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KOMPENDIUM DER PSYCHOLOGIE, 1. TEIL
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INHALTSVERZEICHNIS
I. EINFÜHRUNG IN GEGENSTAND UND ARBEITSWEISE DER PSYCHOLOGIE
Richtungen ø (Introspektionismus - Behaviourismus - Tiefenpsychologie - Kognitive Psychologie - Humanistische Psychologie - Parapsychologie) - Gehirnabhängigkeit des seelischen Erlebens ø (Beweise - Leib-Seele-Problem) - Einteilung des Forschungsgebietes der Psychologie ø (Psychische Kräfte - Psychische Funktionen) - Methoden der Psychologie ø (Subjektive Methoden - Objektive Methoden - Statistik - Experiment - Test) - Zweige der Psychologie ø (Experimentalpsychologie - Differentielle Psychologie - Entwicklungspsychologie - Sozialpsychologie - Angewandte Psychologie) [Diese Seite ø]
II. DIE WAHRNEHMUNG
Allgemeine Begriffe ø (Reizschwelle - Unterschiedsschwelle - Empfindung - Wahrnehmung) - Reizleitung ø (Erregungsbahn - Sinnes- und Nervenzellen - Ionentheorie der Erregung) - Das Gehirn ø (Hirnteile - Daten - Funktionen - Hirnhälftentheorien - Aktivierungsniveau - Der Schlaf) - Optische Wahrnehmung - Das Auge ø (Sinneszellen - Funktionsweise - Sehstörungen - Farbsehen - Kontrastphänomene - Optische Täuschung - Tiefensehen - Bewegungssehen) - Akustische Wahrnehmung, Raumlagesinn - Das Ohr ø (Aufbau des Ohres - Daten - Tonmischung - Hydrodynamische Hörtheorie - Das Ohr als Gleichgewichtsorgan) - Olfaktorische Wahrnehmung - Die Nase ø (Stereochemische Geruchstheorie - Chemische Elemente) - Geschmackswahrnehmung - Die Zunge ø (Funktionsweise - Geschmacksrichtungen) - Haptische Wahrnehmung - Die Hautsinne ø (Allgemeines - Rezeptoren) - Die Zeitwahrnehmung ø (Steuerung - Psychische Präsenzzeit - Bunkerschlafexperiment - Moment - Beeinflussung der Zeitwahrnehmung) - Die Gestaltwahrnehmung ø (Gestalt - Kohärenzfaktoren) - Wovon hängt ab, was wir wahrnehmen? ø (Angeborene und erworbene Voraussetzungen - Einstellung und Aufmerksamkeit - Bezugsrahmen) [Diese Seite ø]
III. ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE
Definitionen ø (Entwicklung - Programmierung - Phase - Reifung - Lernen) - Phasen der psychischen Entwicklung ø (Säuglingsalter - Frühkindheit - Kleinkindalter - Phase der Schulfähigkeit - Reife Kindheit - Vorpubertät - Pubertät - Adoleszenz - Frühes Erwachsenenalter - Erwachsenenalter - Alter) - Entwicklungsstörungen - Geistige Behinderung ø (Allgemeines - Einteilung der Behinderungen - Pränatal verursachte Behinderungen - Perinatal verursachte Behinderungen - Postnatal verursachte Behinderungen) [Seite 2 ø]
IV. PÄDAGOGIK
Definitionen ø - Historische Auffassungen ø (Sokrates - Platon - Rousseau - Kant - Pestalozzi - Adler - Reformpädagogik - Fremont-Smith - Gegenwart) - Erziehungsstile ø (Kategorisierung nach Lewin - Andere Kategorisierungsversuche) - Erziehungsziele ø (Lebensausstattung - Identität - Mündigkeit) [Seite 2 ø]
V. DIE INTELLIGENZ
Mögliche Definitionen ø - Der Intelligenzquotient - IQ ø (Definition - Verteilung - Bezeichnungen der verschiedenen Intelligenzgrade) - Die Anlage-Umwelt-Problematik ø (Grundeinstellungen - Klärungsversuche) - Intelligenzztests und -konzepte ø (Ältere Tests - Moderne Tests) [Seite 3 ø]
VI. DENKPSYCHOLOGIE
Definitionen ø - Funktion des Denkens ø (Biologische Bedeutung - Verkürzung der Lösungszeit) - Entwicklung des Denkens nach Piaget ø (Äquilibration - Phasen des Denkens im Laufe der Entwicklung) - Erscheinungsformen des Denkens ø (Problemlösen - Kreatives Denken) - Denken und Sprache ø (Zusammenhang - Begriffe - Dimensionen des sprachlichen Zeichens, Semiotik - Kommunikationsmodell - Funktionen der Sprache - Defizithypothese) [Seite 3 ø]
VII. LERNEN UND GEDÄCHTNIS
Definitionen ø - Lernen im kognitiven Bereich ø (Gedächtnis - Einprägen, Wiedergeben und Vergessen - Praxisanwendung, positive Effekte - Praxisanwendung, negative Effekte - Dem Gedächtnis verwandte Phänomene) - Lernen im vegetativen Bereich ø (Definition - Klassisches Konditionierungsexperiment) - Lernen im Verhaltensbereich - Behaviouristische Theorien und ihre Überwindung ø (Definitionen - Entwicklung des Behaviourismus) - Lernmodelle ø (Neurophysiologisches Modell - Kognitives Lernmodell - Lernmodell nach Pawlow - Lernmodelle des Behaviourismus - Lernen am Modell - Lernen aus Einsicht) [Seite 3 ø]
VIII. TIEFENPSYCHOLOGIE UND PSYCHIATRIE
Definitionen ø - Das Unbewusste ø (Definition - Zugangsmöglichkeiten - Abwehrmechanismen) - Süchte, Persönlichkeitsstörungen, Geistes- und Gemütskrankheiten ø (Ausgangslage in Österreich - Abhängigkeiten - Neurosen - Psychosen) - Therapieformen ø (Definition - Basisinformationen - Psychodynamisch orientierte Therapieformen - Verhaltenstherapie - Humanistische und kommunikationsorientierte Therapieformen) [Seite 4 ø]
IX. DIE PSYCHISCHEN KRÄFTE.
Die Triebe ø (Definition - Einteilung der Triebe - Verhaltensweisen, Grundbegriffe der Ethologie) - Die Gefühle, Emotionalität ø (Definition - Gefühlsmodi - Gefühlsstörungen, Parathymien - Einteilung der Gefühle) - Die Interessen und Werte ø (Definition - Wertkategorien) - Der Wille, Motivation ø (Definition - Einteilung der Motive) [Seite 5 ø]
X. SOZIALPSYCHOLOGIE
Definition ø - Erscheinungsformen sozialer Kollektive ø (Menge - Masse - Gruppe) - Soziale Ränge und Mechanismen ø (Ränge - Soziale Effekte) - Methoden der Sozialpsychologie ø (Soziogramm - Andere Methoden) [Seite 5 ø]
XI. PERSÖNLICHKEITSPSYCHOLOGIE
Definitionen ø - Typologien ø (Antike - Konstitutionstypologien - Faktorenanalytische Modelle - Weltanschauungstypologie - Typologie der Kommunikationsmuster) [Seite 5 ø]
Für allgemeine Informationen siehe auch Psychologie-Kurs der Fernuniversität Hagen, das Online-Supplement zu "Wege in die Psychologie" (mit vielen Beispielen und kleinen, am Schirm durchführbaren Exn), Computer-gestützte Experimente für den Psychologieunterricht, Psychologische Online Dokumente in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Psychologie-Portal, die informativen Psychologie-Arbeitsblätter der Univ. Linz, die Homepage für internetunterstützte Lehre, folgendes Internetfachgebärdenlexikon, die Klassiker der Psychologie und zum Nachschlagen die Encyclopedia of Psychology
I.
EINFÜHRUNG IN GEGENSTAND UND ARBEITSWEISE
DER PSYCHOLOGIE
Vgl. auch empfehlenswerte Videovorlesungen der Yale-Universität 2007 mit Transkription und Unterlagen
Definition: Die Psychologie (Begriff von Philipp Melanchthon in seinen Vorlesungen eingeführt) beschäftigt sich mit dem Erleben und Verhalten des Menschen. Sie untersucht seelische Vorgänge und Zustände, ihre Ursachen und Wirkungen sowie ihre Rolle bei der Entwicklung der Persönlichkeit.
