Spielbesprechung von Györög Kurt
Meine Schafe, Deine Schafe
05.11.2002

von Philippe des Palliéres
Goldsieber
für 2 - 4 Spieler
ab 7 Jahren

"Nur keine Angst vorm bösen Wolf! Der Jäger wird's schon richten. Wer gewinnen will muss seine Schafe ins Trockene bringen. Es bleibt spannend bis zum Schluss, wer wohl die meisten Schafe zählen kann."

... ein Schaf, zwei Schafe, drei Schafe, viele Schafe - hoffentlich !!!

Spielmaterial:
77 Plättchen (1 Start-, 4 "?"-, 4 Markierungs- und 68 "Schafe"-Plättchen), 1 Beutel und 1 Spielanleitung.

Spielziel:
Einen geschlossenen Pferch mit möglichst vielen Schafen bauen.

Spielablauf:
Das Startplättchen (Dorfplatz mit Brunnen) kommt in die Tischmitte.
Die 4 "?"-Plättchen werden gemischt und verdeckt an die Spieler aufgeteilt.
Nicht benötigte Plättchen werden unbesehen beiseite gelegt. Das "?"-Plättchen gibt dem Spieler die Farbe seiner Schafe in diesem Spiel an.
Die 4 Markierungsplättchen - für jeden Spieler eines - werden bereit gelegt. Die 68 Plättchen kommen in den Beutel, und jeder Spieler zieht sich verdeckt 4 Plättchen, die er auf die Hand nimmt.

Ein Spielzug läuft wie folgt ab:
  • 1 Plättchen anlegen und
  • Plättchen nachziehen.

Plättchen anlegen:
Dabei ist folgendes zu beachten:
  • Plättchen müssen an bereits gelegte Plättchen - Kante an Kante - angelegt werden.
  • Plättchen müssen passend angelegt werden: Dorf an Dorf, Wald an Wald, Schafe an gleichfarbige Schafe.
  • Wenn möglich, MUSS 1 Plättchen gelegt werden, ansonsten wird man übersprungen.

Plättchen nachziehen:
Für jedes Plättchen, an das das neue Plättchen passend Kante an Kante angelegt wird, darf man 1 Plättchen nachziehen. Kann ein Spieler nicht anlegen, darf er auch nicht nachziehen.

Der Spielzug des aktiven Spielers darf jederzeit von einem anderen Mitspieler durch eine Sonderaktion unterbrochen werden. Dazu gehören:

Wölfe und/oder Jäger legen: Es dürfen beliebig viele Wölfe oder Jäger gelegt werden. Auch auf verschiedene Wälder aufgeteilt.
  • Wird in einen Wald ein Jäger gelegt, so wird dieser Wald ab sofort bewacht, und es darf kein Wolf mehr in diesen Wald gelegt werden.
  • Ein Wald kann wie ein Zaun zum Begrenzen einer Schafherde verwendet werden. Treibt jedoch ein Wolf in Wald sein Unwesen, so wird diese Herde für ungültig erklärt - und wird nicht gezählt. Ein Wolf kann aber wiederum mit einem Jäger wieder aus dem Wald vertrieben werden. Dazu wird das Jägerplättchen auf das Wolfsplättchen gelegt.

Farbe bekennen: Der Spieler deckt sein "?"-Plättchen auf, und gibt so seine Farbe bekannt.
Er darf nun dieses Plättchen verwenden und anlegen. Als Bonus der Spieler sofort noch ein Plättchen spielen und anlegen. Zuletzt nimmt er sich noch das Markierungsplättchen seiner Farbe und legt es vor sich auf den Tisch.

Aussteigen: Wenn man meint keine Verbesserung mehr erreichen zu können, so "steigt man vom Spiel" aus. Ab sofort darf dieser Spieler keine Plättchen mehr legen, Plättchen nachziehen oder Sonderaktionen durchführen. Für das Aussteigen gibt es bei der Wertung Bonuspunkte.

Spielende:
Das Spiel endet, wenn auch der letzte Spieler sein letztes Plättchen gelegt hat oder "ausgestiegen" ist.
Nun kommt es zur Wertung:

Der erste Spieler der "ausgestiegen" ist, oder sein letztes Plättchen gelegt hat, erhält 6 Bonuspunkte. Der zweite 3 und der dritte 1 Bonuspunkt. Bei weniger als 4 Spielern erhält der letzte Spieler keine Bonuspunkte.
Zu den Bonuspunkte wird noch die Anzahl der Schafe im größten, geschlossenen und gültigen (siehe Wolf) Pferch gezählt. Der Spieler mit den meisten Punkten hat gewonnen.
Bei Gleichstand zählt der nächstkleinere Pferch.

