Der Tisch spricht!
Den Tarocksitten aus dem 19. Jahrhundert (siehe weiter unten) möchte ich meine persönliche Wunsch-Spielkultur voranstellen, schließlich spielen wir mit Damen und Königen...
A) "Was kann ich wissen?"
1. Die Regeln.
2. Ob du dran bist. Dann musst du entweder was sagen (bitte laut und deutlich),
oder was tun!
3. Wieviele Tarock gefallen sind.
4. Welche Farben bereits gespielt wurden.
B) "Was soll ich tun?"
1. Dir nicht in die Karten schauen lassen. Wörtlich.
2. Achtsam sein.
2. Nichts verraten, auch nicht durch Mimik und Gestik. Schon gar nicht bei Ouverts
(s. Titel dieser Seite).
3. Zügig spielen! (schnell werfen, schnell denken - aber nicht unbedingt
in dieser Reihenfolge).
4. Als Vorhand überlegen, welche Karte du ausspielen wirst, sobald das
Lizit beendet wird..
5. Tipps geben. Vorwürfe sind keine Tipps.
6. Entspannt, ehrlich und mutig (raus aus der Staude) bleiben. Schließlich
bist du hier in Tarockanien - du weißt schon, dieses seltsame Land, wo
Könige regieren (gleich vier), der Kaiser sticht, und doch der Narr der
Mächtigste ist.
C) "Was darf ich hoffen?"
Den Mond zu fangen,
Ruhm zu erlangen,
dem Alltag entrinnen,
den Sieg zu erringen,
Den König oder den Pagat ultimieren,
oder wenigstens ein paar Damen zu schmieren.
Vor allem aber: zu genießen und lachen!
- und manchesmal einen Valat zu machen.
Kurz und gut:
Spiel aufmerksam, schnell, mutig und klug - und vergiss nicht aufs "weiter!",
und bleib dabei: ehrlich, humorvoll, gelassen und heiter!
siehe auch: Taroquette
des Tiroler Tarockcups (Tipps für entspanntes Spiel)
Tarock(un)sitten aus dem 19. Jahrhundert
Schon im Jahre 1821 stellten verdrießliche
Eigenschaften die Geduld der Mitspieler auf die Probe, von denen manche auch
im 21. Jahrhundert nichts an Aktualität verloren haben!
Zum Schmunzeln (und auch um sich vielleicht
ein wenig ertappt zu fühlen) hier ein kleiner Auszug:
aus: Theoretisch-praktische Anweisung zur gründlichen
Erlernung des beliebten Tarok-Tappen-Spiels,
sowohl durch genaue Bestimmung aller Regeln und Feinheiten, als auch durch die
Beobachtung und Auseinandersetzung mehrerer angeführter, sehr schwieriger
Beyspiele.
Herausgegeben von einem genauen Kenner. Wien und Prag, 1821.
Bey Carl Haas, Buchhändler:
... A. Einleitung.
Wir setzen voraus, daß Jeder, der das Tarok-Tappen nach dieser Anweisung
gründlich erlernen will, sowohl die Figuren, als auch die auf alle Spiele
anwendbaren Hauptregeln bereits kennen werde, nähmlich:
1. Nichts zur Unzeit zu sprechen.
2. Die Karte so geschickt an sich zu halten,
daß kein Mitspieler hineinsehen könne.
3. Nicht voreilig zuzuwerfen.
4. Nicht aus Unachtsamkeit Fehler zu begehen, wohin besonders
das Nichtwissen: an wem das Ausspielen oder Karten geben sey ? gehört.
5. Nicht durch langweiliges Ordnen, zweifelhaftes Legen und wechselweises,
unnöthiges Anziehen der Karten, durch zu vieles Besinnen,
durch Rechthaberey, und dergleichen oft sehr verdrießliche
Eigenschaften, die Geduld der Mitspieler auf die Probe zu stellen.
6. Nicht ohne hinlängliches Geld sich an den Spieltisch zu setzen, und
überhaupt im Spiele nichts schuldig zu bleiben. ...
aus: Gründliche und leichtfaßliche
Anleitung zur baldigen Erlernung des beliebten Tarock-Königrufen, oder
die Kunst, dasselbe in kurzer Zeit nach Regeln und Beispielen theoretisch und
praktisch spielen zu lernen.
Von einem alten Praktikus. Wien, 1840. Im Verlag bei Singer
& Goering.
... Benehmen beim Spiele (S. Einleitung) ...
- Fertigkeit im Kartengeben, schnelles Ordnen der Blätter, gehöriges
und schnell besonnenes Ansagen der Spiele, richtiges Ausspielen
und Zugeben der Blätter ohne langes Besinnen und zweifelhaftes
Anziehen (sogenanntes Zupfen) sind unerläßliche Bedingnisse,
um nicht die Geduld der übrigen Mitspieler auf zu harte Proben zu stellen.
- Durch Gebehrden oder Mienen die Wichtigkeit eines Kaufes
oder ausgespielten Blattes verrathen, oder Unwillen
zeigen, wenn schlecht oder nicht nach Wunsch ausgespielt worden ist
- eine Karte voreilig zur Zugabe schon bereit halten - und viele andere
derlei Gebräuche sind sich nicht anzugewöhnen, und wenn dieß
geschehen wäre, wieder abzulegen.
- Wer im Gewinne übermüthig und im Verluste mürrisch wird, gilt
für einen unangenehmen Gesellschafter. Jener, welcher alles besser wissen
und immer kritisiren will, wird sich als anmaßend bloß stellen.
- Man trachte daher nach Kräften beizutragen, damit der Zweck erreicht
werde, nämlich um einige freie Stunden im Frohsinn und Vergnügen zuzubringen...
aus: Nie ohne Pagat Ultimo!
Neue Winke und Vortheile beim Tarokspiel und dem
so beliebten Königrufen. Nebst einer Anleitung zum Lhombre und
Boston.
Von Christian Vanderheid. Wien, 1855. Verlag von Albert A.
Wenedikt.
... Beim Mischen und Geben der Karten gehört eine gewisse Fertigkeit, die sich Männer von gutem Ton noch bevor sie sich zum Spieltsich setzen, eigen machen sollen; denn es gibt für den Zuschauer nichts Unangenehmeres als ein ungeschicktes Umgehen mit dem Talon, oder plumpes Uebereinanderstopfen der Karten beim Mischen, wodurch die Karten leicht schadhaft, folglich kennbar gemacht werden können, so wie durch das Herausfallen und Umwerfen eines Blattes unbedingt Störungen eintreten müssen. ...
Zum Abschluss noch ein Zitat aus Siegfried Hackls "Tarock für Jedermann" (1950):
... "Kein Spieler ist unfehlbar. Bedenke dies wenn du Fehler machst und erst recht bei den anderen!" ...
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