Diese Seite ist Teil der Homepage von Thomas Knob aus Österreich. - Letzte Änderung 27.1.2019


Vorbemerkung:
Dieses unentgeltlich zur Verfügung gestellte Kompendium dient dem Verfasser und seinen Schülerinnen und Schülern vor allem als Vorlage für den gymnasialen Schulunterricht im Wahlmodul "Journalismus" und erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Fehlerlosigkeit. Es ist hemmungslos eklektizistisch und will Hilfestellung für Lehrende und Lernende, nicht Wiedergabe eigener Forschungen sein. Quellenangaben werden, soweit dies möglich ist, beigegeben. Sollten diesbezüglich (oder anderweitig) Fehler bzw. Unterlassungen passiert sein, so möge dies bitte nachgesehen und über die beigegebene Mailadresse gemeldet werden. So bald wie möglich werden Korrekturen erfolgen.

 

 

EINFÜHRUNG IN DEN JOURNALISMUS UND
DAS ÖSTERREICHISCHE MEDIEN-, V. A. TAGESZEITUNGSWESEN, 1. TEIL

(Kapitel 1-6, mit LINKS ins Internet)

 

 


Kapitel 1 - Kapitel 2 - Kapitel 3 - Kapitel 4 - Kapitel 5 - Kapitel 6 (= TEIL 1) - Kapitel 7

Kapitel 8 - Kapitel 9 - Kapitel 10 - Kapitel 11 - Kapitel 12 (= TEIL 2) - Materialien - Home
 

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Fragen und Kommentare an thomas.knob@chello.at

 

 


 

 


INHALTSVERZEICHNIS,
BEIDE TEILE

 

 

 

  1. Kapitel: Allgemeines ø
  2. Kapitel: Entwicklung des österreichischen Tageszeitungsmarktes ø
  3. Kapitel: Journalistische Darstellungsformen
ø
  4. Kapitel: Journalistische Ethik und Verantwortung
ø
  5. Kapitel: Das Interview
ø
  6. Kapitel: Wirkungen der Massenmedien
ø
  7. Kapitel: Medien und Kommunikation ø
  8. Kapitel: Der Journalist - mögliche Berufsbilder
ø
  9. Kapitel: Die Arbeit des Zeitungsjournalisten
ø
10. Kapitel: Das österreichische Medienrecht
ø
11. Kapitel: Publikumsforschung in Österreich
ø
12. Kapitel: Die Glosse
ø

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 1

  Allgemeines:


 

Für allgemeine Informationen vgl. die Homepages des Verbandes österreichischer Zeitungen und des Vereins "Zeitung in der Schule" und The Austrian Media Pages. Sehr informativ: Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart. Für Textrecherchen vgl. die Seite der Wiener Universitätsbibliothek Online Journals. Diskussionen zu einzelnen Aspekten im okto-Medienquartett.

Ein für österreichische Verhältnisse unverzichtbares Standardwerk ist seit 2008 Harald Fidlers Österreichische Medienwelt von A bis Z (Falter-Verlag); vgl. auch die dazugehörige Webseite www.diemedien.at!

 

Definitionen::

Journalismus bezeichnet die periodische, auf Öffentlichkeit abzielende, publizistische Arbeit in den Bereichen online, Presse, Rundfunk.
Medien (unterschieden in Printmedien, elektronische Medien, digitale Medien) bezeichnet die Gesamtheit der gedruckten bzw. gesendeten Kommunikationsmittel (Informationsträger) bzw. der sie produzierenden Organisationsformen.
Rundfunk bezeichnet die Informationsübertragung durch elektromagnetische Wellen im Bereich Hörfunk und TV. Internet wird im allgemeinen Sprachgebrauch als eigene Sparte betrachtet (digitalisierte Onlinemedien).

 

- "PRESSE" = ältestes Massenmedium. Früher: alles Gedruckte ("Druckpresse"!), ab 19. Jh. Einengung des Sprachgebrauchs auf Periodika. Heute: Unterscheidung Zeitung / Zeitschrift (beides fixiert in Wort und Schrift; Unterschiede in der Länge des Erscheinungsintervalls und der Einschränkung der abgedeckten Themenbereiche)

- 4 Merkmale: Publizität / Aktualität / Universalität / Periodizität

- Funktionen: Information - Meinungsbildung - Unterhaltung - Orientierung - soziale Integration - Bildung - Kontrolle ("4. Gewalt")

- Etymologie: "Zeitung" < tidinge (mnl. / mnd. Lehnwort im 14.Jh. in der kölnisch-brabantischen Handelssphäre; damalige Bedeutung: Nachricht, Mitteilungsbrief)

- Nicht periodische Vorfahren: Flugblätter, Flugschriften, einblättrige Mitteilungen etc.

- Periodische Vorfahren: Zunächst nur halbjährlich zu Messen erscheinende Druckwerke. 1605 erschien die erste periodische Druckschrift:  "Relation Aller Fürnemmen vnd gedenckwürdigen Historien", die in Straßburg wöchentlich herausgegeben wurde. Gegründet und herausgegeben wurde die "Relation" vom Buchhändler und Drucker Johann Carolus, der auch Verleger und Nachrichtensammler in einer Person war. Ab 1609 wurde "Aviso" (Wochenzeitung aus Wolfenbüttel) hg. Die erste täglich erscheinende Zeitung im deutschen Sprachraum erschien 1660 in Leipzig ("Einkommende Zeitungen")

- Älteste noch bestehende Zeitung der Welt: "Wiener Zeitung" (s. u.); seit 1702 zunächst als "Wiennerisches Diarium" auch ältestes deutsches "Intelligenzblatt" (1705 "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" - ursprünglich "Hildesheimer RelationsCourier" -, 1725 "Hanauer Anzeiger, 1743 "Bremer Nachrichten", weitere deutsche Lokalzeitungen, 1780 "Neue Zürcher Zeitung"; unter diesem Titel seit 1785, 1788 "Times", London)

- Größte Zeitung der Welt (absolut): "Yomiuri Shinbun" (Japan, einzige Zeitung über 10 Mio. Kopien, 22% Reichweite in Japan; 2. Platz Asahi Shinbun)

- Weltgrößte Reichweite (relativ; bezogen auf die Einwohnerzahl eines Landes): "Neue Kronen-Zeitung" (Österreich; inzwischen unter, lange über 40%!) Größte Gesamtreichweite aller Tageszeitungen: Finnland mit 91% (Österreich: ca. 73%)

- Zeitungsdichte: Pro 1000 Einwohner in Europa 265 Exemplare (Westeuropa 285), Nordamerika 203, Asien 110, Afrika 55. Am meisten Zeitungstitel pro 1 Million Einwohner gibt es in Norwegen (19,1; Zum Vergleich: Schweiz 2003 trotz des auch dortigen Zeitungssterbens 90 Titel = 12,3, Deutschland 5,1, Österreich 2,0). In Norwegen und Japan werden mit 583 bzw. 574 Exemplaren täglich die meisten Tageszeitungen je 1000 Einwohner verkauft.

- Entstehung der heutigen Situation: Seit der Proklamation der Pressefreiheit 1848 Entstehen von Parteizeitungen (und als Sprachrohr des liberalen Bürgertums der Tageszeitung "Die Presse", gegründet von August Zang). Ab Ende 19. Jh. "Massenpresse" durch Anzeigenmarkt (> höhere Einnahmen > Senkung des Verkaufspreises > mehr Leser durch Massenverkauf > Entstehung von Großverlagen, dann Medienkonzernen > rechtliche Probleme, z. B. Kartellrecht)

Die größten österreichischen Medienunternehmen (nach Umsatz geordnet)
(In der Klammer - tw. geschätzt - Umsatz / Anzahl der Mitarbeiter)

 1: ORF (2017: 1038,8 Mio. € / 4074) 10: Russ Media (Vbg.) (2017: 92 Mio € / rund 1000)
  Eigentümer: "Stiftung Österreichischer Rundfunk" (gehört sich selbst)   Eigentümer: "Privatstiftung E. Russ und Familie"
 2: Red Bull Media House (2017: 520 Mio. €  / 4074) 11: NÖ Pressehaus (2017: 89 Mio. €  / 400)
  Eigentümer: "Red Bull" (100%)   Eigentümer: Bistum St. Pölten (54%), Pressverein Diözese St. Pöl. (26%) und Raiffeisen Nö-W (20%)
 3: Mediaprint-Gruppe (2017: 428,5 Mio. €  / 2117) 12: Wimmer Holding (2017: 84 Mio € / 620)
  Eigentümer: "Krone" und "Kurier" (s. u.) zu je 50%   Eigentümer: "Cuturi-Privatstiftung" (94%) und Rudolf Andreas Cuturi + 5 Söhne (je 1%)
 4: Styria-Medien AG (2017: 309 Mio. € / rund 2161) Verlagsgruppe News ("VGN Medienholding"; 2017: 82,7 Mio. €  / rund 370)
  Eigentümer: "Katholischer Medienverein Privatstiftung" (98,33%) und "Katholischer Medien Verein" (1,67%)   Eigentümer: Horst Pirker (75%) und Fam. Fellner (25%)
 5: ProSiebenSat1Puls4 (seit 2017 mit ATV: 175 Mio. €  / 418) 13: APA (2017: 76,4 Mio. € / 576)
  Eigentümer: "ProSiebenSat1 Media AG" (in Deutschland börsennotiert)   Eigentümer: ORF (45,78%), Styria Media Group (14,8%), Mediengruppe Österreich (10,62%), "Kurier" (10,42%), Wimmer Holding (4%), Standard-Gruppe (3,51%), Moser-Holding (3,41%), Russmedia (2,93%), "Salzburger Nachrichten" (2,89%), "Wiener Zeitung" (0,83 %) und "Neues Volksblatt" (0,81%)
 6: Sky Österreich (2017: 170 Mio. €  / 140) 14: Salzburger Nachrichten-Gruppe (2017: 73,1 Mio. €  / 494)
  Eigentümer: "Sky" (Muttergesellschaft von Rupert Murdoch)   Eigentümer: Familie Dasch (56%) und Familie Kaindl-Hönig (44%)
 7: Moser Holding AG (2017: 104,4 Mio. €  / 1260,5) 15: Standard Verlag (2017: 56,6 Mio. €  / 404)
  Eigentümer: "Erben des Gründers J. S. Moser" (75,01%) und "Bank für T. u. Vbg." (24,99%)   Eigentümer: "Bronner Familien-Privatstiftung" (85,6%), Oscar Bronner (12,6%) und Mitarbeiter (1,8%)
 8: Mediengruppe Österreich (2017: 104 Mio € / 300) 16: Heute (2017: 52 Mio € / rund 100)
  Eigentümer: Stiftungen, 50-60 Firmen und Mitglieder der Familie von Wolfgang Fellner   Eigentümer: "Peiodika"-Privatstiftung von Wolfgang Jansky u. a. (50,1%),  "Tamedia" (Schweizer Verlagskonzern; 25,5%), "Pluto"-Privatstiftung zugunsten Eva Dichand (24,4%)
 9: Regionalmedien Austria (2017: 97,4 Mio € / 605) 17: Echo Medienhaus (2017: 24,9 Mio € / 126)
  Eigentümer: "Styria Media Group" (50%) und Moser Holding (50%)   Eigentümer: Christian Pöttler (50%), Anton Feistl sen. (25%) und Anton Feistl jun. (25%)

 

Quelle: Der Standard (Printausgabe 11. 7. 2018 und Webseite)

 

Im Frühjahr 2001 erfolgte die wegen des Kartellrechts umstrittene, aber letztlich vom OLG Wien als Kartellgericht genehmigte und vom Justizminister unbeeinspruchte Fusion der Medienunternehmen des NEWS-Konzerns (damals Gebrüder Fellner) mit der Mediaprint-Gruppe (Kurier-Magazine). Die Kurier-Magazin-Tochter ZVB trat der News-Gruppe bei und hält 30% an der Gesellschaft. (70% hält die News-Gruppe.) Seither erscheinen u. a. Neue Kärntner Tageszeitung (bis 2009), Kurier, Kronen-Zeitung und die zwölf Zeitschriften tv-media, @-media, News, "Formil" (Format, profil, für das eine Bestandsgarantie bis 2006 bestand und das auch seither nur unter der Auflage, nach einem Käufer gesucht zu haben, eingestellt werden kann), trend, Gusto, Rennbahn-Express, Auto-Revue, Yacht-Revue, Golf-Revue und Bühne unter einem Dach. Die Besitzverhältnisse lassen sich graphisch etwa so darstellen:

(Aus dem Standard vom 1.3.2001)

Abweichend von der Graphik ist der Anteil der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr an der News-Gruppe nunmehr von 75 % auf 52,5%, der der Fellner-Stiftung von 25% auf 17,5% reduziert worden. Die ZVB hält jetzt die restlichen 30%.