Vgl. Konzeptionen im Laufe der Jahrhunderte, What is Psychology? oder Überblick über die Geschichte der Psychologie (Namedropping)
- Introspektionismus:
Aussagen des Menschen über sich selbst werden zugelassen (Erlebnispsychologie)
- Behaviourismus:
wichtig : das Was; Input und Output (nur das Beobachtbare), unwichtig: das Wie und
Warum (Mensch = "black box", funktioniert nach dem S-R, =
stimulus-reaction-Prinzip) ("Psychologie ohne Seele")
- Tiefenpsychologie:
Psychologie des Unbewussten (nicht von allen anerkannt) Man unterscheidet:
* Bewusstes
* Unbewusstes
* Mitbewusstes (Inhalte, die ohne Gedächtnisleistung immer verfügbar sind, z. B.
der eigene Name)
- Kognitive Psychologie:
ist an der menschlichen Informationsverarbeitung, am Zusammenhang von Wahrnehmung, Lernen und Denken interessiert (Vgl.
das informative Lernprogramm Einführung in die Kognitive Psychologie)
- Humanistische Psychologie:
will die Selbst- und Sinnverwirklichung fördern
- Parapsychologie:
will (noch) nicht erklärbare "übersinnliche" Phänomene untersuchen; vgl.
Parapsychologie oder
Seite der Universität Klagenfurt
GEHIRNABHÄNGIGKEIT DES SEELISCHEN ERLEBENS
- Beweise:
* Ohnmacht: Bei Bewusstlosigkeit gibt es kein seelisches
Erleben (z. B. fehlt die Erinnerung an die Blinddarmoperation).
* Läsionen: Verletzungen einzelner Zentren im Gehirn
führen zu teilweisen (spezifischen) Ausfällen.
* Drogen, Hormone (z. B. Alkohol, Sedativa): Mit Hilfe
der angeführten Substanzen lässt sich die Bewusstseinslage leicht verändern.
* Gehirnentwicklung: Im Laufe der ersten Lebensjahre
eröffnen sich auf Grund der sich verbessernden Gehirnstrukturen immer mehr psychische Möglichkeiten.
* EEG (siehe unten)
- Leib-Seele-Problem:
Die Frage nach der Art des Zusammenhanges zwischen Psyche und Physis wurde im Laufe
der Geschichte verschieden beantwortet:
* Dualismus: Körper und Seele sind wesensverschieden. Zwei
Formen:
| ° Psycho-physische Wechselwirkung (z. B. Descartes, der zwischen res cogitans (Geist) und res extensa (Körper) unterschieden hat; bzw. psychosomatische Erkrankungen; vgl. Psychosomatik) | |
| ° Psycho-physischer Parallelismus (z. B. Leibniz) |
* Monismus: Körper und Seele sind Erscheinungsformen des jeweils anderen. Zwei Formen:
| ° Spiritualismus (Idealismus): Materie ist Produkt des Geistigen | |
| ° Materialismus: Geistiges ist Form der Materie |
* Identitätstheorie: betrachtet Problem als Scheinproblem, in Wahrheit seien Leib und Seele zwei Seiten derselben Medaille [zB Baruch Spinoza oder C.G.Jung (s. auch auf Seite 4) mit seiner Eine-Welt (unus mundus)-Theorie, nach der hinter Leib/Seele (Geist/Materie) ein letztes gemeinsames Drittes angenommen wird.]
EINTEILUNG DES FORSCHUNGSGEBIETES DER PSYCHOLOGIE
- Psychische
Kräfte:
Triebe, Gefühle, Interessen, Wille
- Psychische Funktionen:
Lernen, Gedächtnis, Denken, Wahrnehmung
(Einteilung nach dem Wiener Psychologen H. Rohracher. Gesetz der funktionalen Aktivierung: Die im Hintergrund wirkenden Kräfte setzen jeweils selektiv bestimmte Funktionen in Gang.)
- Nachbarwissenschaften: Physik (Thema: Reize / Verbindung: Psychophysik, begründet 1860 von G. T. Fechner, die Lehre von den Zusammenhängen zwischen subjektiven und objektiven Tatbeständen), Physiologie (Erregung/Neuropsychologie) => Drei Fragenkomplexe nach Stevens: Beziehung Reiz-Erleben (z. B. Schätzen von Strecken), Physiologie-Erleben (zB Betrunkenheitsgefühl - Blutalkoholgehalt), Erleben-Erleben (vgl. z. B. social perception, s. u.)
METHODEN DER PSYCHOLOGIE
Vgl. Seiten
von Stangl und Taller
Prinzipiell lassen sich unterscheiden:
- Subjektive Methoden: beruhen auf Selbstbeobachtung, Wiedergabe von Erlebnissen (z. B. Fragebögen). Nachteil: oft große Anzahl an Vps erforderlich; in der Tier- und Kinderpsychologie nur bedingt verwendbar
- Objektive Methoden: beruhen auf Fremdbeobachtung, leichter messbar, intersubjektiv überprüfbar
- Statistik:
Man unterscheidet:
* Deskriptivstatistik (beschreibt Vorhandenes)
* Inferenzstatistik (schließt auf Zukünftiges)
* Korrelationskoeffizient: Maß des Zusammenhanges zweier Variabler, z. B. Körpergröße und -gewicht => positive Korrelation (A); Schnelligkeit / Körpergewicht => negative Korrelation (B); Intelligenz und Körpergewicht => keine Korrelation (C).
Im Koordinatensystem lassen sich die einzelnen Fälle graphisch darstellen (1. Variable = x-Achse, 2. Variable = y-Achse):

r = 1 Zusammenhang 100% (alle Punkte auf der Symmetrale; z. B. Geburtsdatum und Alter)
r = 0,6 = 36%
r = 0,5 = 1/4 (Quadrieren der Zahl hinter dem Komma ergibt die Prozentzahl)
* p: = Irrtumswahrscheinlichkeit, muss kleiner als 0,05% sein
Zur Statistik vgl. folgendes Glossar
- Experiment (Ex):
Ein Experiment (Ex) besteht in der
Herstellung und Variation von Bedingungen, die es ermöglichen, einen Vorgang möglichst
isoliert (ohne Störungen) und beliebig oft zu beobachten. Das Ergebnis soll in Zahlen
darstellbar sein.
Vl = Versuchsleiter, Vg = Versuchsgruppe, Vp = Versuchsperson, Kg = Kontrollgruppe
Man unterscheidet Erlebnisexperimente (z. B. Feststellen der Hörschwellen), Leistungsexperimente (z. B. Wiedergabe erlernter sinnloser Silben), Ausdrucksexperimente (z. B. Messung der Blutdrucksteigerung bei intensivem Lernen) und Verhaltensexperimente (z. B. Erfassen der Übersprungshandlungen in frustrierender Situation).
- Test:
* Diagnostisches Verfahren: Jeder Test muss
interpretiert werden
* Standardisierung: Eichung des Messinstrumentes (immer wieder)
erforderlich
* Gütekriterien, die erfüllt werden müssen:
| ° Validität (Gültigkeit): soll messen, was er zu messen vorgibt | |
| ° Reliabilität (Zuverlässigkeit): soll an derselben Person wiederholbar sein | |
| ° Objektivität: soll unabhängig vom Tester sein |
Vgl. Allgemeines zu Tests und Beschreibung zahlreicher Tests auf der Seite "Wiener Testsystem". Eine Kurzbeschreibung vieler Tests findet sich unter diesem Link.
* Testpsychologie begründet von F.
Galton (s. a. Teil 2), dessen
1892 erschienenes Buch "Finger Prints" Anstoß zur Einführung dieser Methode
bei der englischen Polizei war. Motto: "Count, whenever you can." Man
unterscheidet die Fragebogenmethode von Projektiven Tests. Bekannte
Tests: Freiburger Persönlichkeitsinventar, (Fragebogen)
Rohrschach-Test,
Wartegg-Zeichentest (projektiv) etc.
