Diese Seite ist Teil der Homepage von Thomas Knob aus Österreich. - Letzte Änderung 27.1.2019


Vorbemerkung:
Dieses unentgeltlich zur Verfügung gestellte Kompendium dient dem Verfasser und seinen Schülerinnen und Schülern vor allem als Vorlage für den gymnasialen Schulunterricht im Wahlmodul "Journalismus" und erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Fehlerlosigkeit. Es ist hemmungslos eklektizistisch und will Hilfestellung für Lehrende und Lernende, nicht Wiedergabe eigener Forschungen sein. Quellenangaben werden, soweit dies möglich ist, beigegeben. Sollten diesbezüglich (oder anderweitig) Fehler bzw. Unterlassungen passiert sein, so möge dies bitte nachgesehen und über die beigegebene Mailadresse gemeldet werden. So bald wie möglich werden Korrekturen erfolgen.

 

 

EINFÜHRUNG IN DEN JOURNALISMUS UND
DAS ÖSTERREICHISCHE MEDIEN-, V. A. TAGESZEITUNGSWESEN, 2. TEIL

(Kapitel 7-12, mit LINKS ins Internet)

 

 


Kapitel 1 - Kapitel 2 - Kapitel 3 - Kapitel 4 - Kapitel 5 - Kapitel 6 (= TEIL 1) - Kapitel 7

Kapitel 8 - Kapitel 9 - Kapitel 10 - Kapitel 11 - Kapitel 12 (= TEIL 2) - Materialien - Home
 

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INHALTSVERZEICHNIS,
BEIDE TEILE

 

 

 

  1. Kapitel: Allgemeines õ
  2. Kapitel: Entwicklung des österreichischen Tageszeitungsmarktes õ
  3. Kapitel: Journalistische Darstellungsformen
õ
  4. Kapitel: Journalistische Ethik und Verantwortung
õ
  5. Kapitel: Das Interview
õ
  6. Kapitel: Wirkungen der Massenmedien
õ
  7. Kapitel: Medien und Kommunikation ø
  8. Kapitel: Der Journalist - mögliche Berufsbilder
ø
  9. Kapitel: Die Arbeit des Zeitungsjournalisten
ø
10. Kapitel: Das österreichische Medienrecht
ø
11. Kapitel: Publikumsforschung in Österreich
ø
12. Kapitel: Die Glosse
ø

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 7

  Medien und Kommunikation:


 

3 Ziele von Kommunikation:

Beeinflussung (persuasive communication); auf Einstellungen bezogen. (Einstellung = Tendenz, auf ein Objekt mit bestimmten Gefühlen / Affekt, Wahrnehmungen und Vorstellungen/ Kognition sowie Verhaltensweisen zu reagieren)
Emanzipation (Erwerb von Fähigkeiten zum Diskurs, "Aufklärung")
Therapie


* Beeinflussung:

Kommunikation wird als ein Prozess verstanden, "by which an individual (the communicator) transmits stimuli (usally verbal) to modify the behavior of other individuals (the audience)." (Hovland u.a.) Heute wird das interaktive Element gegenüber einem reinen Reiz-Reaktions- Schema betont. Beeinflusst werden kann die Meinung, das Wissen, die Emotion oder das Verhalten eines anderen.

Konsistenzforschung: hält die Wirksamkeit der Beeinflussung für abhängig vom einem dem Menschen anscheinend innewohnenden Streben nach Gleichgewicht (Konsistenz, Kongruenz, Konsonanz). Jeder will einen Zustand der Vereinbarkeit zwischen seinen Einstellungen und seinen Verhaltensweisen erreichen bzw. erhalten. Spannungszustände drängen nach Aufhebung. Strategien dazu: selektive Wahrnehmung, Interpretation, Verdrängung etc. ermöglichen "kognitives Gleichgewicht".


* Emanzipation:

Kommunikation wird als pädagogisches Handeln, das Hilfe zur Selbstverwirklichung bieten soll, verstanden. Zur Selbstwerdung des Menschen (der unfertig, aber bildsam im Zuge seiner Menschwerdung durch die Hilfe solcher, die eine höhere Individuallage aufweisen als er, erst der werden muss, der er sein soll) gehört auch die kommunikative Kompetenz (situations- und medienadäquat Kommunikationen auszugeben und zu empfangen). Voraussetzungen emanzipativer Kommunikation sind ein Vorhandensein eines Selbst- und Fremdverständnisses, einer kommunikativen Ethik und einer Organisation der Kommunikationsbedingungen. Medienpädagogik (-didaktik) muss daher für Verständlichkeit der Sprache, für Wahrhaftigkeit und Verantwortungsgefühl (vs. Realitätsflucht zur Minderung kognitiver Dissonanzen) und für symmetrische Kommunikationsbeziehungen (s. u.) sorgen bzw. daraus abgeleitete Probleme erforschen.


* Therapie:

Für die Kommunikationswissenschaft interessant nur die Axiome Watzlawicks (s. unten "Modelle"). Alle diese Axiome haben einen pragmatischen Aspekt. (Sie verweisen auf verhaltensmäßige Wirkungen und den Verwendungszusammenhang von Kommunikationszeichen.) Nicht-Verstehen dieser Grundregeln bewirkt kommunikative und soziale Störungen und ist therapiebedürftig.

 

Kommunikationsmodelle:

Sie versuchen (meist graphisch) alle Bedingungen, unter denen (nicht nur sprachliche) Kommunikation erfolgt, darzustellen: Sender - Empfänger - Medium der Kommunikation - äußere und innere Rückkoppelungs-Regelkreise - ev. Störfaktoren - (aktiver / passiver), sich überschneidender Zeichenvorrat - Enkodierung / Dekodierung - Signalisierung (Übermittlung) - soziale Normen - Situation - etc. Bekannt wurden neben diesem allgemein gehaltenen Modell folgende drei Modelle:

* Organon-Modell: stammt von Karl Bühler. Dabei symbolisiert der Kreis in der Mitte das konkrete Schallphänomen, das Dreieck das sprachliche Zeichen, die Seiten des Dreiecks stehen für die semantischen Sprachfunktionen.