Auf dem Vertriebssektor existieren in Österreich zur Zeit nur drei Grossisten: die Mediaprint und Morawa (die über eine gemeinsame Tochter, die Morawa Grosso GmbH & Co KG, an der die Morawa Pressevertriebsgmbh 75,1 Prozent und die Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag GmbH & Co KG 24,9 Prozent halten, zusammenarbeiten; der kartellrechtlich bereits unter Auflagen genehmigte Vertrag wurde zunächst nicht ratifiziert) und der PGV (Pressegroßvertrieb Salzburg, der 2004 vom börsennotierten Schweizer Unternehmen Valora gekauft wurde).

 

- Wirtschaftliche Eigenheiten von Printmedien:
1) Verbreitung geistiger Leistungen durch kostspieligen Vertrieb (wird durch Verlag, Gewerbebetrieb, o.ä. besorgt)
2) Die Kosten sind fast auflagenunabhängig
3) Zwei Märkte: Leser (Lesestoff) / Anzeigenmarkt (Werbeträger); beide sind miteinander verflochten
4) Stoff: Ereignisse des letzten Erscheinungsintervalls. Eine neue Folge ergänzt, überholt und ersetzt seine Vorgänger. (Rasche Herstellung, termingebundene geistige Leistungen sind gefordert)
5) Der Vertrieb ist unmittelbar nach der Herstellung notwendig ("leicht verderbliche Ware")
6) Die Markteintrittschancen sind gering. (Eine gehobene Marktposition erreicht man nur langsam, die Kosten fallen aber sofort an.)

 

- Unterschied öffentliche Medien / Privatmedien (relevant v. a. für elektronische Medien):
1) Besitzverhältnisse (ÖM: Staat / PM: private Peronen, Personengruppen, Konsortien etc.)
2) Werbezeit (ÖM: beschränkt / PM: unbeschränkt, kann sogar ausschließlicher Medieninhalt sein)
3) Objektivitätsgebot (ÖM: gesetzlich verankert / PM: nicht vorgeschrieben)
4) Österreichbezug (ÖM: muss gegeben sein / PM: kann, muss aber nicht gegeben sein)
5) Bildungsauftrag (ÖM: auferlegt / PM: nicht auferlegt)
6) Minderheiten (ÖM: müssen berücksichtigt werden / PM: können berücksichtigt werden)
7) Finanzierung (ÖM: über die öffentliche Hand, Gebühren und Werbung / PM: über Werbung und ev. Förderungen)

Bis 1995 hatte der ORF in Österreich eine Monopolstellung, erst dann wurden private Rundfunkanstalten zugelassen. Der ORF wurde aufgrund des ersten österreichischen Volksbegehrens 1964, das eine Reform des Rundfunkwesens zum Ziel hatte, gegründet. 1966 wurde das Rundfunkgesetz beschlossen, das am 1.1.1967 in Kraft trat. Im Jahre 1974 wurde der ORF in eine Anstalt öffentlichen Rechts überführt. Die letzte große Reform erfolgte im Jahr 2001 durch die ORF-Gesetz-Novelle, BGBl. I Nr. 83/2001, mit welcher der ORF in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Begünstigter der Stiftung ist die Allgemeinheit; Generaldirektoren des ORF waren Gerd Bacher (1967–1974) | Otto Oberhammer (1974–1978) | Gerd Bacher (1978–1986) | Thaddäus Podgorski (1986–1990) | Gerd Bacher (1990–1994) | Gerhard Zeiler (1995–1998) | Gerhard Weis (1998–2001) | Monika Lindner (2002–2006) | Alexander Wrabetz (seit 2007; als 1. 3 Amtszeiten hintereinander)

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 2

  Entwicklung des österreichischen Tageszeitungsmarktes:


 

I. Die ersten Blätter: 14./15.Jh.: In Europa werden Papier und Buchdruck erfunden. 16./17.Jh.: Regelmäßige Flugblätter und Anschläge. 1621: 1. Zeitung in Österreich: "Ordinarii Zeitung" 1703: "Wienerisch Diarium", später (seit 1780) "Wiener Zeitung": weltweit älteste noch bestehende Tageszeitung. (War ursprünglich privat, dann, seit 1812, offizielles Regierungsblatt, das seit 1857/58 auch von der Regierung herausgegeben und in der Staatsdruckerei hergestellt wurde.) - Der Name "Presse" bürgert sich ein.

II. Um 1900: Nach Zensur und Meinungskontrolle der Metternich-Ära ist die 2. Hälfte des 19. Jh. eine wahre Gründerzeit im Zeitungswesen. Durch neue Techniken außerdem Auflagenerhöhung. Erste Blätter der Arbeiterbewegung, des Bürgertums und der "Katholischen Pressvereine". Auflagenstärkste seriöse Tageszeitung war bald das "Neue Wiener Tagblatt", am 10.3.1867 gegr. Tageszeitung. (Erschien bis 7.4.1945.)

III. "Goldene Jahre" ab 1918 und danach: Zahllose Neugründungen und Verkaufsrekorde (vgl. alte Kaffeehausphotos; Dutzende Blätter wurden angeboten). Partei- und Meinungspresse / Boulevardpresse. Im Zuge des Austrofaschismus / Faschismus werden die oppositionellen Blätter und die Blätter in jüdischer Hand verboten. Zu Ende des 2. Weltkrieges gab es in Wien nur mehr 4 (NS-)Blätter.

IV. Die Stunde 0: 14 Tage keine Tageszeitung, dann "Österreichische Zeitung" als erstes Alliiertenblatt (Sowjetunion, bestand bis 1957). Die Amerikaner übergaben ihre Blätter nach wenigen Wochen österreichischen Eigentümern (am populärsten 1. Boulevardblatt "Wiener Kurier"). Zugleich Zentralorgane der drei Parteien (ÖVP, SPÖ, KPÖ) sowie "Neues Österreich" als "Dreieinigkeitsblatt", um den Alliierten Konfliktfreiheit zu signalisieren. Der Allierte Rat hatte am 1. 10. 1945 per Proklamation wieder die in den Jahren davor zerstörte Pressefreiheit ermöglicht.

V. Bis zum Staatsvertrag: Im Süden noch einige Neugründungen, österreichweit aber Auflagenflaute (Tiefpunkt 1957). 1956 waren erstmals "parteiunabhängige Zeitungen" in ihrer Gesamtauflage vor den Parteizeitungen. Boulevardzeitungen werden immer populärer.

VI. "Zeitungskrieg" ab 1955: "Bild-Telegraph" 1954 von drei Bundesländerzeitungen gemeinsam als Wiener Boulevardblatt herausgebracht. Größter Konkurrent: "Kurier" (von den Amerikanern als "Wiener Kurier" gegründet und an L. Polsterer und ÖVP-nahe Gruppen verkauft). Pressehaus in der Muthgasse wird von "Presse"-Hg. F. Molden erworben, in dessen Druckerei auch der "Bild-Telegraph" hergestellt wird, der bald seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. Darauf 12.3.-25.3.1958 "Krieg" zwischen Polsterer und Molden, die beide Rechte geltend machen. Ergebnis: Gründung des Boulevardblattes "Express" durch Molden und SPÖ-Unterstützung, bald zweitgrößtes Blatt hinter dem "Kurier" (inzwischen eingegangen).

VII. Die Krone-Gründung: 11.4.1959 durch den Chefredakteur des "Kurier", H. Dichand, K. Falk und mit Hilfe von ÖGB-Präsident F. Olah. Seit 1968 größte Zeitung Österreichs. Jahrelange Prozesse um Besitzansprüche zwischen ÖGB und Dichand/Falk, die letztendlich obsiegen. Aggressive Marketingstrategien v. a. durch Falk. Name aus 1. Republik, als die "Krone" das meistverkaufte Boulevardblatt war. Heute weltgrößte Reichweite.

VIII. 70er-, Mitte der 80er-Jahre: Niedergang der Parteizeitungen. Stärkung der "Kronen-Zeitung", die jetzt auch Regionalzeitungen den Markt streitig macht. K. Falk fädelt Übernahme des Pressehauses ein, scheitert aber beim Versuch, den "Kurier" zu kaufen. Polsterer übergibt das Blatt 1972 an ein Konsortium (2/3 österreich. Gewerbe, Industrie, 1/3 Raiffeisensektor). Gegen Ende dieser Phase Beginn großer technischer Neuerungen: Das am Computer entworfene Layout löst den herkömmlichen Satz ab und macht viele traditionsreiche, in die Zeitungsherstellung involvierte Berufe (Schriftsetzer, Metteur, Drucker, Fotolaboranten etc.) überflüssig.

IX. Gegenwart: Ab Mitte der 80er-Jahre große Umwälzungen. Verlagerung des Einflussgebietes deutscher Verlage nach Österreich (wo Pressekonzentration aufgrund des Kartellrechtes einfacher zu verwirklichen ist, v. a. WAZ, die mit "Krone" und "Kurier" in der Mediaprint-Ges. zusammenarbeitet, Bertelsmann u. a.) Einstellung der letzten wichtigen Parteiorgane "AZ" (SPÖ), "Volksstimme" (KPÖ). Zeitungsneugründung "Standard" (durch "Profil"-Begründer O. Bronner, zunächst mit Hilfe des deutschen Springer-Verlages), von "Täglich alles" (durch K. Falk, der, nach Streit mit Dichand von der Krone ausbezahlt, über das nötige Kapital selbst verfügt, "Guten Tag NÖ" (missglückt), einer Ö-Ausgabe der "Salzburger Nachrichten" sowie der "Wirtschaftswoche". Marktbeherrschende Position der "Mediaprint", der "Krone", "Kurier", "Profil" etc. etc. gehören.  Ab 2006 bringen die Fellner-Brüder (die bereits die Zeitschriften "Rennbahn Express", "Basta", "News" etc. gegründet hatten) mit "Österreich" eine eigene Tageszeitung auf den Markt.