Vgl. Beispiele für Online-Tests oder
(nicht immer ganz ernst zu nehmende) Personality Tests
* Probleme und Effekte: Im Folgenden werden einige allgemeine Wahrnehmungsfehler,
die nicht ausschließlich beim
Testen auftreten, und andere Effekte, die im Zusammenhang mit Tests und
Experimenten zu beobachten sind, beschrieben: Prinzipiell ist zu beachten, dass
Personen möglicherweise ein anderes Verhalten als üblich zeigen, wenn sie
wissen, dass sie untersucht werden.
| ° Halo-Effekt (nach Thorndike): um ein beobachtbares Merkmal wird auf der Grundlage von Vorurteilen (s. u.) ein ganzer Hof von Eigenschaften hinzugefügt (logisch nicht gerechtfertigte Transfers oder Rolleneffekte); verhindert oft objektive Beurteilung einzelner Eigenschaften (z. B. bei Tests in der Schule) | |
| ° Leniency-Effekt: sympathische Personen werden in Tests zu milde beurteilt (z. B. in der Schule) | |
| ° Pygmalion- od. Rosenthaleffekt (nach Robert Rosenthal und Leonore Jacobson): Testergebnis wird verfälscht durch Vorinformationen des Testers über die Testperson (kann auch zu self fulfilling prophecies (Erwartungseffekten) im Klassenzimmer führen. (Vgl. Ovid, "Metamorphosen", 10. Buch, aber v. a. Shaw, "Pygmalion" bzw. Lerner und Loewe, "My fair Lady") | |
| ° Placebo-Effekt: wenn bei Einnahme objektiv wirkungsloser Medikamente oder Substanzen nachgewiesenermaßen positive Effekte auftreten (allein die Erwartungshaltung der Vp zeitigt bereits Auswirkungen) | |
| ° Nocebo-Effekt: wenn bei Einnahme objektiv wirkungsloser Medikamente oder Substanzen nachgewiesenermaßen negative Effekte auftreten (allein die Erwartungshaltung der Vp zeitigt bereits Auswirkungen) | |
| ° Versuchsleiter-Effekt: wenn das Ergebnis einer Untersuchung unbeabsichtigt (z. B. durch unbewusste Erwartungshaltungen) vom VL mitbestimmt wird. Gegenmaßnahme: Blind- oder Doppelblindstudie | |
| ° Hawthorne-Effekt: Ex: Eine in den Hawthorne-Werken durchgeführte Studie hat gezeigt, dass die Arbeitsleistung der Angestellten durch Veränderung oder auch nur scheinbare Veränderung der Arbeitsbedingungen (z. B. Einsetzen hellerer Glühbirnen oder auch nur Ersetzen von Glühbirnen durch identische) eine Steigerung der Arbeitsproduktivität zur Folge hat. |
ZWEIGE DER PSYCHOLOGIE
- Experimentalpsychologie:
objektiver (intersubjektiv überprüfbarer), naturwissenschaftlicher Zweig der Psychologie, der sich mit dem
Erleben und Verhalten befasst (auch Allgemeine Psychologie, Erlebnispsychologie) enthält
Teilgebiete wie Neuropsychologie, Lernpsychologie etc.)
Vgl. Web-Labor
zur Instrumentalpsychologie der Universität Zürich
- Differenzielle Psychologie: Psychologie der Persönlichkeit (s. u.)
- Entwicklungspsychologie: stellt die psychischen Abläufe zwischen Geburt und Tod dar (s. u.)
- Sozialpsychologie: erfasst den Menschen als Teil der Gesellschaft (s. u.)
- Angewandte Psychologie: Anwendung der Forschungsergebnisse im Alltag, z. B. Forensische Psychologie (Gerichtspsychologie), Kriminalpsychologie (die z. B. die "mörderische Trias", nach der sehr viele Mörder schon vor ihren Taten durch die Kombination der (aller drei!) Verhaltensweisen Bettnässen, Brandstiften und Tierquälerei auffallen, erforscht oder Amokläufer - wie der US-Psychologe Peter Langmann - in psychopathische [meist narzisstisch, sadistisch, aggressiv, stabiles Elternhaus], psychotische [meist realitätsfern, halluzinierend, stabiles Elternhaus] und traumatisierte [meist mit familiärer Gewalterfahrung und krimineller Vorgeschichte] Täter einteilt; vgl. z. B. Das Erstellen von Täterprofilen bei Serienmorden, Serienmörder - Ursachen und Entwicklung extremer Gewalt, Serial Killers, Schweizer Gesellschaft für Rechtspsychologie, Institut für forensische Pdychiatrie Berlin), Schulpsychologie und Erziehungsberatung, Betriebspsychologie (Arbeitspsychologie), Sportpsychologie, Werbe- (Markt)psychologie (vgl. Marketing-Lexikon), Klinische Psychologie (über 40% aller Psychologen arbeiten hier), Berufsberatung, Verkehrspsychologie, Tierpsychologie, Religionspsychologie, Völkerpsychologie, Heerespsychologie etc.
Vgl. Seite des B.Ö.P.
Vgl. Experiments and Activities, Wahrnehmung in der Psychologie (mit Online-Exn), Nerven und Sinne bzw. Glossar: Nerven und Sinne
ALLGEMEINE BEGRIFFE
- Reizschwelle: muss überschritten werden, damit eine Empfindung eben zustande kommen kann. (Die Qualitätsschwelle gibt die Art, die Intensitätsschwelle die Größe des Reizes an.)
- Unterschiedsschwelle: muss überschritten werden, damit zwei Reize als voneinander unterschiedlich wahrgenommen werden können (nach dem Weber'schen Gesetz bleibt dabei der relative Unterschied, außer im Extrembereich, konstant; bei Gewichten z. B. ca. 1/3). = "JND": just noticeable difference
- Empfindung: nicht weiter auflösbare psychische Erscheinung, die durch das Eintreffen eines Reizes auf einen Rezeptor hervorgerufen wird
- Wahrnehmung: Empfindung plus
Erfahrung
vgl. Neuronale Netze
- Erregungsbahn:
Reiz => Rezeptoren => Nervenbahn => Gehirn ( = afferente Bahn) =>
Verrechnung und Verarbeitung => Reaktion wird ausgearbeitet => Nervenbahn =>
Vollzugsorgane (Muskeln) (= efferente Bahn) => Reaktion
- Sinnes- und Nervenzellen:
* Sinneszellen (Rezeptoren) finden sich auf (in) den
Sinnesorganen: Augen, Nase, Mund, Ohren, Haut. Sie sind den Nervenzellen vorgeschaltet.
Sinneszellen bilden die Voraussetzung für jedes Erleben (vgl. Magnetismus)
* Nervenzellen (Neuronen) sind Zellen, die etwas
repräsentieren (bestehend aus Dendriten und Zellkörper
[Inputseite] und Axon [Outputseite],) sind durch exzitatorisch (fördernd) oder
inhibitorisch (hemmend) wirkende Synapsen (1 Neuron hat bis zu 10 000 Synapsen) verbunden (synaptischer Spalt etwa 200 Å). Die
Zahl aller Sinnes- und Ganglien-(Nerven)zellen - sie sind durch Schaltzellen miteinander
verbunden - (nicht ihre Konfiguration) ist von Geburt an festgelegt. Regeneration
vermutlich unmöglich, höchstens Funktionsübernahme! Die Weiterleitung erfolgt saltatorisch
(hüpfend) von einer nicht von der Markscheide isolierten Axonstelle (= Ranvier'scher
Schnürring) zur nächsten, und zwar nach der
- Ionentheorie der Erregung von Hodgkin
und Huxley (1952):
* Depolarisation der Zellmembran (Ausgangswert 70 mV
Ruhepotential, außen Natrium-, innen Kaliumionen)
* Generatorpotential bildet sich an der selektiv permeablen
Membran; Größe von der Reizstärke abhängig
* Aktionspotential wird nach dem Alles-oder-Nichts-Gesetz zur
Synapse geleitet (Nichts, wenn nur eine "lokale Antwort" erfolgt; Alles, wenn
die Reizschwelle überschritten wird); Häufigkeit abhängig von der Reizstärke, immer
gleich stark, etwa +35 mV).
* Natrium-Kalium-Pumpe stellt die ursprünglichen
Ionenverhältnisse wieder her. (Nach wenigen Millisekunden ist eine neue Depolarisation
möglich.)
Vgl. interaktive Seite über Nervenleitung
Nervenzelle:
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Abb. aus dem (nicht mehr aktiven) Web-Seminar Wie passt das Gehirn in den Kopf?
vgl. den Bayern-Alpha Videokurs "Geist und Gehirn" von Prof. Manfred Spitzer, Zentralnervensystem des Menschen (Biologie-Kurs mit übersichtlichen Abbildungen und Links), den Gehirnatlas der Harvard University, eine 3D-Animation (Nr. 4) und vor allem The DANA Site for Brain Information. Vielfältige Informationen auch in W. Stangls Arbeitsblättern (s. unter "Netzwerk Gehirn") oder auf der BBC-Brainmap Science - The human body.
- Hirnteile:
* Stammhirn (phylogenetisch ältester Teil)
* Zwischenhirn (das Stammhirn überlappend)
* Großhirn (zwei durch einen aus etwa 200 Mio Kommissurenfasern
bestehender Balken = corpus callosum verbundene Hemisphären, die vom Neokortex, der
gewunden ist, um die Oberfläche möglichst groß werden zu lassen, bedeckt werden; diese
Rinde wird in Frontal-, Parietal-, Temporal- und Occipitallappen eingeteilt, auch die
großen Furchen haben Namen, z. B. fissura Rolandis). Aufbau nach Modulprinzip (1 Modul kann
bis zu 10000 Neuronen enthalten). Phylogenetisch jüngster Teil, überlappt alle anderen.