* 4 Ohren- (4 Schnäbel)-Modell: von Friedrich Schulz von Thun (vgl. Video). Dabei geht es darum, dass vier Botschaften auf einmal ausgesendet bzw. verstanden werden können: auf der Sachebene nach Wahrheit, Relevanz und Hinlänglichkeit qualifizierbare Inhalte, auf der Ebene der Selbstkundgabe implizit/explizit bzw. bewusst/unbewusst übermittelte Informationen über den Sender selbst, auf der Beziehungsebene implizit/explizit transportierte Hinweise auf den Beziehungsstatus und auf der Appellebene offen/versteckt ausgesendete Handlungsaufforderungen. (Beispiel: "Die Ampel ist rot." bzw. "Sie ist nicht grün." / "Ich denke mit." / "Du wirst nie Auto fahren lernen, brauchst jedenfalls meine Hilfe." / "Halt an!")

         

Kommunikationsmodelle von Bühler und Schulz von Thun (Quellen: https://de.wikipedia.org bzw. http://www.fachdidaktik-einecke.de)

* Konstruktivistisches Modell: von Paul Watzlawick (1921-2007) u. a. (zu Watzlawick s. auch u.; mit Videolinks). Grundidee: Durch Kommunikation werden (verschiedene) Wirklichkeiten konstruiert, auf die aus der eigenen Perspektive repliziert wird, sodass Missverständnisse vorprogrammiert sind. Die Fünf pragmatischen Axiome der Kommunikation (siehe Tabelle) stellen den Grundrahmen auf, innerhalb dessen sich sie Kommunikationspartner bewegen. ("Pragmatisch" bezeichnet den Verwendungszusammenhang des sprachlichen Zeichens, also die Sprechsituation, ein "Axiom" ist eine nicht weiter beweisbare Grundannahme.) Unter Kommunikation werden alle beobachtbaren Manifestationen menschlicher Beziehungen verstanden.

° Man kann nicht nicht kommunizieren.
° Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.
° Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.
° Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitaler Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für die eindeutige Kommunikationen erforderliche logische Syntax.
° Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Ungleichheit beruht.

* Sprechakttheorie: von John Langshaw Austin (1911-1960; How to Do Things with Words 1955, dt. Theorie der Sprechakte 1972) unterscheidet zwischen drei in alltäglichen Kommunikationssituationen simultan ablaufenden Sprechakten:

° Lokutiver (lokutionärer) Sprechakt: „Saying something ‘in the full normal sense’“. Z. B.: „Fahr vorsichtig, die Straße da vorn in der Kurve ist glatt.“ bringt eine Lautkette hervor (phonetischer Akt), die grammatisch geordnet ist (phatischer Akt) und auf eine Stelle hinweist, ihr eine Eigenschaft zuordnet und sich über das Fahrverhalten äußert (rhetischer Akt, der Beziehung zur Außenwelt - reference - und Sinn - sense - hat).
° Illokutiver Sprechakt: „Doing something in saying something“ (Warnen, Bitten, Drohen, Fragen etc.); = das Ergebnis einer Sprachhandlung, fällt zeitlich mit deren Vollzug zusammen; man vollzieht, indem man sich (lokutionär) äußert. Im Beispiel: Warnung
° Perlokutiver Akt: "Doing something by saying something“; Folgen einer Sprachhandlung, die sich an den Vollzug anschließen; man vollzieht, dadurch, dass man sich (illokutiv) äußert. Im Beispiel will der Sprecher Einfluss auf das Verhalten des Fahrers nehmen. (Der perlokutive Effekt kann aber ein anderer sein, z. B. Ärger.)

Beispiel nach wikipedia: Ein Sprecher vollzieht den perlokutionären Akt des Kränkens des Hörers, dadurch dass er den illokutionären Akt des Behauptens vollzieht, indem er einen lokutionären Akt vollzieht, wie z. B. die Aussage „Du bist hässlich".

* "Theorie des kommunikativen Handelns": von Jürgen Habermas (geb. 1929), tw. mit Bezug auf Austin, 1981 veröffentlicht. Beschreibt aus philosophischer Sicht die Notwendigkeit einer konsensorientierten "idealen" Kommunikationssituation (die zwar in der Realität nicht herstellbar sei, aber gefordert werden müsse), in der im "herrschaftsfreien Diskurs" ohne Täuschung über die Redeabsicht von allen, die sich dem „eigentümlich zwanglosen Zwang des besseren Argumentes“ unterordnen, gleichberechtigt nicht nur Wahrheits- und Wahrhaftigkeits-, sondern auch Gerechtigkeitsfragen gelöst werden sollen (auch eine Demokratietheorie).

* Theorie der Echokammern (Filterblasen): von Eli Pariser (geb. 1980). Kommunikation im Internet, vor allem in den (a)sozialen Netzwerken, tendiert dazu, aufgrund der Personalisierung ("Micro-Targeting") der Webinhalte selbstverstärkend nur solche Informationen zu liefern, deren Inhalte und Aussagen ohnehin dem User nahe sind. Auf algorithmischen Voraussagen beruhende, im Hintergrund angewendete Benutzermodelle führen automatisch in eine Echokammer (in die man hineinruft und aus der dasselbe wieder herausschallt). In der Isolation dieser Filterblase werden Standpunkte, die nicht denen des Users entsprechen, allmählich geschwächt. So entsteht eine einseitige Information, die kontroverse Aspekte allmählich verschwinden lässt und zu einer Diskursverarmung führt. [Eine ähnliche Selbstverstärkung hat Elisabeth Noelle-Neumann, 1916-2010) in ihrer Theorie von der Schweigespirale schon in den 1970er-Jahren beschrieben, nach der Minderheitenmeinungen dadurch allmählich in den Hintergrund gedrängt werden, dass ihren Vertretern der Widerspruch zur Mehrheitsmeinung unangenehm wird (Isolationsfurcht; vgl. Teil 1, Kap. 6). Die Gate-Keeper-Funktion der Medien verstärkt diesen Effekt.]