X. Heutiger Stand: Zur Zeit existieren in Österreich 15 Tageszeitungen (mit Gratiszeitungen; 16, wenn man die Graz- und die Klagenfurt-Ausgabe der Kleinen Zeitung extra zählt). Das ist ein Bruchteil etwa der Zeit um 1900. Noch 1951 gab es in Österreich 34 selbstständige Tageszeitungen; vgl. auch Norwegen: vor Kurzem noch über 100 Tageszeitungen bei nur ca. 4 Mio. Einwohnern! (Da dort Fernsehwerbung lange Zeit eingeschränkt war, wanderte das Geld in Zeitungsinserate.) Medieninhaber von Zeitungen dürfen bis zu 26% Anteile an Rundfunkveranstaltern halten, wovon zur Zeit auch einige Gebrauch machen. (Die Radiosender Antenne, rpn, 88,6, 92,9 und viele Lokalsender gehören Zeitungsverlagen. - In Österreich gibt es seit 1.4.1998 Privatradio. Kronehit ist das erste bundesweite österreichische Privatradio.) Dies alles, und vor allem das Aufkommen des Internets, dessen Reichweite 2008 die des TV und 2013 die der Zeitungen überholt hat, führt zu einem Abwandern der Werbegelder und damit zu einer substantiellen Schwächung des Printmarkts. (Die größte Reichweite hat mit über 80% täglicher Konsumenten nach wie vor das Radio.)

Zu den einzelnen Zeitungen siehe Tabelle: Die folgende Liste ist nach der derzeitigen Reichweite (Media-Analyse) sortiert, enthält weitere Informationen über Erscheinungsort, Gründung, Geschichte und Besitzverhältnisse und Links auf die Internet-Seiten der jeweiligen Zeitungen. Tendenzen beziehen sich auf das vorangegangene Jahr. (Reichweiten der monatlichen und wöchentlichen Zeitschriften s. Kapitel 11)

Einteilung nach A. Kaltenbrunner

 

I.: Aktuelle österreichische Tageszeitungen (alle)
(Stand 2018, sortiert nach Reichweitenangaben der media-analyse)