(* Kleinhirn, eigentlich kein eigener Gehirnabschnitt;
zuständig für die Bewegungskoordination)
- Daten (nach John
Carew Eccles;
1903-1997, Nobelpreis 1963):
* Fläche der Rinde: ca. 1200 cm¨ pro Hemisphäre bei 3
mm Dicke
* Gewicht: 1,4 kg (Neandertaler: 1,5 kg, erste Menschen: 0,6 kg)
* Zahl der Nervenzellen: etwa 23 Mia bei Männern, 19
Mia bei Frauen (= etwa 7/8 des gesamten ZNS,
die Hälfte davon im Kortex), jede hat bis zu 10000 Kontakte. Das ergibt etwa 100 km
Leitungen. (Laut Spitzer wisse niemand wirklich, was die Männer mit den 4 Mia
Extrazellen eigentlich machen.)
Entgegen einem jahrzehntelangen Dogma scheint Neurogenese (Entstehung neuer Nervenzellen auch
nach der Geburt) unter gewissen Umständen möglich.
* Synapsenzahl: nach neueren Schätzungen 1 Million
Milliarden (Quelle: Vortrag Prof. Manfred
Spitzer, Ulm)
* Sauerstoffverbrauch: 1/5 des zur Verfügung stehenden O2
wird vom Gehirn verbraucht.
- Funktionen:
* Stammhirn: lebensnotwendige Vegetativfunktionen
(Verletzung sofort tödlich)
* Zwischenhirn: Gefühle, Instinkte
* Großhirn: Sensomotorik, Willkürbewegungen (Körperregionen
sind sensorisch wie motorisch in unterschiedlich großem Ausmaß repräsentiert - die
proportionale Darstellung von ihnen nennt man "Rindenmännchen" - und verkehrt
angeordnet); enthält das Sprachzentrum (vgl. Tutorial Sprache und Gehirn),
intellektuelle Fähigkeiten etc.
* Erforschung durch Beobachtung nach Läsionen, Reizung mit
Elektroden bei offenem Schädeldach (zunächst von Erich
von Holst bei Tieren
durchgeführt) und Beobachtung der Reaktionen, medikamentöse Beeinflussung, EEG (s. u.)
- Hirnhälftentheorien:
* Allgemeines: Die Hirnhälften steuern die
Körperhälften über Kreuz (nur der Geruchssinn ist ipsilateral). Sie kommunizieren
miteinander (Balken!), eine (meist die linke) enthält das Hauptsprachzentrum und wird als
dominant bezeichnet (meist mit der Händigkeit - s. Linkshänderseite - gekoppelt, s. u.). Im Prinzip steuert die linke Hemisphäre
das analytische, konvergente Denken und die Zeitwahrnehmung, die rechte das synthetische,
divergente Denken und die Raumvorstellung.
* Funktionsübernahme: Bis zu
einem gewissen Grad kann eine Hemisphäre Funktionen der anderen übernehmen (vor allem in
der Kindheit). Amputation einer Hälfte hat halbseitige Lähmung und entsprechende
Ausfälle anderer Funktionen (je nach Dominanz) zur Folge. Amputation beider Hälften
reduziert den Menschen zu einem rein vegetativen Dasein.
* Split-brain-Exe von Sperry
(1913-1994; Nobelpreis 1981): Bei
Patienten mit einer Callosotomie (= Trennung des Balkens, Corpus callosum, notwendig in seltenen Fällen
gewisser therapieresistenter Epilepsieformen). Ergebnis: Eine bewusste Verbindung zur
Außenwelt erfolgt nur über eine, die dominante Hemisphäre (bei Rechtshändern
meist die linke, bei Linkshändern, nicht ganz so häufig, die rechte Hälfte).
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Abb. aus einem deutschen Lernkurs
- Aktivierungsniveau:
* EEG = Elektroenzephalogramm
(enzephalon, gr.: Gehirn) ermöglicht einen direkten Zugang auf die Aktivierungszustände
des Menschen. Es stellt die elektrischen Ableitungen aus dem Gehirn dar. (1924 vom
deutschen Arzt und Telepathie-Anhänger Hans
Berger, einem Enkel des Dichters Friedrich
Rückert,
entwickelt). Die Wellen sind ein Korrelat (Begleiterscheinung, i. Ggs. Substrat = Sache
selber) des Erregtheitsgrades eines Menschen:
| d -Wellen: Tiefschlaf, Koma
(µ3 Hz, polymorph, gr.Amplitude) J -Wellen: leichter Schlaf (4-7 Hz) a -Wellen: entspannter Wachzustand (8-13 Hz, regelmäßig) b -Wellen: höhere Aktivität (14-30 Hz) g -Wellen: Hektik (>30 Hz, kleine Amplitude) |
Ex: Durch Bio-Feed-Back (wenn a-Wellen
auftreten, ertönt ein Signal) kann Entspannung erreicht werden.
Vgl. What is the
function of the various brainwaves? (Scientific American)
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Gemäß dem 1908 Yerkes-Dodson-Gesetz
("Herausforderungen motivieren zunächst positiv und steigern als Eustress
unsere Leistungsfähigkeit. Ab einem bestimmten Punkt, der von Mensch zu
Mensch unterschiedlich ist, kippt der Effekt und steigende Herausforderungen
wirken sich als Distress negativ auf unsere Leistungsfähigkeit aus.") darf
das Aktivierungsniveau weder zu niedrig noch zu hoch sein, wenn eine
optimale Leistung erzielt werden soll. Der Mensch (Schüler, Arbeitnehmer,
...) soll sich also weder unterfordern noch überfordern, sondern "die
goldene Mitte zwischen Tiefschlaf und Tobsucht" (www.artikelmagazin.de)
einnehmen. Die Autoren Robert Yerkes
(1876-1956) und John D. Dodson
entwickelten ihre Kurve zunächst an Laborratten.
Quelle: http://nordstern.wordpress.com/?s=yerkes |
* SEP = Sensorisch evoziertes Potential (durch Sinneswahrnehmung hervorgerufenes Potential, für jede Modalität typisch): Nachweis einer Sinneswahrnehmung auch ohne Rückmeldung möglich! (z. B. Gehör-Überprüfung bei Säuglingen)
- Der Schlaf:
Vgl. BDA-Manual
"Schlaf", Schlafmedizin,
"Schlafen
für die Wissenschaft" (Artikel aus Spektrum der Wissenschaft)
Der Schlaf ist eine für Menschen lebensnotwendige Erholungsphase, in der
wir - allerdings in geänderter Bewusstseinslage - oft aktiver sind als in manchen
wachen Abschnitten. Mangelnder Schlaf (ca. unter 5, 6 Stunden) führt zu einer
Schwächung des Immunsystems, Konzentrationsstörungen und letztlich zum
Zusammenbruch des Körpers. Die notwendige Dauer ist genetisch, die reale durch
die Lebensumstände beeinflusst. Durchschnittlich schlafen Frauen und junge
Menschen mehr als Männer und alte (die allerdings oft untertags den mangelnden
Nachtschlaf ausgleichen).
* Abschnitte:
| ° Absinkphase (zunächst überwiegen a-Wellen) | |
| ° Tiefschlafphase, die im Laufe der Nacht immer kürzer und weniger tief wird | |
| ° (Fast)aufwachphase, die immer länger dauert und knapp vor dem tatsächlichen Erwachen wieder in eine Tiefschlafphase übergeht. |

Aus format Nr. 43 (23.10.2000)
Dieser Zyklus wird in 8 Stunden etwa 5mal durchlaufen. Nicht unbedingt der
"Schlaf vor Mitternacht", aber der erste Schlaf ist der wichtigste.
Die erste Phase ist die tiefste und längste. Dann wird der Schlaf immer
flacher. (Ex: Konsequentes Wecken nach etwa 90 min
scheint bei manchen Menschen eine entscheidende Verkürzung der Schlafdauer ohne
Qualitätsverlust zu ermöglichen, wenn die erste Schlafphase etwa vier Mal pro
24 h genutzt wird.)
Gesteuert wird der Schlaf vom Gehirn (nucleus suprachiasmaticus),
ausführend beteiligt sind alle Zellen des Körpers. Die Hormone Melantonin
und Serotonin spielen die entscheidende Rolle;
vgl. u.).
Biologischer Sinn des zyklischen Schlafens:
Aufmerksamkeit (Bemerken eventueller Gefahren) ist nur relativ kurz und nicht acht Stunden
permanent gestört. Bei Delphinen und Walen, die ja zum Atemholen immer wieder auftauchen
müssen, schlafen abwechselnd die rechte und die linke Gehirnhälfte (vgl. Scientific American:
How do whales and dolphins sleep without drowning?)
Zum Traum s. Teil 4
* REM: In den Leichtschlafphasen (in denen man schwer weckbar
ist, "Paradoxer Schlaf") REM (= Rapid Eye Movement)-Phasen, in denen geträumt
wird. Wiederholtes Wecken am Beginn der REM-Phasen bedeutet Neurotisierung. Versäumte
REM-Phasen müssen nachgeholt werden. REM-Phasen treten auch pränatal und bei Tieren auf:
Ex: Affen, die darauf konditioniert wurden, bei Ablauf eines
Filmes einen Knopf zu drücken, taten dies auch während des Schlafes => These: Grund =
Traumbilder.