Zu Kommunikationsproblemen vgl. "Feierabend" oder "Das Frühstücksei "

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 8

  Der Journalist - Mögliche Berufsbilder:


 

"Redaktionelle Journalisten", die ihren Beruf ganztägig ausüben, gibt es erst seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. Seither haben sich die unten beschriebenen Rollenmuster herausgebildet. Die Berufsauffassungen wechseln jedoch je nach Aufgabenstellung und sind außerdem von prinzipiellen Haltungen beeinflusst. Jedenfalls nehmen Journalisten stellvertretend für den einzelnen Bürger das Grundrecht auf Informations- und Meinungsfreiheit in Anspruch. Durch diese Treuhänderschaft erwächst Verantwortung und die Notwendigkeit rechtlicher Absicherung (siehe Recht für MedienmitarbeiterInnen).
Die Berufsbezeichnung "Journalist" ist in den meisten europäischen Ländern nicht geschützt (und daher an keine spezielle Ausbildung, sehr wohl aber an Gesetze und Redaktionsstatuten gebunden; jeder kann sich "Journalist" nennen).
Definition (laut Deutschem Journalistenverband): Journalist ist, "wer hauptberuflich an der Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt ist"
Arbeitsfeld: Medien, Pressedienste, Öffentlichkeitsarbeit (veröffentlichende und dispositive Tätigkeiten).
Bezeichnungen: Redakteur, Reporter, Moderator, Korrespondent, Chef vom Dienst, Pressesprecher, Medienreferent, Öffentlichkeitsarbeiter etc.


Mögliche Berufsauffassungen:

- Der Journalist als objektiver Vermittler: Nach wie vor eine der dominierenden und erwünschtesten Auffassungen. Beinhaltet Verzicht auf (Be)wertung. "Facts are sacred, comments are free". Historisch mit der Entstehung von Nachrichtenagenturen (ca. seit 1850) verbunden.
Nutzen:
(Mündiger) Leser kann sich selbst seine Meinung bilden.
Gefahr: unkritischer Verlautbarungsjournalismus oder "Schoßhündchenpresse" (schreibt, womit man sie füttert). / Scheinobjektivität: Schon die Nachrichtenauswahl enthält eine Bewertung.

- Der Journalist als Meinungsmacher: Verbunden mit der Ansicht, dass der Journalismus (neben Legislative, Exekutive und Jurisdiktion) die "vierte Gewalt" im Staate sei (verfassungsrechtlich unhaltbar). Setzt gut ausgebildete, kompetente Journalisten voraus, der "interpretative Journalismus" begnügt sich nicht mit der Faktenweitergabe.
Nutzen: Der Konsument bekommt Kritik, Bewertung, hergestellte Zusammenhänge etc. geliefert; die Kontrollfunktion wird erfüllt.
Gefahr: Manipulation / Rollenkollision mit der Staatsanwaltschaft.

- Der Journalist als Anwalt: Der Journalist nimmt (als eine Art Ombudsmann) partikuläre Interessen wahr, die sich sonst nicht hätten Gehör verschaffen können (z. B. in der ORF-Sendung "Bürgeranwalt"). Vermittlung "von unten nach oben".
Nutzen: Bei sorgfältiger Recherche Service- und Solidarisierungseffekte, "Wachhundpresse" (passt auf).
Gefahr: Missbrauch (der Subjekte, denen "geholfen" werden soll, Degradierung zum Objekt) und Missbrauchtwerden (des Mediums für unredliche Zwecke).

- Der Journalist als Investigator: "Investigativer Journalismus" ist ein spätestens seit 1972 (Enthüllung des Watergate-Skandals durch Bob Woodward und Carl Bernstein) gängiger Begriff für das Aufdecken und Veröffentlichen offiziell zurückgehaltener Fakten. Auch "Recherche-Journalismus", da lückenlose Beweiskette notwendig ist.
Nutzen: Bei Wahl korrekter Mittel und verantwortungsvollem Abwägen des öffentlichen Interesses Aufklärung möglicher "Skandale", Kontrollfunktion.
Gefahr: Bei schlechter Recherche Klagbarkeit des Mediums / Anmaßung / Verletzung der Privat- und Intimsphäre / "Wadlbeißerpresse" / "Muckraking"

- Der Journalist als (Pseudo)wissenschaftler: Diese "Präzisionsjournalismus" genannte Auffassung verlangt die Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Füllung von Recherchierlücken. Meist aus Zeitmangel unmöglich, daher Quintessenz: Präziser Journalismus statt Präzisionsjournalismus.
Nutzen: Erst bei Selbstaufgabe der journalistischen Komponente der Arbeit.
Gefahr: Wissenschaftler ohne Zeit- und Aktualitätsdruck sind in jedem Fall im Vorteil.

- Der Journalist als Pädagoge: Der "Pfadfinder-Journalismus" will durch Aufgreifen gewisser Themen bzw. Durchsetzen gewisser Inhalte eine Richtung vorgeben.
Nutzen: Mögliches Durchsetzen anspruchsvollerer Medieninhalte.
Gefahr: Das zugrunde liegende Wertesystem müsste erst diskutiert werden / Ideologische Vereinnahmungsmöglichkeit durch totalitäre Systeme

- Der Journalist als Wissens- und Informationsnavigator: Da seit dem Aufkommen der digitalen Medien jeder und jede mehr oder weniger ungefiltert Inhalte ins Netz stellen kann, überwiegt inzwischen die Kompassfunktion das alte journalistische Rollenbild vom "ehrlichen Makler zwischen Politik und Öffentlichkeit".
Nutzen: bietet Orientierung in einer vielen undurchschaubar gewordenen Informationsflut
Gefahr: die Kriterien, die der Auswahl der empfohlenen bzw. unterstützten Inhalte zugrunde liegen, könnten im Verborgenen bleiben

- Der Journalist als Literat: Der "New Journalism" (entstanden in der Hippiekultur der 60er-Jahre unter Einfluss von Truman Capote,  z. B. in "Cold Blood", und Tom Wolfe) verwischt die Grenzen zwischen objektiven Fakten und ihrer literarischen Ausgestaltung. In phantasiebetonten Darbietungsformen steht nicht das Ereignis, sondern der Verfasser im Mittelpunkt. Vermittlung von Fakten mit Techniken der "fiction".