  1 Neue Kronen-Zeitung 28% (immer noch Reichenweitenweltrekord; vor Einführung der Gratistageszeitungen deutlich über 40%!! Trotzdem manchmal noch fast 3 Mio. Leser (ca. 80% Abonnenten), bis zu (um 2000 über!) 1 Mio. Druckauflage - mehr als jede Zeitung der USA!); Wien, s. o., Besitzverhältnisse heute: zu 50% Funke-Gruppe (seit dem Ausscheiden von Mitbegründer Kurt Falk 1987, der schon 1974 nach heftigen Auseinandersetzungen mit Dichand die Geschäftsführung zurückgelegt hatte), die im Herbst 2018 zu 49% von der "Signa"-Holding des Investors René Benko erworben wurde, zu 50% den Erben des Mitbegründers Hans Dichand. Die Mediaprint (s. o., die zu je 50% der Krone bzw. dem Kurier gehört), übernimmt Druck, Vertrieb und Anzeigengeschäft. Zu 50% am einzigen bundesweiten Privatradio Kronehit beteiligt. -  Gegründet 1958 von Dichand und Falk. Erscheint seit 11.4.1959 zunächst als "Illustrierte Kronen-Zeitung" (bewusster Rückgriff auf eine vom 2.1.1900-1944 ersch., von Gustav Davis hg. gleichnamige Zeitung, die im Titel eine Kronen-Münze zeigte, nach Abschaffung der Kolportagesteuer in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie mit 1.1.1900 auch für den "kleinen Mann" erschwinglich war und am 1.9.1944 mit der "Kleinen Volkszeitung", dem "Kleinen Blatt" und dem "Kleinen Volksblatt" zur nationalsozialistischen "Kleinen Wiener Kriegszeitung" - erschien bis zum 31. 8. 1944 - zusammengelegt wurde, nachdem Davis am 11. 3. 1938 entmachtet und das Blatt übernommen worden war), 1967-71 als "Unabhängige Kronen-Zeitung" und ab 1971 als "Neue Kronen Zeitung". H. Dichand, der schon als Chefredakteur der "Kleinen Zeitung" (s. u.) ohne Verwendung von APA-Meldungen alles selbst recherchieren hatte lasse, hatte die Rechte von den Davis-Erben erworben. Als 1987 die Anteile von Falk von der WAZ (nachdem sich in Österreich kein Partner gefunden hatte) angekauft wurden, ließ Dichand im Kaufvertrag verankern, dass selbst nach seinem Ausscheiden zumindest die Hälfte der "Kronen Zeitung" in österreichischem Besitz bleiben müsse.1988 Zeitungsehe zwischen "Kronenzeitung" und "Kurier" (s. u.). 2006 eskaliert ein Streit Dichands mit der WAZ, die die Kündigung von Michael Kuhn und den von Dichand als Nachfolger vorgeschlagenen Sohn Christoph nicht als (alleinigen) Chefredakteur (der er seit 2003 ist und nach Dichands Tod am 17. Juni 2010 blieb) akzeptieren wollte. Erscheint in z. T. regionalen Mutationen. Seit Weihnachten 2008 liegt das zunächst im Umfeld von Heute gegründete Farbwochenmagazin Live bei, was zum Ende des mit dem Kurier gemeinsamen Supplements tv.woche führt.
  2 Heute 12,1% - in Wien Nr. 1 mit ca. 29%); Wiener Gratis-U-Bahnzeitung, die, vom SPÖ-nahen Wirtschaftstreuhänder Wolfgang Jansky gegründet, seit 2004 erscheint. Als Medieninhaber fungiert die AHVV Verlags GmbH, hinter der Dr. Eva Dichand geb. Kriebernegg (seit 2006 neben der Geschäftsführung auch Herausgeberin), die Schwiegertochter des Kronen-Zeitungs-Gründers (s. Nr. 1), steht. Die Zeitung gehört zwei Stiftungen (zu 74% der Pluto Privatstiftung der Familie Kriebernegg und zu 26% der Periodika Privatstiftung des Bankers HEinrich Gehl) Chefredakteur Richard Schmitt wurde am 1.3.2011 von Wolfgang Ainetter abgelöst, der ab Mitte 2012 gegen den Widerstand von dessen früherem Arbeitgeber von Christian Nusser. Gedruckt in einer Auflage von 200 000 Stück bei Herold. Seit 2006 besteht einer Marketingkooperation mit der News-Gruppe. Expandierte nach Graz (2007 Rückzug) und Niederösterreich und wird seit Ende August 2006 auch in Oberösterreich verbreitet.
  3 Kleine Zeitung 10,2% (kombiniert; Graz 7,1% /Klagenfurt 3,1%; in der Steiermark und Kärnten fast 50%!). - Gegründet 22.11.1904 vom Katholischen Pressverein Graz/Seckau, 12.3.1938 gleichgeschaltet und im Mai 1945 eingestellt. Nach langwierigen Rückstellungsverhandlungen am 2.5.1948, zunächst als Wochenzeitung, ab 1. 10. als Tageszeitung wieder gegründet. Im Besitz der (auch z. B. in Kroatien und seit 2004 in Slowenien engagierten) Styria Medien AG, die der Privatstiftung "Katholischer Medien Verein" gehört und bei der bis 30.8.2010 Horst Pirker das Sagen hatte (seither Klaus Schweighofer und Wolfgang Bretschko). Seit 1.1.1999 ausgegliedert und eigenständiges Unternehmen ("Kleine Zeitung GmbH & Co KG"). Die steirische Ausgabe wird in Graz-Messendorf auf zwei Offsetrotationsmaschinen gedruckt, die bis zu 96 Seiten durchgängig farbig drucken können, die Kärntner Ausgabe in St. Veit an der Glan von der ebenfalls zum Styria Konzern gehörenden Druckerei Carinthia auf identischen Maschinen hergestellt. 17 mutierte Regionalausgaben. Chefredakteur ist seit 2006 Hubert Patterer, der Erwin Zankl ablöste.
  4 Kurier 7,4% (ca. 70% Abonnenten) - Wien, s. o., gehört heute zu 50,56% dem Raiffeisen-Konzern (Printmedienbeteiligungs-GesmbH im Auftrag der Raiffeisen Zentralbank), zu 49,44 % der im Herbst 2018 zu 49% von der "Signa"-Holding des Investors René Benko erworbenen Funke-Gruppe. Die Mediaprint (s. o., die zu je 50% der Krone bzw. dem Kurier gehört), übernimmt Druck, Vertrieb und Anzeigengeschäft. Dem "Kurier" gehört zu 100% die ZVB (Zeitschriftenverlagsbeteiligungs-AG), die 30% an der Verlagsgruppe "News" hält (s. d.). Zu 50% am einzigen bundesweiten Privatradio Kronehit beteiligt. - Gegründet am 18.10.1954 unter "Neuer Wiener Kurier" von L. Polsterer als Nachfolge des "Wiener Kurier" (von 27.8.1945 bis 16.10.1954 von der amerikanischen Besatzungsmacht hg.; erschien noch wöchentlich bis Anfang Juli 1955). Erschien zunächst 2mal, während des "Wiener Zeitungskrieges" (s. o.) sogar 3mal täglich. Am 1. 10. 1958 übernahm Hugo Portisch die Chefredaktion von Hans Dichand. Am 7. 4. 1960 erwarb Polsterer die Druckerei Waldheim-Eberle. Unter Portischs Führung zieht der "Kurier" in die Seidengasse (1963), die Zeitung ist auch maßgeblich an der Einleitung des Rundfunk-Volksbegehrens ( 4. - 12.10.1964) beteiligt, das zur Gründung des ORF führt. Am 31.10. 1967 wird Eberhard Strohal (bis 31.3.1973) Chefredakteur. In dieser Zeit verkauft Polsterer (offiziell aus gesundheitlichen Gründen) den Kurier an eine Industriellengruppe, die Mittagsausgabe (der "Blaue Kurier") wird eingestellt. Zwischen 1973 und 1979 vier Chefredakteure: Hubert Feichtelbauer (ab 1.4.1973), Gerhard Bacher (12.10.1975 bis 4.11.1975), der Kulturkritiker Karl Löbl (bis 21.1.1979) und seit 22. 1.1979 Gerd Leitgeb. Die erste auf Fotosatz (statt Bleisatz) produzierte Zeitung erscheint am 20.9.1983 (gedruckt erstmals im neuen Druckzentrum in Inzersdorf). Mit dem Rollen-Offsetdruck tw. Farbe. Anfang 1986 übernimmt Günther Wessig die Chefredaktion. Ab Juli 1988 komplett elektronische Herstellung. 1988 Zeitungsehe zwischen "Kronenzeitung" und "Kurier": Mit Beteiligung der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) wird eine gemeinsame Produktions- und Vertriebstochter, die "Mediaprint", gegründet. Ab 1. 9. 1988 wird Franz Ferdinand Wolf Chefredakteur. Einführung des Samstagssupplements "Kurier-Freizeit" (zur Zeit 6,9% Reichweite). Von 22.3.1993 bis 30.9.2005 war Peter Rabl (längstdienender) Herausgeber und Chefredakteur, ab 1. November 2003 übernahm der langjährige Innenpolitik-Ressortchef Christoph Kotanko als zusätzlicher geschäftsführender Chefredakteur die Redaktionsleitung. Er war seit 1. 10. 2005 alleiniger Chefredakteur mit Personalhoheit. Am 6.3.2009 startet er die neue Fernsehbeilage tv.woche, die das bisher gemeinsam mit der Krone hg. gleichnamige Mediaprint-Supplement ersetzt. Am 1.8.2010 wurde Kotanko von Helmuth Brandstetter abgelöst, dieser am 1. 10. 2018 von Martina Salomon. Als Hg. fungiert eine juristische Person, die Kurier Zeitungsverlag GesmbH. Die Zeitung erscheint gemäß der zeitüblichen Lokalisierungsstrategie seit Herbst 2002 in verschiedenen Mutationen mit "subregionalen" Seiten.
  5 Der Standard 7,0% - Wien, am 19.10.1988 von Oscar Bronner (der schon fast 20 Jahre vorher die Magazine "Profil" und "Trend" ins Leben gerufen und dazwischen als Maler in New York gelebt hatte) gegründet, („Ich habe eine Qualitätszeitung gegründet, weil ich eine lesen wollte“) der 1995 den 50%-Anteil des Springer-Verlages rückgekauft hat. Seit Ende 1998 hielt der Süddeutsche Verlag 49%, O. Bronner 10% und die Bronner-Familien-Privatstiftung 41%. Der Anteil der "Süddeutschen" wurde 2008 von Bronner (formal von derstandard.at) zurückgekauft. Seit 2. 2. 1995 als "online-Standard" die erste deutschsprachige Tageszeitung im Internet. (Die Bronner Online AG gehört zu 87,48 der Bronner-Familien-Privatstiftung, zu 2,77% den Mitarbeitern und zu 9,75% Bronner persönlich) Der Druck erfolgte bei Goldmann (Tulln), seit 1.1.2012 bei der Mediaprint in Inzersdorf.
  6 Österreich 6,9% - Zuerst für 18. September 2006 von den Fellner-Brüdern im Tabloid-Format (340x251mm) geplante neue Tageszeitung für Österreich. (Aufgrund des Nationalratswahlkampfes vorgezogen auf 1.9.) Sie sollte auf Anhieb Nr. 2 werden (Startauflage 250 000 / Sonntag 600 000) und wird von Morawa (Kiosk) und einer eigens aufgebauten Medienlogistikfirma (Hauszustellung) vertrieben. Der Druck erfolgt bei Goldmann in Tulln (die insolvente Druckerei wird im September 2011 von der Leykam Holding übernommen) und der Passauer Verlagsgruppe in Bayern. Inhalt: 4 Bücher (überregionale Qualitätszeitung in herkömmlichen Ressorts - Regionalzeitung - Lebensbereiche der neuen Medien-Generation, v. a. Frauen - tv&people; später tw. zusammengelegt). Seit 14.1.2008 ist ein Fernsehmagazin als Freitag-Supplement beigelegt. Die Hochglanzbeilage Life&Style geht ab 11.2.2010 im Heft auf. Die Redaktion (1. weibliche Chefredakteurin und Herausgeberin Uschi Fellner und andere Chefredakteure wie Werner Schima oder - bis 2012 (dann Atha Athanasiadis) - Christian Nusser) ist im Wiener Akademiehof (Karlsplatz) in einem eigens nach amerikanischem Vorbild errichteten Newsroom angesiedelt. Die Redaktion besteht aus ca. 200 Mitarbeitern, der Verlag alles in allem aus ca. 300. Seit 1.3.2011 ist Oliver Voigt (früher News-Chef) Geschäftsführer der Mediengruppe Österreich. (W. Fellner bleibt Verleger und Herausgeber.) Die Finanzierung erfolgt über Kredite durch ein österreichisches Bankenkonsortium (acht Kreditinstitute, 50 Millionen Euro, Laufzeit 13 Jahren). Konsortialführer und damit größter Kreditgeber ist die BA-CA. Weitere Finanziers sind die 3-Banken-Gruppe (Bank für Tirol und Vorarlberg, Bank für Kärnten und Steiermark, Oberbank), RZB, Investkredit, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und die Spengler-Bank. Im ersten Jahr sollte der Umsatz 30 Millionen und der Verlust etwa 20 Millionen Euro betragen. Fritz Fellner, der Vater des Gründers (gest. 2012), stieg 2007 als neuer Gesellschafter und "regelmäßiger Investor" ein. Er teilt sich mit Sohn Wolfgang die Anteile an der WF Beteiligungs- GmbH (50,1 W., 49,9% F. Fellner). Dieser GmbH gehören wiederum 95 Prozent der Fellner Medien GmbH, die hinter