* Somnambulismus (Schlafwandeln, "Mondsüchtigkeit";
vgl.
Somnambulismus)
ist an den Nicht-REM-Schlaf gebunden.
* Korrelate: EEG (zeigt sog. Schlafspindeln), EMG
(Elektromyogramm), EOG (Elektrookulogramm), Atmung, Herzfrequenz (EKG) etc. korrelieren
mit den Schlafphasen.
* Schlafstörungen (vgl.: Patienteninformationen der ÖGSMSF und Schlafstörungen): Insomnie (Schlaflosigkeit), Hypersomnie (Schläfrigkeit), Parasomnie (unerwünschte Schlafereignisse), Rhythmusstörungen (unerwünschte Schlafzeiten)
Das Gehirn steuert die nach dem oben beschriebenen Reizleitungssystem funktionierende Sinneswahrnehmung (vgl. Seeing, Hearing and Smelling the World oder The Senses) folgender fünf Sinnesorgane: Auge, Ohr, Nase, Zunge, Haut. Die Fähigkeit, mit mehreren Sinnen gleichzeitig wahrzunehmen (z. B. Töne zu sehen), nennt man Synästhesie. (Vgl. Ergebnisse der Synästhesieforschung)
OPTISCHE WAHRNEHMUNG - DAS AUGE
vgl. Über das Sehen (.pdf), Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft oder einen Biokurs über den Lichtsinn
Fast alle sehenden Lebewesen haben 2 Augen, die phylogenetisch aus einer lichtempfindlichen Sehgrube zu einem nach camera-obscura-Prinzip funktionierenden komplizierten System geworden sind. (Das Bild trifft verkehrt auf der Netzhaut auf und wird im Gehirn richtiggestellt.)
- Sinneszellen:
Auf der Retina (Netzhaut; vgl. Aufbau
der Netzhaut) angeordnete Stäbchen (ca. 120.106, eher an der
Peripherie, für das Schwarz-Weiß-Sehen in der Dämmerung) und Zapfen (ca. 6.106, eher im
Zentrum für das Farbsehen bei gutem Licht), die, 1/1000 mm lang, alle reflektierten
elektromagnetischen Schwingungen zwischen ca. 350-700 Bio Hz als Seheindruck erscheinen lassen
(Ultraviolett: >800 Bio Hz; Infrarot: <400 Bio Hz).

Copyright ©: http://www.egbeck.de/skripten/12/bs12-39.htm
Absorbiert ein Gegenstand das gesamte Spektrum, erscheint er schwarz (eig.: nicht), reflektiert er alle Frequenzen, erscheint er weiß. An der Fovea centralis (Zentralgrube = gelber Fleck) Stelle des schärfsten Sehens (Farbzellen, bei Dunkelheit inaktiv, am stärksten vertreten). Am Blinden Fleck [wo der Sehnerv (nervus opticus, 400 000 Nervenfasern) austritt - die Sehbahnen kreuzen doppelt: innerhalb eines Auges und auf dem Weg ins Gehirn -] keine Sinneszellen. Ex: Aus etwa 25 cm mit dem rechten Auge die linke (oder umgekehrt) von zwei ca 15 cm waagrecht entfernten Figuren fixieren => die rechte verschwindet im Blinden Fleck, der normalerweise auch bei einäugigem Sehen vom Gehirn errechnet wird. (Vgl. folgende, verschiedenste optische Phänomene demonstrierende Seite.)
Aufbau des menschlichen Auges: ![]() |
Abb. aus Das visuelle System (nicht mehr aktive Seite der Univ. Wuppertal)
- Funktionsweise:
* Adaptation erfolgt durch die Pupille
("Blende"), regelt den unterschiedlichen Lichteinfall (Helligkeitsanpassung).
Ausgleich durch automatische stufenlose Öffnung bzw. Schließung; Öffnung durch
Tollkirschenextrakt (Belladonna) willkürlich hervorrufbar (Augenarzt, Kurtisanen). Ex.: Mit einer Taschenlampe in ein Auge leuchten und die
Veränderung der Pupille während und nach dem Geschehen beobachten
| ° Scotopisches Sehen: Sehen mit (lichtempfindlicheren) Stäbchen in der Dunkelheit | |
| ° Photopisches Sehen: Sehen mit Zapfen (bei Licht) |
* Akkomodation ist das
Scharfstellen der Linse durch Straffung des im Alter erschlaffenden
Ziliarmuskels
(Entfernungsanpassung). Der Schärfepunkt entfernt sich mit dem Alter:
10 Jahre: 8 cm
50 Jahre: 50 cm ("Altersweitsichtigkeit", Presbyopie)
Das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges beträgt im günstigsten Fall 1
Bogenminute (in 5 m Entfernung müssen 2 Punkte mindestens 1,5 mm Abstand haben).
- Sehstörungen:
Vgl. Sehtest I,
Sehtest II (Amsler-Test)
* Blindheit:
| ° Fehler im Gehirn: Rindenblindheit (Seelenblindheit) | |
| ° Fehler im Auge (z. B. Netzhaut oder Sehnerv) |
* Myopie (Kurzsichtigkeit): Schärfepunkt vor Netzhaut (zu
starke Krümmung); Ausgleich durch Konkavlinse; Messung in Dioptrien (1 Dioptrie = 1/f, f
= Brennweite)
* Hyperopie (Weitsichtigkeit): Schärfepunkt hinter Netzhaut (zu
wenig gekrümmt); Ausgleich durch Konvexlinse. Nicht zu verwechseln mit Presbyopie, s.o., der Unfähigkeit, in der Nähe scharfzustellen.
* Astigmatismus: Linien erscheinen in der Perspektive gebogen,
ev. Farbveränderungen am Rand; entsteht durch ungleichmäßige Hornhautkrümmung.
* Nystagmus:
| ° Physiologischer N.: unwillkürliche Mikro-Augenbewegungen, die dazu dienen, temporäres Erblinden durch Fehlen einer Reizvariation (Fixationsblindheit) zu verhindern (ähnlich dem Verlust der Tastempfindung, wenn die Hand einige Zeit z. B. ruhig im Wasser liegt). Bei Tieren (z. B. Fröschen) zT nicht vorhanden => Bewegung wird vor dem verschwundenen Hintergrund umso deutlicher wahrgenommen. | |
| ° Krankhafter N. (Bergarbeiternystagmus): entsteht v. a. durch Arbeit unter Tag; Da die Dämmerungssinneszellen (s. o.) an der Peripherie der Netzhaut liegen, muss immer leicht neben den wahrzunehmenden Gegenstand gesehen werden (wie auch in der Nacht sehr kleine Sternen verschwinden, wenn man direkt auf sie blickt). |
* Farbenblindheit: Tritt als totale (völlige Unfähigkeit, bunte Farben zu erkennen) oder partielle Farbenblindheit (meist Grün-, seltener Rot- oder Blaublindheit) auf. Vgl. Seite Farbsichtigkeit beim Menschen
- Farbsehen:
Vgl.
Farbseite der Univ. Oldenburg,
Farbenkunde,
Farbpsychologie
* Subjektives Eigengrau: "Farbe" beim Schließen der
Augen ohne direkten Lichteinfall
* Sieben Spektralfarben (Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo,
Violett): Farben, deren Mischung Weiß ergibt und die über den Hautsinn z. T. auch als
Wärme rezipierbar sind, lassen sich in einem Kreis darstellen, auf dem die
Komplementärfarben (= bunte Farben, deren Mischung eine unbunte Farbe, nämlich Weiß,
ergibt) gegenüberliegen. Im Gelb-Orange- Bereich kann der Mensch besser differenzieren
als im Blau-Violett-Bereich. Alle drei
* Dimensionen einer Farbe:
| ° Qualität (Frequenz) | |
| ° Helligkeit (Weiß- bzw. Schwarzanteil) | |
| ° Sättigung (Grauanteil) |
Diese drei Dimensionen und der subjektive Eindruck werden berücksichtigt im
* Podesta'sches Doppelkegelmodell, bei dem die Gelb etwas höher
als die Blau liegt, da es bei gleichem Weißanteil subjektiv heller erscheint. Prinzipiell
sind um den Basiskreis die Spektralfarben angeordnet. Der Weiß- bzw. Schwarzanteil nimmt
gegen die beiden Spitzen des Doppelkegels hin zu (= die Farben werden heller/dunkler). Der
Grauanteil nimmt gegen den Mittelpunkt / die Mittelachse hin zu: Die Farben sind am Rand
optimal satt, in der Mitte diffus.