In Österreich entwickelte sich die journalistische Berufsauffassung vom reinen Vermittler (Beginn der 70er-Jahre) über den Interpreten und sogar Mitbestimmer (politischer) Sachverhalte (Ende der 70er-Jahre). Heute stehen bei Untersuchungen die Werte "Information" (99%), "Objektivität" (39%), "Konsequenz" / "Veröffentlichung der Wahrheit" (je 29%) und "Aufklärung" (21%) im Mittelpunkt der Erwartungen.

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 9

  Die Arbeit des Zeitungsjournalisten:


 

- Selektion: Eine Auswahl muss sowohl in bezug auf die einlangenden Materialien und Informationen als auch in bezug auf die zu behandelnden Themen selbst getroffen werden. (Wird dem einzelnen Journalisten von der Chefredaktion bzw. aufgrund von Sachzwängen oft aus der Hand genommen.). Problem der Verantwortung (Was gelangt an die Öffentlichkeit?). Wirksamwerden der Nachrichtenfaktoren (s. o.).

- Recherche: Beschaffung und Sicherung von Basisinformationen. Aus gegebenem Anlass oder von sich aus wird der einzelne Journalist aktiv tätig. (Personen finden/befragen, routinemäßige Telephonkontakte pflegen, Dokumente finden/prüfen, Agenturmeldungen regelmäßig verfolgen: die wichtigsten Agenturen in Österreich sind pressetext austria, die APA (gegründet 1.9.1946; zunächst 100 bis 150 Meldungen täglich, heute über 600 Meldungen, mehr als 500 Fotos sowie im Schnitt sieben Infografiken zu Themen aus Österreich und der Welt) und Reuters, Konkurrenzprodukte lesen, Radionachrichten hören, Polizeifunk abhören, online recherchieren - zb Internetlinks für Journalisten -, Pressekonferenzen besuchen, zB im Club Concordia, etc. = aktive Recherche.) Von passiver Recherche spricht man, wenn Materialien zur Verfügung gestellt werden oder der Redakteur angerufen wird.
3 Stufen (nach Hugo Portisch): Check (Themenabgrenzung, Plausibilitätsprüfung, Planung, erste Interviews) - Recheck (Audiatur et altera pars: Überprüfung der Gegenseite, Überblick verschaffen, dann in die Details gehen und die "6 Ws" klären) - Doublecheck (Konfrontation des Erstinformanten mit inzwischen recherchiertem Material, vor allem den Aussagen des Gegners). Grundsatz: "When in doubt, leave it out!"
2 Recherchetypen:
validierende (prüfende, mit Verifizierung, Falsifizierung oder Unklarheit endende) Recherche / investigative (enthüllende, zwischen Muckraking und Aufklärung stehende) Recherche. (Als Beginn des investigativen Journalismus im deutschen Sprachraum gilt der 1967 von Rudolf Augstein gegründete Spiegel)

- Ausarbeitung: Verfassen des Artikels nach den Grundsätzen der Mediensprache (s. o.)

- Präsentation: Erscheinungsform eines Artikels im Blatt (eines Beitrags im Radio, einer Seite im Internet - s. z. B. Online-Journalismus - etc.). Nicht alles wird vom Redakteur verantwortet. Wichtig: Platzierung im Blatt (z. B. erste Seite), Aufmachung wie z. B. Größe der Überschrift, Schriftart, Vorhandensein einer niedrigerrangigen zweiten Überschrift, Textumfang (dank des Dreiecksaufbaus eines Berichts kann bei Bedarf unten jederzeit weggekürzt werden), Garnierung mit Bildern, Kenntlichmachung z. B. eines Kommentars als Kommentar (vom berichtenden Teil getrennt, = Kennzeichen von Qualitätszeitungen!) etc., etc.

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 10

  Das österreichische Medienrecht:


In Österreich herrscht seit 1.1.1982 (MedienG) ein relativ fortschrittliches Medienrecht. (Vgl. zu diesem Thema auch Kap. 4.) Novelliert 1992 (v. a. wegen des Persönlichkeitsschutzes), Geltung seit 1.7.1993. 1997 (BGBl. Nr. 105) und 2005 neuerlich geändert. Unterschied zu früher z. B. im Entschädigungswesen und in der Erweiterung des Redaktionsgeheimnisses (§ 31 MedienG, Aussageverweigerungsrecht vor Gericht). Relevant ist außerdem das Journalistengesetz.


I. Verwendete Begriffe:

Gesetz (MedienG) will volle Freiheit der Medien gewähren (basierend auf dem Menschenrecht (Art. 19 der MRK) auf freie Meinungsäußerung und Information), allerdings eingeschränkt durch andere Vorschriften (MedienG selbst, StGB etc.). "Medium" ist definiert als "jedes Mittel zur Verbreitung von Mitteilungen oder Darbietungen mit gedanklichem Inhalt in Wort, Schrift, Ton oder Bild an einen größeren Personenkreis im Wege der Massenherstellung oder Massenverbreitung." (§ 1 Abs. 1 Z1). Extra erwähnt sind "periodische Medien".


II. Regeln für Medienmitarbeiter:

Für im MedienG definierte Medienmitarbeiter besteht zusätzlich zu den im ABGB, im JournalistenG, im AngestelltenG oder sonst wo kodifizierten Rechten und Pflichten z. B. "Überzeugungsschutz" (§ 2 MedienG; bedeutet das Recht auf Arbeitsverweigerung, wenn Grundsätze des journalistischen Berufs – vgl. Ehrenkodex - oder persönliche Überzeugungen verletzt würden.)


III. Schutz der Betroffenen:

Regelt die Interessenskollisionen zwischen Medien und "Betroffenen". Das rechtliche Instrumentarium zur Durchsetzung von Persönlichkeitsrechten gegenüber Medien ist im Wesentlichen in den unten angeführten Gesetzen geregelt. Folgende Aspekte sind bezüglich des Persönlichkeitsschutzes relevant:

- Ehrenbeleidigung: Im ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch) sind im §1330 Schadenersatzansprüche bei Ehrabschneidung oder Kreditschädigung geregelt.