Österreich steht. Die Fellner Medien, bei der Gründung eine AG im Besitz der "Wolfgang Fellner Privatstiftung", gehörten bis 2010 zu 5% der "W. Fellner Privatstiftung" und zu 95% WF Beteiligungs GmbH und heißen jetzt Fellner Medien GmbH. Die MGÖ Privatstiftung (der Familie Fellner), die auch Fellners 5% übernahm, ist jetzt deren 100%-Eigentümer. (Die Mediengruppe Österreich Privatstiftung, zwischendurch Haupteigentümer des aus vielen GmbHs bestehenden Zeitungsverlags, löste sich Ende 2010 auf. Die Wolfgang Fellner Privatstiftung, anfangs Haupteigentümerin des Zeitungsverlags ist weiterhin Eignerin der Media Finanzierungs GmbH und übernimmt über diverse Zwischenfirmen wieder die Mehrheit an der Firmengruppe um Österreich; Anteile hält an der "Mediengruppe Österreich GmbH", die auch zu 56,1% an einer Media Digital GmbH beteiligt ist, zu 5,8% die Firma ELCG GmbH von Fellner-Stiftungsvorstand und Anwalt Christoph Leon, zu 61,23% die 'Österreich' Zeitungsverlag GmbH und zu 32,97% eine "Media Invest 'Österreich' GmbH, an der zu 11,79% zunächst Kurt Miersch, ein Verwaltungsrat einer Schweizer Glückspielgesellschaft, und zu 88,21% indirekt über eine Ypsilon Immobiliengesellschaft die Fritz Fellner Privatstiftung beteiligt war. Miersch verkaufte seinen Anteil 2010 an Leon.) Seit 2003 hält die "Fritz Fellner Privatstiftung" auch das Privatradio Antenne Salzburg, das seit 2007 mit den Schwestersendern Antenne Tirol und Antenne Wien in der Antenne Österreich fusioniert ist. (2010 wird die Antenne Österreich erst mit der ersten Projektgesellschaft für Österreich verschmolzen und dann zu 100 Prozent an eine neue Firma, die zu 93,3% einer Stiftung von Wirtschaftstreuhänder Hans Bodendorfer und zu 6,7% Wolfgang Fellners Sohn Niki sowie einer Firma Niki Fellners gehört, übertragen.)
  7 Oberösterreichische Nachrichten 4,9% (in Oberösterreich ca. 27%) - Linz; heute im Besitz der J. Wimmer Ges.m.b.H. - Am 11.6.1945 von den Amerikanern gegründet, ab 8.10. unabhängig. Aus einer Gruppe von sechs Gesellschaftern ging der spätere Nationalratspräsident Alfred Maleta als Alleineigentümer hervor. Mit 1. 1. 1954 Fusionierung mit der seit 1865 erscheinenden, während des Krieges eingestellten und seit Ende 1953 wiederverlegten Zeitung "Tagespost". An der gemeinsamen Gesellschaft hielten die Nachkommen der früheren Linzer Drucker- und Tagespost-Herausgeberfamilie Wimmer 74 % und Maleta 26 % der Anteile, die er 1986 verkaufte. Danach wurden die "OÖ Nachrichten" von Rudolf Andreas Cuturi, einem direkten Nachkommen des Firmengründers Josef Wimmer in der 5. Generation, als Herausgeber und geschäftsführender Verleger geführt. Seit Mitte 2003 6 Lokalmutationen, seit Oktober 2003 durchgehend vierfärbig. Seit August 2006 erscheinen die "OÖN" fünf Mal wöchentlich in Lokalmutationen mit der Lokalbeilage "Land & Leute." Die Muttergesellschaft "Medienhaus Wimmer" ist seit 1998 direkt bzw. indirekt an mehreren der oberösterreichischen Privatradio- und TV-Sender (z. B. "Life Radio", Kabel TV "BTV") beteiligt und betreibt die Internet-Agentur "OÖ Online".
  8 Die Presse 4,5 - Wien, s. o. Gehört seit 1991 zu 51%, seit 2000 zu 100% dem Styria-Verlag (49% hielt ein privater "Verein zur Förderung der freien bürgerlichen Presse in Österreich"). - Am 3.7.1848 von A. Zang nach Pariser Vorbildern gegründete zunächst liberale Tageszeitung. 1864 Abspaltung einiger Redakteure, die mit der "Neuen Freien Presse" ein Konkurrenzprodukt lancieren (1896 eingestellt). Mit dem Zerfall der Donaumonarchie geht die "Neue Freie Presse" auf Umwegen über Bankleute mehrheitlich in den Besitz der Bundesregierung über. 1938 werden alle jüdischen Redakteure werden über Nacht vertrieben, der Rest gestaltet eine "systemkonforme" Zeitung, die dennoch am 31. 1. 1939 von Berlin eingestellt wird. Am 26.1.1946 von E. Molden (bis 19.10.1948 als Wochenzeitung) wiedergegründet. Chefredakteure bzw. Hg waren Ernst Molden, Fritz Molden, Milan Dubrovic, Otto Schulmeister, T. Chorherr, J. Kainz und Andreas Unterberger. 1985 wird "Die Presse" als erste europäische Tageszeitung im Ganzseitenumbruch mit Datenfernübertragung in die Druckerei erstellt. 1991 übernimmt der Grazer Styria-Konzern "Die Presse" zunächst als Mehrheitseigentümer, später zu hundert Prozent. Seit 2003 ermöglicht eine neue Druckmaschine bei Herold den durchgängigen Vierfarbendruck. Ein Komplett-Relaunch bringt ein neues Erscheinungsbild (z. B. kleineres Format) und das tägliche Feuilleton. Im Dezember 2006 wird ein neuer Newsroom in 1030 Wien in Betrieb genommen. 2009 folgt eine viel beachtete Sonntagsausgabe.
  9 Tiroler Tageszeitung 4,0% (in Tirol mit ca. 45% überlegener Marktführer) - Innsbruck; bis vor Kurzem im Besitz der Erbengemeinschaft von J. Moser (1946 durch Joseph Moser gegründeter Schüssel-Verlag, 35%) bzw. später Springer-Verlag (45% seit 1989, 65% seit 1991), der aber mit 31.12.2002 ausgestiegen ist. Danach zu 100% im Besitz der Erbengemeinschaft (1979 gegründete Moser Holding AG, Chef Hermann Petz). 2004 übernahm die Südtiroler Verlagsgruppe Athesia 50% der Holding, die 2007 von der Familie Moser wieder zurückgekauft wurden. Fast 15% hält die Raiffeisen Oberösterreich. - Gegr. 21.6.1945 von den amerikanischen Besatzern, ab 10.7. in frz. Verantwortung; seit 15.11.1945 unabhängig. Erscheint, abgestimmt auf die einzelnen Bezirke, gemäß einer seit Jänner 2002 verfolgten Lokalisierungsstrategie, in 7 Mutationen. Seit 2003 hochmoderne Versandanlage. Seit 29.11.2005 erscheint ein gemeinsames Wochenendmagazin der Moser-Holding in Nord- und Südtirol. 2007 "TT" in neuer, magazinhafter Optik. Ab August 2008 wird aus der 2007 gestarteten Tirol am Sonntag die TT am Sonntag. Chefredakteur der "TT" ist Frank Staud.
 10 Salzburger Nachrichten 3,3% (in Salzburg ca. 34%) - gegründet am 7.6.1945 von der 12. Heeresgruppe der US-Streitkräfte. Nach Erteilung der Lizenz ("Permit S1") ab 23.10.1945 österreichisch. Lizenzträger und erste Hg. waren Max Dasch senior und Gustav A. Canaval. 1959-64 war R. Marcic Chefredakteur, 1965-95 K. H. Ritschel. Heutiger Eigentümer und Hg. ist seit dem Tod des Vaters 1977 Max Dasch junior. Die Familie Dasch hatte 1976 die "SN"-Anteile der Familie des 1959 verstorbenen Canaval übernommen. Geschäftsführer Max ist heute gemeinsam mit seiner Schwester Alleineigentümer des Verlagshauses. Seit März 1989 erscheint eine Österreich-Ausgabe. 1990 wurde ein Druckzentrums in Salzburg gebaut, das von einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der "Salzburger Nachrichten" und der Mediaprint betrieben wird - die "SN" werden seit Juli 1994 dort gedruckt. Seit September 1995 liegt in Salzburg ein Lokalteil im Kleinformat bei, seit 1999 erscheint eine Wochenzusammenfassung (s. u.). 2006 löste Manfred Perterer Robert Barazon als Chefredakteur ab.
 11 Wiener Zeitung Keine Zahlen (laut medienfocus.at ca. 3% Reichweite); Wien, mit Amtsblatt (seit 1810), s. o. Im Eigentum der Republik Österreich, die auch als Herausgeber fungiert. Älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt! Erstmals am Mittwoch, 8.8.1703 als "Wiennerisches Diarium" (von Johann Baptist Schönwetter im Format ca. 20x16 cm hg.) erschienen. Nach ca. 20 Jahren "Wienerisches Diarium" (seit 1728 mit einer Art Amtsblatt), heutiger Titel seit 1.1.1780. Der 1729 66jährig verstorbene Hieronymus Gmainer, der (einzige!) Redakteur des Blattes unter dem ab 1722 agierenden Herausgeber Johann Peter van Ghelen, gilt als erster Journalist Österreichs. Die Wiener Zeitung war urspr. ein Privatunternehmen, 1812 offizielles Blatt der Regierung. Seit 1857/58 auch vom Staat hg. und in der Österreichischen Staatsdruckerei hergestellt (1998 als GmbH - einziger Eigentümer der Bund - ausgegliedert). Seit 1810 zugleich Amtsblatt. Amtsblattcharakter blieb während NS-Fortführung vom 12.3.1938 bis zur Einstellung mit 29.2.1940 erhalten. 1. Ausgabe nach dem 2. Weltkrieg: 21.9.1945. Erscheint seit 2004 in runderneuertem Layout dienstags bis samstags. Chefredakteur seit 2017 Walter Hämmerle als Nachfolger von Reinhard Göweil  Heinz Fahnler, Peter Bochskandl und Andreas Unterberger.
 12 Vorarlberger Nachrichten 2,2% (in Kombination mit der "Neuen" als "TOP Vorarlberg" 2,4%; in Vorarlberg mit ca. 47% überlegener Marktführer) - Bregenz; im Besitz der Hrsg.-Fam. Eugen R (Vbg. Zeitungsvlg. u. Druckerei Ges.m.b.H.). - Gegründet von Eugen R (gestorben 1962, dessen gleichnamigem Enkel auch vol, Vienna online, Radio Arabella, das Privatfernsehen puls u. a. gehören bzw. gehörten) am 16.11.1945 erstmals als unabhängige Tageszeitung aus Papiermangel zunächst zweiseitig erschienen. Nachfolgezeitung der zunächst wöchentlich, ab 1887 täglich erschienenen und 1938 verbotenen "Vorarlberger Landeszeitung". Erscheint in Schwarzbach im Mitte der 90er-Jahre in Betrieb genommenen Vorarlberger Medienhaus, das Stiftungen von E. R und seiner Schwester Sophie Kempf-R gehört, als dessen "Flagschiff".
 13 Neue Vorarlberger Tageszeitung 0,6% - Bregenz, erscheint seit 2.5.1972 (mitbegründet vom 2002 verstorbenen Bertram Burtscher). Mit 21.5.1975 umfassende verlegerische und redaktionelle Kooperation mit Österreichs größter Bundesländerzeitung, der "Kleinen Zeitung" (s. o.). 1979-90 mehrheitlich im Besitz der Styria, 1992 erwarb die VGA die Mehrheitsanteile an der Zeitungs- und Verlagsgesellschaft mbH. Ab 1992 zu 100% im Besitz d. Fam. R (vgl. Vorarlberger Nachrichten). Seit 10. 7. 1994 durchgängig vierfarbig. Im September 2007 erschien zum ersten Mal die als Qualitätszeitung intendierte neu gestaltete Sonntagsausgabe "Neue am Sonntag" (geplant 80.000 Auflage).
 14 Neues Volksblatt Keine Zahlen (Auflage ca. 22 000 Ex.); älteste Zeitung Oberösterreichs, drittälteste Österreichs. Erscheinungsort Linz, am 2.1.1869 als "Linzer Volksblatt" des Katholischen Pressvereins als konservatives Gegengewicht zur deutschliberalen "Tagespost" gegründet. Erscheint seither 6mal wöchentlich. Vom 13.3.1938 an von der NSdAP unter dem Titel "Volksstimme" (seit 1.7.) fortgeführt. Am 8.10.1945 mit Genehmigung der amerikanischen Besatzungsmacht von der ÖVP (da nur politische Parteien als Hg. gestattet waren) wiedergegründet. Ab 1. 10. 1950 war wieder der Pressverein der Hg. Um einer Umwandlung in eine Lokalausgabe der "Kleinen Zeitung Graz" zu verhindern, erwarb die ÖVP Oberösterreich mit 1. 1.1971 die Zeitung. Von 15. 4. 1971 bis Oktober 1974 wurde in Linz gleichzeitig das "Niederösterreichische Volksblatt", eine eigenständige Tageszeitung für Niederösterreich, produziert. 1974 Umbebebbung in "Neues Volksblatt". Kooperation seit 1993 mit der "Salzburger Volkszeitung". Seit 1997 tw. vierfärbig. Letzte bestehende Parteizeitung Österreichs.
 15 TT kompakt Laut Eigenangabe in Tirol 6,4% Reichweite - zusätzliche Gratistageszeitung neben der TT (vgl. Nr. 7). Erscheint seit Mai 2008 als Teil der "Eine-Marke-Strategie der Moser Holding. Liegt in öffentlichen Verkehrsmitteln und an der Universität auf.

