl“ saß also am Abend in seinem Drachenhaus und blickte wie jeden Tag in seine Zauberkugel.

Da sah unser Drache zwei weinende Kinder in der Zauberkugel. Er wartete, bis es dunkel wurde und flog dann geschwind zum Haus, wo die beiden weinenden Kinder wohnten.

„Nopsrudubsl“ klopfte ans Kinderzimmerfenster, aus dem ihn dann vier erstaunte weit aufgerissene Augen anblickten. Er lächelte und sagte „Hallo Ihr Kinder, ich bin „Nopsrudubsl“ und ich bin gekommen, damit ihr wieder lacht!“.

Die Kinder mussten ihm einen Stuhl reichen und er begann zu jonglieren.

Die beiden Kinder quietschten und lachten vor Freude, als sie dem Drachen „Nopsrudubsl“ beim jonglieren zusahen.

„Wie heißt Ihr und warum wart Ihr so traurig?“ fragte „Nopsrudubsl“ die Kinder besorgt. Der kleine Bub, der in seinem blauen Pyjama vor dem Fenster stand und seinen Stoffhasen in der Hand hielt, stellte sich und seine Schwester vor.
„Ich heiße Frederik und das ist meine Schwester Susi mit ihrer Puppe Stupsy “. Das kleine Mädchen in dem getupftelten blau-weißem Nachthemd strahlte den Drachen an und zeigte ihm ihre Lieblingspuppe Stupsy. „Und warum wart Ihr so traurig?“ wiederholte „Nopsrudubsl“ nochmals seine Frage. „Unsere Mama ist krank und der Doktor findet keine Medizin damit sie wieder gesund wird“, sagte Frederik leise.
„Nopsrudubsl“ runzelte seine Stirn und dachte nach. „Wir müssen zum alten Zauber-Drachen fliegen, der kann Eurer Mami bestimmt helfen! Steigt auf meinen Rücken, dann kann es losgehen!“. Frederik und Susi stiegen auf den Rücken von „Nopsrudubsl“ und sie flogen in die Nacht hinein. Es war eine sternenklare Nacht und der Mond schien hell, sodass die Kinder alles genau sehen konnten.

Sie blickten auf die Häuser herunter, die immer kleiner wurden.

Sogar der Stadtturm war ganz winzig. Lautlos schwebten „Nopsrudubsl“ und die Kinder von einem Ort zum anderen, bis sie auf die Dracheninsel kamen. Die Insel war ganz versteckt im Meer – wer das Zauberwort nicht wusste, konnte nicht zur Insel gelangen. „Nopsrudubsl“ flüsterte ganz leise das Wort „NopsrudubsldrachenschokoladeneismitSahne“ und plötzlich erschien eine Insel mit vielen Bäumen und Felsen.

Da es so dunkel war, konnten die Kinder leider fast nichts erkennen. Der Drache landete sanft mit den Kindern auf der Insel vor dem „Nopsrudubsl“- Drachenhaus. Bevor sie sich auf die Suche nach dem Zauber-Drachen machten, mussten sie sich aber ausschlafen. „Gute Nacht Kinder, träumt was schönes“, mit diesen Worten deckte „Nopsrudubsl“ die Kleinen zu und sang ihnen noch ein Drachenschlaflied. „Schlaft Ihr Drachen schlaft ein, im Bett ist’s ja sooo fein...“
Am nächsten Tag erwachten die drei frisch und munter und „Nopsrudubsl“ zeigte den Kindern die Dracheninsel. Frederik und Susi kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, denn so schön hatten sie sich diese Insel gar nicht vorgestellt. Es gab einen schönen See und einen Wasserfall und ganz viele Vögel, die singend herumflogen.

Elfen schwirrten herum und zauberten die schönsten Farben überall hin.

Da die anderen Drachen Langschläfer waren, sah man außer „Nopsrudubsl“ keine wachen Drachen. Ein Geschnarche war in der Luft, dass die Kinder ihr Kichern nicht unterdrücken konnten.

Die Suche nach dem Zauberdrachen war gar nicht so einfach, da dieser sich gerne versteckte. „Nopsrudubsl“, Frederik und Susi suchten den ganzen Tag, bis es schon wieder dunkel wurde. Als die drei schon mutlos wurden, begegnete ihnen ein freundlicher Geist, der seine Hilfe anbot. Der kleine Geist hieß Zwurlipurli und sein Hobby war Leute zu erschrecken. Da Zwurlipurli aber dabei immer so freundlich aussah, gelang ihm das nie.

Zwurlipurli gab das Erschrecken auf und führte die drei zur Zauberdrachenhöhle, wo er sich wieder verabschiedete. „Hallooo, Zauberdrache! Bist Du daaaaa?“ rief „Nopsrudubsl“ in die Höhle hinein. Alle drei horchten gespannt, aber kein Laut drang aus der Höhle. Also gingen sie unerschrocken hinein, wo sie den schlafenden Zauberdrachen namens Merlin trafen.