- Urheberrechtsschutz: § 78 Urheberrechtsgesetz regelt die Öffentlichmachung von "Bildnissen von Personen", die nur dann erfolgen darf, wenn die Interessen des Abgebildeten oder bei Toten deren Angehöriger nicht verletzt werden. Rechtsfolgen bei einer Verletzung: Unterlassungs- und Beseitigungsanspruch, Urteilsveröffentlichung, Schadenersatzanspruch (materiell und immateriell).

- Jugendliche: § 7a Mediengesetz (s. auch unten) sagt, dass Interessen Jugendlicher auf jeden Fall schutzwürdig seien.

- Gegendarstellung: § 9 regelt die Möglichkeit, unwahre oder unvollständige Tatsachenmitteilungen nach einem Wahrheitsfindungsverfahren berichtigen zu lassen. (§ 13: Gleicher Veröffentlichungswert wie Bezugsstelle! Vgl. z. B. die seitenlange Entgegnung der "Krone" im Zuge des Lainz-Skandals.) Problem: Grenze zu Werturteilen nicht immer scharf.

- Mitteilung über den Ausgang eines Strafverfahrens: § 10 regelt die nachträgliche "Rehabilitierung" eines vorher zu unrecht Verdächtigten. (Da der Verdacht zum Erscheinungszeitpunkt berechtigt gewesen sein konnte, greifen weder Gegendarstellung noch eine Ehrenbeleidigungsklage.)

- Entschädigungen: Seit 1993 sind Ansprüche Betroffener auch ohne die Bestrafung des Verfassers durchzusetzen. Eine Mitteilung über das Verfahren bzw. eine Veröffentlichung des Urteils können mitbeantragt werden. Ungeachtet einer Klage wegen tatsächlicher Schäden vor den Zivilgerichten kann ein ideeller Schaden geltend gemacht werden. (Nicht bei Schülerzeitungen!)
Höhe: normalerweise bis 14 535 €, in Fällen besonderer Kränkung (vgl. § 6) bis 36 337 €; Anspruch stets gegen den Medieninhaber! (Früher: "Verantwortlicher Redakteur", der ersatzlos gestrichen wurde.)
Gründe: üble Nachrede, Beschimpfung, Verspottung, Verleumdung (§ 6), Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches (§ 7), Bekanntgabe der Identität in besonderen Fällen (§ 7a, wenn kein – vorrangiges! – Interesse der Öffentlichkeit besteht, bei Jugendlichen etc.), Verletzung des Schutzes der Unschuldsvermutung (§ 7b, unabhängig vom Urteil!), unbefugte Veröffentlichung von Überwachungsmaterial (§ 7c)

- Strafrecht: Echte strafrechtliche Verfolgung des Redakteurs ist v. a. wg. § 111, § 113, § 115, § 152 StGB (üble Nachrede usw.) möglich (Verurteilungen selten, wenn die journalistische Sorgfaltspflicht gewahrt oder z. B. eine Beleidigung nur öffentlichkeitsrelevant zitiert wurde.) Ein Wahrheitsbeweis oder ein Nachweis guten Glaubens kann verlangt werden, wenn sich der Täter darauf beruft (§ 112). Mit dem Strafantrag (meist Privatankläger) oft im Mediengesetz geregelte verbundene Anträge:
Beschlagnahme (§ 36, selten geworden) – Mitteilung über das eingeleitete gerichtliche Verfahren (§ 37) – Einziehung (§ 33; bei weiterer Verbreitung nach rechtskräftiger Entscheidung) – Urteilsveröffentlichung (§ 34).
Die letzten drei Anträge können auch selbständig ohne Verfolgung des Verfassers durchgesetzt werden. Außerdem geregelt: Impressum, Offenlegung (beides nicht notwendig bei erkennbar von Schülern für Schüler gemachten Zeitungen), Kennzeichnung entgeltlicher Einschaltungen und anderes mehr.

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 11

  Publikumsforschung in Österreich:


 

I. Allgemeines:

In Österreich gehören die meisten Tageszeitungen (s. o.; frühere Ausnahme: "Täglich alles", das aber seit Sommer 2000 nur mehr im Internet und bald gar nicht mehr erschien) sowie fast alle Wochenzeitungen und Magazine dem VÖZ (Verband Österreichischer Zeitungen; vgl.: Mitglieder) an. (Die Fachpresse wird vom Österreichischen Zeitschriftenverband vertreten.) ÖAK (Österreichische Auflagenkontrolle, hat 1994 die alte Druckauflagenkontrolle abgelöst) und MA (Media-Analyse) kontrollieren bzw. untersuchen die Verbreitung von ca. 150 Printmedien. (Reichweitenuntersuchungen gibt es natürlich auch bei den elektronischen Medien, z. B. ORF Radiotest, ORF Teletest etc.)


II. Auflagenarten:

- Verkaufte Auflage: Darunter versteht man die Summe der im Inland abonnierten Exemplare + dem Einzelverkauf + den Mitgliederexemplaren (die ja über den Mitgliedsbeitrag auch bezahlt sind)

- Verbreitete Auflage: Ist Verkaufte Auflage + Stummer Verkauf + Sonstiger Verkauf + Unentgeltliche Verbreitung im Inland

- Druckauflage: Ist Verbreitete Auflage + Auslandsexemplare + Restauflage

Vgl. Übersicht der ÖAK ("Aktuelle Daten")


III. Verbreitung:

Der stetig abnehmende, aber immer noch hohe Prozentsatz der täglichen Zeitungsleser lag in Österreich 2018 bei 63,3%. Die am weitesten verbreitete Zeitung ist die "Kronen-Zeitung" (s. o.), die meistgelesene Zeitschrift (ohne Supplements = in Zeitungen eingelegte Magazine wie z.B. die Programmbeilage tele mit 18,7% Reichweite, die zunächst beide im Nürnberger Medienverbund maul-belser - der dazugehörige Deutsche Supplementverlag ist zu 24,9% an der tele-Zeitschriftenverlagsgesellschaft beteiligt - produziert wurden - seit Oktober 2002 wird die TV-Woche von der 100%igen Springer-Tochter Presse-Programm-Service GmbH PPS hergestellt, das Presse-Wochenendmagazin "Schaufenster" oder Kurier-Freizeit mit 6,2%) ist in Österreich die Mitgliederzeitung des ÖAMTC. Zusätzlich zu den angeführten Zeitschriften und Magazinen existieren noch Österreichteile eutscher Medienprodukte, z.B. von "GEO" (immerhin 6,3% Reichweite), "Schöner Wohnen" (3,4%) oder "Eltern" (1,5%).