 

II.: Ehemalige österreichische Tageszeitungen nach 1945

 Salzburger Volkszeitung Keine Zahlen; Salzburg, ÖVP-Gründung 23.10.1945 (erschien zunächst wöchentlich, ab 1971 täglich); Nachfolgeblatt der "Salzburger Chronik", die 1882 gegründet und 1938 von den Nazis eingestellt worden war. Zunächst Wochenzeitung, seit 1946 vom Eigentümer Salzburger Pressverein täglich hg. Zwischendurch (1968-71) wieder Wochenzeitung. 1990 übernahm die ÖVP alle Eigentumsrechte vom Pressverein. 1993 in Linz gedruckt (ab 1994 wieder in Salzburg) und Kooperation mit dem "Neuen Volksblatt" (s. o.), nach der Niederlage bei den Landtagswahlen 2005 (und der damit verbundenen Kürzung der Parteienförderung) Zusammenlegung von Verwaltung, Abo-Manegement, Buchhaltung und tw. der regionalen Berichterstattung. Bis März 2005 letzter noch bestehender Titel des sog. ÖVP-Zeitungsringes (1971-1990 Mitglied). Seither keine Parteizeitung mehr, da an die Aistleitner-Holding von Martin A. mit Sitz in Perg / OÖ verkauft. Mit 7. Juli 2014 (letzte Printausgabe) ging die Zeitung in Konkurs.
  Wirtschaftsblatt Reichweite zuletzt 0,9% (Tendenz fallend); einzige Special-interest-Tageszeitung Österreichs. Am 6. Oktober 1995 zum ersten Mal in Wien erschienen; durchgängig vierfärbig, hergestellt 5mal wöchentlich von der Wirtschaftsblatt Verlag AG  (50% gehören der von der Verlagsgruppe Radda & Dressler gegründeten ET Multimedia AG, die die Styria 2004 zu etwa 25%, 2005 komplett übernahm und die seither "Styria Multi Media AG heißt), knapp 50% dem schwedischen Bonnier-Verlag. Auch diesen Anteil übernahm Styria 2006). 2006 Umstellung der Erscheinungsweise (mit Rücksicht auf die Börse) von dienstags bis samstags auf montags bis freitags, ab 2007 Kooperation mit der Internet-Bibliothek getAbstract. Chefredakteur ist  Wolfgang Unterhuber (seit 2004 geschäftsführender Chefredakteur), der Ende 2007 Herausgeber und Chefredakteur Peter Muzik ablöste. Am 2. 9. 2016 eingestellt und noch einige Zeit online weitergeführt.
  Kärntner Tageszeitung Reichweite zuletzt 0,6% (Tendenz fallend, in Kärnten mehr); Erscheinungsort Klagenfurt; SPÖ-Gründung; am 28.10.1945 als "Die neue Zeit" zunächst als Wochenblatt, ab Jänner 1946 als Tageszeitung; seit 1965 unter diesem Titel; von der Mediaprint wirtschaftlich betreut, die Ende 2009 ausstieg. Erschien in Klagenfurt und befand sich im Besitz der SPÖ. Gerald Dietrich legte 2007 die Funktion als Geschäftsführer der "Kärntner Tageszeitung" zurück, blieb aber Geschäftsführer der "Kärntner Druck- und Verlagsges. mbH", der Muttergesellschaft der "Kärntner Tageszeitungsges.mbH". Seit 2006 war Ralf Mosser Chefredakteur (als Nachfolger des seit 2001 amtierenden Manfred Posch). Am 13.10.2010 gab die SPÖ ihre letzten 45% an den Kärntner Werbeunternehmer Hansjörg Berger, der schon 10% hielt, ab. Dieser übernahm auch die 45% von Chefredakteur Ralf Mosser und Manager Bernhard Wernig und wurde zum alleinigen Eigentümer. Am 28. 2. 2014 wegen Insolvenz eingestellt.
  Oberösterreichs Neue Gratiszeitung von Rudolf Cuturi, dem Herausgeber der "OÖ Nachrichten" und der Wochengratiszeitung "Tips" Start 21.8.2006 mit 70.000 Exemplaren. Montag bis Freitag mit einem Umfang von 24 bis 32 Seiten im "Wirtschaftsdreieck" Linz-Wels-Steyr verbreitet, um gegen das Eindringen von "Heute" und "Österreich" aufgestellt zu sein. Eigenständige Redaktion. Erschien in der Wimmer Holding bis zum 10.6.2009.
  Der Neue Express Pendler-Gratistageszeitung mit Service-Teil der Moser-Holding. Erschien seit 26.7.2006 mit 10 000 Stück. Die Redaktion war an die "Neue" (s. o.) angedockt. 2007 eingestellt und durch die Wochenendzeitung "Tirol am Sonntag" ersetzt.
  OK Seit 22.5.2006 im Großraum Graz, seit September 2006 auch in Kärnten erhältliche geheftete durchgehend färbige Gratis-Tageszeitung des Styria-Konzerns. Im Sommer 2007 eingestellt. Zuletzt 90.000 Stück Auflage und rund 170.000 Leser;
  Die Neue- Zeitung für Tirol Gegründet von der Moser-Holding, um mit einer kleinformatigen Tageszeitung der Schwesternzeitung "Tiroler Tageszeitung" (s. o.) gegenüber der auch im Westen aufkommenden "Kronen Zeitung" den Rücken zu stärken. Erschien vom 24. 9. 2004 bis 31.3.2008. (Medieninhaber: Schlüsselverlag J. S. Moser GmbH, Herausgeber: Gesellschafterversammlung der Moser Holding AG) War zuletzt bei ca. 1% Reichweite (in Tirol 11%) die 12.größte Zeitung Österreichs.
  WM Live Während der Fußball-WM im Juni/Juli 2006 von der "Live"-Verlag GmbH herausgegebene, in Wien erschienene Gratistageszeitung der Fellner-Gruppe. Als "Probelauf" zu Österreich 24 / Heute (s. o.) gedacht.
  Die Sport Von 7.6.2004 bis 5.8.2004 erschienene Sport-Tageszeitung. Gründer: Robert Proksch, Chefredakteur Michael Kröll. Mit einer angepeilten Auflage von 100 000 zuletzt von der Druckerei Versus in Bratislava gedruckt. Gehörte einem Konsortium privater Investoren unter der Führung der Wirtschaftstreuhänderkanzlei Geyer&Geyer und erlag wirtschaftlichen und Vertriebsschwierigkeiten.
  U-Express Ab März 2001 in den Wiener U-Bahnen gratis von der Kronen-Zeitung verbreitete U-Bahn-Tageszeitung. Mit 31.3.2004 bei zuletzt ca. 15% Reichweite wegen steigenden Kosten vom Haus Mediaprint eingestellt.
  Täglich alles (ursprünglich Rang 4) Bis August 2000 8,7% (Position 4, Tendenz abwärts); Wien, am 5.4.1992 von Kurt Falk gegründet, der auch im Besitz des herausgebenden Familiapressverlages war. Boulevardzeitung mit hohem Farbbildanteil. 12.8.2000 eingestellt und noch einige Zeit als Internetzeitung weitergeführt.
  Neue Zeit Konkurs im April 2001. Bis dahin 1,3% (Position 10, Tendenz aufwärts); Erscheinungsort: Graz. Am 27.10.1945 von der SPÖ Steiermark gegründet, bis Anfang 1946 als Wochenzeitung geführt; seit 1987 im Eigentum der Mitarbeiter ("Verein der Freunde  der NZ"); wurde zuletzt von der Mediaprint wirtschaftlich betreut, die aber kein Interesse an der Weiterführung zeigte. Die NZ hatte nur zwei Chefredakteure, Heinz Paller (1945-1965) und Josef Riedler (1965-2001), und war 1946 APA-Gründungsmitglied. Nach der Einstellung noch einige Zeit im Internet. Ab Mai 2002 als Wochenzeitungsprojekt "Die Neue" von J. Riedler und Günther Gruber fortgeführt. (Konkurs Juli 2003)
  Die Neue Zeitung Boulevardzeitung der SPÖ, die von 3. 10. 1967 bis 10. 7. 1971 (ab Dezember 1970 nur mehr wöchentlich) in Wien erschien. (Unter gleichem Titel gab es ab 1. 1. 1907 eine katholische Wiener Tageszeitung, die am 13. 1. 1934 wegen Nähe zum Nationalsozialismus eingestellt wurde.)
  Express Produkt des "Wiener Zeitungskrieges"; s. o. Gegründet von Fritz Molden und Gerd Bacher, dem späteren langjährigen Generalsekretär des ORF. 26.3.1958-29.4.1971 erschienen. Dez. 1960 im Besitz der SPÖ, ab Dez. 1970 von Dichand und Falk übernommen und der Kronenzeitung einverleibt.
  Bild-Telegramm Von F. Molden gegründet, der im "Wiener Zeitungskrieg" (s. o.) dem in seinem Pressehaus gedruckten "Bildtelegraf" durch Konkurrenz machen wollte. Titelwechsel "Neues Bild Telegramm", "Wiener Bild-Depesche" u. a. Mit 25.3.1958 eingestellt.
  Bild-Telegraph Ab 3.4.1954 von drei Bundesländerzeitungen unter dem westösterreichischen Publizisten G. Canaval u. a. in Wien hg. Boulevardzeitung (s. o). Sollte unter Chefredakteur G. Bacher dem Kurier Konkurrenz machen. 23.7.1958 von L. Polsterer (Kurier) übernommen.
  Arbeiterzeitung Parteizeitung der SPÖ. 1889 von Viktor Adler als Nachfolgerin der verbotenen "Gleichheit" (unter V. Adler ersch. 1886-1889) gegründet. Erschien ab 12.7. zunächst 14tägig, ab 18.10.1889 wöchentlich, ab 1.1.1895 als Tageszeitung. 12.2.1934 verboten. Zwischen 25.2.1934 und 15.3.1938 wöchentlich in Brünn produziert und eingeschmuggelt. Nach dem Krieg (5.8.1945) als Parteizeitung der SPÖ neu gegründet (Auflage bald 245 000). Chefredakteure: F. Austerlitz 1895-1931, O. Pollak bis 1934 und 1946-61, F. Kreuzer bis 1967, P. Blau bis 1970 und M. Scheuch bis 1989. Ab 15.9.1989 unabhängig (R. Hochner), 31.10.1991 endgültig eingestellt (nur noch 100 000 Auflage). Seit 2004 sind die Jahrgänge 1945-1989 "retrodigitalisiert" im Internet abrufbar (www.arbeiter-zeitung.at).
  Volksstimme Als "Österreichische Volksstimme" 5.8.1945 gegr., 21.2.1957 umbenannt, 3.3.1991 eingestellt und als Wochenzeitung "Salto" bis 1993 weitergeführt. Ab 1994 wieder unter "Volksstimme" wöchentlich erschienen (eingestellt Oktober 2003). Parteizeitung der KPÖ.
  Neue Österreichische Tageszeitung Erschien zwischen 22. 6. 1947 und 15. 5. 1964 zunächst als "Wiener Tageszeitung, Zentralorgan der ÖVP", später als "Neue Wiener Tageszeitung", zuletzt als "Österreichische Neue Tageszeitung". War lange Zeit das Organ von Bundeskanzler J. Raab.
  Das Neue Österreich Wurde ab 23.4.1945 von den damals drei einzigen Parteien ÖVP, SPÖ und KPÖ gemeinsam bis Mitte der 50er-Jahre unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Figl herausgegeben. Chefredakteur Ernst Fischer. ("Eine Zeitung, in der drei Parteien lügen, sagt fast schon die Wahrheit.")
  Die Österreichische Zeitung Ab 15. April 1945 von sowjetischen Besatzungsoffizieren in Wien hg., 31.7.1955 eingestellt. Untertitel zunächst "Frontzeitung für die Bevölkerung Österreichs", ab 23.8.1945 "Zeitung der Roten Armee für die Bevölkerung Österreichs.

 

Gesamtreichweite aller österreichischen Tageszeitungen in Österreich (am Wochenende höher als Mo-Fr): zur Zeit (2017) 63,3 % (ca. 5 Mio. Leser, Tendenz, vor allem bei den Unter-60-Jährigen, abnehmend, aber immer noch im europäischen Spitzenfeld (um 1990 aber noch bei 75%). Ranglisten-1.: Schweden mit 88%. Zum Vgl.: Portugal 38%). Gesamtauflage der Kaufzeitungen in Österreich 2010 fast 2 Millionen, Werbeeinnahmen ca. 1 Milliarde €. Weltweit lasen 2006 ca. 1,4 Mia. Menschen täglich eine Zeitung. Es gab über 11 000 Kaufzeitungen. - Eine Auflistung aller Webseiten österreichischer Medien findet sich unter Media A-Z. Für Deutschland vgl. folgende Übersicht. Weltweit die besten Ausgangsseiten sind OnlineNewspapers (Tausende Links weltweit) oder Newspapers of the World on the Internet. - Zur Publikumsforschung siehe Kapitel 11. - Für aktuelle Entwicklungen s. "Was seither geschah", Zeitungen im Zeitraffer (Chronologie des jeweiligen Medienjahres in Österreich) bzw. Seite des Bundesverbandes deutscher Zeitungsherausgeber.

Die Kategorisierung der Tageszeitungen erfolgt gemeinhin gemäß einer (oder mehrerer) der fünf folgenden Gruppen:

1) Qualitätszeitungen (sachlich, keine Vermischung von Kommentar und Bericht bzw. redaktionellen und Werbetexten, unabhängig, unparteiisch, unbeugsam, recherchieren präzise, bringen "Hard News", diskursive Kommentare von außen, Vorhandensein von Zusatzinformationen, weiterbildenden Bildungs- und Wissenschaftsthemen bzw. Berichten zu anderen Ländern und Kulturen, zeigen Zusammenhänge auf, kein Kampagnenjournalismus, Quellennachweis, Zitierung nicht nur eines Akteurs, Nennung der Verfasser der Artikel, Themen betreffen alle, werden im Hinblick auf Konsequenzen und Entscheidungen dargestellt, behandeln öffentliche Belange): z. B. Nr. 5, 8, 10, 11
2) Boulevardzeitungen (eher niedrigerer Standard, populistisch, emotional, wertend, hoher Bildanteil, große Schlagzeilen, hoher Anteil an "Soft News", Themen betreffen Einzelne, behandeln private Belange): z. B. Nr. 1, 2, 4, 6
3) Regionalzeitungen (nicht im gesamten Bundesgebiet verbreitet): z. B. Nr. tw. 3, 7, 9, 10, 12, 13
4) Parteizeitungen (Organe politischer Gruppierungen; spielen kaum noch eine Rolle): z. B. 14
5) 
Spartenzeitungen (decken einen eingegrenzten Themenbereich ab; "special interest", z. B. die italienischen Sport-Tageszeitungen oder in Ö früher das "Wirtschaftsblatt")


JOURNALISMUS / KAPITEL 3

  Journalistische Darstellungsformen:


 

Die folgenden Darstellungsformen kommen (mit Ausnahme der Meldung) nicht nur in Reinkultur, sondern auch gemischt vor. Die Grenzen sind, besonders in Boulevardblättern, verschwommen.