2 Varianten werden gleich mitgeliefert:
Zwei Herden
Bei zwei Spielern übernimmt jeder Spieler zwei Farben. Am Ende zählt man die Schafe vom größten, gültigen Pferch jeder Farbe zusammen - es gibt keine Bonuspunkte für's "Aussteigen".

Määhr, määhr!
Das Spiel endet, wenn nur mehr ein Spieler übrig ist. Man zählt die Schafe vom größten, gültigen Pferch und multipliziert dies mit der Anzahl geschlossener, gültiger Pferche - es gibt keine Bonuspunkte für's "Aussteigen".

Fazit:
Meine Schafe, Deine Schafe ist ein taktisches Legespiel für die ganze Familie. Es ist ein Spiel, das in seiner Art an "Carcassonne" erinnert und vom Legen auch sehr ähnlich ist, sich aber im Ablauf komplett anders ist und sich auch ganz anders spielt.

Das Spiel besteht aus kompakten Kartonplättchen, die beidseitig bedruckt sind. Die Grafik ist traumhaft gelungen und mit vielen Feinheiten versehen. Man sollte sich ruhig mal die Zeit nehmen, und die einzelnen Schafe betrachten. Man hat sich Mühe gegeben - bis ins Detail, es zahlt sich aus ...
Wobei ich - für meinen Teil - sagen muss, das mich die Tiere eher an lustige "Ostereier" als an Schafe erinnern. Aber das ist ja egal und tut dem Spielspaß keinen Abbruch.

Störend ist da dann aber schon, das das mitgelieferte Leinensäckchen etwas klein ausgefallen ist. Die Plättchen haben nur mit Müh und Not Platz, und das Ganze ist dann nicht sehr gut zum "Nachziehen" geeignet. Wir haben uns beholfen, indem wir die Plättchen aus der Spielschachtel nachziehen, die mit einem Tuch abgedeckt wird.
Auch sollte man mit den Plättchen etwas vorsichtig umgehen, da sie sonst - durch den Schweiß der Hände, aber auch durch das Mischen an den Kanten leicht "fransig" werden.

Und dann hat man auch noch, wenn man mehrere Plättchen auf der Hand, das Problem diese unterzubringen und trotzdem noch die Übersicht zu bewahren. Hier haben wird uns meist - aber vor allem beim Spiel mit Kindern - darauf geeinigt, "halboffen" zu spielen - d.h. die Plättchen werden vor den Spielern auf den Tisch gelegt.

Die Spielanleitung ist übersichtlich und leicht verständlich gestaltet, Fragen bleiben keine offen. Der Spielablauf ist einfach, und kann leicht Neulingen oder Kindern weitergegeben werden.
Auch wenn die Grafik, und das ganze Spiel als solches eher auf ein Kinderspiel schließen lässt, so glaube ich doch, das Kinder mit 7 Jahren mit der Taktik bzw. mit den Möglichkeiten des Spieles überfordert sein dürften.
Hier würde ich das Alter eher mit 9 oder 10 Jahren ansetzen.
Dann kann man sicher leichter abschätzen, ob es nun besser ist 4 Schafe einer Farbe einzusetzen, oder den "Jäger" bzw. "Wolf" von der Rückseite zu verwenden. Auch die Möglichkeiten, die sich durch Sonderaktionen ergeben, werden dann - meiner Meinung nach - besser durchschaut.
Mit 7-jährigen kann man sicher mal ein nettes Spiel machen, aber ein "richtiges Spiel" wird sich da wahrscheinlich nicht ergeben. Es eignet sich dann eher als Spiel für zwischendurch, und die Konzentration und die Beobachtungsgabe zu schärfen.

Sehr gut gefallen hat mir, das hier der Glücksanteil zwar gegeben ist, aber ziemlich klein gehalten wurde.
Mit (mindestens) 4 Karten auf der Hand, habe ich immerhin (mindesten) 8 Möglichkeiten zur Auswahl und zu beachten ...

Die angegebene Spieldauer von ca. 30 Minuten wird man in den ersten Spielen zwar nicht einhalten können, da mein einfach viel dem Schauen und Probieren zu tun hat. Es ist nicht so einfach immer den passenden Teil für eine "Lücke" zu finden.

Meine Schafe, Deine Schafe ist ein interessantes, einfaches Legespiel, mit einigen Möglichkeiten die für Überraschungen gut sind, und das in seiner Art und Weise für mich neu war bzw. ist, und wie ich glaube in keiner Sammlung von Liebhabern dieses Genres fehlen sollte ...

Vielen Dank an GOLDSIEBER für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars

"Meine Schafe, Deine Schafe" bei spielenet.de