Österreichische Zeitschriften und Wochenmagazine mit mehr als 5% Reichweite
(Stand meist 2018, sortiert nach den Reichweitenangaben der media-analyse)

  1 Auto touring 28% Reichweite, monatlich über eineinhalb Mio. Leser; Clubzeitschrift des ÖAMTC. 1. Ausgabe (monatlich) Jänner 1947. Ab April 1955 färbige Titelseite. Mit Jänner 1956 14-tägig, Rotationsdruck im Zeitungsformat. Ab Dezember 1978 wieder monatliche Erscheinungsweise im Magazinformat, teilweise durchgehend 4-färbig produziert. Seit 1988 durchgehend vierfärbig, seit 1991 komplett am Computer produziert. Seit 2000 im Internet präsent.
  2 Weekend Magazin

12,1%; erscheint 14tägig gratis im gesamten Bundesgebiet. Herausgeber und Eigentümer ist Christian Lengauer. Chefredakteurin seit der Gründung 2006: Michaela Ernst: seit September 2011: Brigitte Biedermann

  3 Servus in Stadt und Land 12,0%; aus dem Red Bull Media House (Gesamtreichweite der Red Bull Media House Kombi + "The Red Bulletin", "Terra Mater", "Bergwelten" 22,1%)
  4 Die ganze Woche 10,3 %; gegründet 1985 von Kurt Falk; wöchentlich hg. vom Familiapress-Verlag, s. o. unter "täglich alles". Im Juli 2001 verkaufte Falk (gest. 2005) "Die ganze Woche" an eine Firma seiner Söhne.
  5 Oberösterreichische Rundschau 9,8%; entstand 1983 aus einem Zusammenschluss mehrerer Viertelzeitungen. (Zuletzt wurde Anfang 2003 die "Original Ischler Wochenrundschau" einverleibt.) Ab 1991 wird die "OÖ. Rundschau", bis dahin eine Sparte des Landesverlages, zur 100-%-Tochter und nun als "OÖ.Rundschau GmbH. & Co. KG" geführt. Ende 2008 genehmigt das Kartellobergericht den Zusammenschluss der Gratiszeitungen der Moser Holding AG (Bezirksblätter, Oberösterreichische Rundschau) und der Styria Media Group (Woche für Steiermark und Kärnten; beide Unternehmen halten je 50% und inkorperieren auch die Wiener Bezirkszeitung bz. Gesamtreichweite der "Regionalmedien Austria". 50,5%!). Hg. ist heute die Oberösterreichischen Landesverlag Holding. Franz Xaver Hirtreiter, der mit seiner Lancelot Media Holding GmbH 2005 57% an der oberösterreichischen Wochenzeitung von der Verlagsgruppe Passau erworben hat, gab insgesamt 51% an die Moser Holding (Eigentümer der "Tiroler Tageszeitung") ab. Die Anteile der übrigen Gesellschafter bleiben unverändert. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich ist mit 40 % beteiligt. 3 % hält die Österreichische Media Data Vertriebs- und Verlags GmbH der ÖVP. Vor Jahreswechsel 2009 stieg die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich mit 14,63 % direkt bei der Moser Holding ein und ist damit indirekt Besitzer von Rundschau-Anteilen. Seit 2009 wird die OÖ Rundschau im Kleinformat gratis an alle Haushalte verteilt.
  8 Solidarität 9,2%; Zeitschrift des ÖGB (Medieninhaber Verlag des österrreichischen Gewerkschaftsbundes).
  7 The Red Bulletin 8,9% (Red Bull Media House)
  6 TV Media 8,4%; gegründet von den Gebrüdern Fellner; von der Verlagsgruppe "News" wöchentlich produziert; größte Fernsehzeitschrift Österreichs.
  9 Gusto 7,2%; von der Verlagsgruppe "News" produziert; gehört der ZVB (s. d.).
10 Niederösterreichische Nachrichten 7,0%; als Neue Niederösterreichische Nachrichten 1965 in St. Pölten gegründete Wochenzeitung, in der 30 Lokalausgaben zusammengefasst sind. (Auch die BVZ = Burgenländische Volkszeitung wurde übernommen: Gesamtreichweite 8,8%) Ende 2005 stieg die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien mit 20% in den Verlag ein.
12 Gesundheit 6,5%
11 Complete Magazin 6,3%; vom Falter-Verlag produziert (für Besitzerinnen und Besitzer von Kreditkarten in Österreich; ehemals "VISA-Magazin")
14 Wochen-Journal 5,6%; seit 1999 im Format des Stammblattes erscheinende Wochenzusammenfassung der "Salzburger Nachrichten" (s. o.)
13 ORF-Nachlese 5,1%; Publikumszeitschrift des ORF; Verleger ist die ORF-Tochter Enterprise
 

Zum Vergleich (ausgewählte Titel):