Vgl. Wahrnehmungsorientierte
Farbmodelle

* Gegenfarbentheorie: Aus der Drei-Komponenten-Theorie
entstanden (ursprünglich von Hering; "trichromatisches Sehen": Zapfen für
rotes - 562 Nanometer -, grünes - 535 Nanometer - und blaues Licht 430 Nanometer.)
Orientiert sich am Zustandekommen eines Fernsehbildes: aus nur vier Gegenfarbenzellen
(rot/grün, blau/gelb) ergibt sich durch On-/Offschaltung (inhibitorische / exzitatorische
Weiterleitung) eine Mischung, die uns die unterschiedlichsten Farben erleben lässt.
* Farbmischung:
| ° subtraktiv (Malkastenmischung, technische Mischung der Farbspektren abzüglich des absorbierenden Pigments; blau + gelb = grün) | |
| ° additiv (optische Mischung, Lichtmischung; blau + gelb = weiß) |
Vgl. Darstellung in Welt der
Farben
Ex.: Farbkreisel => die Mischung aller Spektralfarben ergibt Weiß-Grau (vgl. Farbenblindheit!) ebenso die zweier Komplementärfarben. Zwei
Nicht-Komplementärfarben ergeben additiv die im Spektrum dazwischenliegende
Farbe. (Der verstellbare Farbkreisel wurde vom Schriftsteller Robert
Musil entwickelt.)
- Kontrastphänomene:
* Simultankontrast: Kontrast gleichzeitig dargebotener
Reize (z. B. subjektive Farbtäuschungen in gewissen Konstellationen, überdeutliches
Hervortreten der Kontraste einer Schwarz-Weiß-Konstellation); neuropsychologisch
erklärbar durch die Laterale Inhibition: Verbindungen zwischen
Sinneszellen und Schaltzellen wirken exzitatorisch (fördernd), wenn sie direkt,
inhibitorisch (hemmend), wenn sie seitlich weiterführen. (Daher stärkere Hemmung einer
schon von einem stärkeren Reiz gespeisten Sinneszelle in ihrer Wirkung auf eine seitlich
nebenliegende noch von einem schwächeren Reiz gespeisten Zelle.) Vgl.
Helligkeit ist relativ oder Seite
der Universität Tübingen, der auch die folgende Graphik entnommen ist:
|
Verstärkte Kontrastwahrnehmung durch Laterale Inhibition (Jedes der 7 Felder scheint rechts dunkler als links.)
|
* Sukzessivkontrast: Kontrast hintereinander dargebotener Reize, zB Negatives Nachbild:
| ° erscheint immer in der Komplementärfarbe | |
| ° ist proportional zur Darbietungsdauer | |
| ° ist auch bei geschlossenen Augen sichtbar | |
| ° wächst mit Projektionsfläche | |
| ° wandert mit den Augen mit | |
| ° lässt sich knapp nach seinem Verschwinden durch Lidschlag reaktivieren | |
| ° Erklärung (von Hering): Durch Dauerlicht erfolgt eine Dissimilation einer Sehsubstanz (Rhodopsin, Iodopsin), die durch nachfolgende Assimilation wieder rückgängig gemacht wird. |
Vgl. Ex zum
Negativen Nachbild
* Psychologische Wirkung: Schon lange ist die unterschiedliche
psychologische Wirkung von Farben auf den Menschen bekannt (z. B. beruhigendes Grün,
aggressives Rot etc.) Farben stehen außerdem oft für abstrakte Begriffe (z. B: Gelb für
die Eifersucht, Rot für die Liebe, Schwarz für den Tod, Violett für die Vorfreude,
Grün für die Hoffnung etc., etc.) Diese Zuschreibungen sind kulturabhängig (vgl. das in
Indien auf Totenfeiern getragene Weiß).
Vgl dazu das Lexikon
der Farbstoffe
- Optische Täuschung:
vgl. die im Internet kursierende PowerPoint Präsentation
"Optische Phänomene",
Optische Phänomene und Täuschungen, Optical Illusions,
Illusions
and Ambiguous Figures, "Optische
Täuschungen" (Gruppe 1-6), "Einige schöne
Täuschungen", "Optische
Täuschungen - Illusions", oder Interactive Guide to Optical Illusions,
die zahllose, oft animierte Beispiele bringen.
Manchmal erscheinen (allen Betrachtern) Wahrnehmungsinhalte subjektiv anders, als es der
objektiven Wirklichkeit entspricht (z: B. gleichgroße Kreise als verschieden groß, Farben
und Bewegung in schwarz-weißen, ruhigen Bildern o. ä.).
* Das Wissen um die Täuschung ist wirkungslos.
* Wahrnehmungsinhalte beeinflussen einander wechselseitig.
* Das Netzhautbild allein ist für die Wahrnehmung nicht
entscheidend.
* Reizkonfigurationen können unterschiedlich interpretiert
werden
|
z. B. bei de sog. Umsprungbildern:
Ein Bild kann auf zwei verschiedene Arten gesehen werden (z. B. ein Würfel Richtung rechts oben oder links unten, wenn alle 12 Kanten geometrisch gezeichnet sind, oder die nachfolgenden Abbildungen: entweder - hellblau - zwei einander anblickende Gesichter oder - dunkelblau - der untere Teil eines Pokals. S. auch viele auf demselben Prinzip beruhende Zeichnungen von M. Escher. |
![]() |
* Oft wird Dreidimensionalität in zweidimensionalen
Zeichnungen vorgetäuscht (z. B. bei manchen
Escher-Bildern
und
anderen "Unmöglichen
Figuren"), oft werden Erfahrungswerte oder erlernte Perspektiven
"missbraucht" (z. B. bei der Ponzo- oder "Schienentäuschung"
oder der
Ehrenstein'schen
T.), eine einheitliche Theorie zur Erklärung aller Täuschungen ist jedoch
unmöglich.
Die bekanntesten Täuschungen sind die Müller-Lyer'sche T., die Oppel'sche T. (unterteilte Strecken erscheinen länger als gleichlange, nicht unterteilte Strecken), die Ehrenstein-Orbinson'sche T., die Zöllner'sche T., die Poggendorf'sche T., die Sander'sche T., die HERING'sche T., die Ames'schen Perspektivtäuschungen (Fenster, Raum), das Hermann-Gitter (von Ludimar Hermann, s. a. hier) u. v. a. m
Ex.: Unter diesem Link lassen sich einige eindrucksvolle Täuschungen betrachten, z. B. sollen im folgenden Beispiel neun Personen erkannt werden:
Hier erzeugt
das Auge Farben, wo gar keine sind:

- Tiefensehen:
Der dreidimensionale Seheindruck (räumliches Sehen, Tiefensehen) entsteht durch
* Akkomodation (s. o.)
* Konvergenz: Sehachsen treffen einander im scharfgestellten
Punkt; sie sind umso paralleler, je weiter dieser entfernt ist. (Konvergenzfehler:
Strabismus = "Silberblick")
* Secundary cues (erlernte Distanzhinweise):
Oberflächenbeschaffenheit, dunstige Atmosphäre, Perspektiven, Beleuchtung, bekannte
Daten etc.
* Querdisparation: innerhalb gewisser Netzhautareale (der
Panum'schen Empfindungskreise) wird eine sukzessive Reizung nicht als Bewegung, sondern
als Tiefeneindruck wahrgenommen. Ex.: Durch Druck auf den
Augapfel entfernen sich die Areale zu weit voneinander => Doppelbilder entstehen
* Ex. "Umkehrbrille" von
T. Erismann: das Leben mit einer rechts / links bzw. oben / unten vertauschenden Prismenbrille
ist nach einigen Wochen problemlos möglich. Die Rückumstellung erfolgt schneller. =>
die Raumvorstellung des Menschen ist nicht unabänderlich, ein Umlernen ist möglich.
* Ex. "Visuelle Klippe":
überdeckt man einen Abgrund mit einer Glasplatte, weigert sich ein Kleinkind, auch wenn
es das Glas fühlen kann, die "Visuelle
Klippe" zu überkrabbeln (funktioniert auch bei Tieren). => räumliches Sehen
schon im ersten Lebensjahr nachgewiesen.
Zur dreidimensionalen Wirkung mancher Muster vgl. 3D-Bilder - Stereogramme und Beispiele zum Betrachten: Stereogram Examples
- Bewegungssehen:
* Sukzessive Reizung: Werden Rezeptoren rasch
hintereinander gereizt, erlebt man dies als Bewegung. (Einzelbilder müssen den sog.
Moment unterbieten, s. u.)