Mittel zum Zweck: Recherche (= Verfahren zur Beschaffung und Beurteilung von Nachrichten: Check - Gegencheck - Recheck, s. u.)

Allgemeine Gestaltungskriterien: Immer populärer wird der "Lead-Stil" (zB "Climax first", "Top heavy", "Inverted pyramid")

Mediensprache: Kriterien sind Verständlichkeit, Einfachheit, Kürze, Prägnanz, Lebendigkeit, Direktheit, "Saft und Kraft", Orientierung an den Maßstäben des Lesers, Gliederung, Ordnung, Verb- statt Nominalstil. - Vgl. Wie man Texte schreibt, die gelesen werden... und Mediensprache


I. Tatsachenorientierte (informierende) Formen:

- Nachricht: Enthält zumindest die ersten vier der "Sechs W des Journalismus" (Wer? Was? Wo? Wann? Wie? Warum?; Reihenfolge je nach Bedeutung)
Kürzeste Form: Meldung
Längere Form: Bericht.
Man unterscheidet soft news / hard news.
Wichtigstes und oft einziges abgegrenztes Element: Schlagzeile
12 Nachrichtenfaktoren: Frequenz, Schwellenfaktor, Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit, Konsonanz, Überraschung, Kontinuität, Variation, Bezug auf Elite-Nation, Bezug auf Elite-Person, Personalisierung, Negativismus

- Reportage: Leser soll Gefühle vermittelt bekommen, miterleben können (z. B. Sport-, Sozialreportagen, Reisebericht). Verbindung von Information mit Unterhaltung.
Inside-Story, wenn der Autor selbst Augenzeuge ist, z. B. als "verdeckter Ermittler". (Zusammenhang mit Enthüllungs-, investigativem Journalismus, abwertend muckraking) Lebhaft v.a. durch Wechsel der Perspektive (von außen - als Betroffener, nah - total, akute - latente Aktualität, Beobachtung - Fakten, Darstellung - Reflexion etc., Tempo-, Tempuswechsel, Wechsel der formalen Mittel, z. B. Erlebnisbericht, Stimmungsschilderung, Zitat, Dokumentation etc. Wichtig: Originalität

- Report: erst seit einigen Jahren existent. Größtumfängliche Darstellungsform. Stellt ein komplexes Problemthema unter allen Aspekten dar. Ausgangspunkt: oft ein Einzelfall.

- Interview: erscheint als Klassisches Interview, Gebautes Interview (in einen Text eingearbeitet), Kurzinterview, Sonderform Statement (nur eine kurze Stellungnahme).
Das Interview informiert über Meinungen. (Nicht nur Darstellungsform, auch Recherchier-Methode) s. auch u.
"Interviewen heißt: Antworten einfordern." Wichtig: Zuhören!

- Dokumentation: oft historische oder zeitgeschichtliche Faktendarstellung

- Feature: (= engl. Gesichtszug) Meinungsstreiflicht, das stärker als die Reportage Abstraktes in Alltagserfahrung umsetzt ("Bunter Bruder der Reportage"). Das Reportageartige befindet sich oft zwischen einem szenischen Einstieg und einem szenischen Schluss. Trockene Sachverhalte können so unterhaltsam dargestellt werden. Zeigt ein allgemeines Problem anhand von Einzelfällen auf.


II. Meinungsorientierte (reflexive) Formen:

- Kommentar: subjektive Wertung aktueller Ereignisse.
Spezielle Formen: Leitartikel (oft vom Chefredakteur verfasst, maßgebend für die Blattlinie); Analyse (ev. eigenständige Form - oft längere interpretierende Erläuterung von Geschehnissen; oft einfach als Artikel bezeichnet, als größere Nachrichtenmagazin-Geschichte verleiht sie dem Geschehen eine Tendenz); Kolumne (in bezug auf Autor oder Titel gleichbleibende Zeitungsspalte(n); Glosse (Kurzform - pointierte Besprechung nur eines Ereignisses, Zustandes etc.; s. u.)
Sprachwurzel "mens" in lat. commentari = überdenken
Ziel: die geäußerte Meinung soll den Lesern / Hörern dabei helfen, sich selbst eine Meinung zu bilden.
Aufbau: Kurze, prägnante Überschrift - These - Argumentation - Wiederaufgreifen der These am Schluss
Sprachliche Mittel: wertende Ausdrücke, sprachliche Bilder, Sprachspiele (oft schon in der Überschrift)
Formen: Gradeheraus-Kommentar / Argumentations-Kommentar / Einerseits-Andererseits-Kommentar (Selten! Ein Kommentar ist keine Erörterung, sondern bezieht eindeutig und oft auch einseitig Stellung.) Die verfeinerte Form des Kommentars heißt "Glosse" (s. u., 2. Teil)

- Rezensionen: Verknüpfung berichtender Elemente mit subjektiven Eindrücken, wie bei der

- Kritik: z. B. Fernseh-, Film-, Theaterkritik (Objektive Information + subjektive Wertung)

- Portrait: subjektive Sicht einer relevanten Person (oft als Nachruf)

- Essay: politisch oder ästhetisch urteilender Aufsatz aus subjektiver Sicht mit dem Anspruch auf höheres Niveau (oft pejorativ Traktat) Auch literarisch.


III. Phantasieorientierte Formen:

- Feuilleton: nicht nur Darstellungsform, auch Ressort. Will (soll) geschliffen, pointiert, auch aphoristisch, verdichtet, dichterisch sein. Typisch für den Feuilleton-Stil ist die Verwendung rhetorischer Figuren und sprachlicher Bilder. Auch literarische Gattung.
Sprachwurzel: frz. feuille(t) = (ursprünglich beigelegtes) Blättchen

- Comic: Bildfolgen (in der Regel) zur Belustigung

- Karikatur: durch ihre Aussage gleichzeitig meinungsbetonte überspitzte Illustration

- Zeitungsromane, Kurzgeschichten etc

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 4

  Journalistische Ethik und Verantwortung:


 

 

I. Grundlagen:

- Rechtliche Situation: Verfassungsmäßig garantierte Pressefreiheit, Sonderrechte für Journalisten wie Informationsanspruch gegenüber Behörden, Zeugnisverweigerungsrecht, spezielle Pflichten, v. a. die Sorgfaltspflicht) sowie der (freiwillige) Ehrenkodex für die österreichische Presse (in den meisten Demokratien ähnlich geregelt). Eventuelle Abhängigkeiten entstehen durch die Presseförderung (Zahlen unter "Förderungsergebnisse"). (Vgl. Presseförderung, entsprechendes Gesetz und Kapitel Medienrecht; 2004 erhielten in Österreich folgende Medienprodukte (da ihr Anzeigenanteil die höchstzulässigen 22% nicht überstieg) insgesamt ca. 7 Mio. € Presseförderung:  "Der Standard" und "Die Presse" je 1,243 Mio. €, "Neues Volksblatt" 1,118 Mio. €, "Neue Kärntner Tageszeitung" 1,095 Mio. €, "Neue Vorarlberger Tageszeitung" 820 000 €, "Salzburger Volkszeitung" 784 000 € und "Wirtschaftsblatt" 691 000 €. 2011 betrug die Gesamtsumme 12,4 Mio. € (etwa zur Hälfte zur Förderung "regionaler Vielfalt": "Der Standard" 1,11 Mio. €, "Die Presse" 1,21 Mio. €, "Neues Volksblatt" ca. 840 000 €, "Neue Kärntner Tageszeitung" ca. 975 000 €, "Neue Vorarlberger Tageszeitung" ca. 786 000 €, "Salzburger Volkszeitung" 859 000 € und "Wirtschaftsblatt" 626 000 €). Die Presseförderung wurde für die Jahre bis 2014 gekürzt.

- Denkanstöße: Folgende Begriffe bezeichnen z. T. diesseits, z. T. jenseits einer (wie immer definierten) moralischen Grenze liegende Journalismusbereiche: Investigativer J., Scheckbuch-J., Sensations-J., verdeckter J., erschlichener J., inquisatorischer J., spekulativer J., anwaltschaftlicher J., Termin-J., Verlautbarungs-J., Hofberichterstatter-J., staatsgefährdender J., Satire-J., Katastrophen-J., Hinrichtungsjournalismus

- Journalistische "Super-GAUs": Situationen, in denen die Berichterstattung die Ereignisse in unverantwortlicher Weise mitbestimmt oder verändert hat; z. B.: Geiselnahme von Gladbeck (die Verbrecher gaben während der Tat Fernsehinterviews), Affäre Barschel, Berichterstattung über die Morde von Lainz, über O. J. Simpson, Todesfahrt der Lady Diana, 2011 aufgeflogener Bestechungs- und Abhörskandal rund um das MurdocH-Medienimperium ("News of the World", "Sun" hatte illegal Mailboxes, z. T. von Verbrechensopfern und Prominenten, abgehört)


II. Drei Theorien zur journalistischen Verantwortung:

- Journalistische Individualethik (an den einzelnen Journalisten gerichtet): Verantwortlich für (Print)medienerzeugnisse ist der, der schreibt (als Träger der Schlüsselrolle im Kommunikationsprozess). Setzt ein hohes Niveau berufsethischer Grundsätze - daher eine dementsprechende Ausbildung - voraus. Zur Orientierung dienen Gesetze und Berufskodizes (freiwillige Selbstkontrolle ohne Sanktionierungsmöglichkeiten; "Presseräte" können nur überwachen). Oft geraten Gesinnungsethik ("Das gehört veröffentlicht!") und Verantwortungsethik ("Aber welche Folgen hat das?") miteinander in Konflikt. Oberstes Prinzip muss die mitmenschliche Achtung vor dem dargestellten Objekt und dem Publikum sein.

- Ethik der Medieninstitutionen/-systeme (an Systeme, Herausgeber, Besitzer gerichtet): Verantwortung ist keine Frage der individuellen Moral (wenn auch der einzelne Journalist nicht völlig von seiner Verantwortung entbunden wird), sondern eine der (durch gesellschaftlichen Konsens bestimmten und z. T. gesetzlich geregelten) Institutionen und Systeme. Es besteht allenfalls "gestufte Verantwortung". In einer Druck erzeugenden Wettbewerbssituation (z. B. öffentliche/private Medien) trifft die Verantwortung v. a. die Medieninhaber. Unterschiedliche Kompetenzen ergeben unterschiedliche Verantwortungen (s. o.: Stufung). Zu Beachten ist die "Fernethik". (Der Mensch ist zu sehr auf "Nahethik" eingestellt, Medien haben aber eine Fernwirkung.)

- Publikumsethik (an die Leser gerichtet): Verantwortlich ist nach dem Prinzip der kollektiven Verantwortung der (hoffentlich) vernunftgesteuerte Rezipient (Konsument, Leser). Ziel: Durchschauen von Manipulationen, Ideologiekritik. Mögliche Fehler: Moralisieren und Dämonisieren (rufen Abwehr statt Einsicht hervor). Kritischer Medienumgang bedingt einen gesellschaftlichen Kommunikationsprozess. Die Öffentlichkeit hat eine Überwachungsfunktion (communual resposibility). Sie kann Medienverweigerung (nicht als Flucht, sondern als Zurückweisung minderwertiger Produkte verstanden) betreiben. Dieser Ansatz setzt ein aufgeklärtes, emanzipiertes Publikum voraus.