Maxima 4,9%; BILLA-Frauenmagazin des Rewe-Konzerns
Woman 4,8%; seit November 2001 14tägig erscheinende Frauenzeitschrift aus dem Hause Fellner
Freie Fahrt 4,7%; Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten ARBÖ. 1909 Gründung des "Reichs-Organs der Arbeiter-Radfahrer", 1961 erschien das Klubjournal des ARBÖ erstmals unter dem Namen "Freie Fahrt".
Österreichische Bauernzeitung 4,6%; früher: "Bauernbündler"; höchster Abonnentenprozentsatz aller österreichischen Wochenzeitungen
Bundesländerinnen 4,6%; Magazinring von Moser Holding und Styria Media Group
Auto Revue 4,2%; von der Verlagsgruppe "News" produziert
News 4,1%; früher ca. 10%!); gegründet von den Gebrüdern Fellner (wie seinerzeit der "Rennbahn-Express", heute noch 2,9% Reichweite, und das inzwischen eingestellte "Basta"); seit 15.10.1992 wöchentlich von der Verlagsgruppe "News" (marktbeherrschender Magazinkonzern) produziert, die neben den unten angeführten Titeln auch "profil", "@media", "trend", "Gusto", "Woman", "Bühne", "Golf-Revue" und "Yacht-Revue" verlegt. Sie gehörte zu 30% der ZVB (s. d.), zu 17,5% Fellner Media, einer Privatstiftung der Gründer und ihrer Familien, und zu 52,5% dem deutschen Gruner+Jahr-Verlag, einer fast 75%igen Bertelsmanntochter. (Bertelsmann und WAZ halten über eine TV-Holding auch den größten Anteil an der RTL-Group.) 2006 geriet der Gruner+Jahr-Verlag mit den Fellners in Konflikt, da er die Gründung der neuen Tageszeitung (s. o.) aufgrund ihres geplanten dritten Buches als Konkurrenzierung von "News" ansah. Da die Fellners nicht freiwillig aus dem Beirat der News-Gruppe ausscheiden wollten, kündigte Gruner+Jahr dessen Auflösung an. Bis auf eine Finanzbeteiligung von 18,7% zogen sich die Fellners Ende August 2006 aus "News" zurück. Fellner-Nachfolger wurde Oliver Voigt, der Anfang 2011 vom Hamburger Matthias Schönwandt, einem Vertrauten von Gruner+Jahr-Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein, abgelöst wurde. (Voigt übernahm im März 2011 die Österreich-Geschäftsführung.) Als Schönwandt wegen Verstoß gegen Compliance-Regeln wieder gehen musste, übernahm im September 2011 Axel Bogocz den Posten eines Chefs der News-Geschäftsführung und Herausgebers. Seit 2018 gehören 75% der Verlagsgruppe, nunmehr unter dem Namen VGN Medienholding, dem Geschäftsführer Horst Pirker, der 2016 die Gruner+Jahr-Anteile gekauft hatte, und 25% den Fellners. Seit 2005 erscheint mit einer Reichweite von 1,9% auch ein ursprünglich als Beilage eingelegte Gesundheitsmagazin News Leben.
Profil 4,1%; von der Verlagsgruppe "News" produziert. Die profil-Redaktionsgesellschaft gehört zu 100% der ZVB (s.d.). 1970 vom späteren "Standard"-Gründer Oscar Bronner ins Leben gerufen.
Medizin populär 3,4%; im Verlagshaus der Ärzte, das auch die an alle fast 40 000 österreichischen Ärzte 24mal jährlich ergehende Österreichische Ärztezeitung herausbringt, 11mal jährlich erscheinendes Medienprodukt
Salzburger Woche / Fenster 3,4%
Gewinn 3,3%; gegründet im März 1982 [Hgg. Georg Waldstein und Georg Wailand]; seit 1990 wird zusätzlich das Abonnentenmagazin "Top Gewinn" (1,4%) hg.; Gesamtreichweite 4,0%
Bergwelten 3,3%; aus dem Red Bull Media House
Unsere Generation 3,0%; Monatsmagazin für die Generation 50+; Zeitschrift des SPÖ-Pensionistenverbandes
Wienerin 2,9%; seit 1986 zunächst im Metro-Verlag gegründetes "Zeitgeistmagazin"; jetzt Styria Media Group
Besser Wohnen 2,9%
Gesünder Leben 2,8%; Publikation des Verlags Gesünder Leben Verlags GesmbH
Falstaff 2,8%; Ratgeber für Genuss und Wein; seit 2017 hält Christian Klingler 23 Prozent am Verlag, die restlichen 77 Prozent sind im Besitz der Familie des Herausgebers Wolfgang M. Rosam.
Skip 2,8%; Gratis-Kinomagazin
Alles Auto 2,8%; Autozeitschrift, die 11x im Jahr bei Mamma Media Internet GmbH & Co KG erscheint
Sportmagazin 2,6% (hg. vom Sportmagazin-Verlag, der bis Juli 2002 zu 51% dem deutschen Springerverlag, zu 49% dem Verlagsgründer Herbert Pinzolits gehört. Rückwirkend mit 1.1.2002 hält die Mambo-Privatstiftung von Pinzolits 100%. 2007 fusioniert mit Styria Multi Media, an der Styria zunächst 50, seit März 2008 76% hält). Ende Jänner 2011 gab Pinzolits seine Anteile an die Styria Media Group ab (jetzt nach der News-Gruppe die zweitgrößte Zeitschriftenholding Österreichs), in der die Styria Multi Media komplett aufging.
Sportwoche 2,6%; Produkt der Styria Multi Media; erscheint seit 8.2.1999: Chefredakteure Gerald Enzinger und Manfred Behr
Welt der Frauen 2,6%; seit 1946 zunächst in Singularform von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs herausgegeben
@media 2,2%; von den Gebrüdern Fellner im Mai 2000 gegründet; von der Verlagsgruppe "News" 14tägig produziert
Format 2,2%; gegründet von den Gebrüdern Fellner; von der Verlagsgruppe "News" produziert
Terra Mater 2,2%; aus dem Red Bull Media House
Wiener 2,1%; zunächst Metro-Verlag, ab 1.2. 2000 Radda & Dressler etmutimedia, dann Styria Media Group, jetzt von Gregor Josel und Franz J. Sauer gekauft
Falter 2,0%; der Falter-Verlag gehört Armin Thurnherr und Siegmar Schlager; er hält 75% an der Zeitschrift "Falter". Eine von Thurnherr und Schlager gegründete übergeordnete Holding "ST Verlagsbeteiligungs GesmbH" hält je 100% am Falter-Verlag und der Stadtzeitung "Falter", die 1977 von ein paar Studenten gegründet wurde.
BVZ 1,5%; = Burgenländische Volkszeitung (erscheint, gemeinsam mit den NöN vom Katholischen Pressverein St. Pölten herausgegeben, wöchentlich)
Madonna 1,4%; erscheint zusammen mit Österreich
Miss 1,3%; 2002 gegründetes Lifestyle-Magazin für junge Frauen der Styria Media Group AG.
Trend 1,3%; monatlich von der Verlagsgruppe "News" produziert; vom "Standard"- und "Profil"-Gründer Oscar Bronner 1970 ins Leben gerufen
Seitenblicke-Magazin 1,2%; zunächst 14tägig / wöchentlich / wieder 14tägig / dann monatlich. Red Bull-Gründer Didi Mateschitz hielt über die Red Bulletin Beteiligungs Ges.m.b.H 80%. Nach der Einstellung im Dezember 2016 2017 von der Österreich-Gruppe übernommen. Intervall wieder wöchentlich.
Lust aufs Leben 1,2%; gehört der VGN Medienholding von Horst Pirker.
Land der Berge 1,0% (Medieninhaber LW Werbe- und Verlagsgesellschaft m. b. H. St. Pölten/Herzogenburg, die auch das Wiener Stadtmagazin City herausgibt)
Die Furche unter 1% (1945 von Friedrich Funder gegründete älteste - und neben Präsent einzige kommentierende - Wochenzeitung in Österreich. Erscheint im Styria-Verlag, der 1976 einstieg und die im Zuge eines Richtungsstreites zwischen liberal-katholischen und nationalkonservativen Tendenzen entstandenen wirtschaftlichen Turbulenzen beendete; Chefredakteure 1978 bis 1984 Hubert Feichtlbauer, 1984 bis 1995 Hannes Schopf, 1995 bis 2001 Heiner Boberski, seit Oktober 2001 Rudolf Mitlöhner)
Diva 0,9%; Modemagazin vom Styria Medienhaus
Österreichisches Bridgemagazin 0,?% (Erscheint viermal jährlich und gilt als die beste Bridgezeitschrift der Welt gleichen Namens.)