* Zwei Möglichkeiten: Bewegung des Kopfes / Bewegung des
Objektes. Durch die Konstanzleistungen (Gleichartiges wird auch unter verschiedenen
Bedingungen, die aufgrund der Erfahrung miteinberechnet werden, als gleichartig erlebt, zB
Ex.: Farbe [das Weiß der Seiten eines Buches wäre in der
Dämmerung objektiv dunkler als das Schwarz der Buchstaben im Sonnenlicht], Größe,
Kontrast, Form etc.) lässt sich dies jedoch auseinanderhalten. (Außerdem: Erfahrung,
Rückmeldung über die Kopf- oder Augenbewegung - das Gehirn greift dauernd in unsere
Wahrnehmung ein, vgl. verkehrtes Netzhautbild, Blinder Fleck, etc.)
Fällt der Bezugsrahmen weg, kommt es zu Bewegungstäuschungen
(Exe.: Zwei-Züge- Täuschung, MACH'sche
"Hexenschaukel" auf Jahrmärkten, vorgetäuschte Bewegung auch beim
Phi-Phänomen (beschrieben von Wertheimer): zB "springende" Lichtpunkte auf
Reklametafeln), wie auch sonst die Konstanzleistungen verlorengehen. (Dazu vgl. z. B.
Ex. von Kirschmann: Hinter einer nur einen kleinen Ausschnitt
freigebenden Abdeckung wird ein ursprünglich z. B. weißer Gegenstand rot beleuchtet =>
er erscheint durch das Fenster rot, bei Entfernung der Abdeckung aufgrund der Kontrast-
und Farbkonstanz jedoch wieder weiß, obwohl objektiv derselbe Seheindruck vorliegt.)
Bewegungstäuschungen können auch durch eine "Überforderung" der Netzhaut bedingt
sein. Vgl. folgende im Wiener Haus der
Mathematik photographierte Scheinbewegung:
AKUSTISCHE WAHRNEHMUNG, RAUMLAGESINN - DAS OHR
Vgl. Die Spuren der Töne, Hearing (Audition), Akustische Phonetik (Universität München) und Eigenschaften des menschlichen Gehörs (Universität Dresden) bzw. Hörzentrum Oldenburg mit Links "Wollen Sie mehr von uns hören?" oder Alles über das Hören (mit einem Online-Hörtest)
- Aufbau des Ohres:
Vgl. Das
Ohr
* Zwei Ohren: Stereoeffekt, Richtungshören (vgl. Ex.: Festlegen der Windrichtung durch Drehung des Kopfes und
Beobachtung des Höreindruckes). Phylogenetisch aus Druckrezeptoren entstanden.
* Außenohr (Ohrmuschel): dient dem besseren Einfangen der
Schallwellen
* Mittelohr: Trommelfell verstärkt die Schallwellen;
Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) leiten die Wellen durch Vibration ins
* Innenohr: In der Schnecke befinden sich eine Flüssigkeit,
Sinneshärchen und die Basilarmembran, deren jeweilige Konfiguration den Höreindruck
kodiert. Über die (gekreuzte) Hörbahn gelangt der Eindruck ins Gehirn.
| (Abbildung
http://www.interton.de/ohr.html)
Aufbau des menschlichen Ohres: |
- Daten:
* Hörbereich des Menschen: höchstens 16 - 20000 Hz
(darüber hinaus als Schmerz wahrnehmbar), bereits ab dem 15. Lj. Einbußen (60 J.: 5000 -
8000 Hz, Delphin: 150 bis 150000 Hz.; Hund: 15 bis 50000 Hz; Katze: 50 bis 65000 Hz;)
Laut/leise hängt v.d. Amplitude ab; Maßzahl Dezibel (obj.) od. Phon (subj.); vgl.
Online-Hörtest
* Gesang: 100 bis 10000 Hz (Bass bis Sopran), Sprechbereich 150
bis 8000 Hz
* Anzahl der unterscheidbaren Töne: ca. 2000, Geschulte (z. B.
Musiker) schaffen mehr
- Tonmischung:
* Weißes Rauschen: Zufallsmischung
aller Frequenzen (Begriff analog zur Farbmischung; Bspl.: TV-Gerät ohne
Sendereinstellung)
* Eindruck: als angenehm werden ganzzahlige Mischungen
(akustische Harmonien) z. B. Oktave: 1:2; Quint: 3:2; Quart: 3:4; Septime 8:15 etc.
empfunden.
Schallereignisse haben je nach ihren Obertönen und anderen Variablen unterschiedliche
Ausdruckswirkungen, die von Herkner nach den Dimensionen Lust - Unlust, Ernst - Heiterkeit
und Ruhe - Aktivierung systematisiert wurden. Die Lautsymbolik untersucht das folgende Ex: 90% der Vpn ordneten die Lautfolge "takete" eher
spitzen, die Lautfolge "rasuma" eher runden Körpern zu (Signifikanz erst ab der
Pubertät).
* Obertöne: mitschwingende ganzzahlige Vielfache der (tieferen)
Grundtöne. Die meisten Schallquellen produzieren keinen einheitlichen, sondern einen
zusammengesetzten Ton. Konstante Oberschwingungen, die den Charakter eines
Schallereignisses prägen, heißen Formanten. Der Glockenschlag besteht nur aus Obertönen
(Residuumphänomen).
- Hydrodynamische Hörtheorie (Wanderwellen-,
Dispersionstheorie):
Entwickelt von Georg von
Békésy (ungarischer Nobelpreisträger 1961) und
Ranke. Die Schallwellen werden in Abhängigkeit von ihrer Wellenlänge zerlegt
(Dispersion). Elastizität und Massendichte der Basilarmembran bestimmen den Ort der
Maximalamplitude hoher bzw. tiefer Töne.
- Das Ohr als Gleichgewichtsorgan:
* Physiologie: Im Innenohr befinden sich drei
Bogengänge, die (den dreidimensionalen Raum kopierend) aufeinander normal stehen und mit
gallertartiger Flüssigkeit (Endolymphe), die an Sinneshärchen streift, gefüllt ist.
Durch die Bewegungen des Kopfes gerät die Flüssigkeit in Bewegung und kommt nach dem
Trägheitsgesetz erst einige Zeit nach seinem Stillstand zur Ruhe => Schwindelgefühl
* Der Sinn für Lage des Kopfes im Raum befindet sich ebenfalls
im Innenohr (zwei winzige Kalkkristalle in Utriculus und Sacculus [zwei säckchenartige
Gebilde im Innenohr] reizen Sinneshärchen, wenn der Kopf bewegt wird).
OLFAKTORISCHE WAHRNEHMUNG - DIE NASE
Vgl. Smell (Olfaction)
- stereochemische Geruchstheorie von Amoore:
In der Nasenschleimhaut befinden sich Riechzellen, die es ermöglichen, wasserlösliche,
gasförmige Stoffe olfaktorisch wahrzunehmen. Die aufsteigenden Moleküle passen wie ein
Schlüssel ins Schloss und bewirken einen Geruchseindruck, der ipsilateral ins Gehirn
weitergeleitet wird.
Ex.: 1 Millionstel Milligramm Vanille pro 1 Liter Luft
genügt, um einen Riecheindruck hervorzurufen. Wir nehmen nur wenige Einzelgerüche wahr:
* stechend, beißend (Essig, Ameisensäure)
* faulig (verdorbene Eier, H2S)
* ätherisch (Fleckputzmittel)
* kampferartig (Mottenmittel)
* moschusartig (Engelswurz)
* minzig (Pfefferminze)
* blumig (Rosen)
(Andere Gerüche sind Mischungen.)
- Chemische Elemente:
Nur sieben der Chemischen Elemente besitzen einen Geruch: Fluor, Chlor, Brom, Jod,
Phosphor, Arsen und Sauerstoff (als Ozon).
GUSTATORISCHE (GESCHMACKS)WAHRNEHMUNG - DIE ZUNGE
Vgl. Taste (Gustation)
- Funktionsweise:
Die Rezeptoren auf der Zunge heißen Geschmackspapillen (etwa 2000, sie tragen 5
bis 150 Geschmacksknospen). Sie lassen vier Geschmacksrichtungen zu:
- Geschmacksrichtungen:
* süß
* salzig
* sauer
* bitter
(Entspricht der Reihenfolge auf der Zunge von vorne nach hinten. Die Zungenmitte ist
geschmacksunempfindlich. Ex.: Zungenspitze ins Salzfass
hängen bzw. Schokolade im Rachenraum lutschen => kein Eindruck)
HAPTISCHE WAHRNEHMUNG - DIE HAUTSINNE
- Allgemeines:
Die Haut ist das größtes Sinnesorgan. Sie hat vielfältige Funktionen:
Atmung, Schutz, taktiler Sinn, Temperaturregelung usw.; sie enthält für folgende
Empfindungen
- Rezeptoren:
* Tastsinn
* Druck (rasche Adaptation, etwa an den Druck der Kleidung. Ex.: Gespreizte Zirkelspitzen auf die Haut setzen => der für
zwei getrennte Empfindungen notwendige Abstand beträgt zwischen 1 mm [Zunge] und 68 mm
[Rücken])
* Kälte (die Kältepunkte liegen der Hautoberfläche näher als
die Wärmepunkte. Ex.: zunächst Gänsehaut (atavistisch), zB
beim Besteigen einer heißen Badewanne, "paradoxe Kälteempfindung")
* Wärme (Ex. zur Relativität der
Empfindungen: 20 sec rechte Hand in heißes, linke in kaltes Wasser halten; dann beide in
lauwarmes => umgekehrtes Wärmeempfinden
* Schmerz: freie Enden der Nervenbahnen; Ex.:
Phantomschmerz: amputierter Teil schmerzt, wenn ehemals dafür zuständige Nerven, deren
Enden nicht mehr vorhanden sind, gereizt werden
DIE ZEITWAHRNEHMUNG
Vgl. Psychologie der Zeit
- Steuerung:
nicht bei allen Lebewesen gleich. Ex.: Ameisen z. B. haben eine
durch Chinin (Futterbeigabe) beeinflussbare stoffwechselgesteuerte "innere Uhr".