„Nopsrudubsl“ tippte Merlin leicht auf die Schulter und pfiff ihm eine Melodie ins Ohr. Nach fünf Minuten öffnete Merlin seine Augen und sah „Nopsrudubsl“ und die Kinder verwundert an. „Warum weckt Ihr mich, wenn ich so schön von Schokoladeneis träume?“ fragte er gähnend. „Nopsrudubsl“ erklärte dem Zauberdrachen alles und sofort war dieser gar nicht mehr müde. „Ihr müsst als erstes die Fleischfressende Pflanze Krack suchen und die sagt Euch, wo die Zauberpflanze ist, die Eurer kranken Mama hilft!“ Nachdem Merlin dies gesagt hatte, fiel er wieder in einen tiefen Schlaf. Man konnte ihn rütteln und schütteln, er wachte nicht mehr auf.
„Nopsrudubsl“ schnappte die Kinder und ging mit ihnen aus der Höhle, um das zu tun, was Merlin ihnen geraten hatte. „Wo kann Krack nur sein?“ grübelte „Nopsrudubsl“ vor sich hin. Da erschien ein seltsames Monster, das vom kleinen Geist geschickt wurde, um „Nopsrudubsl“, Frederik und Susi zu helfen. Bevor das violette schleimige Monster mit der Sprache rausrückte, streckte es mal ganz lange die Zunge raus. „Bähhhhhhhhhhh!“ ertönte es und dann kam ein lautes Lachen.

„Nopsrudubsl“ wurde langsam ungeduldig und blickte das Monster streng an. „Ich helfe Euch ja, muss aber die Zunge rausstrecken, wenn ich nachdenke, das hilft mir halt!“. Endlich hatte das Monster fertig gedacht und führte „Nopsrudubsl“ und die Kinder zur fleischfressenden Pflanze Krack.

Krack sah zwar sehr gefährlich aus, war aber eine ganz liebe Pflanze, die nur Fliegen verspeiste. Sie holte einen Zauberstein und gab ihn „Nopsrudubsl“.

„Du musst diesen Stein 5 mal hochheben und dabei die Augen schließen, dann erfährst Du, wo die Zauberpflanze ist!“. Mit diesen Worten verschwand Krack. „Nopsrudubsl“ tat, was Krack ihm befohlen hatte und plötzlich standen sie vor der Zauberpflanze. Die Pflanze strahlte so hell, dass der Mond richtig eifersüchtig wurde und sich bei „Nopsrudubsl“ beschwerte.

„Aber lieber Mond, durch diese Pflanze wird die Mama von Frederik und Susi wieder gesund, sei nicht böse!“. Natürlich ließ sich der Mond wieder besänftigen und versprach, nicht mehr eifersüchtig zu sein. Jetzt wurde es aber höchste Zeit, dass „Nopsrudubsl“ mit den Kindern heim flog. Frederik und Susi kletterten wieder auf seinen Rücken und in Windeseile flogen sie von der Dracheninsel weg. „Nopsrudubsl“ flog so schnell er konnte und in einer halben Stunde (das war sein Rekord) waren sie wieder in ihrem Haus.

Die Kinder schlichen sich ins Schlafzimmer ihrer Mutter, vorbei am schlafenden Vater, der vor lauter Arbeit und Kummer um die Mama am PC eingeschlafen war.

„Psst, ganz leise“, flüsterte Frederik und schob „Nopsrudubsl“ und seine Schwester zu seiner Mama. Frederik nahm vorsichtig die Blume und hielt sie unter Mamas Nase.

Mama schnüffelte an der Zauberblume und öffnete ihre Augen. Sie lächelte und umarmte ihre Kinder. „Was ist geschehen und wer ist dieser Drache?“. „Mama, Du warst ganz fest krank und „Nopsrudubsl“ ist unser Drachenfreund. Er hat mit uns die Zauberblume gesucht, damit Du wieder gesund wirst!“. Mama stand auf und machte ein paar Kniebeugen. „Ich fühle mich wirklich schon wieder gesund, hab mich eigentlich noch nie besser gefühlt!“.
„Hubert, wach auf, ich bin wieder gesund!“ rief Mama und rannte ins Wohnzimmer. Sie weckte den schlafenden Papa, der vor lauter Glück mit Mama durch die Wohnung tanzte.

„Nopsrudubsl“ bekam zur Belohnung sein Lieblingseis und verabschiedete sich von einer überglücklichen Familie.

Wer weiß, vielleicht kommt "Nopsrudubsl" auch eines Tages zu Euch, wenn ihr euch mutlos fühlt? "Nopsrudubsl" ist nämlich ein ganz fleissiger Drache, der nichts lieber tut, als Kindern zu helfen. Ihr habt hoffentlich genug Schokoladeneis im Haus!
Autorin: Sylvia Mitterer