u. v. a. m.
Nicht berücksichtigt in der Liste ist der Österreichische Lesezirkel (9,7%), eine wöchentlich vertriebene Sammlung mehrerer Medien.


IV. Unterschiede Printmedien / elektronische Medien:

Die Publikumsforschung beobachtet auch das mediale Konsumverhalten der Menschen. Dabei springen mehrere Eigenheiten ins Auge:

- Nutzungsunterschiede: Die Zeitung wird vorwiegend situationsspezifisch, das Radio vorwiegend backgroundspezifisch, das Fernsehen vorwiegend freizeitspezifisch, tw. auch backgroundspezifisch benützt.
- Weitere Unterschiede: Printmedien sind stets verfügbar, weniger flüchtig, individuell einsetzbar, unabhängig von Sendezeiten, erlauben Kontrolle der Geschwindigkeit, Möglichkeit zur Wiederholung und lassen im allgemeinen mehr Spielraum für Meinung. Sie können als Informationsspeicher zum Nachschlagen verwendet werden. Nur ein Sinneskanal ist beteiligt.
Elektronische Medien haben im allgemeinen durch die Bild-Ton-Verbindung eine höhere Glaubwürdigkeit und Suggestivkraft, jedenfalls höhere Aktualität (vgl. Teletext, Internet). Sie unterstützen die Bequemlichkeit bei der Rezeption und faszinieren durch scheinbares Erleben. Zahllose Programmquellen bei allerdings nicht beliebig vermehrbarer Zeit können genützt werden - immer mehr auch unabhängig von der Sendezeit (vgl. Mediatheken, Internet). Mehrere Sinneskanäle sind beteiligt (Ausnahme: Radio). Nachteile: Suchtcharakter der Bildschirme, v. a. (aber nicht nur) im Kindes- und Jugendalter; Gefahr der Filterblasen und Echokammern (s. o.)

 


JOURNALISMUS / KAPITEL 12

  Die Glosse / Das Feature:


 

Die Glosse ist eine verfeinerte Form des Kommentars in satirischer, zynisch-spöttischer, manchmal aggressiver Art. Ironisch-übertrieben von einem sich frei fühlenden Journalisten geschrieben, besitzt sie Unterhaltungswert, indem sie trotz aller Kürze die Pointen gut herausarbeitet, Wortspiele verwendet und gezielt mit Hyperbeln arbeitet. Sie verwendet lustige Vergleiche und hat meist eine Schlusspointe. Sie schildert nicht die Wirklichkeit, sondern stellt mit karikierenden Mitteln und Wortwitz das Widersinnige einer Situation dar. Die Glosse braucht einen Opener und einen Aufhänger (Anlass).

Nachbarbegriff: "Kolumne", die aber als subjektivste aller meinungsbetonten Darstellungsformen ihre Polemik und Aggressivität nicht satirisch gestaltet, sondern eher durch ihr regelmäßiges Erscheinen die Aufgabe hat, die Leser-Blatt-Bindung zu verstärken. ("Kolumne" bedeutet eigentlich nur - unabhängig vom Inhalt - "Säule", "Spalte".)

Voraussetzung: blitzende Einfälle, originelle Formulierungen; Glossen sind "Streiflichter", "Farbtupfer" der Zeitung.

Sprachwurzel: Glosse kommt etymologisch von gr. glotta = Zunge, Sprache

 

Das Feature ist vor allem im Radio- und Fernsehjournalismus verbreitet. Es verwendet sowohl Mittel der Reportage als auch der Dokumentation, um ein Thema ohne strenge Formalregeln anhand konkreter Beispiele zu illustrieren. Globales wird mit Hilfe und anhand von Details erklärt, Abstraktes wird in Geschichten und Bilder übersetzt. Es herrscht "ein ständiger Wechsel zwischen Anschauung und Abstraktion, zwischen Schilderung und Schlussfolgerung" (Walther von La Roche). Das Feature interpretiert und analysiert ohne Kommentar, der Rezipient muss seine Schlüsse alleine ziehen.

Merkmale: dramaturgische Gestaltung / technische Kunstfertigkeit / Vielfalt sprachlicher Ausdrucksweisen

Beispiel: Elisabeth T. Spira, ORF, "Hundeherzen schlagen treuer" (Video) aus der Reihe "Alltagsgeschichten"

Sprachwurzel: Feature kommt aus dem Englischen und bedeutet (charakteristisches) "Merkmal", "Besonderheit"

 

 


Fragen und Kommentare an thomas.knob@chello.at

 


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