Beim Menschen zusätzlich (ausschließlich?) Gehirnsteuerung. Beweise:
* exaktes Aufwachen zu bestimmter Uhrzeit (oft) möglich
* relativ exakte Zeitangabe, ohne auf eine Uhr zu sehen,
möglich (auch nach zufälligem Aufwachen!)
* abstrakte Zeitangaben bei posthypnotischen Aufträgen werden
richtig geschätzt
- Psychische Präsenzzeit (nach Stern):
ist jene Zeitspanne, in der das Vergangene eben noch bewusst ist, ohne dass eine
Gedächtnisleistung in Anspruch genommen werden müsste. Ex.:
jede Sekunde eine Zahl bieten; plötzlich unvermutet abbrechen (um Lernen zu verhindern)
=> die Anzahl der richtigen Zahlen, von hinten nach vorne aufgeschrieben, ergibt die
Dauer der Präsenzzeit (meist 6 bis 12 sec).
- Bunkerschlafexperiment:
Ex.: In totaler Abgeschiedenheit (keine Uhr, kein Sonnenlicht
oder andere Tageszeithinweise) entwickelt der Mensch einen 25-Stunden-Rhythmus.
Unbewiesene Theorie: Zusammenhang mit der im Laufe der Jahrtausende veränderten
(allerdings verlangsamten!) Geschwindigkeit der Erdrotation. Der
Zirkadiane Rhythmus
(die Schwankungen innerhalb des Tages, die "innere Uhr") ist angeboren und bestimmt das Leistungsverhalten.
(Vgl. Chronobiologie,
ein Biotiming
Tutorial, The
Circadian Rythm Lab, What makes you tick?
und Seiten über Lichttherapie
und Chronotherapy).
Normalerweise wird er durch den Lichteinfall, der auf den Nucleus
suprachiasmaticus und die Zirbeldrüse (das ehemalige Scheitelauge)
weitergeleitet wird, gesteuert. Dadurch wird auch über die Veränderungen des
Serotonin- und Melatoninhaushalts der Hormonspiegel und damit die Stimmung
beeinflusst.
- Moment (Nu, Augenblick):
Zeitdauer, die vergehen muss, damit zwei Reize als getrennt wahrgenommen
werden. Der optische Moment des Menschen liegt bei 1/18 sec. (Vgl.: zB bei der Fliege
kürzer, bei der Schnecke länger.) Ex.: Ein Film muss daher
mindestens 18 Bilder pro Sekunde bieten (meist 24, im TV 25; Zeitraffer: weniger Aufnahmen,
Zeitlupe: mehr Aufnahmen pro Zeiteinheit werden hergestellt und mit jeweils 24 Bildern /
sec abgespielt.)
- Beeinflussung des Zeitempfindens:
* Sinnvolle Beschäftigung lässt die Zeit subjektiv schneller
vergehen als langweilige Tätigkeiten. Ex.: Lustbetonte Dias
scheinen subjektiv kürzer projeziert worden zu sein als unlustbetonte.
* Im Alter scheint die Zeit rascher als in der Jugend zu
vergehen. (Ex.: Vpn sollen sich melden, wenn sie glauben, 8
min seien verstrichen => Greise melden sich nach 3 - 5 min, Jugendliche nach bis zu
10,5 min.)
Erklärung: Ein Jahr ist für einen Zehnjährigen noch ein Zehntel, für einen
Siebzigjährigen nur mehr ein Siebzigstel seiner bisherigen Lebenszeit. Andere Theorie:
Die Zeitwahrnehmung hängt bewiesenermaßen mit der Körpertemperatur zusammen, und die
sinkt mit dem Alter.
* Beeinflussung durch Drogen, die auf das ZNS od. den
Stoffwechsel wirken (v. a. Alkohol, Sedativa): Umweltvorgänge scheinen schneller
abzulaufen.
- Gestalt:
Vgl. Prinzipien
der Gestaltwahrnehmung
Die Gestaltpsychologie wurde 1890 vom österreichischen Psychologen Christian
von Ehrenfels begründet. Vgl. auch Gestalttherapie im Teil 4.) Eine
Gestalt
* ist ein vom Hintergrund abgehobener Wahrnehmungsinhalt
* dessen Einzelteile als zusammengehörig empfunden werden
* und der transponierbar ist.
* Eine Gestalt ist mehr als die Summe der Einzelteile
Die Abstraktionsleistung der Gestalterkennung bewältigt der Ratiomorphe Apparat
(eine der Vernunft vorgeschaltete Instanz, die eintreffende Reize in einem Algorithmus
unbewusst verrechnet; Ausdruck von Karl
Bühlers Assistent Egon
Brunswick). Diese vorrationale
Erkenntnisleistung erscheint oft als Intuition.
- Kohärenzfaktoren:
Als Kohärenzfaktoren der Gestalt bezeichnet man Kriterien, nach denen Einzelteile
im Gehirn zu einer Gestalt zusammengefügt werden (nach Müller 1923)
* Nähe
* Gleichheit, Ähnlichkeit
* Symmetrie
* Geschlossenheit
* Kontur, Kontinuität
WOVON HÄNGT AB, WAS WIR WAHRNEHMEN?
- Angeborene oder erworbene Voraussetzungen:
* angeborene Anschauungsformen (wir können
epistemologisch nur so "funktionieren", wie unser Gehirn das zulässt)
* Intaktheit bzw. Vorhandensein der Sinnesorgane (für
Raum, Zeit z. B: vorhanden, für Magnetismus nicht; z: T. trainierbar)
* psychische Voraussetzungen (vgl. etwa Trugwahrnehmungen)
* von der Bereitschaft wahrzunehmen (vgl.
Apperzeptionsverweigerer)
- Einstellung und Aufmerksamkeit:
* wenn ein wichtiges Ereignis die Aufmerksamkeit völlig
in Beschlag nimmt, kann ein anderes nicht wahrgenommen werden (z. B. Autounfall im Zentrum,
stürzendes Kind an der Peripherie des Gesichtsfeldes)
* Party-Effekt: Ex.: willkürliches
Lenken der Aufmerksamkeit auf eine von mehreren Gesprächsgruppen (in eine andere
umzuschalten ist möglich)
* (Vor)einstellungen lassen die Wahrnehmung ungenau werden. Ex.: Die ukrainische Grenze erscheint den meisten Wienern viel weiter
als Bregenz entfernt, da ihnen eine österreichische Stadt innerlich näher liegt (social perception). Vgl. auch Ex.:
eine wertvolle Münze und mehrere Pappscheiben mit verschiedenen Durchmessern werden
hintereinander abgetastet. Soll die gleichgroße Pappscheibe bestimmt werden, wird
meist auf eine
größere getippt (Münzen sind wertvoller als Pappe und werden daher in ihrer Größe
überschätzt. Die Psychophysik, s. o., untersucht die
wechselseitige Abhängigkeit von realer Umwelt und dem Erleben.)
- vom Bezugsrahmen:
* Ob etwas groß / klein, warm / kalt, bewegt / unbewegt etc. erscheint, hängt vom
Bezugsrahmen ab. Fällt dieser weg oder ändert er sich, ist eine geordnete Wahrnehmung nicht
mehr möglich (Beispiel dazu s. z. B. o.)
oder derselbe Wahrnehmungsinhalt erscheint plötzlich anders. (Vgl. "Context"
oder folgende Darstellung:)
* Wir nehmen nur wahr, was sich verändert (vgl. Druck der Kleidung auf der Haut, Mühlrad, das immer klappert, Fixationsblindheit s. o. etc.)
|
Graphik: Der objektiv identische Farbton der Buchstaben erscheint je nach Hintergrundfarbe unterschiedlich. |
ABC |
ABC |
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