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 5

  Das Interview:


 

- Allgemeines:
Unter "Interview" versteht man einerseits eine sowohl in den Printmedien wie auch in den elektronischen Medien vorkommende Recherchiermethode bzw. (meist tatsachenbetonte) journalistische Darstellungsform, andererseits eine Methode der empirischen Sozialforschung.
Die Kommunikationsform (mit fester Rollenverteilung) assymetrisch (komplementär). Im folgenden besprochen wird nur das Journalistische Interview. Es folgt meist weniger strengen Regeln des Formulierens und Auswertens als das Wissenschaftliche Interview. Es stellt die Haltung einer bestimmten Person zu Sachfragen (Sachinterview) oder die Person (Persönlichkeitsinterview) dar. Unterschieden werden auch Informationsinterviews von Konfrontationsinterviews.

Inhaltlich unterscheidet man Sach(verhalts)interviews / Meinungsinterviews / Personeninterviews. Voraussetzung: Gute Vorbereitung, Rücksicht auf das spezifische Medium

 

A. Folgende Formen:
- Gebautes Interview:
Das Gespräch wird nicht in einer Frage-Antwort-Form abgedruckt, sondern in einen äußerlich als Bericht erscheinenden Artikel eingebaut.
- Klassisches Interview: herkömmliches Frage-Antwort-Wechselspiel; ein Sachverhalt (eine Person etc.) soll umfassend durchleuchtet werden. Oft erweitern grundsätzliche Fragen den aktuellen Stand der Debatte. Durch starke Gliederung leicht lesbar.
- Kurzinterview: 20-50 Zeitungszeilen; knappe Fragen, knappe Antworten zu einem Themenbereich
- Statement: eigentlich gar kein Interview; abgedruckt (gesendet) wird nur eine relevante Aussage zu einem einzigen Thema, nicht die Frage(n)
- Interviewmeldung: Mischform; durch Aussagen aufgelockerte Recherche

B. Fragetechniken:
- Gezielte Frage:
Ergänzungsfrage (mit einem Fragewort eingeleitet); fordert zur (umfangreichen) Darstellung heraus; oft ergänzt von Konkretisierungsfragen
- Provokationsfrage, provokante Feststellung: "reizt" den Interviewten, spitzt zu
- Kombinierte Frage: Kombination aus 1 und 2
- Einschätzungsfrage: will die Meinung der Interviewten ausloten
- Suggestivfrage: legt bestimmte Antwort in den Mund; zwingt oft zu genauer Antwort bzw. hilft weiter, wenn sie im Sinne des Interviewten ist.
- Nicht direktive Formulierung (des vom Interviewten Gesagten, Spiegeltechnik); man versichert sich des Verständnisses
- Unterbrechende Frage: verhindert Abschweifungen, spitzt zu
- Entscheidungsfrage: fordert "Ja" oder "Nein"; selten, am ehesten beim Interviewhöhepunkt

C. Was will der Interviewer? (Was sollte er wollen?)
- Vermittlung von Stellungnahmen, Meinungen, Persönlichkeitsmerkmalen
etc. relevanter Personen an das Zielpublikum. (Oft direkt, z. B. im TV). Der Interviewte sollte vorher über die Art des Interviews informiert sein!
- Antworten einfordern, zu Reaktionen zwingen, Katalysator sein etc. zum Nutzen des Publikums, nicht aus Lust an der Inquisition (bzw. um jemanden "hereinzulegen"); informieren, nicht dekuvrieren; keine Vergewaltigung, höchstens Zweikampf. Wichtig: Zuspitzen!
- Abwehrstrategien verhindern bzw. ihnen vorbeugen. (Die wichtigsten davon sind: Ausweichen, floskelhaftes Formulieren und Verweigern einer Antwort.) Hart bleiben!
- Gut vorbereitet sein, sich nicht ablenken lassen, auch selbst nicht floskelhaft formulieren. (Nur ungewöhnliche Fragen erbringen ungewöhnliche Antworten.)

D. Analyse:
Eine Interviewanalyse hat daher folgende Fragen zu beantworten:
- Welche Form liegt vor?
- Welche Art von Fragen wird gestellt?
- Gelingt die Entlockung wichtiger Aussagen?
- Kann man Abwehrstrategien beobachten?
- Herrscht gutes oder schlechtes Einvernehmen?
- Ist das Interview Herumrederei oder ist es informativ?
- Ist die Argumentation gut?
- Versucht der Befrager, seine eigene Meinung zu unterschieben?
- Ist das Interview inquisitorisch oder hart?

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 6

  Wirkungen der Massenmedien:


 

I. Entwicklung der Forschung:

- Tendenz von der Einzelstudie zur umfassenden Untersuchung
- Annahme starker/schwacher Medienwirkung wird vermischt mit Konzept vom aktiven/passiven Medienpublikum
- Wirkungsforschung berücksichtigt heute Empfänger und Sender


II. Was ist Wirkung?

- Definition: Allgemein: Sämtliche Verhaltens- und Erlebensprozesse, die darauf zurückzuführen sind, dass der Mensch Rezipient im Felde der Massenkommunikation ist. Im engeren Sinn: Nur postkommunikative Wirkungen, die als Resultat der Massenkommunikation auftreten, werden beachtet (unter Ausschluss der präkommunikativen und der kommunikativen Phase). Lasswell-Formel: "Who says what in which channel to whom with what effect?" (Lasswell, Harold D. (1948): The structure and function of communication in society.)

- Wirkungsbereiche: Verhalten, Wissen, Meinungen und Einstellungen, Emotionen, Tiefensphären des Psychischen, physischer Bereich. Man unterscheidet daher: Meinungs-, Wahrnehmungs-, Gefühls-, Handlungsänderung


III. Wirkungstheorien
(vgl. Univ. Bern: Medienrezeption):

- Stimulus-Response-Theorie: Bei etwa gleichen Reizen (= Medienkonsum) reagiert das Publikum jeweils etwa gleich. Medienwirkungen rühren in gerader Linie von bestimmten Ursachen her. (Naheliegend: Omnipotenztheorie: Theorie von der Allmacht der Medien)

- Ohnmachttheorie: Massenmedien sind wirkungslos, zumindest solange keine anderen "mediating factors" wirksam werden (z. B. wenn Politiker annehmen, Medien hätten eine Wirkung, und daraufhin, wie in Hainburg, ihre Politik ändern oder wenn Opinion-Leader Meinungen verbreiten. - Opinion sharing, Diffusionsforschung)

- Verstärkertheorie: Mediating factors bewirken eine Verstärkung bestehender Bedingungen. ("The media are more likely to reinforce than to change"). Abhängig von der Glaubwürdigkeit der Quellen. Sleeper-Effect: Skepsis reduziert sich allmählich.

- Nutzenansatz: Konzept vom aktiven Publikum, das intentional handelt (nicht passiv reagiert). Angebote werden nur angenommen, wenn sie (irgend)einen Nutzen versprechen: "Uses-and-Gratifications-Approach"; Nimmt funktionale Wirkung der Medien an.

- Agenda-Setting-Theorie: Wortbedeutung: "Aufstellen einer Tagesordnung". Die Theorie besagt, dass Medien jene Themen bestimmen, über die (öffentlich) diskutiert wird. Häufigkeit und medienspezifische Aufmachung von Themen, Streitfragen, Problemen etc. setzt beim Rezipienten unbewusstes Registrieren, Zählen in Gang. Widerspricht z. T. der Nutzentheorie. (Vgl. auch u. "Framing")

- Dynamisch-transaktionaler Ansatz: Beim Medienkonsum geschehen Transaktionen, die sich im Rahmen von Stimulation, Manipulation, Interpretation bewegen (aktive + passive Komponente)

"Medienwirkungen resultieren aus multiplen, transagierenden Stimulationen und Reaktionen, die im Zeitverlauf insbesondere die Wahrscheinlichkeiten verändern,
mit denen einzelne Faktoren des Wirkungspotentials der Medien wie des Rezeptionspotentials der Rezipienten zum Zuge kommen."
Früh & Schönbach (1982, S. 84-85; vgl. Kapitel 2.2.3.1)

- Schematheorie: Die Fülle der auf uns einströmenden Informationen wird durch während des Sozialisationsgeschehens erworbene Schemata gelenkt und gefiltert

- Theorie der kognitiven Dissonanz: Erklärt die psychologische Dynamik, von der die Aufnahme bestimmter Botschaften bzw. die Missachtung/Umdeutung anderer gesteuert wird, durch die Tendenz, keine zu große Dissonanz zur "herrschenden" (Gesellschaft, Freundeskreis) Meinung aufkommen zu lassen. (Isolationsfurcht)

- Schweigespirale: Wer sieht, dass seine Meinung an Boden verliert, schweigt eher als andere, woraus sich eine Unterrepräsentierung ergibt. Wer laut redet, wirkt hingegen stärker, als er ist.

- Increasing knowledge gap: Durch die Medien wächst die Wissenskluft zwischen Gebildeten und Ungebildeten (Oft sind aber auch die Gebildeten nur overnewsed, but underinformed)

- Priming-/Framingtheorie: Ein Reiz kann die Verarbeitung eines nachfolgenden Reizes positiv oder negativ beeinflussen, wenn der erste Reiz gewisse Gedächtnisinhalte aktiviert. Durch häufige Wiederholung findet eine Bahnung für bestimmte Gedächtnisinhalte statt (= Priming). Das Wissen darum ermöglicht Medienmanipulationen.
Die Einbettung von (politischen) Ereignissen und Themen in subjektive Interpretationsrahmen durch massenmediale Akteure und politische Pressearbeit, umgangssprachlich „Kästchendenken“ oder „in ein (Denk)Raster setzen“, nennt man "Framing". Dabei wird eine bestimmte (politische) Thematik durch selektive Betonung und Akzentuierung, sowie Attribuierung (Zuschreibung, -weisung) bestimmter Merkmale dem Publikum auf eine bestimmte Art und Weise vermittelt. Die Thematik wird in den gesellschaftlichen Sachverhalt eingebettet, als Problematik definiert. Mögliche Ursachen und zugehörige Problemlösungsansätze werden vorgestellt. Die „Frames“ sind emotional und normativ besetzte, überwiegend unbewusst vermittelte Basisvorstellungen vom Menschen, der Gesellschaft und politischen Aufgaben. Sie bilden den Hintergrund beziehungsweise Rahmen für politische Öffentlichkeitsarbeit.

"In dem Maße, wie es den Medien gelingt, [...] Aufmerksamkeitsströme auf öffentlich relevante Gegenstände zu lenken, [...] gewinnen sie eine über Thematisierungs- und Themenstrukturierungseffekte weit hinausgehende Wirkmächtigkeit:
Sie setzen nicht nur Themen, sie fordern auch die offizielle Politik heraus und legen gar bestimmte Handlungsweisen nahe"
. (Frank Marcinkowski; vgl. auch o. "Agenda-Setting-Theorie")

 

 


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